03 Mai 2019

03. Mai, 2019


Während die Top-Klubs den NBA-Titel unter sich ausmachen, haben die anderen Franchises die Saison 2018/19 längst abgehakt und blicken optimistisch/pessimistisch in die Zukunft. Im gewohnten 30er Split analysiert die #NBACHEF-Redaktion alle Teams, ihre Situation und den bevorstehenden Sommer. Heute: Die Oklahoma City Thunder.

von STEFAN DUPICK @hoopsgamede | 03. Mai, 2019


Saison 2018/19

Die Saison der Thunder war ein Auf und Ab. Zwischenzeitlich sah es so aus, als könnte OKC der stärkste Konkurrent des Titelverteidigers Golden State Warriors im Westen sein. Das war in der Phase, als Paul George so stark spielte, dass er als legitimer MVP Kandidat diskutiert wurde.

Leider konservierte der Forward diese Form nicht bis zu den Playoffs, mitunter infolge einer Schulterverletzung. George spielte dennoch seine beste Saison in der NBA und auch Russell Westbrook verbuchte zum dritten Mal in Folge ein Triple Double über die Saison. Auch der Deutsche, Dennis Schröder, der vergangenen Sommer via Trade von den Atlanta Hawks verpflichtet wurde, glänzte phasenweise als Mikrowelle von der Bank.

Am Ende der regulären Saison stand der sechste Platz und ein Matchup gegen die Portland Trail Blazers auf dem Plan. Ein Matchup auf Augenhöhe, viele Experten gaben den Thunder sogar einen leichten Vorteil. Nach nur fünf Spielen war die Serie jedoch gelaufen und die Saison der Thunder beendet.



Offseason Agenda

Auf den ersten Blick sieht es so aus, als könnte die Offseason in Oklahoma langweilig werden. Die Thunder liegen über dem Salary Cap, zahlen bereits ordentlich Luxussteuer und haben den Kern des Teams noch über den Sommer hinaus gebunden.

Bei einem genaueren Blick ist zu erkennen, dass Sam Presti nichtsdestotrotz einen arbeitsintensiven Sommer vor der Brust hat, denn es sind drei Baustellen zu erkennen: Zunächst muss die Entscheidung getroffen werden, ob Billy Donovan der richtige Coach ist um dieses Team zu führen. Nach drei Erstrunden-Aus in Folge ist es fraglich, ob der Trainer sein Team erreicht und ob frisches Blut auf der Trainerposition dazu führen könnte, dass die Mannschaft besser zusammenwächst.


Als nächstes benötigen die Thunder ganz dringend Shooting. Das Team ist für die moderne NBA bezogen auf den Distanzwurf nicht zeitgemäß strukturiert. Die Hoffnung liegt auf der Rückkehr des verletzungsgeplagten Andre Roberson und der Entwicklung von Terrance Ferguson und Jerami Grant als Shooter. Dennoch sollte der Free Agent Markt nach günstigen Verstärkungen gescreent werden (z. B. Wayne Ellington, Reggie Bullock oder Wes Matthews).

Last but not least sollte sich das Management die Frage stellen, wo der Weg langfristig hingehen soll und dann fällt der Blick sehr schnell auf die vier Top-Verdiener (Russell Westbrook, Paul George, Steven Adams, Dennis Schröder). Während George unantastbar ist, werfen die Leistungen von Westbrook in Kombination mit seinem Vertrag (vier weitere Jahre bei zusammengerechnet über 170 Mio. $) Fragen auf.

Ein Trade von Westbrook könnte sinnvoll sein, ist jedoch aus finanziellen Gründen und seinem Status als Identifikationsfigur unwahrscheinlich, daher wird sich Sam Presti eher mit Trades für Adams (26 Mio. $ im nächsten Jahr) und Schröder (15,5 Mio. $) befassen. Beide Spieler dürften angesichts des Preis-Leistungs-Verhältnisses und des garantierten Vertrages jeweils bis 2021 schwierig zu traden sein, das sollte Presti jedoch nicht davon abhalten, viele Szenarien durchzuspielen und Gespräche mit anderen Teams zu führen.


Draft

Im Draft ziehen die Thunder an 21. Stelle und sollten versuchen, einen Spieler mit 3&D-Potential zu finden, also einen Flügel, der den Dreier trifft und zu einem soliden Verteidiger reifen kann. In dieser späten Draft-Position lassen sich selten Spieler finden, die direkt helfen, dennoch ist die Draft-Nacht in diesem Jahr sehr wichtig, denn es kann ein günstiger Spieler mit viel Potential und einem langfristigen Vertrag gefunden werden. Genau das, was die Thunder in der aktuellen Salary-Situation benötigen.


Zukunft

Die Thunder scheinen im oberen Mittelmaß gefangen zu sein. Es handelt sich um Meckern auf hohem Niveau, denn das Team sollte in den kommenden Jahren mit zwei Superstars regelmäßig in die Playoffs einziehen, aber das genügt den Ansprüchen in Oklahoma nicht. Ein Team, welches um Westbrook und George aufgebaut ist, sollte als Contender glänzen.





Ein Beitrag geteilt von Oklahoma City Thunder (@okcthunder) am

Davon ist OKC jedoch weit entfernt. Der Sommer wird zeigen, ob das Management den Mut besitzt, auf Wandel zu setzen und eine neue Richtung einzuschlagen, oder ob der Bewahrer-Modus aktiviert wird und die Thunder weiterhin in der ersten Runde der Playoffs das Zeitliche segnen.