14 April 2019

14. Apr, 2019


Nicht, dass die abgelaufene Saison arm an guten Storylines gewesen wäre, aber... Playoffs, yo! In den nächsten acht Wochen ist endlich richtiger Basketball angesagt. Auch hier bei NBACHEF, wo wir euch mit Postseason-Content mästen. Zum Auftakt wie immer die acht Erstrundenserien im Schnellcheck - straight auf den Punkt.

von JONAS RÖHRIG @jonasRO19 | 14. Apr, 2019


Entrée

Das Team mit der besten Bilanz der Liga, gegen die vielleicht schwächste Mannschaft in diesen Playoffs? Keine perfekte Ausgangslage für neutrale Zuschauer, die auf spannende Serien hoffen. Die Bucks gewannen alle vier ihrer direkten Duelle mit den Pistons und diese zum Teil sehr deutlich, wie beim 121-89 in Milwaukee Anfang Januar. Die Bucks sind nicht nur gegen die Pistons on fire. Seit dem All-Star Break haben sie nur sieben Spiele verloren, von denen in drei ihr MVP Giannis Antetokounmpo geschont wurde.

Interessant wird immerhin das Duell der Coaches, trifft doch der letztjährige Coach des Jahres in Dwane Casey auf den vermutlich diesjährigen Gewinner Mike Budenholzer. Während sich Caseys Einfluss nur in Ansätzen erkennen lässt, hat Budenholzer die Bucks in nur einem Jahr zu einem offensiven und defensiven Monster entwickelt. Sie erzielen über 118 Punkte pro Spiel (+ 12 zur Saison 17/18), sind defensiv das beste Team der Liga und legen das beste Net Rating aller Teams auf.


Die Pistons dagegen rangieren unter den zehn schwächsten Mannschaften beim Offensiv-Rating, noch hinter Lottery Teams wie den Washington Wizards oder Minnesota Timberwolves.

Als wäre das alles noch nicht genug um die Bucks in dieser Serie vorne zu sehen, kommen die Pistons auch mit Verletzungssorgen in die Playoffs. Diese gibt es auch in Milwaukee, sind jedoch weniger schwerwiegend als der mögliche Ausfall von Blake Griffin, der mit Knieschmerzen zuletzt Spiele verpassen musste. Somit sieht es nach einer nahezu typischen No. 1 gegen No. 8 Serie im Osten aus, in der Detroit nur mit viel sehr Glück eine Chance haben wird.


Warum Milwaukee gewinnt

Giannis. Der Grieche spielt eine unfassbare Saison und kann in den Playoffs zeigen, dass er bereit ist, das Erbe von LeBron als bester Spieler der Welt anzutreten. Sein Spiel erinnert an Shaq, gepaart mit den Passfähigkeiten eines Guards.

Diese Saison legt er im Schnitt 27,7 Punkte, 12,5 Rebounds, 5,9 Assists und 2,8 Stocks (Steals  +Blocks) auf. Was diese Zahlen noch viel beeindruckender macht ist, dass Giannis weniger spielt als in den letzten drei Jahren und im Schnitt keine 33 Minuten auf dem Parkett steht. Das einzige was seinem Spiel noch zu fehlen scheint, ist der konstante Wurf von außen.

Doch wer den 24-Jährigen über die Saison verfolgt hat, der weiß, was auf die Pistons zukommt. Denn der „Greak Freek“ trifft seit Anfang Februar über 32% seiner Dreier, immer noch unterdurchschnittlich, doch deutlich besser als je zuvor in seiner Karriere.

Doch nicht nur Giannis‘ MVP-Form spricht gegen die Pistons: Detroit hat sich buchstäblich in die Playoffs geschleppt. Sie verloren vier der letzten sechs Spiele, zum Teil sehr deutlich, und mussten gegen die verletzungsgeplagten (sprich: schwer tankenden) Memphis Grizzlies einen 22 Punkte Rückstand aufholen.

Zudem hat Blake Griffin mal wieder Probleme mit seinem Knie und musste im entscheidenden Spiel in New York zuschauen. Ein Ausfall würde nicht nur offensiv wehtun, Blake scheint der einzige Spieler im Kader zu sein, der mit Giannis defensiv körperlich und athletisch auch nur annähernd mithalten kann.

Hinzu kommt die deutlich schwächere Ersatzbank, die Dwayne Casey zur Verfügung steht. Seine Wechseloptionen können weder qualitativ noch in puncto Erfahrung mit Spielern wie Nikola Mirotić, George Hill oder Pau Gasol mithalten. Die Bucks sind der haushohe Favorit und das nicht nur, weil Giannis in dieser Serie ein grünes Trikot trägt.


X-Faktor Bucks

Wegen der Verletzung von Malcolm Brogdon kommt Eric Bledsoe eine noch wichtigere Rolle in dieser Serie zu. Seine Defense ist über jeden Zweifel erhaben, doch offensiv muss er dieses Jahr bessere Leistungen als in den vergangenen Playoffs zeigen. Letztes Jahr wurde er von Terry Rozier (who?) regelmäßig düpiert und traf über sieben Spiele 44% aus dem Feld und nur 31% seiner Dreier.


Sollte Bledsoe erneut in den Playoffs abtauchen, könnte den Bucks der zweite Star neben Giannis, der für sich und andere kreieren kann, fehlen. Vermutlich wird es gegen die Pistons noch nicht allzu schwer ins Gewicht fallen, doch für einen tiefen Playoff-Run braucht Milwaukee Eric Bledsoe in Top-Form. Das Spielsystem von Coach Bud ist darauf ausgelegt, dass Giannis mit vier Shootern auf dem Feld steht. Nach Brogdons Ausfall muss Bledsoe, der diese Saison eine Dreierquote von unter 33% vorzuweisen hat, seinen Wurf konstant treffen.


Marquee Matchup

Neben Giannis steht ein Spieler mehr als andere für den Wandel, den die Bucks dieses Jahr unter Mike Budenholzer vollzogen haben. Brook Lopez hat sich und sein Spiel über den Sommer neu erfunden und brilliert diese Saison mit seinem Shooting. In der Serie gegen die Pistons kommt es für ihn zu einem Duell der Center-Typen, in dem er den modernen, werfenden Big Man und Andre Drummond den „klassischen“ Brettcenter gibt. Für die Bucks wird entscheidend sein, ob Drummond mobil genug ist, ihren Center an der Dreierlinie zu verteidigen.


Ein weiterer Aspekt dieses Matchups ist, dass wegen Lopez' Shooting Drummond weiter entfernt vom Korb spielen muss, was seinem dominanten Reboundspiel (15,6 Rebounds pro Abend) nicht entgegenkommt. Die Zahlen beweisen es: der Center der Pistons greift in den Partien gegen Milwaukee über fünf Rebounds weniger (10,5 Rebounds in vier Spielen). Kann Lopez sein Matchup gewinnen, sieht es sehr schlecht aus für die Pistons.


Warum Detroit gewinnt

Gute Frage. Es gibt nicht viel, was für einen Sieg der Pistons oder auch nur für eine knappe Serie spricht. Es muss alles perfekt laufen für Detroit, sowohl offensiv als auch am hinteren Ende des Courts. Die Pistons sind eines der besten Teams bei der Defense gegen den Dreier, erlauben die wenigsten Treffer der Liga und halten ihre Gegner bei unter 35%.

Gegen das Offensiv-Feuerwerk der Bucks muss zuallererst die Defense stehen. Pistons-Fans hoffen, dass ihr Team Giannis in dieser Serie ähnlich zusetzen kann wie in der regulären Saison, als er in vier Spielen nur knapp 20 Punkte erzielte. Unter allen Teams im Osten hat Giannis nur gegen Miami ein schlechteres Offensiv-Rating aufgelegt als in den Duellen mit Detroit.


Die Verletzung von Malcolm Brogdon spielt den Pistons ebenfalls in die Karten. Denn ohne den President ist der Backcourt der Bucks neben den Startern Bledsoe und Middleton eher unterbesetzt. Nach dem Ausfall von Brogdon rutschte Zweitjahresprofi Sterling Brown in die Rotation und stand über 25 Minuten auf dem Parkett, hier könnten sich die Pistons eine Chance ausrechnen.

Ansonsten sieht es nicht rosig aus für die Mannschaft von Dwane Casey. Um diese Serie ausgeglichen gestalten zu können muss alles nahezu perfekt laufen und eventuell müssen Pistons-Fans auch auf ein „Revenge Game“ von Thon Maker hoffen. Der junge Big Man fand nach zu geringen Einsatzzeiten in Milwaukee seinen Weg nach Detroit, wo er als Backup von Andre Drummond wichtige Minuten spielt. Doch wenn man vor einer Playoff-Serie auf Thon Maker hoffen muss, stehen die Chancen auf einen Sieg nicht wirklich gut.


X-Faktor Pistons

Neben den Stars wird vor allem die Form der beiden Guards Wayne Ellington und Luke Kennard entscheidend sein. Ihre Rolle ist klar: werfen, so viel und so treffsicher wie möglich. Seitdem er im Februar bei den Pistons angeheuert hat, wirft Ellington in 27 Minuten fast acht Dreier und verwandelt diese mit überdurchschnittlichen 37,3%. Zudem fallen die wenigen Würfe innerhalb der Dreierlinie (2,0 pro Spiel) bisher mit unglaublichen 60,7%.

Kennard zeigte in den letzten Monaten seiner zweiten Saison Ansätze, warum er den Pistons einen Lottery-Pick wert war. In April und Mai traf er über 42% seiner Dreier, von denen er fünf pro Spiel nahm, außerdem verwandelte er über 95% seiner Freiwürfe. Im besten Pistons-Lineup spielen beide Shooter, in Kombination mit Reggie Jackson, Andre Drummond und Blake Griffin. Mit dieser Aufstellung erzielen sie 37 Punkte mehr und treffen ihre Dreier 12% besser als ihre Gegner. Ellington und Kennard müssen ihre Form halten, um ihrem Team zumindest eine Chance zu geben.


Marquee Matchup

Griffin versus Giannis ist DAS Duell dieser Serie und die Pistons haben nur dann die Chance, mehr als ein Spiel zu gewinnen, wenn es Blake gelingt, das Matchup annähernd ausgeglichen zu gestalten. Sollte der Rotschopf spielen können, bleibt die Frage offen, ob er fit genug ist, um mit dem Griechen mitzuhalten.

In den Spielen gegen die Bucks in der regulären Saison hat Blake abgeliefert und mit guten Quoten 24/8/7 aufgelegt. Besonders defensiv muss der ehemalige Clipper in jedem Spiel einen Sahnetag erwischen, um im Duell der Stars Ausrufezeichen zu setzen. Nur gegen fünf andere Teams hat Giannis in der regulären Saison schlechtere True Shooting Werte aufgelegt. Blake kann ihn ärgern, stoppen kann ihn niemand.


Offensiv ist in Detroit alles auf Griffin zugeschnitten, er führt sein Team bei den Punkten, Assists und Usage Rate an. Ohne ihn in Normalverfassung müssen die Pistons fast gar nicht die Reise nach Milwaukee antreten.


Die Rechnung, bitte!