01 Februar 2019

1. Feb, 2019


Deadline Day ahead. Wir sind hier. Wir sind mehr. Wir erklären Euch, warum die NBA spinnt. Oder auch nicht. Tradewahnsinn, wenn der Schnee fällt. Heute: Lettland goes Dirk...

von ANNO HAAK @kemperboyd | 1. Feb, 2019

Ausgang

Seit Juli 2018 war die vorzeitige Verlängerung von Kristaps Porzingis möglich und wurde nicht unterschrieben. Zuletzt soll Herr P. sich „besorgt“ geäußert haben über das viele Verlieren im großen Apfel. Das Problem an Leaks in NYC ist, dass man nie weiß, ob der Leaker oder der Leakempfänger mehr davon hat. Glaub man Herrn Lowe, war es der Franchise aus der Stadt, die für sich beansprucht, die Geburtshilfeabteilung zu beherbergen, die Basketball zur Welt bringen half, schlicht zu viel geworden.

Lies: der Lette soll schon zu latte... lange über die unzureichende Entwicklung in New York geplärrt haben. Am Ende wollte der Mann, der 2015 bei seinem Draft ausgepfiffen und wenig später zur Zukunft von allem und jedem erklärt wurde, der nicht bei Drei ein Appartement in NYC erwerben konnte, nur raus. Aus New York. Sagt man...


Das ist alles lustig genug, doch dann kommen die Mavericks und der Smiley zieht die Mundwinkel in die Höhe der schwäbischen Alb-Gipfel. Herr Cuban und seine Misfits sind eigentlich gerade immer mit dem nächsten Reload beschäftigt. Dumm ist nur, dass alle zwölf Monate eine NBA-Saison ansteht und Dirk N. ins Versorgungswerk für Allzeitbasketballer einzahlen und für seine Rentenansprüche auch noch spielen will.

Seit man für einen Sixers-geschützten Pick und Trae Young die slowenische Zukunft des Basketballs, der EU und der Welt bekam, ist das Thema „Wiederaufbau“ dann auch erledigt, also schnüffelte Cuban schon nach dem nächsten Superstar-Tausch. Während die asozialen Medien noch über Donnie Jr.s Versuche lachten, Anthony Davis für den auslaufenden Vertrag von Wesley Matthews zu ergattern, rief der Netzmilliardär schlank in New York durch und fragte an, ob man gerade Grünes konsumiert habe und bereit sei, Deals zu machen, über die die Welt lacht. Die Antwort „Ja“ kann nur überraschen, wer Herrn Dolans Musik noch nie ohne vorherige Einnahme betäubender Substanzen konsumierte.


Wie dem auch sei und welche Musik auch immer gespielt wurde, Porzingis, das Einhorn, das Naturwunder, der Wahnwitzige, der Londonreiseverweigerer stand wegen seiner zentimeterdicken Krankenakte auf dem Tradeblock, den Magic Johnson für ein Sprungbrett für Paul George hielt. Cuban knows.


Schuss

Die Mavs bekommen Porzingis und den Capschrott aus der tollsten Stadt der Welt. Die Knicks bekommen nichts zzgl. Manövriermasse und – Sie ahnen zu Recht Schlimmes – Draft Picks.

DAL: Kristaps Porzingis, Courtney Lee, Tim Hardaway Jr., Trey Burke
NYK: Dennis Smith Jr., DeAndre Jordan, Wesley Matthews, 2021 1st Round Pick (NYK), 2023 1st Round Pick (NYK, geschützt von #1 bis #10)



Knicks

Im Grunde kann man kaum so viel Zynismus aufbringen wie erforderlich. Man will eigentlich nur eins wiederholen: der Chef auf der Reise ins Wissen.


Die Frage, was sich die Knicks eigentlich denken, ist über Generationen und unabhängig von den handelnden Personen neben, unter und über dem enigmatischen Countrymusiker an der Spitze eingeübt. Die Antwort liegt irgendwo da draußen, aber nicht in diesem Text. Denn es ist schlicht nicht zu begreifen.

Die ersten Schlaumeier wissen von einem zu drei Vierteln leeren Lohnjournal zu berichten, wenn der Sommer 2019 anbrechen wird. Das stimmt fraglos. Mit Lee und Hardaway, dem Jüngeren, lädt man zwei der dümmsten Sünden der Vergangenheit, die noch bis 2020 auf den Knicks gelastet hätten, in Texas ab. Im Gegenzug nimmt man nur Kurzzeitdeals auf, die man per Rauskauf wahrscheinlich sogar sofort los werden kann (anderenfalls würde Herr Kanter wohl in den Spielzeithungerstreik treten).

Dazu spart man sich natürlich die mutmaßlich erforderliche ca. 150 Mio. $ schwere Verlängerung für den nunmehr Ex-Franchise-Prospect.

Nur ist das mit dem Cap Space wie mit der europäischen Herkunft Deines Franchise Spielers. Ist schon aus marktwirtschaftlichen Gründen nice to have, nur eben kein Wert an sich. „Was also wollt Ihr mit dem Spielraum anfangen?“, wäre die nunmehr einzuübende Frage. Die mutmaßliche Antwort lässt Frischkäse im Mund beim Kauen gären.

Abstrakt gesprochen: Franchise Spieler auf dem Markt der Vertragsfreien kaufen. Doch der Franchisespieler war eigentlich bereits gefunden. Er hieß: Kristaps Porzingis. Wenn es konkret wird, wird es unkonkret. Klingt komisch, ist aber so. Kyrie Irving und Kevin Durant sollen es den Reißbrettarchitekten am Hudson River angetan haben. Wem nicht? Nur hat man den Franchise-Spielern von zwei der besten Teams der Liga nichts zu bieten als die Aussicht, in der fünften Avenü neben dem baldigen Ex-Präsidenten zu residieren. Das sportliche Lockmittel aus Lettland hat man ja gerade verdealt.


Porzingis ist (k)ein Horn, ein Einhorn. 2,21 Meter lang, 40% von der Dreierlinie, mobil, intelligent, 7,5 Punkte auf 100 Besitze steht Dein Team besser da, wenn er auf dem Platz ist als ohne ihn. Ja, die Knicks sind und waren in den letzten Jahren Trash, aber Du weißt, was ich meine. Dazu ist er freundlich, vermarktbar und charismatisch. Ein sanfter Riese, der spielen kann. Gegen Irving und Durant direkt mag man ihn tauschen, für die vage Aussicht auf den Flacherdling und den Social-Media-Rambo sicher nicht.

Die Gesundheit war ein Fragezeichen. In den ersten beiden Jahren fehlten schon 26 Spiele im Lebenslauf, seit einem Jahr arbeitet sich das Heilfleisch am riesigen Kreuzband ab. Wenn bei über 2,20 Meter irgendwas reißt, schellen in der Liga, die niemals schläft, immer sofort alle Glocken. Schnell erzählt man sich dann von Manute Bol, Zydrunas Ilgauskas und anderen Talentriesen, die nichts stoppen konnte außer dem eigenen Körper.

Ab davon, dass die Medizin heute ein Stück weiter ist, schreibt die Knochenmühle NBA in jedes Gesundheitszeugnis ein Fragezeichen. Jeder Spieler ist immer genau eine Landung vom Shaun-Livingston-Horror entfernt. Durant und Irving spielen im Übrigen nicht nur rücksichtslos gegen sich selbst, sondern marschieren auch mit großen Schritten auf die 30 zu bzw. sind schon da.


Im Übrigen: wenn man kein Vertrauen in Porzingis und seine Knochen hat, hätte man andere Deals finden können. Das „Risiko“ Kristaps wären wohl andere Teams zu einem wesentlich höheren Preis einzugehen bereit gewesen.

Es bleibt Dennis Smith Jr. Was der in New York bewegen soll, wo Frank Ntilikina und Draft-Sensation Emmanuel Mudiay sich um die Minuten als Spielorganisator streiten, ist ein Rätsel. Die Draft Picks können das Büro am Hudson nicht den Abzug drücken lassen. Die liegen zwei und vier Jahre in der Zukunft, sind teilweise geschützt und sie gehören den immer aufregenden, immer gewinnen wollenden friggin Dallas Mavericks, deren kurzer Tankinganfall wohl spätestens mit Porzingis' Ankunft vorübergehen dürfte.


Mavericks

Zwei-Team-Trades sind Null-Summen-Spiele. So bescheuert der Trade aus Knicks-Sicht aussieht, so sehr geht er aus der Mavericks-Perspektive klar. Ach was, klar, der Trade ist, was auch immer die ethymologisch korrekte Steigerung von No-Brainer wäre.

Mit Porzingis und Dončić hat man jetzt zwei der potentiell besten vier besten Spieler unter 25 im Roster. Ja, Porzingis muss noch jede Menge lernen, ja das Kreuzband sollte zusammenwachsen und nicht nochmals reißen, ja 2,20 Meter plus x Spieler sind fast immer anfällig. Es ist ein mobiler 23-Jähriger, der größer als ein Leuchtturm und beweglich ist und verdammte Dreier werfen kann. Kein junger Spieler ist mehr Dirk als er.


Dass er im Sommer wirklich für ca. 8 Mio. $ QO spielt und die (ziemlich sicher angebotene) Extension über fünf Jahre und 150 Mio. $ mit gerissenem ACL ablehnt, wie angedeutet, ist eher Gepokere und höchst unwahrscheinlich. Und selbst, dann hätten die Mavs eineinhalb Jahre Zeit, ihm ihre Kultur (ja, ich habs gesagt) schmackhaft zu machen und säßen im Sommer 2020 dank der Möglichkeit, mehr als alle Mietbieter auf den Tisch zu legen, auf dem Fahrersitz.

Smith war zwar mal als Eckstein der Zukunft in Dallas eingeplant. Aber eher führt Jennifer Lopez eine Langzeitehe, als dass Smith mit Dončić glücklich geworden wäre. Im Übrigen gilt für DSJ/KP, was Ritchie zur Freundin sagte, als er sie verließ: „Ich liebe Dich, aber es ist Madonna.“

DeAndre Jordan ist ein Sprungflummi über 30, ergo im Niedergang begriffen, der wohl ohnehin immer als Asset für Fälle wie diesen hier vorgesehen war. Für Wes Matthews hätte die Wendung „Geh mit Gott, aber geh!“ erfunden werden können.

Hardaway und Lee sind dick gepämperte Kröten, die es zu schlucken gilt, allerdings auch nur bis 2020. Im Übrigen schaltet Dallas spätestens jetzt wieder in 'win now', da gibt es schlechtere Flügel als die beiden – fraglos überbezahlten – Ex-Knicks. Gehaltsspielraum ist im Übrigen kein Selbstzweck, schon gar nicht für eine von Free Agents konsequent gemiedene Destination wie Dallas. Über Trey Burke ist jedes Wort zu viel.

Erstrunden-Picks wie den von 2021 ungeschützt abzugeben, ist zwar dank der Nets komplett verpöhnt, nur: die Draftbilanz der Mavs ist insgesamt eher dürftig, der Pick wird, Normalentwickung vorausgesetzt, aber sowieso kein sehr hoher sein und selbst den worst case unterstellt: auch an Position 1 overall findet man nur selten Spieler von der Qualität des Letten.



Fazit

Die Mavs bekommen den besten Spieler des Trades und geben nichts von wirklich nachhaltigem Wert ab. Die Knicks bekommen Cap Space für einen Jahrzehntspieler. Nuffsaid.

Vorteil: Mavs