14 April 2019

14. Apr, 2019


Nicht, dass die abgelaufene Saison arm an guten Storylines gewesen wäre, aber... Playoffs, yo! In den nächsten acht Wochen ist endlich richtiger Basketball angesagt. Auch hier bei NBACHEF, wo wir euch mit Postseason-Content mästen. Zum Auftakt wie immer die acht Erstrundenserien im Schnellcheck - straight auf den Punkt.

von DANIEL SCHLECHTRIEM @W14Pick | 14. Apr, 2019


Entrée

Rockets gegen Jazz, die Neuauflage eines Klassikers der Western Conference. Hakeem Olajuwon gegen Karl Malone und John Stockton in den Neunzigern, Yao Ming und Tracy McGrady gegen Deron Williams und Carlos Boozer in den Nullerjahren. Nun bahnt sich eine neue Rivalität an, denn erst vergangene Saison trafen Houston und Utah in den Conference Semi-Finals aufeinander.

Wie bereits 2018 sind auch 2019 die Texaner favorisiert, allerdings hat der Unterschied zwischen beiden Teams abgenommen, was sich schon an den Endresultaten der Regular Season zeigt. Im letzten Jahr holten die Rockets satte 17 Siege mehr als die Jazz, in dieser Spielzeit waren es nur ganze drei. Houstons deutlicher 4-1 Sieg in den Playoffs des letzten Jahres ist also kein Gradmesser mehr, ein Duell auf Augenhöhe steht bevor.


Nach den direkten Vergleichen der regulären Saison steht es 2-2, wobei die beiden Siege der Jazz ebenfalls nicht als Messlatte taugen, da sie auf Oktober respektive Anfang Dezember datieren. Zu diesem Zeitpunkt waren die wankelmütigen Rockets noch mit sich selbst beschäftigt, zeigten erst ab Mitte Dezember ihr wahres Gesicht und kämpften sich vom 14. Platz der Conference bis auf die Ränge der Homecourt Advantage vor. Ob besagtes wahre Gesicht dem letzten direkten Aufeinandertreffen im Februar entspricht, als sie den Jazz eine deftige 125-98 Heimniederlage beibrachten, wird diese Serie zeigen.


Warum Houston gewinnt

Die Rockets sind zum richtigen Zeitpunkt in Hochform. Sie haben 20 der letzten 24 Partien gewonnen, stellen insgesamt die zweitbeste Offensive und seit dem All-Star Break auch die zweitbeste Defensive der Liga. Endlich können sie auf den ganzen Kader zurückgreifen und haben eine funktionierende Rotation gefunden. Die Suspendierungen, Verletzungen und personellen Fehlgriffe der regulären Saison sind fortan Makulatur. In Bestbesetzung ist Houston weiterhin der erste Herausforderer im Westen auf den Titelverteidiger.

Die Kaderzusammenstellung zu Saisonbeginn war – vorsichtig ausgedrückt – suboptimal, im Laufe der Spielzeit hat Houstons GM Daryl Morey jedoch qualitativ nachgebessert und in Austin Rivers, Kenneth Faried und Iman Shumpert gleich drei Spieler geholt, die in der Serie gegen die Jazz durchaus ein signifikanter Faktor werden können. Rivers als Verteidiger auf den Guard-Positionen, Shumpert als Finals-erprobter 3&D Wing, Faried als Energizer und Vollstrecker.

Wichtigster Grund ist und bleibt aber selbstverständlich James Harden, der den Jazz schon letztes Jahr in den fünf Spielen 28,0 Punkte einschenkte – und das obwohl er von der Dreierlinie nur äußert bescheiden traf (26,4%). Mit der Empfehlung einer historisch starken Saison (36,1 Punkte und 7,5 Assists) ist Harden der beste Offensivspieler der Liga und hat alle Waffen im Repertoire, um das Bollwerk der Jazz zum Einsturz zu bringen.


Utah verteidigt im Kollektiv überragend, jedoch fehlt ihnen der eine individuell brillante Flügelverteidiger, der Hardens Kreise einzudämmen versteht. Und sollten die Jazz ihn konsequent doppeln, stehen die zahlreichen Distanzschützen der Rockets blank und stellen die Mormonen vor das bekannte mathematische Problem, dass drei eben höher ist als zwei. In der Regular Season nahm Houston im Schnitt zehn Dreier mehr pro Spiel als Utah, eine durchschnittliche Trefferquote reicht also schon, um den Gegner in Bedrängnis zu bringen.

Umgekehrt wird Houston das defensive Hauptaugenmerk auf Donovan Mitchell richten. Mit Eric Gordon, Austin Rivers, Iman Shumpert und auch Allzweckwaffe P.J. Tucker stehen solide Optionen zur Verfügung. Houstons Defensive weiß, wie Mitchell zu stoppen ist: In den letzten drei Begegnungen traf Utahs Shooting Guard nur 33% seiner Würfe, insgesamt nur 44%.

Dem erst 22 Jahre alten Sophomore fehlt noch die Erfahrung und Abgeklärtheit eines James Harden oder Chris Paul, um trotz einer solchen Sonderbehandlung über eine Serie hinweg effektiv zu Werke zu gehen. Und die offensiv eindimensionalen Jazz sind zu abhängig von Mitchell, um fehlenden Punkte zu egalisieren. Auch insgesamt gilt: Houstons defensive Upside ist deutlich höher als Utahs offensive. Das wird die Serie entscheiden.


X-Faktor Rockets

Chris Paul hat keine sonderlich bemerkenswerte Saison gespielt. Punkteschnitt und Trefferquote sind ebenso gesunken wie Net Rating und Effizienz. Dass die Abgesänge auf den 33-Jährigen allerdings zu früh angestimmt wurden, werden die Playoffs zeigen – denn genau für diese Situationen haben die Rockets den Veteranen geholt, hier kann und soll er den Unterschied ausmachen und Harden entlasten.

Dass CP3 weiterhin ein elitärer Playmaker ist, muss hier eigentlich nicht erwähnt werden. Er hat sein Conference-Finals-Trauma im vergangenen Jahr überwunden, der Kopf ist jetzt frei. Daher gilt: Spielt Paul eine gute bis sehr gute Serie, werden die Rockets in die nächste Runde einziehen. Davon ab können Houstons Shooter Gerald Green (7/12 Dreier am 3. Februar gegen Utah) oder Danuel House jederzeit heiß laufen und damit zumindest in einem der Spiele zum X-Faktor werden.


Marquee Matchup

Clint Capela gegen Rudy Gobert. Im vergangenen Jahr dominierte Capela seinen französischen Kumpel, der NBA und NBACHEF Defensive Player of the Year wirkte insbesondere im direkten Clinch mit Capela wie ein Schatten seiner selbst. Houstons Center personifizierte sich mit 3,6 Blocks pro Spiel zu dem Anker unter dem Korb, den die Jazz gegen die Offensivwucht der Rockets gebraucht hätten.




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Auch offensiv ließ Capela im Verbund mit seinen Playmakern Harden und Paul den „Stifle Tower“ mehr als einmal schlecht aussehen. Das macht dieses Matchup in der Neuauflage so entscheidend. Dominiert Houstons Center erneut an beiden Enden die Zone, stehen die Chancen der Jazz ziemlich mau.


Warum Utah gewinnt

Die Jazz sind gewachsen – sowohl die Leistungsträger Donovan Mitchell (22) und Rudy Gobert (26), als auch der Kader selbst. Im Vergleich zum Vorjahr hat Utah den Starting Point Guard Ricky Rubio zur Verfügung, der den Unterschied offensiv wie defensiv bemerkbar macht. Rubios nicht vorhandener Wurf macht ihn gegen die Rockets nicht zur Idealbesetzung auf der Eins, dennoch sind die Jazz mit ihm besser gerüstet als im Vorjahr.

Zudem sollte Coach Quin Snyder aus den Fehlern des Vorjahres gelernt haben und nicht wieder Gobert zusammen mit Derrick Favors starten lassen, stattdessen primär auf ein kleineres Lineup mit Jae Crowder auf der Vier setzen. Favors ist als Rim Protector kein Downgrade im Vergleich zu Gobert, sollte dieser gegen Capela erneut Schwierigkeiten haben, ist der nominelle Power Forward vielleicht sogar die bessere Wahl als alleiniger Big Man.

So oder so sind die Bigs der Schlüssel, denn die Vorteile der Mormonen liegen klar an den Brettern: Mit ihren Wehrtürmen Gobert und Favors ist Utah Spitzenreiter in der Defensive Rebound Percentage, Houston hingegen 29. Offensiv sind die Raketen auch nur Durchschnitt. In diesem Potential an zusätzlichen Würfen und Second Chance Points liegt die große Chance der Jazz, vor allem auch wenn sie selbst aufmerksam sind und den feuerwütigen Texanern so wenige zusätzliche Würfe wie möglich gestatten.


Anders als die Rockets waren die Jazz in dieser Saison weitgehend stabil, der durchwachsene Start eher dem schweren Spielplan geschuldet. Houston hingegen hat auch nach den Korrekturen und Feinjustierungen bis in den Februar hinein immer wieder Stimmungsschwankungen an den Tag gelegt und hohe Führungen abgegeben, vor allem im letzten Viertel.

Als dies im Februar gegen die Oklahoma City Thunder passierte, kommentierte deren Starspieler Paul George folgerichtig: „We knew this team was going to let us back in.“ Die mentale Stärke des Vorjahres fehlt den Rockets, auch das ist eine große Chance für die Jazz.


X-Faktor Jazz

Von signifikanter Bedeutung für dieses Matchup ist die Addition des Scharfschützen Kyle Korver. Korver trifft den Dreier schlafwandlerisch und gibt Utah somit eine Antwort auf das Feuerwerk, das sie von der Gegenseite erwartet. Zudem bringt der 38-jährige Haudegen nicht nur grundsätzlich jede Menge Erfahrung ins Team, er war auch 2008 dabei, als die Jazz die Rockets zum letzten Mal eliminierten.


Korver weiß wie's geht und hat das in all den Jahren nicht verlernt. Vergangenen November erst traf er im Trikot der Cleveland Cavaliers innerhalb von 19 Sekunden zwei Dreier und veränderte somit das Momentum zugunsten des krassen Außenseiters, der das Spiel letztlich gewann. Mit dem Spielermaterial in Utah an seiner Seite ist Korver eine noch größere Gefahr für die Rockets.


Marquee Matchup

Utahs Defensive gegen James Harden. Die beste Chance, die Rockets zu besiegen, liegt in einer schlechten Serie Hardens. Ihn zu stoppen ist praktisch unmöglich, ihm das Leben schwer zu machen hingegen schon, erst recht für eine elitäre Verteidigung wie die der Jazz.

Nominell wird mutmaßlich Rubio zunächst den amtierenden MVP verteidigen, weil der jedoch mit seinen zahlreichen Switches ohnehin immer wieder die vermeintliche Schwachstelle in Utahs Defense herauspickt und dann in die Isolation geht, muss jeder Spieler der Jazz auf Harden vorbereitet sein. Von bedeutender Entscheidung in diesen Situationen sind die Disziplin und Nerven von Hardens Gegenspieler. Bekanntermaßen lockt er seinen Bewacher nur allzu gerne in die Falle, um an die Freiwurflinie zu gehen.

Harden von der Linie fern zu halten ist jedoch nur der Anfang, seine Wege zum Korb zuzustellen und gleichzeitig die Passwege zu den lauernden Schützen zu schließen die Meisterleistung, die es im Kollektiv bedarf, um Harden zu limitieren und die eigenen Chancen somit aufrecht zu erhalten.


Die Rechnung, bitte!