12 Mai 2019

12. Mai, 2019


Während die Top-Klubs den NBA-Titel unter sich ausmachen, haben die anderen Franchises die Saison 2018/19 längst abgehakt und blicken optimistisch/pessimistisch in die Zukunft. Im gewohnten 30er Split analysiert die #NBACHEF-Redaktion alle Teams, ihre Situation und den bevorstehenden Sommer. Heute: Die Brooklyn Nets.

von JONAS RÖHRIG @jonasRo19 | 12. Mai, 2019


Saison 2018/19

Kaum jemand hätte dem „anderen“ Team aus New York eine solche Saison zugetraut: Die Nets überraschten auf ganzer Linie und das obwohl sich ihr vielleicht bester Spieler nach nur 14 Partien den rechten Knöchel auskugelte und bis Anfang Februar ausfiel.

Nach der Verletzung von Caris LeVert Mitte November brachen die jungen Nets in ihren Leistungen ein und verloren ohne ihren Top-Scorer (18,3 PPG) zwölf der nächsten 15 Spiele. Die junge Mannschaft zeigte jedoch Moral und gewann von Ende Dezember bis zum All-Star Break 22 Partien, bei nur zehn Niederlagen. Nach einem durchwachsenen Start legte D’Angelo Russell in Abwesenheit von LeVert richtig los. Seine Stats ab Januar können sich sehen lassen: 24,4 Punkte, 3,9 Rebounds, 7,8 Assists, 1,3 Steals in knapp über 31 Minuten.


Mit diesem Schwung erreichte Brooklyn 42 Siege und damit zum ersten Mal eine positive Bilanz seit der Spielzeit 2013/14. Als Lohn winkte Platz sechs in der Eastern Conference und ein Postseason-Duell mit den Philadelphia 76ers. Nach fünf Spielen gegen die Sixers war zwar schon Schluss, doch nicht nur in den Playoffs beeindruckten sie mit ihrem unterhaltsamen und furchtlosen Spiel. Der sympathische Kader, zusammengesetzt aus Spielern, die anderswo durchs Raster fielen, schaffte es mit Einsatz und Leidenschaft zu begeistern.


Offseason Agenda

Ganz oben auf der Agenda für diesen Sommer steht in Brooklyn die Free Agency von D’Angelo Russell. Der All-Star Guard spielte die beste Saison seiner Karriere und ist gerade mal 23 Jahre alt, doch hinter seinem Namen stehen nach wie vor Fragezeichen.

Schafft er es, sich defensiv zu stabilisieren? Waren seine Leistungen Ausreißer in einem „Contract Year“? Kann er seine Ballverluste auf durchschnittliches Niveau senken? Sehr viele Unsicherheiten bei einem Spieler, der einen Vertrag nördlich der 20 Mio. $-Grenze bekommen wird. Die Nets werden vermutlich mit jedem Angebot für ihren Restricted Free Agent gleichzuziehen, dennoch bleibt es spannend, ob andere Teams Brooklyns finanzielle Schmerzgrenze herausfordern.

Neben dem neuen Vertrag für Russell gilt es im Sommer, den Kader weiter zu entwickeln. Sicherlich nicht schaden werden die 54 Mio. $ an Cap Space, die Brooklyn zu Verfügung stehen. Während ihre stadtinternen Rivalen schon Kevin Durant- und Kyrie Irving-Trikots beflocken, rechnen sich die Nets selbst Chancen auf einen der Top Free Agents aus – vielleicht sogar auf besagtes Duo.

Sie spielen im größten Markt der NBA, besitzen einen jungen und talentierten Kader mit Playoff-Erfahrung und gewannen zwölf Spiele mehr als in der Vorsaison. Hinzu kommt mit Kenny Atkinson ein junger und guter Coach, der mit Sean Marks einen fähigen GM an seiner Seite weiß. Die Frage, warum ein Star die Knicks den Nets vorziehen sollte, ist berechtigt.

Sportliche Verstärkung sollte vor allem auf der großen Flügel-Position gesucht werden, auf der sich Rondae-Hollis-Jefferson auch in dieser Saison nicht durchsetzen konnte. Für seinen im Sommer auslaufenden Vertrag können die Nets, wie bei Russell, mit jedem Angebot gleichziehen, die Schmerzgrenze dürfte allerdings deutlich niedriger liegen.

Als Ergänzung wäre hier Julius Randle von den New Orleans Pelicans eine Traum-Lösung für Nets-Fans, der junge Big Man würde perfekt in den Kader passen, hat allerdings eine Spieleroption und wird daher auf ein lukratives Angebot vertrauen, sollte er jene nicht ziehen.

Die auslaufenden Verträge der wichtigen Veteranen Jared Dudley und DeMarre Carroll dürften zu günstigeren Konditionen verlängert werden. Gerade Dudley gewann mit seinem beherzten Auftreten in den Playoffs viele Sympathien.



Draft

Mit dem 17. Pick liegen die Nets zwar außerhalb der Lottery, doch Spieler wie LeVert, Jarrett Allen und Rodions Kurucs zeigen, dass das Management auch mit späten Picks umzugehen weiß.

Ein mögliches Ziel für den Flügel ist der Franzose Sekou Doumbouya, der sich als gerade mal 18-Jähriger in der französischen Pro A durchgesetzt hat. Doumbouya ist physisch schon weit für sein junges Alter und hat seinen Dreier immer weiter stabilisiert.

Neben Doumbouya könnten sich die Nets auch an das Projekt Bol Bol heranwagen. Der Sohn von Manute Bol (1985 bis 1995 in der NBA) deutete an der University of Oregon zwar Star-Potential an, gilt aber, bedingt durch seine Verletzungsanfälligkeit, als der größte „Boom or Bust“-Pick des Drafts 2019.


Zukunft

Die Nets sind wieder da – und sie sind hier um zu bleiben. Es hat sechs bittere Jahre gedauert, um das schwärzeste Kapitel der Franchise-Geschichte namens „Billy King-Ära“ zu verarbeiten, doch jetzt scheint wieder die Sonne über Brooklyn.


Man könnte sogar so weit gehen und sagen, dass nur wenige Teams perspektivisch in einer besseren Situation sind. Kaum ein andere Franchise ist finanziell so gut aufgestellt, hat die Vertragsverlängerung des eigenen All-Stars (Russell) selbst in der Hand und kann dank gutem Management langfristig planen.