13 April 2019

13. Apr, 2019


Nicht, dass die abgelaufene Saison arm an guten Storylines gewesen wäre, aber... Playoffs, yo! In den nächsten acht Wochen ist endlich richtiger Basketball angesagt. Auch hier bei NBACHEF, wo wir euch mit Postseason-Content mästen. Zum Auftakt wie immer die acht Erstrundenserien im Schnellcheck - straight auf den Punkt.

von MARC LANGE @godzfave44 | 13. Apr, 2019


Entrée

Der Erste gegen den Achten. Eigentlich eine klare Geschichte. Zur Erinnerung: Erst fünf NBA Teams vollbrachten das kleine Wunder und schickten in der ersten Runde den First Seed vorzeitig in den Sommerurlaub. Eines davon waren übrigens die „We Believe“-Warriors aus der Saison 2006/2007. Der Underdog kickte damals die haushoch favorisierten Dallas Mavericks aus dem Rennen und schrieb ein Stück Geschichte. Dirk windet sich deswegen wahrscheinlich noch heute im Schlaf.

Zwölf Jahre später sind die Voraussetzungen völlig andere. Golden State startet selbst von Platz eins im Westen in die Postseason. Trotz einer weniger dominanten regulären Saison als zunächst vermutet, sind Stephen Curry, Kevin Durant, DeMarcus Cousins & Co. erneut heiße Kandidaten auf die Larry O'Brien Trophäe. Mit den Clippers, die vor der Saison wohl niemand so richtig auf dem Zettel hatte, haben die Warriors außerdem ihren Wunschgegner erhalten und konnten dem Duo Westbrook & George vorerst aus dem Weg gehen.


Können wir das Matchup des klaren Titelaspiranten aus Oakland und der vermeintlichen Pflichtaufabge aus Los Angeles also getrost überspringen? Auf keinen Fall! Denn diese Serie bringt alles mit, um Basketballfans in der Halle, vor dem TV, Laptop oder mobilen Endgerät auf höchstem Niveau zu unterhalten – auch wenn der große Upset am Ende vielleicht ausbleibt.


Warum Golden State gewinnt

Rattern wir zuerst einmal die offensichtlichen Dinge herunter: Golden State ist offensiv eine absolute Macht. Die Warrios haben mit Curry, Durant und Klay Thompson drei aktuelle All-Stars in ihren Reihen, die zusammen 74,8 PPG scoren. Mit DeMarcus Cousins wurde diese Saison zusätzlich einer der besten Big Man der Liga verpflichtet, der seinen Spielstil schnell dem des Teams anpasste. Die Jungs von Steve Kerr belegten in der regulären Saison Platz eins bezüglich des Offensiv-Ratings (115,9) und schenkten ihren Gegnern im Schnitt die zweitmeisten Punkte ein (117,7).


Doch neben der bekannten Shooting-Power hat der Titelverteidiger seit dem All-Star Break auch am defensiven Ende erschreckend gute Zahlen zu bieten. Die Wichtigste hierbei: 95,1. Die Startformation der Warriors hat in der zweiten Hälfte der Saison lediglich 95,1 Punkte pro 100 Possessions zugelassen. Der beste Werte ligaweit unter allen Formationen, die seit dem 18. Februar mindestens 100 Minuten zusammen gespielt haben. Das „Lineup of Death“ scheinen die Warriors mittlerweile also ebenfalls in einer defensiven Ausführung zu besitzen.

Auch wenn Golden State im Verlauf der Saison oft etwas lethargisch wirkte und das ein oder andere Drama im Vordergrund stand: Spätestens mit dem ersten Anpfiff einer Playoff-Partie sollte die Motivation und der Fokus zurückkehren, welche dieses Team für die Konkurrenz fast unschlagbar macht.


X-Faktor Warriors

Was macht der Knöchel von Stephen Curry? Im vorletzten Spiel der Saison verletzte sich der Splash Brother gegen die New Orleans Pelicans und sorgte somit für einige Schweißperlen im Lager der Warriors. Steve Kerr gab mittlerweile Entwarnung und erwartet Curry auf dem Parkett für Spiel eins in den Playoffs. Gute Nachrichten für Golden State, schlechte für die Clippers. Doch schaut man auf die Verletzungshistorie des 31-Jährigen – speziell auf die im Zusammenhang mit dem Knöchel und Sprunggelenk – ist Skepsis angebracht, ob bei Curry vom Schienbein abwärts wirklich alles so rund läuft wie offiziell verkündet. Fakt ist: Curry ist seit dem Spiel in New Orleans garantiert nicht in besserer Verfassung als davor.

So stellt sich die Frage: Wollen die Warriors wirklich mindestens vier Spiele Patrick Beverley (dazu gleich mehr) auf den angeschlagenen Knöchel von Curry loslassen? In der nächsten Runde warten vermeintlich schwerere Aufgaben mit den Houston Rockets oder Utah Jazz. Zwar sollte ein Weiterkommen gegen LA auch ohne den „Baby-faced Assassin“ drin sein, doch will man diese Serie unnötig verlängern? Currys Fuß ist somit der größte X-Faktor für die Warriros.


Marquee Matchup

Oh, boy! Das Matchup Pat Beverley gegen Steph Curry wird ein Fest für die Augen (und Ohren). Der Kettenhund der Clippers ist einer der wohl unangenehmsten (und unbeliebtesten) Spieler der Liga. Mit seiner knallharten Defense wandert er oft am Rande der Legalität. Auch im Trashtalk machen dem 30-jährigen Guard nicht viele etwas vor. Egal über welchen Weg: Irgendwie schafft es Bev in die Köpfe seiner Gegenspieler. Steph Curry ist einer davon. Bereits 2016, Beverley damals noch im Trikot der Rockets, gab es eine erste physische Auseinandersetzung zwischen den beiden Streithähnen in den Playoffs – technische Fouls inklusive.


Kurz vor Weihnachten flackerte die Abneigung der beiden Guards wieder auf: Nach einem Flex von Curry in Beverlyes Gesicht, schlug dieser nach dem Ball, worauf erneut eine Schubserei entstand und es entsprechend technische Fouls regnete.

Speziell in den Playoffs wird Beverley nun alle Register ziehen und Curry – auf welche Weise auch immer – versuchen aus der Fassung zu bringen. Wird dieser, trotz Provokationen, einen kühlen Kopf bewahren oder wird es ihn vielleicht nur noch mehr motivieren? Es wird interessant zu sehen sein, wer sich hier schließlich an wem den Zahn ausbeißt.


Warum LA gewinnt

Die Clippers sind klarer Underdog. Und das ist auch gut so. Diese Saison ist die erste in der Post-Lob-City-Ära, in der niemand etwas von ihnen erwartet. Genau darin liegt ihre Stärke. Doc Rivers bildete in kurzer Zeit eine Einheit, die ohne Superstar funktioniert und schnellen, attraktiven sowie vor allem selbstlosen Basketball aufs Parkett zaubert.

Hierin könnte auch das Rezept für den Erfolg liegen: Die Clippers haben die beste Bank der Liga. Diese steuert im Schnitt 53,3 PPG bei (Platz eins). Allein 36,6 Punkte davon übernehmen Lou Williams (20) und Montrezl Harrell (16,6). Gerade Williams bewies in der Vergangenheit, dass er wichtige Würfe treffen und Spiele an sich reißen kann. Es gibt also keinen Grund die Rotation großartig zu verändern und jeder kann seine Verschnaufpausen bekommen.

Ein weiterer Vorteil für die Clippers: Sie müssen keine Angst vor der kleinen Lineup der Warriors haben. Ganz im Gegenteil: Eine Lineup mit Lou Williams, Shai Gilgeous-Alexander, Landry Shamet, Danilo Gallinari und Montrezl Harrell wäre sogar die beste Formation, die Doc Rivers offensiv aufs Feld schicken kann.




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Gleichzeitig würde somit aber auch viel Last auf den Schultern der Rookies liegen. SGA und Landry Shamet bewiesen diese Saison bereits, dass in den nächsten Jahren mit ihnen in der NBA zu rechnen ist. Ob sie die Leistungen der letzten Wochen nun aber auch direkt auf der ganz großen Bühne gegen das wohl beste Team der NBA abrufen, bleibt fraglich. Doch auch hier gilt: Es kann frei aufgespielt werden, der Druck liegt in dieser Serie nur bei den Warriors.


X-Faktor Clippers

Angenommen die Grundvoraussetzungen (Bank schwächelt nicht, Gallinari und Williams verletzen sich nicht, Beverley hält Curry halbwegs in Schach) funktionieren, wird Landry Shamet zum X-Faktor für die Clippers. Der Rookie spielt eine starke Kampagne und avanciert in Doc Rivers' angesprochendem selbstlosen Offensivsystem immer mehr zu „Landry Lights Out“. Er hält mit sieben Dreiern in einer Partie den Rookie-Rekord der Clippers und rangiert außerdem mit 167 Dreiern insgesamt auf Platz vier in der All-Time Rookie Liste. Das Sahnehäubchen: Nur ein anderer Rookie schaffte es bislang in seiner ersten Spielzeit mehr als 160 Dreier bei mindestens 42% Trefferquote zu versenken: Steph Curry.

Fängt Shamet gegen die Warriors Feuer, eröffnen sich automatisch neue Möglichkeiten. Die eigentlichen Hauptoptionen im Angriff, Williams und Gallinari, werden besser zum Zug kommen. Die Warriors müssen dementsprechend ihren Defensiv-Schlachtplan adaptieren – hetzen sie Andre Iguodala auf Shamet und verzichten dafür über längere Abschnitte auf Cousins, was wiederum Harrell und Ivica Zubac in die Karten spielt? Es wird viel davon abhängen, wie sich Shamet in den Playoffs präsentiert. Dass ausgerechnet ein Rookie für die Clippers zum X-Faktor werden könnte macht jedoch Hoffnung für die Zukunft. Die Entwicklung zeigt – zumindest bei einem Team aus Los Angeles – in die richtige Richtung.


Marquee Matchup

Danilo Gallinari gegen Draymond Green/Kevin Durant. Es ist relativ schwierig vorherzusagen, welcher der beiden Warrior sich Gallinari die meiste Zeit über annehmen wird. Doch egal wer es angeht, der Italiener wird kein leichtes Spiel haben. Greens Defensiv-Power ist bekannt und Kevin Durant wird dem Scharfschützen der Clippers mit seiner Länge Probleme bereiten.


Doch auch umgekehrt wird es eine Herausforderung: Gallinari blickt mit knapp 20 Punkten, sechs Rebounds und rund 2,5 Assists pro Partie auf eine seiner besten Spielzeiten in der NBA zurück. Er ist zudem nur einer von zwei Spielern, die dieses Jahr sowohl in den Top-5 bei der Trefferquote vom Dreipunkteland (43.3%) und der Freiwurflinie (90.4%) auftauchen (der andere Spieler ist Steph Curry). Zudem traf er in dieser Saison 44 von 45 Clutch Freiwürfen – Spitzenwert. Durant und Green sollten beim Small Forward also lieber die Hände aus dem Spiel lassen.


Die Rechnung, bitte!