05 Mai 2019

05. Mai, 2019


Während die Top-Klubs den NBA-Titel unter sich ausmachen, haben die anderen Franchises die Saison 2018/19 längst abgehakt und blicken optimistisch/pessimistisch in die Zukunft. Im gewohnten 30er Split analysiert die #NBACHEF-Redaktion alle Teams, ihre Situation und den bevorstehenden Sommer. Heute: Die Orlando Magic.

von ANNO HAAK @kemperboyd | 05. Mai, 2019


Saison 2018/19

Das Los Angeles Lakers-Witze-Participant-Jahr ist vollbracht. Wer hätte nach Dwight Howards infamem Abgang vor sieben (!) Jahren gedacht, dass Orlando vor den Purpur-Goldenen ein Playoffspiel gewinnt?

Unabhängig solcher Scherze sind die ersten kompetetiven Basketballspiele in der zweiten Aprilhälfte seit 2012 ein riesiger, kaum vermuteter Erfolg. Die Magic nutzten das durch LeBron James' Westwärtsfahrt entstandene Vakuum aus und schlichen sich zu ersten positiven Saisonbilanz seit Supermanns Verschwinden: 42 Siege reichten in der Eastern Conference für den siebten Platz und einer Erstrunden-Serie gegen die Toronto Raptors. Das obligat zu klauende Spiel eins von Kanadas freundlichen NBA-Chokern war die Kirsche auf der Sahne.


Die Ergebnisse sind das eine, die wiedergefundende Identität das andere. Ex-Charlotte-Hornets-Coach Steve Clifford impfte dem Team die schon aus Zeiten in North Carolina bekannte Attitüde der „Verteidigung zuerst“ ein und verankerte das vormalige Trottelhausen unter den sechs lahmsten, aber auch defensiv effizientesten Teams.

Das äußerst durchschnittliche NetRtg und die äußerst unterduchschnittliche Effizienz am fremden Ende des Feldes zeigen aber auch, dass die Magier weiterhin ein 'work in progress' sind. Doch haben Clifford und seine Eleven jedenfalls die Hoffnung nach Florida zurückgebracht, nicht auf Dauer die Sacramento Kings des Osten bleiben zu müssen.


Offseason Agenda

Let's floskel a bit, shall we: auf dem eingeschlagenen Weg mit den vielen jungen Wilden weiter kontinuierlich Spieler entwickeln und in der Trümmerwüste, die wir „Osten hinter Boston und Philadelphia“ (Toronto mutmaßlich ohne Kawhi... nunja) nennen, Kandidat für einen Seriensieg werden.

Doch, ach: der Teufel liegt im Detail und ein Eichhörnchen ist er auch. Die Gewissensfrage des Sommers kommt aus dem hübschen Land mit Namen Montenegro, ist gefühlte 2,25 Meter groß und hört auf den Namen Nikola Vučević. Der wird vertragsfrei und hat – da ist er nicht der Erste – unmittelbar vor der aufkommenden Free Agency ein Karrierejahr mit effizienten 20 Punkten, zudem zwölf Rebounds pro Spiel aufgelegt, bleibt aber defensiv und überhaupt ein Fragezeichen. Ist der Center, der auch kommendes Jahr schon 30 Jahre alt wird, wirklich ein (Co-) Franchisespieler, dem man für eine halbe Dekade mehr als 100 Mio. $ zahlen will?


Die Liga, die niemals schläft und in der mehr Cap Space als in den vergangenen beiden Jahren vorhanden ist, könnte Orlando, nicht gerade ein Hotspot für Free Agents, zwingen, den Big für das maximal mögliche Salär in Florida zu halten und damit den vorhandenen Spielraum zuzumauern.

Alle anderen Spieler sind (mehr oder weniger) GSD (mehr oder weniger) langfristig gebunden. Spielraum fürs Wettbieten um den einen oder anderen zu habenden Superstar im Sommer ist ohnehin (mit oder ohne Vučević) nicht vorhanden, so dass man sich um die Genesung des für ein Hühnerprodukt und eine Eva-Frucht gekommenen No. 1 Picks 2017 Markelle Fultz sowie die Frage, ob man einen Abnehmer für 34-Mio-Evan-Fournier findet, kümmern kann.


Draft

Pick 16 gehört dem zweitschlechtesten Playoff-Team. Lange Leute sind inzwischen zur Genüge vorhanden. Entlastung im Playmaking wäre stattdessen wünschenswert. Dass D.J. Augustin in 81 von 82 Saisonspielen auf der Eins starten musste, ist – bei allem Respekt – sicher nicht der Weisheit letzter Schluss im NBA Jahr 2019. In Runde zwei kommt ein Pick ein, einer geht heraus, da wird der nächste Schritt, weder via Auswahl noch via (Hoch-) Trade kaum zu machen sein.


Zukunft

Bei anderen Teams würde man wohl von Gefangenschaft in teurem Mittelmaß reden, doch in Orlando ist das ein erheblicher Fortschritt.







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Ob Aaron Gordon je ein Superstar wird, ob Vučević Maxmoney wert ist, ob Fultz je in der Liga ankommt – all das sind Fragen, deren Beantwortung selbst im besten Fall nur zur Befähigung eines einzelnen Seriensieges genügen würde. Für eine Franchise, die von x unsinnigen Neuanfängen umnachtet Playoffbasketball über sieben Jahre nur im Fernsehen verfolgte, sind das Luxusprobleme.