06 Februar 2019

6. Feb, 2019


Jahr für Jahr dreht die NBA mehr oder weniger kräftig am Rad – wenn nämlich die Trading Deadline immer näher rückt und alle Teams zum letzten Mal vor Ladenschluss ihre Kader verstärken (dürfen). In dieser Saison fällt der Stichtag bereits auf den 7. Februar. Auf dem Weg dorthin wirft die #NBACHEF Redaktion wie immer einen genaueren Blick auf die wichtigsten Spieler und Trade-Chips. Heute: Nikola Vučević.

von CHRISTOPH LENZ @NBAKenner | 6. Feb, 2019


Das Team 

Die Orlando Magic dürften insgesamt zu den Teams zählen, die an dieser Trade Deadline zu den interessantesten Geschichten der Liga zählen. Eine Tabellensituation, die sich für Orlando als zu gut um alles hinzuwerfen und gleichzeitig zu schlecht abzeichnet, um den Push für die lang ersehnte Playoff-Teilnahme zu machen, ist ein Faktor, der sie dazu macht. Ein weiterer Faktor ist das noch recht neue Front Office, das bis dato eher mit dem Personal der Vorgänger arbeitet und ein größerer Umbruch unter neuem Front Office nicht ungewöhnlich ist, wodurch auch zum Beispiel auch Aaron Gordon unter Beobachtung der Trade-Newsbreaker steht.

Zu guter Letzt sorgt die knifflige Vertragssituation zweier Leistungsträger für einen erhöhten Zugzwang in den nächsten Tagen. Denn mit Top-Bankscorer Terrence Ross und Topscorer Nikola Vučević laufen im Sommer die Verträge von zwei Spielern aus, die überhaupt erst möglich gemacht haben, dass in Florida nicht wie sonst üblich einfach zur Deadline alles verscherbelt werden kann, sondern es tatsächlich realistische Hoffnungen auf eine Playoff-Teilnahme gibt. Speziell Vučević, der kürzlich erst zu Orlandos erstem All-Star seit Dwight Howard in der Spielzeit 2011/12 ernannt wurde, stellt die Entscheidungsträger in der Stadt der Freizeitparks vor eine extrem knifflige und ebenso folgenschwere Entscheidung.


Die Optionen

Es gibt im groben drei Szenarien, wie die Geschichte von Nikola Vučević und den Orlando Magic, die 2012 passenderweise als Teil des Dwight Howard-Trades begann, weitergeschrieben werden kann.

Variante A wäre die „Feelgood-Story” einer weiterhin fortbestehenden Verbindung. Kein Trade zur Deadline, gefolgt von einer Vertragsverlängerung im Sommer. Diese Verlängerung könnte trotz eines recht prall gefüllten Center-Markts durchaus teuer werden, auch weil Vučević sicher andere Angebote haben wird und ein Verbleib bei einem wenig glamourösen oder erfolgreichen Team wie Orlando erfahrungsgemäß einen gewissen Zuschlag kosten wird.


Variante B ist das Horror-Szenario für die Franchise. Kein Trade und somit kein Gegenwert, aber der Abgang findet dann im kommenden Sommer statt. Die abgemilderte Variante beinhaltet eine Playoff-Teilnahme der Magic, aber ob das über den ersatzlosen Verlust Vučevićs wegtrösten könnte, ist fraglich. Gründe für einen Abgang im Sommer könnte das Interesse des Spielers an erfolgreicheren Teams sein, außerdem dürfte der Preis nicht mehr so günstig werden, wie beim letzten Vertrag. Im schlimmsten Fall wäre dies ein Grund für das Platzen von Verhandlungen.

Variante C, ein Abgang per Trade noch in dieser Woche, wäre ein Ende, das ohne Zweifel auf dem Höhepunkt der Zusammenarbeit käme. Vučević könnte seine All-Star Season eventuell mit seiner zweiten Playoff-Teilnahme (nach einem dreiminütigen Auftritt in seiner Rookie-Saison in Philadelphia) krönen. Orlando könnte den hohen Kosten einer Verlängerung im Sommer oder gar einem Abgang zu einer anderen Franchise entgehen und gleichzeitig Kompensation in Form jüngerer Spieler und/oder Draft Picks einsammeln, um den Rebuild zu forcieren und als i-Tüpfelchen Rohdiamant Mo Bamba ins Starting Lineup befördern.

Der Markt 

Unter Berücksichtigung dieser Szenarien wird Orlando sowohl in den Fokus anderer Teams rücken und Angebote für Vučević erhalten, aber auch selbst die angemessene Sorgfalt im Rahmen des Prozesses anwenden und den Markt für den in der Schweiz geborenen Montenegriner sondieren.

Sein auslaufender Vertrag und sein insgesamt sehr gutes Jahr machen ihn dabei zu einem perfekten Ziel für die zahlreichen Teams, die kurzfristige Unterstützung für den Rest der Saison suchen. Einige Teams, die Interesse haben könnten, werden im Zusammenhang mit Vučević hier und da genannt, auch wenn der Trade Buzz für ihn recht ruhig ist angesichts der ganz großen Namen, die die Deadline prägen könnten.

Die Top-Anwärter auf einen Move im Laufe der Woche sind die Los Angeles Lakers, Boston Celtics und San Antonio Spurs. Alle könnten einen Spieler wie Vučević gut in ihrem Team gebrauchen und alle hätten die Bestandteile, die ein Vučević-Trade vermutlich bräuchte. Denn auch wenn sein Vertrag ausläuft, müsste wohl ein (später) 1st Round Pick und ein „nicht nutzloser“ Spieler nach Orlando kommen, um den Abgang zu kompensieren.


Wenn Boston mitbieten wollen würde, dann wäre Terry Rozier ein spannendes und passendes Puzzle-Teil in der Zukunftsplanung der Magic, die Spurs könnten Pau Gasol als Bamba-Mentor zur Verfügung stellen und eventuell noch einen jungen Spielmacher wie Derrick White ins Paket werfen, die Lakers Kentavious Caldwell-Pope und eventuell noch Isaac Bonga, jeweils garniert mit einem 1st Round Pick (im Celtics-Deal eventuell eher zwei 2nd Rounder) könnte das Magic Front Office sicher anständig mit diesem Umbruch leben. Denn Mo Bamba hat im Schatten von Vučević das Schwimmen im großen NBA-Teich gelernt und scheint bereit, sich als Starter weiterzuentwickeln, auch wenn dieser Entwicklungs- und Lernprozess sicher von Fehlern und Problemen begleitet werden wird.

Ein Vučević-Trade wird bis zur Deadline sicher auch in den einschlägigen US-Medien zum Thema werden, ob es letztlich passieren wird, scheint derzeit eine Münzwurf-Entscheidung. Dem sympathischen 28-Jährigen wäre eine Saison mit All-Star Teilnahme und Playoffs in einem guten Team zu gönnen, aber vielleicht fühlt er sich auch in Orlando so heimisch, dass ein Verbleib für ihn persönlich ebenfalls positiv wäre.