02 Februar 2019

2. Feb, 2019


Jahr für Jahr dreht die NBA mehr oder weniger kräftig am Rad – wenn nämlich die Trading Deadline immer näher rückt und alle Teams zum letzten Mal vor Ladenschluss ihre Kader verstärken (dürfen). In dieser Saison fällt der Stichtag bereits auf den 7. Februar. Auf dem Weg dorthin wirft die #NBACHEF Redaktion wie immer einen genaueren Blick auf die wichtigsten Spieler und Trade-Chips. Heute: Kevin Love.

von JONAS RÖHRIG @jonasRo19 | 2. Feb, 2019

Trade Gerüchte um Kevin Love scheinen ein ewiges Thema in der NBA zu bleiben. Zum wiederholten Mal befindet sich der fünffache All-Star angeblich auf dem Trading Block der Cavs. Nach seinen ersten Startschwierigkeiten in Cleveland schien es bereits 2015, als wäre seine Zeit in Ohio bald vorbei. Später wurde über angebliche Unstimmigkeiten mit LeBron berichtet; der wolle lieber mit seinem Kumpel Carmelo zusammenspielen, ein Swap-Deal für Anthony mit den Thunder war im Gespräch (Interessantes What-If-Szenario: Westbrook, PG und Love zusammen in Oklahoma). Jetzt rückt die Trading Deadline 2019 näher, LeBron ist weg, Kyrie schon lange, aber Kevin Love ist immer noch da.




Ein von @ kevinlove geteilter Beitrag am

Die Umstände, unter denen der frühere UCLA-Star das Team verlassen könnte, sind jedoch anders als zuvor. Wurde in den letzten Jahren ein potenzieller Kevin Love-Trade diskutiert, ging es darum, einen Finals-Contender zu verstärken und LeBron die bestmöglichen Spieler an die Seite zu stellen. Cavs Fans mögen es mir verzeihen, aber die diesjährigen Cavaliers haben vermutlich die gleichen Chancen, die NBA Finals zu erreichen, wie Rasta Vechta. Ein Trade des 30-Jährigen könnte daher helfen, die Draft-Pick-Schatulle aufzufüllen, um den eigenen Rebuild zu beschleunigen.

Seit dem 24. Januar ist Love verfügbar für einen Trade, bedingt durch die Frist, die sein neuer Vierjahresvertrag über 120 Mio. $ mit sich bringt. Problematisch für die Situation ist die Verletzung des Power Forwards, die es ihm nur erlaubte, vier Spiele in der aktuellen Saison zu absolvieren. Nachdem er in den ersten Spielen stark aufspielte und 19/13 auflegte, verletzte er sich am Fuß und musste operiert werden. Zunächst schien eine Rückkehr im Laufe des Januars möglich, doch Love selbst sprach in den ersten Januartagen von mehreren Wochen, die seine Reha noch dauern würde. Da dies nicht die erste Verletzung von Love in den letzten Jahren ist – er spielte in den letzten zwei Saisons jeweils nicht mehr als 60 Spiele – ist sein Trade-Wert so gering wie noch nie zuvor.

Fall Zion

Das Cavaliers Front Office war in den letzten Wochen und Monaten sehr darum bemüht, Kevin Love als festen Teil ihrer Zukunft darzustellen. „He has earned his role at the center of what we want to do moving forward”, sagte GM Koby Altman noch nach Loves Vertragsverlängerung im Juli. Auch Love sah sich selbst als einen festen Bestandteil der zukünftigen Cavaliers; „I want to be a part of the future.” Doch die Verletzung des Big Mans in Kombination mit der miserablen Saison der Cavs, die sich selbst vor Saisonbeginn massiv selbst überschätzten, könnte diese Sicht der Dinge geändert haben.

Denn ein Name schwebt seit einiger Zeit über der einzigen Franchise aus Ohio: Zion Williamson. Die physische Ausnahmeerscheinung, die momentan auf dem Weg ist, den PER-Rekordwert am College aufzustellen mit 42,4 (!), wird aller Voraussicht nach im Sommer an erster Stelle des Drafts gezogen werden. Momentan haben die Cavaliers mit einer Bilanz von 11-41 mit die besten Karten in der Draft Lottery, den ersten Pick zugelost zu bekommen.


Dieses Szenario hat Einfluss auf den Umgang mit Kevin Love, denn zum einen wird Zion vermutlich zunächst auf seiner Position auflaufen, zum anderen könnte eine Rückkehr von Love den Tank der Cavs ausbremsen und die Chancen auf den ersten Pick verringern. Ein Trade von Love ist somit so wahrscheinlich wie lange nicht, denn die Chance nach dem Abgang von LeBron, im Draft den nächsten potenziellen Superstar zu ziehen, werden sich die Cavs nicht entgehen lassen wollen.

Wohin mit Kevin?

Welche Teams dürften also Interesse an einem verletzungsanfälligen, aber offensivstarken All-Star Power Forward mit fragwürdiger Defense haben? Es dürften vor allem Mannschaften in Frage kommen, deren Saison nicht so erfolgreich verläuft wie erwartet, deren Team Defense Love verstecken kann und die dazu noch Assets besitzen, die die Cavaliers interessieren.


Ein Team, welchem schon seit längerer Zeit Interesse an Love nachgesagt wird, sind die Utah Jazz. Die Situation in Utah scheint nahezu perfekt; Love würde neben dem besten Defensivcenter der Liga auflaufen, der seine eigenen Schwächen kaschieren kann. In der Offensive von Quin Snyder könnte er zusammen mit Donovan Mitchell einen gefährlichen One-Two-Punch bilden, außerdem spielt mit Ricky Rubio ein alter Weggefährte aus Minnesota-Tagen für die Jazz. Das Problem in diesem Szenario ist der Gegenwert, den Cleveland erhalten würde. Derrick Favors ist wohl zu haben, aber der Big Man ist mit 27 Jahren ein fertiger Spieler, der den Cavs langfristig nicht weiterhelfen wird, allerdings läuft sein Vertrag nach der kommenden Saison aus. Junge Spieler finden sich im Kader der Jazz wenige, die per Trade verfügbar wären. Was letztendlich über ein Zustandekommen eines Trades entscheiden könnte, ist, wie die Cavs Dante Exum einschätzen. Allerdings spielt der Australier die gleiche Position wie der eigene Rookie Collin Sexton, somit ist ein solcher Trade wohl eher unrealistisch.

Die Charlotte Hornets sollen auch Interesse am Big Man aus Santa Monica haben. Er würde ihnen offensiv einen Schub geben, der sie in Richtung der mittleren Playoff-Plätze katapultieren könnte. In einem Trade wären die Cavs vermutlich besonders an Rookie Miles Bridges interessiert, ob die Hornets sich allerdings von ihm trennen wollen ist fragwürdig. Hornets-Besitzer Michael Jordan könnte für Love ein Paket bestehend aus Draft-Picks, Nicolas Batum und Malik Monk anbieten. Monk hat diese Saison Ansätze gezeigt in explosiver Scorer (vorzugsweise von der Bank) sein zu können und Batum könnte mittelfristig das große Loch auf dem Flügel der Cavaliers stopfen.

In den letzten Wochen kam noch ein weiteres Team zu den Interessenten für Love hinzu: die Portland Trail Blazers. Hier könnte er mit Damian Lillard und C.J. McCollum ein beeindruckendes Offensiv-Trio bilden, welches durch Jusuf Nurkić defensiv verankert wird. Im Tausch für Love, zusammen mit David Nwaba, könnten das talentierte Langzeitprojekt Anfernee Simmons, der junge Big Man Caleb Swanigan sowie Evan Turner nach Cleveland kommen. Problematisch an diesem Angebot ist der fehlende Draft-Pick, den die Cavaliers sicher gerne für ihren All-Star bekommen würden. Die Frage bleibt, ob ein Team bereit ist, ihnen diesen Wunsch zu erfüllen.

Somit bleibt die Anspannung in Cleveland hoch, während die Deadline immer näherkommt. Schafft es das Front Office um Koby Altman, einen Deal zu verhandeln, der sowohl einen jungen Spieler, als auch einen Erstrunden-Draftpick nach Ohio bringt? Für alle Fans der Jazz, Hornets, Blazers und jedem anderem Team mit Interesse an Love heißt es bis zum 7. Februar daher weiterhin: abwarten.