14 April 2019

14. Apr, 2019


Nicht, dass die abgelaufene Saison arm an guten Storylines gewesen wäre, aber... Playoffs, yo! In den nächsten acht Wochen ist endlich richtiger Basketball angesagt. Auch hier bei NBACHEF, wo wir euch mit Postseason-Content mästen. Zum Auftakt wie immer die acht Erstrundenserien im Schnellcheck - straight auf den Punkt.

von DANIEL SCHLECHTRIEM @W14Pick | 14. Apr, 2019


Entrée

Länger als alle anderen Teams hatten die Celtics und die Pacers Zeit, sich aufeinander einzustellen, denn dieses Matchup war angesichts der klaren Tabellenkonstellation um den vierten und fünften Rang im Osten schon seit einigen Tagen absehbar.

Und sowohl für Boston, als auch für Indiana ist das mit einer Enttäuschung gleichzusetzen: Die Pacers standen lange Zeit auf dem dritten Rang der Conference mit Kurs auf Heimvorteil, ehe sie von der schweren Verletzung Victor Oladipos zurückgeworfen wurden und nun zuerst auswärts antreten müssen. Boston hingegen galt vor der Saison als erster Kandidat auf die Finals im Osten, wurde dieser Rolle aber nie gerecht und holte bemerkenswerte sechs Siege weniger als in der letzten, verletzungsgeplagten Spielzeit.

Die beiden Teams begegnen sich zum ersten Mal seit Anfang des Jahrtausends wieder in den Playoffs, von 2003 bis 2005 trafen Boston und Indiana drei Jahre in Folge in der ersten Runde aufeinander, wobei Indiana zwei Mal das bessere Ende für sich hatte. Bisher kam es noch nie in den Conference Semi-Finals oder gar Conference Finals zu diesem Duell, weswegen es an denkwürdigen Momenten oder einer tiefverwurzelten Rivalität mangelt.


Die Kräfteverhältnisse der Gegenwart sprechen eine deutliche Sprache: Boston gewann drei von vier, verlor die einzige Partie Anfang November während der Findungsphase mit nur einem Punkt. Zwei der drei Celtics-Siege fielen dagegen ziemlich deutlich aus: 135-108 im Januar und 117-97 erst vor etwas mehr als einer Woche.

Das macht Boston zum klaren Favoriten: Vergangenes Jahr begründeten die Verletzungen der wichtigsten Spieler sowie die Unerfahrenheit Jayson Tatums und Jaylen Browns als Begründung für das erneute Scheitern gegen LeBron James, dieses Jahr zählen diese Ausreden nicht mehr.

Die Pacers hingegen versuchen, ihrem Außenseiter-Status zum Trotz nach drei Eliminierungen in der ersten Runde in Folge diese endlich wieder einmal zu überstehen.


Warum Boston gewinnt

Optimisten werden hinsichtlich der eher mäßigen Regular Season auf die Golden State Warriors sowie die Cleveland Cavaliers der letzten Saison verweisen, die nach einem nicht allzu gloriosen Vorspiel von Oktober bis April in den Playoffs zur Stelle waren und letztlich in die Finals einzogen.

Davon ist Boston sicherlich noch ein gutes Stück entfernt, die Qualität im Kader und auf der Bank bringen sie jedoch zweifelsohne mit. Die Celtics stellen eine Top-10 Offensive und Defensive, die Pacers nicht (18. und 3.). Im Vergleich zum Vorjahr hat Boston die besten Spieler (minus Marcus Smart) an Bord, Indiana nicht. Zudem sind die Kelten in Form, die Pacers bei nur fünf Siegen aus den letzten 14 Partien gegen Playoff-Teams nicht.

Boston hat sich in den letzten Spielen der regulären Saison zusammengerissen und zur richtigen Zeit ihren Rhythmus gefunden: Sechs Siege aus den letzten acht Partien – darunter gleich zwei gegen die Pacers Ende März und Anfang April – sprechen für die Form und der Fokus der Kobolde.


Vor allem mit Ball ist Boston variabler und flexibler, kann mit verschiedenen Ballhandlern die Defensive der Pacers vor Überraschungen stellen. In den vier Partien gegen Indiana erzielten sie auf 100 Angriffe gerechnet 117,6 Punkte, sieben Spieler in grün punkteten dabei im Schnitt zweistellig.

Auf fremdem Parkett schaffte es Indiana nicht einmal auf eine ausgeglichene Bilanz (19-22 Siege), während Boston im heimischen Garden zehn der letzten elf Begegnungen in den Playoffs gewonnen hat. Im Normalfall reisen sie also mit einer komfortablen 2-0 Führung nach Indianapolis. Bostons Talent und Tiefe erledigt den Rest.


X-Faktor Celtics

Marcus Smart ist aufgrund seines robusten Körperbaus für einen Guard und seiner physischen Spielweise für die Kelten nicht zu ersetzen. Jaylen Brown wird wohl an Smarts Stelle starten, allerdings gehen einige Minuten mutmaßlich auch an Terry Rozier, was angesichts dessen durchwachsener Saison mit schlechteren Werten in allen relevanten Kategorien nicht die beste Nachricht für Celtics-Fans ist.

Doch: Vergangenes Jahr erarbeitete sich Rozier den Spitznamen „Scary Terry“, weil er vor allem in den Playoffs zur Stelle war: 26 Punkte und neun Assists im entscheidenden siebten Spiel der ersten Runde gegen die Milwaukee Bucks, 29 Punkte und acht Rebounds in Spiel der Conference Semis gegen die Philadelphia 76ers sowie 28 Punkte und sieben Assists gegen die Cleveland Cavaliers in den Conference Finals sind nur drei Beispiele der starken Postseason 2018, die Rozier aufs Parkett legte.

In Abwesenheit Smarts würde den Celtics eine Wiedererweckung von „Scary Terry“ sehr gut tun. Ebenfalls nicht zu verachten wäre ein Gordon Hayward in der Verfassung der letzten Spiele (18,3 Punkte im April).


Marquee Matchup

Die Bigs der Celtics gegen Myles Turner, Thad Young und Domantas Sabonis. In Abwesenheit Oladipos schultern Indianas großgewachsene Spieler einen bedeutsamen Teil der aufgekommenen Last. Turner, Young und Sabonis punkten im Durchschnitt alle zweistellig und greifen mehr als die Hälfte der Rebounds der Pacers, zudem sind sie unterschiedliche Spielertypen und daher auch nicht gleich zu verteidigen.

Das stellt Boston vor ein Matchup-Problem, denn die Celtics sind wieder mal im unteren Drittel der Rebound Rate, ein Rim Protector von Format fehlt dem Kader schon länger. In Al Horford, Marcus Morris, Aron Baynes und Daniel Theis hat Coach Brad Stevens zumindest eine Vielzahl an Optionen, um den Hünen der Gegenseite Paroli zu bieten und nicht in der Zone zerstört zu werden.


Stevens startete in den letzten Partien der Regular Season mit Baynes neben Horford, wahrscheinlich in weiser Voraussicht, dass er in der ersten Playoff-Runde ebenfalls mit zwei stämmigen Bigs beginnen muss.


Warum Indiana gewinnt

Vergangenes Jahr waren die Pacers als Underdog nahe dran, die Cleveland LeBrons bereits in den ersten Runde zu eliminieren, scheiterten letztlich zu gleichen teilen an sich selbst und an LeBron. Diese Lehrgeld wird sich besonders im Matchup gegen die nicht immer stabilen Celtics bezahlt machen.


Ebenfalls 2018 musste Boston gegen die damals schlecht gecoachten Milwaukee Bucks in ein siebtes Spiel, gewannen gegen die Philadelphia 76ers auch eher aufgrund deren Unreife in entscheidenden Situationen und waren gegen die Cleveland Cavaliers eigentlich favorisiert, blieben jedoch im entscheidenden siebten Spiel vor heimischem Publikum blass. Auch im Jahr davor taten sich die Kelten in der ersten Runde als No. 1 Seed gegen die Chicago Bulls extrem schwer.

In Kombination mit der unsouveränen Regular Season der Celtics ergibt sich hier ein Muster und dadurch durchaus Chancen für die Pacers: Indiana klaute letztes Jahr Spiel eins in Cleveland, 2015 in Toronto und 2013 in New York. Ein erneuter Upset würde ohnehin angespannte Situation bei den Kobolden zu verschärfen.

Indianas Coach Nate McMillan weiß, worauf es gegen Boston ankommt und wird versuchen, das Tempo aus dem Spiel nehmen. In der Pressekonferenz vor dem ersten Spiel betonte er die Bedeutung der eigenen Transition Defense als Schlüssel, um Bostons athletischen Wings und Point Guards keine einfachen Punkte zu ermöglichen.

Die Teamchemie, der Underdog-Status und die Beharrlichkeit selbst nach Oladipos Ausscheiden spricht für Indiana. Vielleicht reicht das ja, um den Favoriten in Bedrängnis zu bringen.


X-Faktor Pacers

In Abwesenheit Oladipos hat Bojan Bogdanović die eigene Produktivität kräftig nach oben geschraubt und seiner Profession als Scharfschütze alle Ehre gemacht: Im Schnitt 23,1 Punkte bei 54,6% aus dem Feld im Februar sowie 21,8 Punkte bei 51% aus dem Feld sprechen für sich.


Im vergangenen Jahr gegen die Cavaliers brachte der Kroate als Hoffnungsträger eine durchwachsene Serie aufs Parkett, nun ist sein Händchen angesichts der überschaubaren Gefahr von Downtown der Pacers (29. in Dreierversuchen) wichtiger denn je. Bogdanović wird die besondere Aufmerksamkeit der Flügelverteidiger der Celtics genießen, denn sie wissen, dass sich Indiana eine schlechte Serie ihres besten Schützen kaum leisten kann.


Marquee Matchup

Wer verteidigt Kyrie Irving? Irving versteht sich selbst als Franchise Player Bostons. Diese Auffassung teilen nicht alle, findet sich aber im Spielsystem Brad Stevens' wieder. Positionsgerecht würde Indianas Starting Point Guard Darren Collison Kyrie gegenüberstehen, der ist aber nicht gerade für seine überragende Verteidigungsarbeit berühmt. Daher wird Coach Nate McMillan mutmaßlich Tyreke Evans sowie den im Februar vom Buyout-Markt akquirierten Wesley Matthews gegen Irving stellen.

Offensiv sind die Pacers nicht einmal Durchschnitt, daher liegt der Schlüssel darin, die Serie möglichst lange offen zu halten mit ihrer erstickenden Verteidigung (3. im Defensiv-Rating). Gelingt es ihnen im Verbund, Kyries Zahlen zu reduzieren, springt als Bonus im Idealfall sogar neuerliche interne Unruhe im Haus Celtics heraus.


Die Rechnung, bitte!