05 Februar 2019

5. Feb, 2019


Jahr für Jahr dreht die NBA mehr oder weniger kräftig am Rad – wenn nämlich die Trading Deadline immer näher rückt und alle Teams zum letzten Mal vor Ladenschluss ihre Kader verstärken (dürfen). In dieser Saison fällt der Stichtag bereits auf den 7. Februar. Auf dem Weg dorthin wirft die #NBACHEF Redaktion wie immer einen genaueren Blick auf die wichtigsten Spieler und Trade-Chips. Heute: Jrue Holiday.

von JONAS RÖHRIG @jonasRo19 | 5. Feb, 2019


Die Trade-Forderung von Anthony Davis ist mittlerweile eine knappe Woche alt und während sich seitdem die Meldungen aus Los Angeles und Boston überschlagen, liest man wenig darüber, wie diese Situation die restlichen New Orleans Pelicans beeinflusst. Die Pels müssen neu aufbauen und sollten versuchen, diesen Rebuild schon jetzt einzuleiten, unabhängig davon, ob Davis noch vor der Deadline das Team verlässt. Dabei ist besonders Jrue Holiday als einer der meist unterschätzten Point Guards der Liga als wichtiger Trade-Baustein zu beachten.

Der 28-Jährige legt dieses Jahr ohne die mediale Aufmerksamkeit, die manche seiner Kollegen genießen, durchweg neue Karrierebestwerte auf. 21 Punkte, acht Assists, knapp fünf Rebounds und über 1,5 Steals pro Spiel sprechen eine deutliche Sprache, auch wenn sein Wurf von außen mit 33 Prozent dieses Jahr etwas schlechter fällt, sein Karriereschnitt liegt bei 35 Prozent. Was bei einem schnellen Blick auf seine Statistiken zu kurz kommt, ist die Tatsache, dass er der vielleicht beste Two-Way Player auf seiner Position ist.




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Wer letzte Saison die Playoff-Serie der Pelicans gegen die Portland Trail Blazers verfolgt hat, der weiß, dass Holiday in Damian Lillard einen All-Star über die gesamte Serie komplett aus dem Spiel nahm. Wenn Lillard von Holiday verteidigt wurde, traf er 26,7 Prozent seiner Dreier und 25,8 Prozent seiner gesamten Würfe, unglaubliche Werte für einen Verteidiger. In der nächsten Serie trafen seine Gegenspieler, wenn sie von ihm verteidigt wurden, 16 Prozent, 16 Prozent und 33 Prozent ihrer Dreier. Ihre Namen? Kevin Durant, Klay Thompson und Stephen Curry. Ja, Jrue Holiday ist ein richtig guter Verteidiger.

Alle wollen Jrue, oder? 

Nach dieser Beschreibung könnte man denken, dass die gesamte Liga Schlange stehen muss, um Holiday in den eigenen Kader zu holen. Problematisch ist, dass die meisten Teams auf der Eins schon gut aufgestellt sind und daher kein nachdrückliches Interesse am einmaligen All-Star haben. Die Liste der Teams ohne klaren Starter auf Point Guard ist nicht besonders lang, zudem weigern sich die Pelikane zumindest nach außen hin, über Jrue zu sprechen.


Das muss aber mit Blick auf die Trade Deadline am Donnerstag nichts heißen. An Bietern wird es auf keinen Fall mangeln: Im Westen angefangen kommen einem die Dallas Mavericks in den Kopf, aber auch wenn ein Jrue Holiday/Luka Dončić Backcourt der Traum für jeden Mavericks-Fan wäre, hat durch den Porzingis-Blockbuster der begehrteste Trade-Chip das Team verlassen. Dennis Smith Jr. wäre für New Orleans sicher interessant gewesen, spielt aber nun für die New York Knicks.

Die LA Clippers sind da schon besser geeignet, zentraler Bestandteil eines Deals müsste Rookie Point Guard Shai Gilgeous Alexander sein. Der 20-jährige Kanadier von der University of Kentucky zeigte dieses Jahr schon mehrfach, dass er die Anlagen besitzt, ein überdurchschnittlicher Starter auf seiner Position sein zu können. Um Holidays Gehalt zu matchen, könnten beispielweise Avery Bradley und Miloš Teodosić in den Deal intergriert werden, dazu ein geschützter First Round Pick. Wer sagt nein?

Die Utah Jazz suchen ebenfalls nach einem Upgrade auf der Spielmacher-Position, sind aber, wenn man den Berichten glauben darf, mit den Memphis Grizzlies in Gesprächen über einen Trade für Mike Conley. Chefkoch Seb Dumitru brachte die San Antonio Spurs ins Gespräch als seine Wunschdestination für Holiday. Auch hier scheint ein Deal eher unwahrscheinlich, die Spurs glauben in Dejounte Murray ihren Point Guard der Zukunft gefunden zu haben und werden ihm vermutlich keinen 28-jährigen Beinahe-All-Star vor die Nase setzen.

Außenseiterchancen auf die Dienste von Holiday könnten die Phoenix Suns haben, die seit Saisonbeginn nach einer Lösung neben Devin Booker im Backcourt suchen. Sollte das Front Office in Arizona entscheiden, dass genügend talentierte Jungspieler im Kader sind und der Zeitpunkt erreicht ist, Veteranen in das Team zu integrieren, wären die Pelicans sicherlich an einem Deal interessiert. Hinzu kommt, dass man dem eigenen Franchise Player zeigen könnte, dass es vorwärts geht, um eine Situation wie in New York mit Kristaps Porzingis zu verhindern. Wenn die Pelicans Interesse an Josh Jackson haben, könnte er in Kombination mit Ryan Anderson und Draft Picks den Weg nach New Orleans antreten.


Im Osten gibt es auch nur eine Handvoll Teams, die ernsthaft in Frage kommen. Die dringend nach Verstärkung suchenden Philadelphia 76ers und Charlotte Hornets werden sicherlich häufiger in Louisiana anrufen. Davon ab können beispielsweise die Orlando Magic nichts anbieten, was Pels GM Dell Demps interessiert, ähnlich sieht es auch bei den Indiana Pacers aus. Besser Karten haben die Toronto Raptors, die Kanadier verfügen über genug Anlagegüter, um einen Deal zustande zu bringen.

In diesem Szenario würde Holiday neben Kyle Lowry auf der Zwei starten, so wie er es in den letzten Jahren oft neben Rajon Rondo oder Elfrid Payton getan hat. Um die Pelicans zu überzeugen, müsste vermutlich eine Kombination aus O.G. Anunoby, Fred VanFleet, Norman Powell oder Pascal Siakam in Verbindung mit einem größeren Vertrag wie dem von Danny Green nach New Orleans wechseln. Trotzdem scheint dies unrealistisch, die Raptors werden besonders Siakam nicht ziehen lassen und müssten sich schon sehr sicher sein, dass Holiday es wert ist, ihre halbe Ersatzbank für ihn zu opfern.

Was passiert also mit Jrue Holiday? Es ist schwer zu sagen, da auch immer die Möglichkeit eines Drei-Team-Trades besteht, was meine gesamten Überlegungen über den Haufen werfen würde. Mein persönlicher Favorit auf eine Verpflichtung sind, auch wenn die Chancen dafür sehr gering stehen, die Phoenix Suns. Ein Booker/Holiday Backcourt wäre eine spannende Kombination, Jrue ist noch jung genug, um einige Jahre auf hohem Niveau mit diesem Team zu spielen. Außerdem könnte er mit seiner starken Verteidigung defensive Akzente setzen, die den Suns und ihrem Sieb von einer Defense extrem weiterhelfen würden.