16 März 2019

16. Mrz, 2019


Der Playoff Push ist in vollem Gange: Nur noch etwas über einen Monat dauert die Regular Season der NBA. Im Osten wie im Westen ist das Rennen um die letzten Plätze offen. Multiple Gründe sprechen für die verbliebenen Bewerber, daher beleuchtet der #NBACHEFSQUAD die Kandidaten und nennt jeweils acht Argumente für die einzelnen Teams... inklusive garantiert unerschütterlicher Prognose.

von NBACHEFSQUAD  | 16. Mrz, 2019



Sacramento Kings (33-35)

Christoph Lenz @NBAKenner

#1 – Die Kings pushen das Tempo in jedem Spiel in dem sie auf dem Court stehen. Im Saisonendspurt gibt ihnen das gegen müde Teams einen riesigen Vorteil. Ihre 106,0 Possessions pro 48 Minuten gehört zum Spitzenwert der Liga, Fox und Konsorten sprinten so in Richtung Playoffs.

#2 – Die Zusammenstellung der Truppe in Nordkalifornien ist so homogen, dass sich sehr natürliche Rollen auf und neben dem Court exzellent ergänzen. Der „Leader“ und auch auf dem Feld furchtlose De'Aaron Fox, der weniger im Fokus stehende Shooter Buddy Hield und der stille Euro-Allrounder Bogdan Bogdanović in Kombination mit einer harmonischen und abwechslungsreichen Frontcourt-Rotation machen die Kings zu dem Überraschungsteam dieser Saison.

#3 – Der Restspielplan ist zwar auf dem Papier nicht ganz so einfach wie bei anderen Mitstreitern, aber aufgrund einiger direkter Duelle mit Konkurrenten können die letzten Saisonwochen für Sacramento nochmal dazu führen, dass sie in diesen Partien doppelt wichtige Siege sammeln können, die sie auch aus der schweren Ausgangssituation den lange ersehnten Sprung in die Postseason schaffen.

#4 – Coach Dave Joerger hat aus seiner Zeit in Memphis nicht nur mehrere Jahre Playoff-Erfahrung, sondern speziell aus der Saison 2015-16 auch Erfahrung mit einem Playoff-Rennen auf den letzten Metern gemacht. Damals hätte sein Team aus einer komfortablen Situation beinahe noch die Entscheidungsspiele verpasst, dieses Beispiel kann er seinen Kings mahnend vorführen um diesmal aus der anderen Richtung den Erfolg zu feiern.

#5 – Die Kings haben den Rücken einigermaßen frei, nachdem sich die Lakers eher in Richtung Pick-Verbesserung orientieren und die Timberwolves schon einigen Abstand haben. Gleichzeitig sind es drei Teams in San Antonio, Utah und den Clippers, die in einer Reichweite von drei bis vier Niederlagen vor den Kings liegen. Es reicht wenn die Kings eine gute Schlussphase hinlegen schon, wenn nur eines dieser drei Teams aufgrund einer Verletzung oder anderer Probleme schwächelt und durchrutscht. Diese erhöhte Chance dürfte Sacramento als Motivation dienen, ihren Teil dazu beizutragen und so viele Siege wie möglich einzufahren.




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#6 – Diese Sacramento Kings sind clutch. Angeführt von Fox, der schon in seiner Rookie-Saison mit seinen Game-Winnern glänzte, gewinnen sie in Spielen, die kurz vor Ende noch eng sind über 55% der Spiele, was sie zu einem Top Ten Team in dieser Statistik macht. Können sie diese Fähigkeit vom einzelnen Spiel auf die Clutch-Periode der Regular Season skalieren, dann sorgen sie weiter für Furore.

#7 – Trade-Deadline Addition Harrison Barnes findet sich immer besser im System der Kings zurecht. Kann er die Formkurve weiter nach oben zeigen lassen, wird er in den letzten Wochen zu einem potentiellen X-Faktor in den Playoff-Bemühungen der einstigen Lachnummer der Liga.

#8 – Die jungen Wilden sind nicht nur heiß auf ihre persönliche erste Playoff-Teilnahme der Karriere, sondern wollen auch die lange Leidenszeit der Franchise beenden. Jedes weitere Spiel an Erfahrung hilft Spielern wie Fox, Giles, Hield und Bogdanović dabei, besser zu werden. Eine weitere Steigerung wird nötig sein um den aktuellen Rückstand aufzuholen, aber in Kombination mit dem jugendlichen Feuer scheint das für das Team nicht unmöglich.

Projections:
6. Jazz, 7. Clippers, 8. Kings, 9. Spurs



LA Clippers (40-30)

Christoph Lenz @NBAKenner

#1 – Die Clippers stehen aktuell auf einem Playoff-Platz und können das Rennen aus dieser bequemen Position heraus gestalten. Sie haben die Teilnahme in der eigenen Hand und könnten nach nur einem Jahr Pause direkt in Jahr eins nach dem Ende der Lob City Ära zurück in der Postseason sein.

#2 – Der Restspielplan der Clippers ist einer der einfachsten der Liga, nur fünf von 13 Spielen auswärts, unter anderem in New York und Cleveland, sowie Matchups in der letzten Saisonwoche gegen Warriors, Rockets und Jazz, die ja nach Positionierung zu diesem Zeitpunkt schon im Schongang sein könnten.

#3 – Seit dem All-Star Break schwimmen die zuvor schon starken Angelinos auf einer Welle. Sieben Siege aus zehn Spielen sprechen eine klare Sprache und geben in dieser für den Erfolg kritischen Saisonphase einen Schub, den das Team mit in die letzten vier Saisonwochen nehmen und auf dieser Welle in die Playoffs surfen werden.

#4 – Die jungen Spieler im Team sind heiß auf ihre erste Playoff-Teilnahme. Für das Quintett aus Landry Shamet, Shai Gilgeous-Alexander, Ivica Zubac, Jerome Robinson und Sindarius Thornwell wäre es die erste Playoff-Teilnahme und der Debütanten-Ball scheint bereit dazu die potentiellen Gegner aus der oberen Hälfte des Playoff-Bracket anzugreifen.

#5 – Die Clippers verkörpern mit ihrer Spielweise und ihrem Auftreten das „Nobody believed in us“-Phänomen wie kein anderes Team der NBA. Statt den erwarteten tristen Jahren nach sechs Playoff-Teilnahmen in Folge wirkt die Franchise so positiv und bereit zum Aufbruch wie seit der ersten Saison mit Blake Griffin, DeAndre Jordan und Chris Paul 2011-12 nicht mehr.

#6 – Louis Tyrone „Sweet Lou“ Williams, seit wenigen Tagen der erfolgreichste Bank-Scorer in der Geschichte der NBA, erlebt seinen (mindestens) dritten Frühling. Seit der Trade-Deadline und dem Abgang des bisherigen Topscorer Tobias Harris erzielt Williams 25 Punkte pro Spiel, legt seinen Karriere-Bestwert bei Assists auf. Ein Spieler von seinem Kaliber kann ein Team dieses Team in die Playoffs führen.




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#7 – Auch neben Lou Williams ist die im Saisonverlauf neu formierte Bank um Montrezl Harrell, Wilson Chandler, Garett Temple und JaMychal Green einer der Schlüssel für Doc Rivers' Team. Keine andere Bank der Liga erzielt so viele Punkte pro Spiel wie die der Clips (zwischen Platz eins und zwei liegen mehr als fünf Punkte pro Spiel!), nach Brooklyn ist die Bank insgesamt die zweitbeste der Liga, seit dem All-Star sogar die Beste. Während der Faktor Roster-Tiefe in den Playoffs an Wert verliert, hilft er im Endspurt dabei frischer zu sein als Rotationen, die den Startern über die sechs Monate der Regular Season regelmäßig über 35 Minuten abverlangen.

#8 – Das Team kennt seine Stärken und verfolgt diese, auch wenn der Trend der Liga in eine andere Richtung geht. Nur die Spurs nehmen weniger Dreier als die Clippers, aber genau wie San Antonio treffen die Clippers diese aufgrund der besseren Auswahl signifikant besser als der Rest der Liga. Nur die Spurs liegen über LAs 38,4%, im Vergleich zum Liga-Schnitt von 35,4% eine andere Kategorie. Gleichzeitig verteidigen die Clippers genau diesen Bereich besser als jedes andere Team der Liga und lassen nur eine Trefferquote von 33,8% von außen zu.

Projections:
6. Jazz, 7. Clippers, 8. Kings, 9. Spurs



Utah Jazz (39-29)

Lucas Kröger @kicktherim

#1 – Teamplay. Die größte Stärke der Jazz liegt im Kollektiv. Jeder Spieler ist sich seiner Rolle bis ins Detail bewusst und hilft dem Team. #TeamIsEverything

#2 – Donovan Mitchell hat den Sophomore Slump überwunden. Im Januar fand er endlich seinen Rhythmus und war der Scorer und Playmaker, den die Jazz unbedingt brauchen. Seitdem korrigierten sich seine Quoten zwar leicht nach unten, doch Mitchell erinnert wieder an den Spieler, der seine Mannschaft zuletzt als Rookie in die Western Conference Semi-Finals der vergangenen Playoffs getragen hat.

#3 – Rudy Gobert. Der Franzose ist einer der besten Roll Men der Liga und defensiv eine Macht. Kaum ein Center zwingt gegnerische Offensiven mehr, sich anzupassen. Die besten Playmaker können Rudy zwar aus der Zone locken, doch das wird erst in den Playoffs ein Problem, denn…

#4 – ... das Restprogramm der Jazz ist ein Witz! Zweimal geht es noch gegen die Suns. Nach Heimspielen gegen Brooklyn und Minnesota beginnt dann ein Roadtrip ans Tabellenende des Ostens: Washington, New York, Atlanta, Chicago. Danach heißen die besten Gegner Nuggets, Kings oder Clippers. 50 Siege wären keine Überraschung.

#5 – Kein Team will gegen die Jazz in der ersten Runde ran. Die Top drei im Westen spielen in der ersten Runde mit Sicherheit lieber gegen die Clippers, Spurs oder Kings. Utah wäre ein Kandidat für einen Upset, sollten sie als Auswärtsteam antreten. Eine solche Serie verspräche hohen Unterhaltungswert und ist immer gern gesehen.

#6 – Joe Ingles hat gezeigt, dass er ein gewinnbringender Faktor eines Playoffteams sein kann. Der Australier spielt auch dieses Jahr wieder eine starke Saison. Ob als Ballhandler im Pick-and-Roll, als Spot-Up Shooter, Cutter oder per Handoff: „Jinglin Joe“ hat das volle Repertoire. Trotz quasi nicht vorhandener Athletik im klassischen Sinne gilt Ingles als smarter, unangenehmer Gegenspieler. Zudem ist er immun gegen Trashtalk und bringt seine Gegner eher selbst mit Sprüchen und Nickligkeiten aus dem Konzept – „Playoff-P“ kann davon noch ein, zwei Lieder singen.


#7 – Quin Snyder holt alles aus seinen Spielern heraus. Donovan Mitchell und Joe Ingles sind zwei sehr gute Beispiele, wie positiv sich der Stil des Trainers auf die Entwicklung seiner Spieler auswirken kann. Es gibt viele gute Coaches in der NBA, doch Snyder gehört auch dieses Jahr wieder zur Elite.

#8 – Basketball is Jazz!

Projections:
6. Jazz, 7. Clippers, 8. Spurs, 9. Kings



San Antonio Spurs (40-29)

Daniel Schlechtriem @W14Pick

#1 – Gregg Popovich. Viel mehr müsste hier eigentlich von #1 bis #8 nicht mehr stehen...

#2 – ... denn es sind die unverwüstlichen Spurs. Kawhi Leonard forciert einen Trade? Tony Parker und Manu Ginóbili, zwei Legenden und zukünftige Hall of Famer, verlassen das Team? Dejounte Murray, etatmäßiger Starting Point Guard, verletzt sich schwer und fällt die gesamte Spielzeit 2018/19 aus? San Antonio hält dennoch Stand und findet immer einen Weg.

#3Immer – seit 1997. Die Spurs haben eine Gewinner-Kultur geschaffen, die mehrere Spielergenerationen überdauert und die auch ohne die prägenden Figuren der so erfolgreichen letzten 20 Jahre weiter fortbesteht.

#4 – Diese Gewinner-Kultur begründet sich in ausgewiesenem Teamplay: Auch dieses Jahr scoren im Schnitt sieben Spieler zweistellig, obwohl gleich zwei davon 20+ auflegen. Im Ernstfall ist auf die Leistungsträger LaMarcus Aldridge (21,3 PPG) und DeMar DeRozan (21,6 PPG) Verlass.

#5 – Die Gewinner-Kultur wird konserviert und notfalls modifiziert, denn der Basketball hat sich in den letzten Jahren stark verändert, ebenso wie der Kader der Spurs: Von 2012 bis 2018 stellten sie durchgehend eine Top-5 Defensive – diese Saison verteidigen die Schwarz-Silbernen nicht einmal durchschnittlich (Rang 19 im Defensiv-Ranking). Dies fällt aber nicht so sehr ins Gewicht, weil San Antonios neu formierte Truppe plötzlich mit einer elitären Offensive (Rang vier im Offensiv-Ranking) aufmarschiert.

#6 – Die Spurs haben den hässlichen Rodeo-Auswärtstrip im Februar (1-7 Siege) weggesteckt und zuletzt sieben in Folge gewonnen. Infolge dessen ist Rang vier näher als Rang neun. Popovichs Mannen brauchen nur auf sich zu schauen, müssen gar nicht erst mit absurden Rechenspielen und direkten Vergleichen aufwarten.

#7 – Auf heimischem Parkett ist San Antonio kaum zu schlagen (27-7 Siege). Von den verbleibenden 13 Partien finden sieben in Alamo statt, zu Gast sein werden unter anderem die Cavs und Hawks – die die Spurs, wie zuletzt die Knicks, fachgerecht zusammenfalten werden. So kommen sie locker auf die voraussichtlich notwendigen rund 45 Siege.

#8 – Wenn Not am Mann ist, steht auch Spurs-Maskottchen Coyote Gewehr bei Fuß.


Projections:
6. Spurs, 7. Jazz, 8. Clippers, 9. Kings