05 Februar 2019

5. Feb, 2019


Jahr für Jahr dreht die NBA mehr oder weniger kräftig am Rad – wenn nämlich die Trading Deadline immer näher rückt und alle Teams zum letzten Mal vor Ladenschluss ihre Kader verstärken (dürfen). In dieser Saison fällt der Stichtag bereits auf den 7. Februar. Auf dem Weg dorthin wirft die #NBACHEF Redaktion wie immer einen genaueren Blick auf die wichtigsten Spieler und Trade-Chips. Heute: Anthony Davis.

von JAN HUSMANN @janonone | 5. Feb, 2019


Bei den New Orleans Pelicans herrscht Untergangsstimmung. Was für viele Monate unter der Oberfläche brodelte, ist nun Gewissheit: Anthony Davis wird nicht verlängern und forderte am 28. Januar öffentlich einen Trade. Die dafür fällige 50 000 $ hohe Geldstrafe von der Liga nehmen Davis und sein Agent widerspruchslos in Kauf. Das Timing, keine zwei Wochen vor Ablauf des Transferfensters, lässt darauf schließen, dass AD die Pelikane lieber heute als morgen verlassen würde.

Doch wie ist das Team aus New Orleans in diese Situation geraten? Warum ist es nicht möglich, einen Superstar zu halten? Ist es das Schicksal eines kleinen Marktes oder sind Verfehlungen des Managements der wahre Grund für das Zerwürfnis? Wie so oft ist es ein Zusammenspiel vieler Faktoren, das sie in diese Situation gebracht hat.

Mit Sicherheit ist der kleine Markt in New Orleans ein Grund für die Probleme am Mississippi-Delta, aber alles darauf zu schieben wäre vonseiten der Verantwortlichen schwach. Denn statt eine zukunftsorientierte Strategie für langfristigen Erfolg aufzubauen, wurden kurzsichtige Entscheidungen für den schnellen Erfolg getroffen. Allesamt mit dem Ziel, Anthony Davis zufriedenzustellen, nicht wahrnehmend, dass es das genaue Gegenteil bewirkt hat.

Kurzsichtige Entscheidungen und Pech

Ein weiterer treibender Faktor ist Pech. Im letzten Jahr, als es gerade den Anschein machte, DeMarcus Cousins sei in New Orleans angekommen, verletzte sich „Boogie“ schwer und spielte nie wieder für die Pelicans. Und auch die Verletzungshistorie von Davis selbst ist nicht ohne. In seinen ersten vier Jahren in der NBA verpasste Davis 18, 15, 14 und 21 Spiele und auch dieses Jahr fehlte er bereits in zwölf Partien.


Im vergangenen April, als die Pelicans die Portland Trail Blazers in vier Spielen aus den Playoffs fegten, schien es für das Team von Coach Alvin Gentry in die richtige Richtung zu gehen. Doch nach einer enttäuschenden ersten Saisonhälfte und momentan Platz 13 in der Western Conference bei 23-31 Siegen ist das Band zwischen Davis und seinem Team endgültig gerissen.

Nun steht die Organisation in Person von General Manager Dell Demps unter Zugzwang. Dabei gibt es zwei grundsätzliche Wege, die die Pelicans verfolgen können, vorausgesetzt, sie traden Davis vor Ablauf seines Vertrags im Juli 2020. Option eins ist dabei ein sofortiger Trade vor der Deadline am Donnerstag. Option zwei ist bis zum Sommer zu warten, um dann potentiell bessere Deals zu bekommen.

Trade jetzt oder im Sommer

Option zwei ist in diesem Fall nur sinnvoll, da die Boston Celtics, die großes Interesse an Anthony Davis haben, aufgrund komplizierter Gehaltsstrukturen erst im Sommer für den Big Man traden können. Mit Jayson Tatum, Jaylen Brown, Gordon Hayward und einer Reihe ansprechender Draft-Picks könnten die Celtics das wahrscheinlich beste Angebot für den sechsfachen All-Star schnüren.

Allerdings tat Davis' Vater bereits kund, dass er seinen Sohn nicht in Boston sehen möchte, zudem ist Kyrie Irvings Verbleib in Massachusetts ebenfalls nicht mehr so in Stein gemeißelt, was die Celtics in eine schlechtere Situation bringt als vor wenigen Monaten noch angenommen. Das öffnet die Möglichkeit, dass die Pelicans doch Option eins bevorzugen.

Insbesondere ein Team steht im Mittelpunkt in den Gesprächen kurz vor Ende des Transferfensters: die Los Angeles Lakers. Berichten zufolge ist das Team aus Südkalifornien das favorisierte Ziel von Davis und nach anfänglichen Kommunikationsschwierigkeiten sind beide Parteien wohl nun in Gesprächen miteinander verwickelt.


Es soll auch schon konkrete Angebote gegeben haben. Dabei sind die Berichte jedoch zum Teil widersprüchlich. Zuerst hieß es, dass Magic Johnson mehrere Angebote für Davis vorlegte, wobei eines Brandon Ingram, Lonzo Ball, Kyle Kuzma und Ivica Zubac sowie einen Erstrunden-Pick enthalten haben soll. Abgesehen davon, dass der Trade rein finanziell nicht funktioniert, scheint der Bericht zumindest zweifelhaft zu sein, da wenige Tage später Adrian Wojnarowski von ESPN berichtete, dass ein erstes Angebot Lonzo Ball, Kyle Kuzma, Rajon Rondo, Michael Beasley und einen Erstrunden-Pick umfassen solle.

Bis Donnerstag sollen die Gespräche weitergeführt werden. Es wird erwartet, dass Demps noch mehr Erstrunden-Picks fordert. Die Pelicans könnten ebenfalls Interesse an einer schnellen Lösung haben, da der gesamte Zirkus um ihren All-NBA-Star ein ruhiges Arbeiten de facto unmöglich macht. Dabei sollte nicht vergessen werden, dass die Lakers zwar Davis' favorisiertes Ziel sind, New Orleans aber in keiner Weise dazu verpflichtet ist, seinen Wünschen zu folgen. Somit ist ein anderer Trade-Partner zwar unwahrscheinlich, aber dennoch möglich.

Boston, New York, L.A. oder Philly?

Neben der Möglichkeit, AD nach Boston zu schicken, sollen auch die Philadelphia 76ers und New York Knicks Kandidaten für den 25-Jährigen sein. Die 76ers könnten ein Paket rund um Ben Simmons anbieten. Der junge Australier ist eines der größten Talente der Liga, es ist jedoch unwahrscheilich, dass er jemals die Qualität eines Anthony Davis erreicht. Gepaart mit dem auslaufenden Vertrag von Jimmy Butler könnte das Team von Brett Brown auf der Suche nach einem derartigen All-In-Mannöver sein.


Die Knicks hingegen sind in einer anderen Situation. Nach dem Trade von Kristaps Porzingis gen Dallas bringen sich die New Yorker in Stellung für den Top-Pick im kommenden Draft. Sollten die Knicks tatsächlich den Nummer-1-Pick und damit die Rechte an Zion Williamson erhalten, könnten sie diesen als zentrale Säule für einen Anthony Davis-Trade im Sommer nutzen. Aufgrund der geänderten Lotterie-Quoten, nach der nun die drei schlechtesten Teams der Association gleich große Chancen auf den ersten Pick haben, ist diese Überlegung jedoch mit Vorsicht zu genießen.

Ob es nun Boston, Los Angeles, Philadelphia oder New York wird, eines steht fest: Die großen Märkte bestimmen die NBA. Teams aus Portland, Oklahoma City, Denver und Milwaukee können sich nur mit hervorragender Kaderplanung und glücklichem Händchen im Draft etablieren. Für die Pelicans waren es nur wenige Fehltritte, die reichten, um ihren Superstar zu verlieren. Jetzt gilt es, ein bestmögliches Tradepaket zu finden, da das Team sonst schnell in Bedeutungslosigkeit fallen oder sogar komplett aus Louisiana verschwinden könnte.