03 Juni 2019

3. Juni, 2019


Während die Toronto Raptors und Golden State Warriors den NBA-Titel unter sich ausmachen, haben die anderen Franchises die Saison 2018/19 längst abgehakt und blicken optimistisch/pessimistisch in die Zukunft. Im gewohnten 30er Split analysiert die #NBACHEF-Redaktion alle Teams, ihre Situation und den bevorstehenden Sommer. Heute: Die Boston Celtics.

von DANIEL SCHLECHTRIEM @W14Pick | 3. Juni, 2019


Saison 2018/19

Als Favorit der Eastern Conference gestartet wurden die Celtics dieser Rolle von Anfang an nicht gerecht. Gordon Hayward und Kyrie Irving verstärkten mit ihrer Rückkehr zwar die im Vorjahr so überraschend herausragende Mannschaft, wirbelten jedoch die Hierarchien und Minutenverteilung munter durcheinander. Ins Negative: Die Youngster Jayson Tatum und Jaylen Brown mussten zurück ins zweite Glied rücken, wo bereits schon länger auf den Guard-Positionen Konkurrenzdruck zwischen Marcus Smart und Terry Rozier vorherrschte, die sich beide ebenso wie Tatum und Brown in einer verantwortungsvolleren Funktion sehen.

Konsequenz der Dinge: Boston spielte zwar immer um die oberen Plätze im Osten mit, zog aber nie richtig an einem Strang, brachte vor allem nach dem All-Star Break keine Konstanz aufs Parkett. Die Celtics gewannen im letzten Saisondrittel nur zwölf der finalen 24 Partien und waren über die ganze Spielzeit hinweg stets für einen Ausrutscher gegen deutlich schlechter besetzte Gegner gut (Niederlagen u. a. gegen die New York Knicks, Phoenix Suns, Chicago Bulls, …).

In dieser schwierigen Situation erwies sich auch Franchise Player Irving nicht als Brandlöscher, Versöhner oder Vermittler, stattdessen gab er öffentlich zu Protokoll, seinen ehemaligen Teamkameraden LeBron James angerufen und sich für sein ungeduldiges, anmaßendes Verhalten als junger Spieler LeBron gegenüber entschuldigt zu haben. Ein mehr als deutlicher Seitenhieb in Richtung der jungen Spieler der Celtics.


Trotz aller Querelen reichte die Qualität des Kaders für 49-33 Siege (Vorjahr: 55-27) und den vierten Platz, damit Heimvorteil in der ersten Playoff-Runde. Hier eliminierten die Celtics die Indiana Pacers letztlich problemlos via Sweep, machten dabei aber nicht immer eine gute Figur, gewannen beispielsweise das erste Spiel trotz nur 84 erzielten Punkten bei 36,4% Trefferquote aus dem Feld.

Der Sweep gegen die harmlosen Pacers täuschte über den tatsächlichen Leistungsstand der Kobolde hinweg, ebenso das dann folgende überragende erste Spiel in den Conference Semi-Finals gegen die erstplatzierten Milwaukee Bucks. Auf deren Antwort ab Spiel 2 fand wiederum Boston keine, die Celtics blieben chancenlos und strichen nach vier klaren Niederlagen früh die Segel. Zu früh – nach zuvor zwei Conference Finals in Folge und auch zu früh gemessen an den eigenen Ansprüchen.


Offseason Agenda

Der Elefant im Raum ist Kyrie Irving, denn dessen Entscheidung in der Free Agency wird die nähere Zukunft der Kelten maßgeblich bestimmen. Zu Saisonbeginn versprach Irving noch vollmundig eine Vertragsverlängerung in Boston, nach den ernüchternden letzten Monaten ist diese Selbstverständlichkeit passé.

Beide New Yorker Teams umgarnen den in New Jersey aufgewachsenen sechsfachen All-Star schon seit Monaten, selbst eine Wiedervereinigung mit LeBron James bei den Los Angeles Lakers darf angesichts der Irrungen und Wirrungen um die Personalie Irving nicht ausgeschlossen werden. Boston kann seinem Point Guard mehr Geld und einen längeren Vertrag anbieten, die Nebenbuhler locken mit der potentiellen Formierung eines neuen Superteams.


Aber nicht nur Kyrie ist das bestimmende Thema im TD Garden: Die beste Nachricht für die Kobolde aus einer enttäuschenden Saison bleibt der Umstand, dass Anthony Davis von den New Orleans Pelicans zur Trade Deadline nicht über die Ladentheke ging, als Boston aus Vertragsgründen noch kein Angebot für den Ausnahmespieler abgeben durfte.

Dies ändert sich am 1. Juli und wahrscheinlich hat GM Danny Ainges vollgestopfter Safe viel mit der Gelassenheit der Pelikane im Februar zu tun. Denn Ainge kann New Orleans ganz nach gusto gestandene Qualität wie Hayward bieten, junges Talent wie Brown oder Tatum und dazu ein Sammelsurium an Draft Picks. Für den Bieterkrieg um die Monobraue ist Ainge bestens gerüstet. Die Addition Davis' wäre zudem ein schlagkräftiges, wenn nicht sogar entscheidendes Argument, um auch Kyrie in Boston zu halten.

Neben Irving stehen weitere prominente Namen auf der Liste der angehenden Free Agents: Al Horford verfügt über eine Player Option in Höhe von 30 Mio. $, die er sich nur entgehen lassen wird, falls Ainge einen längerfristigen Deal mit insgesamt mehr grünen Scheinen bietet. Aron Baynes kann ebenfalls in die nächste Saison optieren und würde 5,5 Mio. $ einstreichen. In Marcus Morris wird eine weitere Stammkraft Unrestricted Free Agent und mehr als die bislang gelöhnten 5,4 Mio. $ p. a. einfordern. Sofern Boston ein Qualifying Offer abgibt, erhalten Terry Rozier, Brad Wanamaker, Jonathan Gibson sowie der deutsche Nationalspieler Daniel Theis den Status als Restricted Free Agents.

Bei bereits knapp 65 Mio. $ an garantierten Gehältern für bislang nur sechs Kaderplätze werden die Celtics mutmaßlich nicht jeden ihrer Free Agents halten können respektive im Falle Roziers auch wollen.


Draft

Gleich drei Mal dürfen die Celtics in der ersten Runde des bevorstehenden Drafts auswählen – allerdings landeten die erworbenen Picks der Sacramento Kings (#14) und LA Clippers (#20) deutlich unter den Erwartungen. Beide Teams spielten eine bessere Saison als in Boston erhofft, sodass die Picks an Wert verloren haben. Zusammen mit dem eigenen, dem 22. Pick, kann 'Trader-Danny' trotzdem immer noch ein interessantes Paket schnüren, vor allem für Teams im Rebuid-Modus.

In der zweiten Runde darf Boston ebenfalls noch einmal auswählen, allerdings erst an 51. Stelle.


Zukunft

Keine Franchise der Association hat ein breiteres Spektrum an möglichen Ausgängen in der bevorstehenden Offseason vor sich: Die Celtics könnten mit Kyrie Irving und Anthony Davis einen neuen und nachdrücklichen Anlauf auf die 18. Meisterschaft wagen, oder aber sich im entgegengesetzten Extremfall infolge eines Abgangs Irvings neu aufstellen, radikal verjüngen und eine frische Mannschaft rund um Jayson Tatum (21), Jaylen Brown (22) sowie ihre drei Erstrunden-Picks aufbauen.







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Ein Mittelweg – Neuangriff mit alter Truppe – ist angesichts der unübersehbaren Spannungen und des enttäuschenden Aus gegen die Bucks nur schwer vorstellbar.