03 April 2019

3. Apr, 2019


Die NBA Playoffs stehen vor der Tür. Bevor sich die finalen Entscheidungen ergeben und die Begegnungen der ersten Runde feststehen, diskutiert die #NBACHEF-Redaktion: Welcher der möglichen Herausforderer bringt den letztjähigen ins Schwitzen? Wer dominiert den Osten in Jahr eins n. L. (Nach LeBron)? Wer sind die X-Faktoren der beiden Conferences? Und welche Serien wollen die Redakteure unbedingt sehen?

von NBACHEFSQUAD  | 3. Apr, 2019


Der spannendste Erstrunden-Herausforderer für die Warriors

Marc Lange @godzfave44: Unabhängig davon, dass es dieses Jahr wohl gegen kein Playoff-Team im Westen ein Spaziergang wird: Auf die San Antonio Spurs möchte generell niemand stoßen – erst recht nicht in der ersten Runde. Mindestens ein Spiel werden die Warriors auswärts wohl abgeben müssen. Vor heimischer Kulisse gab es für die Texaner diese Spielzeit lediglich neun Niederlagen. Nur die Bucks (6) und Nuggets (7) sind diese Saison bislang noch schwerer Zuhause zu knacken. Und außerdem: Coach Pop hat immer einen Plan.

Torben Siemer @LifeOfTorben: Wie spannend das Erstrunden-Matchup der Warriors wird, liegt vor allem an den Warriors. Wenn sie „locked in“ sind, wie Steph Curry sagen würde, wird ihnen kein Gegner gefährlich. Meine Stimme geht nach Oklahoma City. Die nächste Runde KD vs. Russ? Gerne. Und die Chance für Paul George, dass „Playoff P“ nicht zum Synonym dafür wird, dass sich jemand in der heißesten Phase der Saison in die Hose macht.

Stefan Dupick @hoopsgamede: Die Thunder sind ein mächtiges Matchup für den Titelverteidiger. OKC ist gut aufgestellt, um die Warriors zu fordern. Wenn Westbrook seine Wut in den Griff bekommt, George an seine Leistung von vor ein paar Wochen anknüpfen kann, der Dreier generell fällt, Adams am offensiven Brett aufräumt und Schröder ordentlich von der Bank punktet, dann kann die Serie spannend werden – möglicherweise etwas hypothetisch... zumindest können die Medien wieder eine Westbrook vs. Durant Geschichte stricken.

Christoph Lenz @NBAKenner: In den Playoffs gelten bekanntlich eigene Gesetze. Daher sind auch die schwächelnden Thunder nach wie vor der unangenehmste potentielle Gegner in Runde eins. Kürzere Rotationen und der größere Fokus auf die Roster-Spitze lassen den aktuell extreme wirkenden Qualitäts-Unterschied zwischen OKC und Golden State zumindest ein wenig schrumpfen. Nichtsdestotrotz ist selbst der schwerste Gegner in der ersten Playoff-Runde für die Warriors kein realistischer Stolperstein, doch in den folgenden Runden könnte für den im Saisonverlauf nicht immer harmonischen Titelverteidiger durchaus schwere Aufgaben warten, für die selbst eine leicht holprige Erstrunden-Serie von Curry & Co. sicher kein Nachteil wäre.

Daniel Schlechtriem @W14Pick: Die Thunder. Eine Serie zwischen Westbrook und Durant schulden uns die Basketball-Götter, seit sich der „Slim Reaper“ nach Nordkalifornien geschlängelt hat. Und da KD nun Golden State hinter sich zu lassen droht, ist der Zeitpunkt gewiss nicht verkehrt. Denn auch wenn OKC letztlich chancenlos bliebe – sie haben nicht vergeben und vergessen und würden dem Champion zumindest ein paar aufreibende, sehenswerte Runden liefern.



Der neue König des Ostens

Lange: Hier muss einfach Giannis genannt werden. Seine Entwicklung ist (für die Konkurrenz) einfach nur beängstigend. Er wird immer besser. Er wird immer dominanter. Und das Wichtigste: Dank eines super soliden Supporting Casts gewinnt er mittlerweile für die Bucks auch immer mehr Spiele. Kurz und knapp: Der einzige Weg in die Finals führt im Osten in den nächsten Jahren durch Milwaukee.

Siemer: Lang lebe König Giannis. Milwaukee ist nicht nur auf dem Weg zu 60 Siegen, sondern auch zum Heimvorteil für die komplette Postseason. Die Bucks haben laut Basketball-Reference die beste Defensive der Liga und die viertbeste Offensive. Giannis zockt seit Saisonbeginn auf MVP-Niveau, legt 27-12-6 bei 58 Prozent aus dem Feld in weniger als 33 Minuten auf und dominiert phasenweise nach Belieben. An ihm führt in Jahr eins nach LeBron kein Weg vorbei auf dem Weg zur Krone im Osten.

Dupick: Der neue König des Ostens ist MVP to be, Giannis Antetokounmpo – der Grieche spielt unfassbar geilen Basketball und wenn er seinen Wurf in den Griff bekommt, dann kann sich die Liga warm anziehen. Als Team favorisiere ich jedoch die Raptors. Wenn Siakam seine Leistung in die Playoffs retten kann, dann ist Toronto für die Playoffs gerüstet und für mich leicht über den Bucks anzusiedeln.

Lenz: Der König ist tot, lang lebe der König! Seit acht Jahren wird die Eastern Conference von dem Team gewonnen, das den besten Spieler der Conference, wahrscheinlich auch den besten Spieler der Liga, stellt. Diese Serie wird auch in diesem Jahr nicht abreißen, denn „The Alphabet“ wird sich und seinen Bucks nach dem Bester-Spieler-der-Conference-Zepter, auch die Conference Champion Krone sichern und damit eine bedeutende Empfehlung abgeben, den letzten Schritt zu gehen und auf dem Thron des besten NBA-Spielers Platz zu nehmen, den LeBron James so lange innehatte.


Schlechtriem: Auf den ersten Blick spricht in der Tat alles für die Bucks sowie Giannis' endgültigem Durchbruch zum Superstar der Liga. Aber: Zum Saisonstart haben hier an Ort und Stelle vier Redakteure die Boston Celtics zum „Beast of the East“ erklärt, Resultat bekannt. Es lohnt sich also ein zweiter Blick: Diese Bucks haben noch keine einzige Playoff-Serie gewonnen und sollen nun auf Anhieb den Sprung auf den vakanten Thron des Osten schaffen? Dafür waren sie mir in den letzten Playoffs noch zu flatterhaft, außerdem ist die Konkurrenz um die Raptors, Sixers und Celtics im ersten Jahr nach LeBron ironischerweise so stark und ausgeglichen, wie sie es zu dessen Regentschaft nie war. Deshalb wird – zumindest für dieses Jahr – Kawhi Leonard der neue König des Ostens. Toronto hat mehr zu verlieren als alle anderen.


Der X-Faktor im Westen

Lange: Die Los Angeles Clippers! Die Erfolgsformel „Addition durch Substraktion“ hat wohl selten so schön funktioniert, wie 2019 beim Team von Doc Rivers. Eine unglaublich tiefe Bank, attraktiver Teambasketball und die Wiederauferstehung von Danilo Gallinari (23,9 PPG, 7,5 RPG und 45% vom Dreipunkteland im März) lassen die Clippers momentan auf eine 50-Siege-Saison zusteuern und beweisen, dass man im Westen auch ohne All-Star ein Wörtchen mitreden kann.

Siemer: Oben angedeutet, hier ausgebreitet: Wie viel Bock haben die Warriors? Und wie viele Backsteine hat Draymond Green noch in dem Rucksack, den er sich für seine Dreier aufzusetzen scheint? Green war noch nie der profilierteste Distanzschütze, die 27 Prozent in dieser Saison sind aber der mieseste Wert seit seinem Rookie-Jahr. Darüber hinaus wird der 28-Jährige als Center gefragt sein, wenn die Konkurrenz wie befürchtet DeMarcus Cousins als defensive Schwachstelle ins Visier nimmt.


Dupick: Chris Paul kann im Osten zum X-Faktor werden. Wenn wir davon ausgehen, dass James Harden weiterhin wie ein Irrer punktet, dann braucht er jedoch einen Co-Star an seiner Seite und das muss Chris Paul sein – wenn Harden und Paul die Leistung der Vorsaison bringen, dann können die Rockets den Warriors gefährlich werden, aber nur dann. Ansonsten werden die Warriors den Westen dominieren.

Lenz: Die Golden State Warriors sind der X-, Y- und Z-Faktor im Westen. Den Schlüssel zu allem was in diesen Playoffs passiert, haben die Titelverteidiger anscheinend fest umschlungen. Dennoch gilt es zu beweisen, ob sich die Problemchen auf und vor allem neben dem Court, die den Saisonverlauf der Warriors mehr geprägt haben als in den letzten Jahren der Steve Kerr–Ära, abstellen lassen. Eine Verletzung von Curry oder Durant könnte nicht nur, aber auch wegen der angespannten Gesamtsituation noch mehr als in den Vorjahren, der Genickbruch für die gefühlt unausweichliche Titeljagd sein. Ein Vorgeschmack gab die Serie gegen die Rockets in den 2018er Conference Finals, als die Verletzung von Andre Iguodala den klaren Favoriten an den Rand des Ausscheidens gebracht hat.

Schlechtriem: Wie schon letztes Jahr hab ich Utah. Die Mormonen werden auch dieses Mal nicht mit Heimvorteil in die Playoffs gehen, wären aber zumindest in meinen Augen gegen den momentan wahrscheinlichsten Widersacher, die Portland Trail Blazers, dennoch favorisiert und somit ein Kandidat für den Wiedereinzug in die Conference Semi-Finals. X-Faktor im negativen Sinne: Die Denver Nuggets. Starke Regular Season, doch in den Playoffs weht bekanntlich ein anderer Wind und dass dieses junge Team sein Niveau dort halten kann, bezweifle ich. Wer immer gegen Denver spielt, ist mein Top-Kandidat für den größten Upset in Runde eins.


Der X-Faktor im Osten

Lange: Letztes Jahr fehlte es noch ein wenig an Reife. Das machte den Philadelphia 76ers bzw. Joel Embiid und Ben Simmons schließlich einen Strich durch die Rechnung. Die Celtics waren einfach abgezockter. Doch auch diese Niederlage war ein Teil des Prozesses. Aus einem vielversprechenden Tandem ist, dank der Verpflichtungen von Jimmy Butler und Tobias Harris, mittlerweile ein bombenstarkes Quartett in Philly geworden – Playofferfahrung inklusive. Alles andere als die Eastern Conference Finals wären für die 76ers eine Enttäuschung.

Siemer: Es ist einfach, es ist naheliegend, aber manchmal muss es auch das sein. Der X-Faktor im Osten ist Kawhi Leonard. „The Claw“ hat zwar weiterhin keine Lust auf Öffentlichkeitsarbeit, aber ganz offensichtlich wieder Spaß am Basketball. Leonard legt in Toronto Karriere-Bestwerte in Punkten und Rebounds pro Spiel auf und nähert sich der Form an, mit der er 2017 den dritten Platz des MVP-Votings erreichte. Dass er als Raptor noch kein einziges Back-to-Back gespielt hat, ist je nach Lesart entweder ein Warnsignal oder gutes „load management“.

Dupick: Die Harmonie unter den „Big Four“ bei den 76ers ist für mich der X-Faktor. Wenn Embiid, Simmons, Butler und Harris Prioritäten setzen, dann kann Philly für eine große Überraschung im Osten sorgen. Sollten die Playoffs für die 76ers frühzeitig beendet sein, dann sollten die Verantwortlichen nicht nur über die Zukunft mit Butler und/oder Harris nachdenken, sondern auch einen Simmons-Trade überdenken.




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Lenz: Die X-Faktoren im Osten finden sich in Philadelphia und Boston. Die beiden mit jeweils mehreren Superstars gespickten Top-Favoriten vor Saisonstart mussten sich, zumindest was den Kampf um die besten Playoff-Sitze angeht, den Einzel-Superstars mit Kollektiven aus Milwaukee und Toronto geschlagen geben. Nun wird es spannend zu sehen sein wie sich die Big Four (sorry Indiana, aber ohne Oladipo seid ihr in den Playoffs nicht gefährlich genug) in den Playoffs formieren und wer zum richtigen Zeitpunkt aufs Gaspedal steigt, um dann zur Stelle zu sein, wenn es drauf ankommt. Die „Phantastic 5“ der Sixers hat an ihren guten Tagen absolut das Zeug dazu, jedes andere Team im Osten zu schlagen und Boston mit den phasenweise schwankenden Tatum, Brown, Hayward in Topform sind ein ernstzunehmender Kandidat für den Finals-Einzug. Jeweils diverse Fragezeichen und X-Faktoren, aber diese beiden Teams können den Verlauf der Ost-Playoffs bestimmen.

Schlechtriem: Zählen die Celtics als X-Faktor? Von Rang fünf bis acht wird kein Team im Osten auch nur irgendwas reißen, die Pacers ohne Oladipo auch nicht. Milwaukee, Toronto und Philadlephia sind die Favoriten. Bleibt Boston, bei denen seit dem ersten Spieltag Sand im Getriebe ist. Dennoch: Mit Horford, Irving und Hayward haben die Kobolde so viel Qualität und Erfahrung im Locker Room, dass ich ihnen ohne zu zögern die Finals ebenso zutraue wie ein sang- und klangloses Ausscheiden in der ersten oder zweiten Runde.


Diese Serie muss kommen

Lange: Ich will die Revanche! Eine Neuauflage der Rockets gegen die Warriors wäre das Spektakel der Post Season. Einziger Änderungswunsch: Bitte bleiben alle Protagonisten die gesamte Serie über fit. Ganz besonders ein gewisser Chris Paul, der vergangenes Jahr nur eine Wadenverletzung davon entfernt war, Golden State in den vorzeitigen Sommerurlaub zu schicken.


Siemer: Milwaukee gegen Philadelphia, Bucks gegen Sixers, „Greek Freak“ gegen „The Process“. Giannis Antetokounmpo gegen Joel Embiid. Beide haben ihren Anspruch deutlich gemacht, die Lücke zu füllen, die LeBron James' Abgang in die Western Conference hinterlassen hat. Also lasst sie die erste Ausgabe einer hoffentlich langen Rivalität ausspielen. Ich stell' schon mal die Getränke kalt.

Dupick: Bucks vs. Raptors im Conference Finale im Osten. Es wäre spannend zu sehen, wie Toronto Giannis verteidigt. Den Griechen zu stoppen ist unmöglich, aber die Raptors haben verschiedene Möglichkeiten, um seine Kreise einzugrenzen und ihm das Leben schwer zu machen. Diese Serie muss einfach kommen.

Lenz: Sixers versus Celtics. Die Teams mit den unterhaltsamsten Persönlichkeiten der Liga, die bei ihren Matchups schon in der Regular Season für reichlich Gesprächsstoff sorgten. Zudem die Revanche für die Serie im Vorjahr. Die Namen der Top fünf Spieler gegeneinander gestellt klingen durchaus klangvoller und schmackhafter als bei den kollektiver agierenden Top-Seeds im Osten. Ein Finale zwischen Milwaukee und Toronto wäre eine interessante neue Note für die Eastern Conference, aber die Traditions-Franchises und Rivalen könnten für pures Entertainment sorgen. Gebt mir Simmons gegen Irving, Redick gegen Brown, Butler gegen Hayward, Harris gegen Tatum und Embiid gegen Horford!

Schlechtriem: Der Stachel der Western Conference Finals 2018 sitzt bei mir immer noch tief. Wer den Westen gewinnen will, muss so oder so am Titelverteidiger vorbei. Daher: Rockets gegen Warriors im Re-Match. Houston spielt keine überragende Regular Season, hat Golden State dennoch in drei der vier Partien 2018/19 geschlagen. Die Vorzeichen für einen Rückkampf auf Niveau des Vorjahres sind gegeben, etwas besseres kann uns nicht passieren.