14 April 2019

14. Apr, 2019


Nicht, dass die abgelaufene Saison arm an guten Storylines gewesen wäre, aber... Playoffs, yo! In den nächsten acht Wochen ist endlich richtiger Basketball angesagt. Auch hier bei NBACHEF, wo wir euch mit Postseason-Content mästen. Zum Auftakt wie immer die acht Erstrundenserien im Schnellcheck - straight auf den Punkt.

von ANNO HAAK @kemperboyd | 14. Apr, 2019


Entrée

Die Portland Trail Blazers setzten sich am letzten Spieltag der regulären Saison gegen die Sacramento Kings durch - zu sechst (weil Terry Stotts seine gesamte Rotation schonte) und nach monströsem Rückstand - und brachten so Platz drei in der Western Conference noch unter Dach und Fach.

Der Lohn? Ein Date mit den Oklahoma City Thunder, das an sechs platzierte Team im Westen. OKC gilt für Viele angesichts des zwischenzeitlichen Hochs und Paul Georges MVP-mässiger erster Saisonhälfte (vor der besorgniserregenden Schulterverletzung) als Enttäuschung. Dessen ungeachtet wirkt das Team von Billy Donovan nicht nur wie der absolute Matchup-Altraum für die Blazers, sondern hat einen klaren Pfad ins Conference Finale vor der Nase.




Ein Beitrag geteilt von Oklahoma City Thunder (@okcthunder) am

Portland ist eins dieser Teams aus dem Process-Paralleluniversum, in dem Playoffbasketball als solcher durchaus einen Wert hat. Es gab allerdings in den fünf Jahren seit dem Playoffrebirth nach dem schamvollen Ende der Brandon Roy/Greg Oden-„Ära“ nur zwei Seriensiege, gegen die Howard-Rockets vor inzwischen einer halben Dekade und verletzungsgeplagte LA Clippers 2016.

So geht es nun gegen eines der playoffaffinsten Teams jenseits vom Alamo. OKC verpasste nur einmal in den letzten 10 Jahren die Nachsaison, erreichte vier Mal die Western und einmal die richtigen Finals, der letzte Seriensieg allerdings stammt noch aus der langsam verbleichenden Ära des Kevin Durant in der Prärie. Immer dabei: die Dreifach-Triple-Double-Schnitte Russell W.

Nicht nur dank dieser jüngeren Geschichte der Thunder, auch dank des peinlichen Abschieds Rip Citys von der vergangenen Saison gegen die weitgehend unbedarften New Orleans Pelicans darf man die Favoritenrolle wohl unkonventionell den sechstplatzierten Thunder zuschieben. Beide Teams gemeinsam schreiben so ein Kapitel nahezu blütenneuer NBA-Playoff-Historie, denn man traf sich trotz 12 Jahren gemeinsamer Existenz in der (geographisch betreffs OKC unsinnig) nordwestlichen Division bisher nie in einer Serie nach Ende der 82 Spiele (wer hier die Matchups zwischen Blazers und Sonics anführen mag, möge sich sonicsgate.org in Endlosschleife schauend in Grund und Starbucks schämen).

Beide Klubs wollen sich zwingend für die peinliche Schmach im Vorjahr rehabilitieren. Damals schieden beide in Runde eins aus. Mindestens ein Team erwartet heuer das selbe Schicksal!


Warum Portland gewinnt

Die Blazers reihten die gefühlt 15. soldie Saison an die anderen 14, gewannen souverän die Division, machten einfach das, was in der „Tanking, Superteam, Process, Lakers Drama, Vertragstampering, Blödsinn“-Liga eigentlich der Sinn der Sache sein sollte: sie gewannen mehr, sogar deutlich mehr Basketballspiele als sie verloren, wieder einmal.

Dabei, die Nachhaltigkeit wird gegen die viertbeste Defensive der Liga auf 100 Ballbesitze unter Beweis zu stellen sein, legte Rip City die drittbeste Offense der Liga auf, nur die Irrsinnsinnenstädter aus Oakland und Bart City scorten besser.


Die Splits geben eine absolut konstante Saison mit am Ende nicht weniger als 53 Siegen im knüppelsbrutalen Westen wieder. Nur Richtung Weihnachten schwächelte man, kassierte zwischen dem 1.11. und dem Jahresende 15 der nur 29 Niederlagen, die Truppe ist auch ohne den verletzten Jusuf Nurkić ordentlich auf Playoffspeed, gewann fünf der letzten sechs Spiele und robbte im Sauseschritt an die Topteams aus Denver und Golden State heran.

Mit Damian Lillard hat man einen legitimen Zweitreihenkandidat in der MVP-Diskussion in den Reihen, die Karrierewerte in mehreren Effizienzspalten machten aus dem respektierten All-Star einen Top-6 NBA Spieler. Lillard hat Portland im Alleingang binnen sieben Jahren zurück auf die NBA Landkarte und in Playoffserien wie diese gehievt.


X-Faktor Trail Blazers

Jusuf Nurkić. Respektive die Frage, wie man den zweitbesten Blazer des laufenden Jahres ersetzen kann (ja, ist so, sorry, CJ McC.). Der Beinbruch ist in Umkehrung des alten Sprichwortes für Portland tatsächlich ein solcher. Netto sind die Blazers rund 13 Punkte auf hundert Besitze schlechter, wenn Nurkić sitzt. Gerade in der insgesamt eher mediokren Defensive ist der Bosnier im Grunde als Anker nicht zu ersetzen, jedenfalls nicht von Verteidigungsallergikern wie Enes Kanter.


Stotts, der als einer der bessern seines Fachs gilt, wird zaubern müssen. Kaum eine realistische Lineup ohne Nurkić funktionierte bisher überdurchschnittlich, was naturgemäß auch daran liegt, dass außer dem Center kaum ein Akteur in diesem offensivgebundenen Kader über Grasnarbenniveau verteidigt. Wer unter diesen Umständen Steven Adams bremsen soll, ist ein Puzzle.


Marquee Matchup

Die Flügel/Guards aus Oregon gegen Paul George. In Abwesenheit von Andre Roberson wird George wohl übernehmen müssen, wer immer die heiße Hand hat, ob MVP Lillard, Co-MVP McCollum oder der immerscherzende Evan Turner. Bekommen die Blazers insbesondere aus der Distanz mehr als die ridikülen 28% in der regulären Saison auf die Scoreboards von Rose und Chesapeake, dürfte die Favoritenrolle zum Heimvorteil wandern.


Warum Oklahoma City gewinnt

Eigentlich war es ja als Neuaufbaujahr avisiert. Also jedenfalls von denen, die eigentlich wenig Einblick haben, aber immer alles besser wissen. George war sicher ein Laker, Westbrooks Einbruch eine Frage des 'Wann', nicht des 'Ob' und ohne Roberson, was will man da schon reißen in der neuen LeBron James-Conference?


Na, dasselbe wie immer, ca. 50 Siege und die Freude am Fahren (Drive!, verstehen Sie?). Westbrooks eher kleinteilige Effizienz überlebte man auch ein weiteres Jahr lang, auch dank der Monster Performance des legitimen MVP, DPOY und MIP-Kandidaten PG13. Der zweite Teil der Antwort: weil sie es immer tun. Vier Siege in vier Partien der regulären Saison (alle vor der Verletzung von Nurkic) zeigen, dass Portland nicht das übelste Matchup für den Donner zu sein scheint.


X-Faktor Thunder

Steven Adams und die Frage, wie gut er den Nurkić-Ausfall für OKC melken kann. In den vier Saisonspielen mit Nurkić auf Seiten der Blazers war er kein großer Faktor für die vier Siege in vier Spielen. Doch gegen Herumschubskandidaten wie Kanter und Skal Labissiere sollte die Rolle als X-Unterstützer für das Superstarduo aus Westbrook und George drin sein.


Marquee Matchup

Westbrook gegen Lillard. In der regulären Saison half der „Statschaser“ in immerhin ca. zehn unmittelbaren Aufeinandertreffen pro Spiel mit für das deutlich unterdurchschnittliche ORtg von Portland bestem Spieler (fast sieben Zähler schlechter auf 100 Besitze als im Saisonschnitt). Bleibt Westbrook auch in der Serie defensiv zumindest kein Minusfaktor, würde das helfen, die tabellarische Außenseiterposition in einen Sieg zu drehen.



Die Rechnung, bitte!