19 Mai 2019

19. Mai, 2019


Während die Top-Klubs den NBA-Titel unter sich ausmachen, haben die anderen Franchises die Saison 2018/19 längst abgehakt und blicken optimistisch/pessimistisch in die Zukunft. Im gewohnten 30er Split analysiert die #NBACHEF-Redaktion alle Teams, ihre Situation und den bevorstehenden Sommer. Heute: Die Phoenix Suns.

von STEFAN DUPICK @hoopsgamede | 19. Mai, 2019


Saison 2018/19

Die Saison der Suns war von Anfang an ausschließlich auf Tanking ausgelegt, mit dem Ziel, möglichst wenig Siege zu erreichen, um dann im Juni beim Draft beste Chancen auf College-Superstar Zion Williamson zu haben, oder wenigstens auf einen Top-3 Pick.

Der Plan war so weit erfolgreich, denn die Suns beendeten die Saison mit 19-63 Siegen neben den Cleveland Cavaliers als das zweitschlechteste Team der Association sowie als mit Abstand schlechtestes Team der Western Conference. Bei der Draft-Lottery wurde diese „Mühe“ jedoch nicht belohnt, Phoenix fiel trotz mathematisch guter Aussichten aus den Top-4.

Immerhin finden sich zumindest auch ein paar positive Aspekte: Devin Booker (22) hat nochmals unter Beweis gestellt, dass er der Eckpfeiler für die Zukunft sein kann und auch No. 1 Pick Deandre Ayton (20) spielte eine ordentliche Saison – allerdings auch nicht so gut, dass der Name Luka Dončić, den die Suns letztes Jahr mit dem ersten Pick zu sich hätten holen können, aus dem Dunstkreis Arizonas verschwindet.


Auch die weiteren Youngsters um Josh Jackson (22), Kelly Oubre (23) und Mikal Bridges (22) lieferten phasenweise gute Leistungen. Hinsichtlich der Talent-Entwicklung war die Saison also ein Erfolg, für die Fans hingegen ein Graus, denn Spiele der Suns zu verfolgen glich einer Qual.

Als Konsequenz daraus feuerte der umstrittene Teambesitzer Robert Sarver Coach Igor Kokoškov nach nur einem Jahr in der Wüste. Als Kokoškovs Nachfolger präsentierten die Suns Monty Williams, der zuletzt als Assistent bei den Philadelphia 76ers tätig war.


Offseason Agenda

Die Agenda der Suns für diesen Sommer ist vergleichbar mit der des letzten. Phoenix benötigt dringend einen Point Guard an der Seite von Devin Booker. Im Idealfall einen guten Verteidiger, der den Dreier trifft. Das Experiment mit Booker als Lead-Guard, vergleichbar mit der Rolle James Hardens bei den Houston Rockets, war zwar kein Desaster. Dennoch dürften Bookers Stärken besser zum Tragen kommen, wenn er einen echten Point Guard an seiner Seite hat.

Die Suns könnten versuchen, diese Position via Draft zu besetzen, sollten aber auch mit namhaften Free Agents, beispielsweise D'Angelo Russell, Terry Rozier, Ricky Rubio oder Patrick Beverley sprechen und außerdem den Trade-Market screenen, etwa um Mike Conley von den Memphis Grizzlies zu holen.


Der frisch zum GM beförderte James Jones wird ca. 20 Mio. $ Spielraum zur Verfügung haben. Mit diesen gilt es allerdings auch einige Entscheidungen vor der eigenen Haustür zu treffen. Kelly Oubre (Restricted), Dragan Bender und Richaun Holmes werden Free Agents. Während Bender und Holmes nicht sonderlich kostspielig werden dürften, könnte der während der Saison von den Washington Wizards akquirierte Oubre nach seiner Leistungsexplosion in Phoenix teuer werden. Hier muss das Management zwangsläufig eine Entscheidung treffen, wie der Flügel der Zukunft (Oubre, Jackson, Bridges, Warren) aussehen soll.


Draft

Die Suns sind mit den besten Chancen auf Zion in die Lottery gegangen und haben den Abend mit dem sechsten Pick beendet. Fazit: Das Tanking wurde nicht belohnt, Zion geht zu den New Orleans Pelicans und auch der Wunsch-Point Guard Ja Morant wird für eine andere NBA Franchise auflaufen.

Auch wenn der Draft 2019 nicht als sonderlich tief gilt, sollten die Suns mit dem sechsten Pick noch einen soliden Spieler bekommen. Es könnte sogar der Point Guard der Zukunft werden, denn mit Coby White aus North Carolina und Darius Garland aus Vanderbilt werden zwei Spielmacher in dieser Range gehandelt, wenngleich beide nicht als der für die Suns ideale Pass-First-Spieler zu betrachten sind.


Zukunft

In Arizona geht nach wie vor viel Drunter und Drüber. Das zeigte sich zuletzt wieder durch die überstürzte Entlassung von Coach Kokoškov. Es bleibt zu hoffen, dass die Suns langsam in den Flow kommen und den Rebuild nachhaltig angehen, dass Monty Williams die notwendige Zeit bekommt, um das blutjunge Team in Ruhe zu formen.


Das Spielermaterial für eine erfolgreiche Zukunft ist vorhanden. Die Suns können um Booker und Ayton eine solide Mannschaften aufbauen und haben zudem Cap Space und Trade Assets, um weitere Eckpfeiler nach Arizona zu holen. Dennoch wird es schwierig, in der nächsten Zeit die Postseason zu erreichen, denn der Westen ist tief besetzt und die Suns im Gesamtpaket noch sehr roh. Zumindest in der kommenden Saison sollte in Arizona noch niemand von den Playoffs träumen.