14 April 2019

13. Apr, 2019


Nicht, dass die abgelaufene Saison arm an guten Storylines gewesen wäre, aber... Playoffs, yo! In den nächsten acht Wochen ist endlich richtiger Basketball angesagt. Auch hier bei NBACHEF, wo wir euch mit Postseason-Content mästen. Zum Auftakt wie immer die acht Erstrundenserien im Schnellcheck - straight auf den Punkt.

von DANIEL SCHLECHTRIEM @W14Pick | 13. Apr, 2019


Entrée

Nach fünf Spielzeit in Folge in der Zuschauerrolle melden sich die Denver Nuggets in den Playoffs zurück und das sogar mit der zweitbesten Bilanz in der hart umkämpften Western Conference. Zuletzt eine Serie gewonnen hat Denver mit Carmelo Anthony als Franchise Player. Ja, so lange ist das her. 2009.

Wie das Leben so spielt bekommen sie es beim Comeback ausgerechnet mit dem Team zu tun, das wie sonst keines in der Association für Beständigkeit steht. Die San Antonio Spurs erreichen seit der Spielzeit 1997/98 ununterbrochen die Playoffs, selbst wenn – wie dieses Jahr – die Umstände gegen sie sprechen. Allein in den letzten zehn Jahren, in der Zeitspanne, in der die Nuggets keine Serie gewannen oder nur zuschauten, holte San Antonio ein Mal die Meisterschaft, stand ein weiteres Mal in den Finals sowie zwei Mal in den Conference Finals.


Und doch liegt der Favoritenstatus nicht bei ihnen, sondern allein schon weil es sich um eine No. 2 gegen No. 7-Serie handelt bei Denver. Die Nuggets weisen die beste Heimbilanz der Liga auf (34-7 Siege), für sie gilt also die alte Weisheit, dass sie „nur“ ihre Spiele auf heimischem Parkett gewinnen müssen, um in die nächste Runde einzuziehen.

Wirkliche Brisanz oder historische Bedeutung hat dieses Matchup nicht, erwähnenswert ist höchstens, dass sich beide Mannschaften ausschließlich in der ersten Runde begegneten, niemals später. In den Achtzigerjahren trafen die Spurs und Nuggets in zwei Playoff-Runden aufeinander und gewannen je eine. Anschließend begann San Antonios Triumphzug, vier Serien in Folge stehen pro Spurs in den Geschichtsbüchern. Zuletzt eliminierten sie Denver 2007 humorlos mit 4-1 während ihrer goldenen Ära um Tim Duncan, Manu Ginóbili und Tony Parker. Diese Serien waren allesamt eher Pflichtprogramm als Basketballgeschichte.


Warum Denver gewinnt

Die Nuggets gehören zu den positiven Überraschungen der Saison, haben sich lange mit dem Titelverteidiger Golden State Warriors einen Kampf um den Spitzenplatz geliefert und keinen Grund, ihren Erfolgsweg zu verlassen.

Die große Stärke liegt in der Tiefe. Denvers Topwerte in Assist Percentage (2.) und Offensive Rebound Percentage (1.) sowie Second Chance Points (2.) unterstreichen die Schwerpunkte Teamplay und Hustle.

Im Laufe der Saison verletzten sich die Leistungsträger Will Barton und Gary Harris, auch Paul Millsap und Jamal Murray verpassten eine Handvoll Partien. In eine Krise stürzten die Nuggets deswegen aber nicht, sie schafften es immer wieder, die Personalengpässe aufzufangen. Youngster wie Malik Beasley und Monte Morris sprangen in die Bresche und trugen einen wesentlichen Teil zur besten Nuggets-Saison seit zehn Jahren bei.

Nicht zu ersetzen ist der konstante Faktor in Denvers Spiel: Nikola Jokić führt die internen Statistiken in Punkten (20,0 pro Spiel), Rebounds (10,8) und Assists (7,2) an. Als moderner Point Center markiert der Serbe den Fixpunkt in Denvers Offensive und stellt Teams ohne athletischen Rim Protector, wie es die Spurs sind, mit seiner Variabilität vor ein Matchup-Problem.



X-Faktor Nuggets

Paul Millsap ist der mit Abstand erfahrenste Recke im jungen Nuggets-Team. Die Produktion des inzwischen 34 Jahre alten Forwards hat unter den Wehwehchen der letzten Jahre gelitten, in den Playoffs gelten aber bekanntermaßen eigene Regeln. Millsap verfügt als einziger in Denvers Starting Five über nennenswerte Postseason-Erfahrungen, die gerade gegen die ausgefuchsten Spurs unersetzlich werden.



Die Nuggets brauchen Millsap aber nicht nur als Anführer, sondern als Gegenpol zum Big Man-intensiven Spiel der Spurs. Vermutlich wird Coach Mike Malone seinen Veteranen gegen LaMarcus Aldridge stellen, umgekehrt werden sich aufgrund des zu erwartenden Fokus auf Nikola Jokić Freiräume für Millsap ergeben. Unterm Strich hängt also mehr vom einstigen 2nd Round Pick ab, als es seine Rolle während der Regular Season vermuten lässt.


Marquee Matchup

Der Backcourt der Nuggets gegen DeMar DeRozan. Denver verfügt nicht über den einen individuellen Edelverteidiger, der einen versierten Scorer wie DeRozan eine ganze Serie lang ins Visier zu nehmen versteht. Deshalb werden sie den ehemaligen Raptor wenn überhaupt nur im Kollektiv stoppen respektive limitieren. Gary Harris und Will Barton dürften sich vornehmlich um DeRozan kümmern.


Warum San Antonio gewinnt

Wie oft wurden die Spurs in den letzten Jahren schon abgeschrieben? Auch diese Saison, spätestens als Starting Point Guard Dejounte Murray wegen einer schweren Knieverletzung für die gesamte Spielzeit die Segel streichen musste. Das hat das Team von Gregg Popovich nicht davon abgehalten, wieder einmal alle Zweifler ruhig zu stellen und letztlich souverän in die Postseason einzuziehen.

Das Matchup gegen die Nuggets kommt ihnen entgegen, denn Denver agiert weder offensiv noch defensiv auf elitärem Level. Sie spielen ähnlich langsam wie die Spurs, auch das wird Popovich schmecken. Zudem feuert Denver nicht aus allen Rohren von der Dreierlinie, was San Antonio als Mannschaft mit den mit Abstand wenigsten Dreierversuchen exzellent ins Konzept passt.


Das Thema Erfahrung muss hier nicht mehr erwähnt werden, ebenso relativiert sich in einer Playoff-Serie traditionell der Vorteil, den die Mile High City mit sich bringt. Beim straffen Reiseplan der Regular Season macht sich der dortige Höhenunterschied bemerkbar, in den Playoffs lassen sich die Gäste dank entsprechender Vorbereitung und Akklimatisierung davon weniger beeindrucken, der Effekt nimmt ab. Beispielsweise verloren die Nuggets 2013 ihre letzte Serie trotz Heimvorteil als Favorit gegen die damals noch äußert grünen Golden State Warriors.

Die vier Duelle der Regular Season endeten mit zwei Siegen auf jeder Seite. Dieses Matchup ist also ausgeglichener, als es die Tabellenkonstellation vermuten lässt, erst recht, da die Nuggets nicht in Topform in die Postseason gehen und sechs ihrer letzten elf Partien verloren haben.


X-Faktor Spurs

Auf Aldridge und DeRozan kann Popovich zählen, dahinter stehen aber einige Fragezeichen. Marco Belinelli wirft seit Jahren extrem streaky, Patty Mills ist an manchen Abenden ein Gamechanger, an anderen überfordert.

Für mehr Kontinuität im Spiel muss also ein weiterer Veteran sorgen, Rudy Gay. Dessen Playoff-Historie ist angesichts seiner Prominenz reichlich übersichtlich, erst zwei Serien weist seine Vita auf: Eine 2012 mit den Memphis Grizzlies, eine im letzten Jahr mit den Spurs gegen die Warriors, die zügig in fünf Spielen vorbei war.

Der 32 Jahre alten Forward hat also noch etwas zu beweisen und die Chance, als X-Faktor für die Spurs einen echten Unterschied zu machen, um seinen Ruf als ineffizienter Backsteinwerfer etwas zu korrigieren.


Marquee Matchup

Gregg Popovich gegen Nikola Jokić. Der beste Coach der Liga wird diverse Unternehmungen starten, um Jokić im Zaum zu halten. Die nominellen Starting Bigs Jakob Pöltl und LaMarcus Aldridge sind hierfür individuell nicht stark genug, ihre Backups schon gleich gar nicht.


Es ist also an Popovich, tief in die Trickkiste zu greifen und Jokić im Kollektiv geschickt zuzustellen, um den besten Gegenspieler aus dem Fluss zu bringen. Weil Denver ein klassischer Point Guard fehlt und der nominelle Starter auf der Eins, Jamal Murray, nicht einmal fünf Assists pro Spiel aufs Scoreboard bringt, wird Popovich seinen ganzen Fokus auf den serbischen Koloss richten.


Die Rechnung, bitte!