19 April 2019

19. Apr, 2019


Willkommen zur Award-Jahreszeit! Während die jeweils acht besten Teams der beiden Conferences sportlich die Darwin'sche Evolutionstheorie glorifizieren, gilt es für uns, einen Moment inne zu halten und der abgelaufenen regulären Saison Revue passieren zu lassen. In den sechs bekannten Kategorien hat die #NBACHEF Redaktion ihre Favoriten gewählt.

von MARC LANGE @godzfave44 | 19. Apr, 2019


Und der Preis für den besten sechsten Mann geht an...

Sixth Man of the Year:
Lou Williams (LA Clippers)

Stats ‘18/19: 
20,0 PPG | 3,0 RPG | 5,4 APG | 0,8 SPG | 0,1 BPG | 42,5% FG | 87,6% FT in 75 gm.

Highlights:
- Seit März die meisten Punkte eines Bankspielers in der NBA-Geschichte
- 16 Spiele mit mindestens 25 Punkten von der Bank in der regulären Saison
- Erster Spieler der NBA Geschichte, der 30 Punkte und 10 Assists in weniger als 23 Minuten auflegt (14. Februar gegen die Phoenix Suns)

Es wurde letztes Jahr bereits gefordert, doch nun führt wohl wirklich kein Weg mehr dran vorbei: Der NBACHEF Sixth Man of the Year Award sollte einfach in den „Lou Williams Award“ umbenannt werden. Der 32-Jährige schnappt sich zum dritten Mal in Folge die Krone und macht damit den persönlichen Three-Peat perfekt. Es ist der vierte Award in den letzten fünf Jahren für Sweet Lou.

Wie schafft es der drahtige Guard der Clippers jedes Jahr aufs Neue so extrem heiß zu laufen? Es muss der Hunger sein.

Mit nur 79 Kilogramm bei einer Körpergröße von 1,85 Metern gleicht Williams in der Liga etwa einem Schmetterling unter einer Herde Büffeln. Das ist allerdings absolut so gewollt: Die personifizierte Mikrowelle der Clippers will so leicht und flink sein wie möglich. Deswegen hungert er an Spieltagen. Es gibt zwar ausgiebiges Frühstück in Form von Kartoffelpuffer, Ei und French Toast. Doch danach bleibt die Küche zunächst geschlossen.

Erst nach Abpfiff gibt es wieder eine Mahlzeit. Das sind an vielen Tagen bis zu zwölf Stunden. Den angestauten Hunger nimmt die Nummer 23 der Clippers währenddessen mit aufs Feld und will ihn dort stillen – mit Punkten, Assists und Clutch Plays. Es ist ein Ritual, welches in krassen Kontrast zu den üblichen Spielvorbereitungen von Profiathleten steht. Doch es wirkt. Und das ist die Hauptsache für Williams.

Dass er an seiner Diät nichts ändern muss, zeigen auch die aktuellen Zahlen. Der gebürtige Tennessean legte mit 20 Punkten, 5,4 Assists und drei Rebounds pro Partie fast identische Werte wie vergange Saison auf. Allein das würde ihn schon dazu legitimieren, den Award erneut zu gewinnen. Aber damit nicht genug: Für diese Werte stand er 2018/2019 rund sechs Minuten weniger auf dem Parkett als vergangenes Jahr.

Gleichzeitig hatte er noch nie öfter den Ball in der Hand als in dieser Saison. Ganze 32,4 Prozent aller Plays laufen über ihn, wenn er für Los Angeles das Hardwood betritt. Ein eindeutiger Beweis dafür wie unverzichtbar der Shooter für Doc Rivers, dessen System und den Erfolg der Mannschaft ist.


Schlechte Nachrichten für die Konkurrenz: Es ist noch kein Ende von Lous Bank-Dominanz in Sicht. Trotz 32 Jahren auf dem Buckel verfeinert der ehemalige Mr. Georgia Basketball sein Spiel mit jeder Spielzeit weiter. 2015 gewann er seinen ersten offiziellen SMOTY-Award in der NBA. Damals noch im Trikot der Toronto Raptors. Doch er war noch nie dynamischer und effizienter als in den zurückliegenden zwei Kampagnen in Los Angeles. Wie ein feiner Wein scheint Williams mit dem Alter nur noch besser zu werden.

Ein Grund dafür ist sicherlich die Sixth-Man-Rolle, die er so unnachahmlich gut erfüllt. Diese hat ihn seine Karriere über bislang nur durchschnittlich 24,6 Minuten pro Partie aktiv eingreifen lassen. Williams' Körper ist noch nicht verheizt. Ganz im Gegenteil: Seit 2013 zeigt die Kurve bei ihm, statistisch gesehen, nach oben. Zum Vergleich: Carmelo Anthony stand seine bisherige Karriere über rund 36 Minuten pro Spiel auf dem Parkett.

Werden wir uns hier also in einem Jahr an Ort und Stelle wieder treffen um den neu eingeführten „Lou Williams Award“ an Lou Williams zu überreichen? Es wäre zumindest keine Überraschung. Neben allen bereits errungenen Trophäen und Rekorden hat der wohl beste sechste Mann der NBA-Geschichte aber sicherlich noch viele weitere Ziele vor Augen. Wie wäre es mit einem Weiterkommen gegen die Warriors? Fest steht: Für einen Spieler mit solch einem Hunger ist alles bisher erreichte lediglich die Vorspeise gewesen.


Abstimmungsergebnis:
1. Lou Williams (25)
2. Domantas Sabonis (12)
3. Montrezl Harrell (10)
4. Derrick Rose (5)
5. Spencer Dinwiddie (2)

* Zum Abstimmungsverfahren: Jeder stimmberechtigte Redakteur wählt seine drei Favoriten und vergibt an diese je nach Präferenz drei, zwei oder einen Punkt.