06 Februar 2019

6. Feb, 2019


Jahr für Jahr dreht die NBA mehr oder weniger kräftig am Rad – wenn nämlich die Trading Deadline immer näher rückt und alle Teams zum letzten Mal vor Ladenschluss ihre Kader verstärken (dürfen). In dieser Saison fällt der Stichtag bereits auf den 7. Februar. Auf dem Weg dorthin wirft die #NBACHEF Redaktion wie immer einen genaueren Blick auf die wichtigsten Spieler und Trade-Chips. Heute: Marc Gasol.

von MARC LANGE @godzfave44 | 6. Feb, 2019


„Natürlich ist es etwas nervenaufreibend“, sagt Marc Gasol, angesprochen auf die Trade-Gerüchte um seine Person. Und wer will es ihm verübeln? Noch nie trug er ein anderes Trikot in der NBA. Memphis ist seit mehr als zehn Jahren die Heimat des Spaniers. Doch nach den Abgängen von Zach Randolph und Tony Allen steht nun der endgültige Umbruch bevor. Mit Gasol und Conley sollen auch die letzten Verbliebenen der Grind House-Ära die Grizzlies verlassen, um eine neue Zukunft aufzubauen. Vor allem der Center scheint für dieses Vorhaben ein guter Trade-Chip zu sein. Zurecht: Der 34-Jährige steht noch immer voll im Saft und wäre für die meisten Franchises definitiv eine Bereicherung.


Mit 15,7 Punkten, 8,6 Rebounds, 4,7 Assists und 1,2 Blocks pro Spiel gehört der Big Man während der aktuellen Kampagne erneut zu den Besten seiner Zunft. Einzig sein Vertrag könnte jedoch für Stirnrunzeln sorgen: Dieses Jahr freut sich die gasolsche Bank über 24,1 Mio. $. Für die Spielzeit 2019/20 wartet eine Player Option mit 25,5 Mio. $. Das üppige Salär ist hier weniger das Problem. Vielmehr könnte die Player Option dafür sorgen, dass interessierte Teams harte Verhandlungspartner werden, weil sie nicht zu viel für einen Spieler investieren möchten, der im Worst Case Szenario nach einem halben Jahr wieder weg ist. Ein Top-Star und unzählige Draft Picks werden für Gasol also nicht eintrudeln.

Brüderliche Wachablösung 

Kommen wir nun zur Preisfrage: Für welche Teams würde ein Trade überhaupt Sinn ergeben? Eine Destination, in der Gasol sein Skillset wahrscheinlich ohne allzu große Eingewöhnungszeit erfolgreich einbringen könnte, sind die San Antonio Spurs. Der 34-Jährige hat ein weiches Handgelenk, grandiose Übersicht für einen Center und ist ein guter Rim Protector – Fähigkeiten, bei denen Coach Pop (und wohl jedem anderen Basketballtrainer auch) das Herz aufgeht. Hinzu kommt, dass bei den Texanern Big Man-Bedarf besteht. Es fehlt die nötige Entlastung für LaMarcus Aldridge unter dem Korb. Jakob Pöltl kann hier (noch) nicht genügend helfen. Pau Gasol nicht mehr. Doch genau hier wird es spannend.

Der ältere Bruder von Marc verdient dieses Jahr 16,8 Mio. Dollar. Nächstes Jahr wären es 16, von denen allerdings nur 6,7 Mio. garantiert sind. Eine hohe Summe für einen Spieler, der diese Saison nur rund 13 Minuten auf dem Parkett steht. Die Grizzlies könnten jedoch bereit sein, diesen Vertrag auf sich zu nehmen, wenn die Spurs den Deal mit einem Draft Pick und einem jungen Talent oder solidem Veteranen versüßen. Eine potenzielle Win-Win-Situation: Die Spurs angeln sich durch ein Geschäft den All-Time Leader in Punkten und Rebounds der Grizzlies. Memphis wiederum bekommt eine Farewell-Tour mit Pau Gasol sowie beispielsweise Marco Belinelli und den First Rounder, den die Spurs von den Raptors erhalten haben.

Es wäre übrigens bereits das zweite Mal, dass die beiden Brüder in einen Trade verwickelt sind. 2008 tauschten die Grizzlies Pau Gasol für zwei 1st Round Picks sowie die Rechte an Marc Gasol zu den Los Angeles Lakers. Auch wenn es auf den ersten Blick nicht so aussah, war dies einer der wohl besten Deals in der Geschichte der Franchise. Vielleicht wäre ein erneuter Deal zwischen den Gasol-Brüdern ein gutes Omen für das Team aus Tennessee.


Ein neues Power-Trio 

Eine etwas wildere, aber umso interessantere Konstellation könnte sich in einem Deal mit den Portland Trail Blazers ergeben. Kernstück eines Geschäfts wäre hier Jusuf Nurkić. Ja, Nurkić spielt eine starke Saison. Ja, Nurkić hat im Sommer erst einen relativ günstigen Vierjahresvertrag unterzeichnet. Warum sollten die Trail Blazers ihn also abgeben? Die Antwort: Die Blazers wollen sofort gewinnen und mit Gasol hätten sie bessere Karten. Statistisch gesehen nehmen sich der Bosnier und der Spanier nicht viel. Allerdings trifft Gasol 36 Prozent seiner Dreier, Nurkić nur zwölf Prozent. Zudem gehört der Veteran zu den besten Passing Big Men in der Liga. Der wichtigste Punkt, der für einen Gasol-Deal spricht, kommt aber erst noch.

Gasol kann Damian Lillard und C.J. McCollum, die Stars des Teams, noch besser machen. Portland läuft jede Menge Pick and Rolls. Der 34-Jährige als Screensetter wäre hier ein klares Upgrade. Wir alle erinnern uns an die gefürchtete Zwei-Mann-Kombo, bestehend aus Conley und Gasol. Bei den Trail Blazers könnte er das gleiche Spielchen mit Lillard UND McCollum aufziehen. Die beiden Guards aus Rip City haben diese Saison bislang zusammen schon mehr als 400 Jumpshots (davon 200 Pull Up-Jumper) genommen. Mit Gasol als exqusiten Screensetter und Pick and Pop-Threat könnte diese Maschinerie noch um einiges effektiver und heißer laufen.




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Wie könnte also ein Trade aussehen? Da ein 1-zu-1 Tausch mit den beiden Centern nicht möglich ist, müssten die Grizzlies mindestens einen unschönen Vertrag absorbieren. Am wahrscheinlichsten wäre hier wohl der von Evan Turner, dem in den nächsten beiden Jahren noch über 36 Mio. $ zustehen. Zusätzlich müsste wohl auch noch mindestens ein junger Spieler und ein Zweitrunden-Pick her, damit Memphis hier den Abzug drückt.

Es gibt also mindestens zwei Teams, bei denen ein Trade sinnvoll und umsetzbar wäre. Angesichts der Rebuild-Ambitionen in Tennessee scheint ein Abschied der Führungsfigur ohnehin unvermeidlich. Demnach wird es sicherlich noch weitere Interessenten im Laufe dieser Woche geben. Doch neben all den Spekulationen und teilweisem Wunschdenken bezüglich Gasols Zukunft bleibt eine Sache sicher: Sollte es tatsächlich so weit kommen, wird es gewöhnungsbedürftig sein, den Ur-Grizzly ab dem 7. Februar auf einmal nicht mehr in seiner langjährigen, blauen Arbeitsuniform zu sehen.