23 Mai 2019

23. Mai, 2019


Während die Top-Klubs den NBA-Titel unter sich ausmachen, haben die anderen Franchises die Saison 2018/19 längst abgehakt und blicken optimistisch/pessimistisch in die Zukunft. Im gewohnten 30er Split analysiert die #NBACHEF-Redaktion alle Teams, ihre Situation und den bevorstehenden Sommer. Heute: Die New Orleans Pelicans.

von STEFAN DUPICK @hoopsgamede | 23. Mai, 2019


Saison 2018/19

Die Pelicans beendeten die Saison mit 33 Siegen und 49 Niederlagen, hatten somit mit dem Rennen um die Playoffs nichts zu tun. Dabei war der Start durchaus vielversprechend: New Orleans gewann die ersten vier Partien, stand Mitte November bei ordentlichen 10-7 Siegen. Beflügelt durch diesen guten Start sowie den Einzug ins Conference Halbfinale in der Vorsaison waren die Erwartungen in Louisiana also berechtigter Weise sehr hoch – es kam jedoch ganz anders als erwartet.

Nach und nach gerieten die Pelikane in eine Ergebniskrise, standen Ende des Kalenderjahres mit deutlich negativer Bilanz nur noch im Schatten der Playoff-Ränge. Im Januar folgte dann der dicke Knall, als Franchise Player Anthony Davis auf indirektem Weg über die Medien verkündete, dass er seinen 2020 auslaufenden Vertrag in New Orleans keinesfalls verlängern werde und einen Trade fordere. Eine Liste seiner gewünschten Destinationen fand ebenfalls zeitnah den Weg an die Öffentlichkeit.

Ab diesem Moment war die Saison der Pelicans gelaufen, ein Davis-Trade stand über allem sportlichen Geschehen. Das Management sondierte den Markt, stellte hohe Forderungen, fand aber kein geeignetes Paket für einen Transfer des Superstar zur Trade Deadline – gegebenenfalls sogar vorsätzlich, um den Bieterkrieg auf den Sommer zu verschieben und die Boston Celtics zu involvieren, die im Februar noch kein Angebot auf Davis abgeben durften, jedoch einige interessante Assets im Safe haben.

Statt eines Trades wurde Davis' Spielzeit drastisch reduziert, um ein Verletzungsrisiko zu minimieren und die Chancen für die Lottery durch Niederlagen zu verbessern. Entsprechend irrelevant war die restliche Saison der Pels.



Offseason Agenda

Es gilt, die Zeit nach Anthony Davis vorzubereiten. Hier kommt im Sommer sehr viel Arbeit auf den neuen GM David Griffin zu, der sich selbstbewusst gibt, Davis zum Bleiben zu überreden. AD selbst hat jedoch bereits verlauten lassen, dass sein Wechselwunsch nach wie vor Bestand hat.

Neben beiden Teams aus Los Angeles und New York wird auch den erwähnten Celtics ein gesteigertes Interesse an einem Davis-Trade nachgesagt. An Angeboten mangelt es also weiterhin nicht.

Zusätzlich zum Drama um AD wird ein großer Teil des Kaders der Vorsaison im Sommer Free Agent. Die Pelicans müssen zunächst entscheiden, ob Stanley Johnson und Cheick Diallo (Restricted Free Agents) sowie Jahlil Okafor (Team Option) eine Zukunft im Smoothie King Center haben. Zudem werden Elfrid Payton, Darius Miller, Ian Clark und Jordan Crawford Unrestricted Free Agents. Zu guter Letzt wird Julius Randle seine Player Option für neun Mio. $ voraussichtlich nicht ziehen, da er auf dem freien Markt deutlich mehr verdienen kann.

Sollte ein radikaler Rebuild eingeleitet und mit dem Davis-Trade junge Spieler für die Zukunft verpflichtet werden, dann wäre zusätzlich ein Trade von Jrue Holiday zu überdenken. Der frisch ins All-Defensive Second Team gewählte Point Guard wird in diesem Sommer 29 Jahre alt und könnte auf Grund seiner Leistungen durchaus ein interessantes Trade-Paket wert sein, beispielsweise für die Phoenix Suns oder Indiana Pacers.


Neben dieser Vielzahl an Problemen gibt es dank der Draft Lottery jedoch auch Positives zu vermelden.


Draft

Der Draft 2019 gehört dem designierten No. 1 Pick Zion Williamson. Zion ist so gut, dass er als der beste Prospect seit Anthony Davis gehandelt wird. Ein Spieler, der die Zukunft einer Franchise alleine beeinflussen kann.

Glücklicherweise für die Pels haben es die Lottery-Götter gut mit ihnen gemeint, denn New Orleans gewann die Lotterie um den ersten Pick, obwohl die Chance nur bei ca. 6% lag. David Griffin samt Management-Team werden ihr Glück kaum fassen können, dass sie in Zion den nächsten Superstar quasi auf dem Tablett serviert bekommen.


Der erste Zion-Effekt war sogleich spürbar: Noch in der Lottery-Nacht erlebte der Ticketshop einen regelrechten Ansturm, die Pelicans verkauften in kurzer Zeit über 3 000 Jahreskartenpakete.


Zukunft

Für die nahe Zukunft der Pelicans gibt es derzeit zwei gute Szenarien:

Szenario 1:
Davis wird nicht getradet, spielt in der nächsten Saison an der Seite von Zion und Holiday und stellt fest, dass die Pelicans konkurrenzfähig sind, zu den Top-5 Teams im Westen gehören. Er verlängert seinen auslaufenden Vertrag und kassiert dabei noch nebenher einen Super-Max. Dies ist aber eher Wunschdenken derer, die es mit den Pels halten.

Szenario 2:
Die Pelicans traden AD und bekommen im Gegenzug das Grundgerüst an Spielern und Picks, um rund um Zion ein zukunftsträchtiges Team aufzubauen. Sollte es so kommen, dann werden die Pelicans in der kommenden Saison ein gänzlich anderes Gesicht haben und wohl auch im Rennen um den ersten Pick des Drafts 2020 eine Rolle spielen.

So oder so steht die Franchise vor einem spannenden, wegweisenden Sommer, der die ganze Liga in Aufruhr halten wird.