25 Juni 2019

25. Juni, 2019


Während in Toronto die Champagnerkorken knallen, haben die anderen Franchises die Saison 2018/19 längst abgehakt und blicken optimistisch/pessimistisch in die Zukunft. Im gewohnten 30er Split analysiert die #NBACHEF-Redaktion alle Teams, ihre Situation und den bevorstehenden Sommer. Heute: Die Denver Nuggets.

von DANIEL SCHLECHTRIEM @W14Pick | 25. Juni, 2019


Saison 2018/19

54 Siege, Rang zwei im Westen, die erste Postseason seit 2013, die erste gewonnene Playoff-Serie seit 2009... alles in allem dürfen die Nuggets zufrieden auf diese Spielzeit zurückblicken – wäre da nicht der bittere Nachgeschmack beim Aus in den Conference Semis gegen die Portland Trail Blazers, der die Mile High City noch eine Zeit lang beschäftigen wird.

Denn die Tore in die Conference Finals standen für Denver weit offen, so offen wie in den kommenden Jahren vielleicht nicht wieder. Die Serie gegen Portland war bis ins siebte Spiel ausgeglichen, dieses verlor Denver mit nur vier Punkten Unterschied. Darüber hinaus hätten die Nuggets im Matchup mit dem Western Champion aus Nordkalifornien dank ihrer Allzweckwaffe Nikola Jokić womöglich mehr ausrichten können als die Blazers, die von den Golden State Warriors ohne Kevin Durant gesweept wurden.

Apropos Jokić: Für den menschlichen Kleiderschrank aus Serbien war die Spielzeit 18/19 der endgültige Durchbruch in die Riege der Besten seiner Zunft. Jokić wurde zum ersten Mal ins All-Star Game und später sogar ins All-NBA First Team gewählt. Der Center führte sein Team bei Punkten (20,1), Rebounds (10,8), Assists (7,2) und Steals (1,4) an und war somit Hauptdarsteller bei einer der erfolgreichsten Runden in der Franchise Geschichte.


Noch bemerkenswerter wird dieser Erfolg dadurch, dass neben dem erst 24 Jahre alten Jokić weitere Leistungsträger wie Jamal Murray und Gary Harris die 25 noch nicht überschritten haben. Als eines der jüngsten und grünsten Teams der Liga eliminierten sie in den San Antonio Spurs die personifizierte Erfahrung.

Selbst Verletzungsprobleme warfen die jungen Nuggets nicht aus der Bahn, weil in Monté Morris und Malik Beasley weitere Youngster in die Bresche sprangen und ihr Team auf Erfolgskurs hielten.


Offseason Agenda

Teampräsident Tim Connelly wurde von den Washington Wizards heiß umworben, entschied aber, sein Werk in Denver weiter zu führen. Auf Connelly wartet nun ein relativ entspannter Sommer, seine Jungen Wilden stehen allesamt noch mindestens zwei Jahre unter Vertrag.

Die wichtigste Entscheidung betrifft die Team Option über 30 Mio. $ des einzig relevanten Veteranen, Paul Millsap. Millsap war zwar als Stabilisator und auch Mentor für die junge Truppe ebenfalls eine wichtige Stütze beim jüngsten Erfolg, angesichts seines fortgeschrittenen Alters – Millsap wurde im Februar 34 – sowie seiner Verletzungsanfälligkeit wird Denver vermutlich auf einen neuen Vertrag zu teamfreundlicheren Konditionen hoffen.


Sollten die Nuggets die Option auf Millsap ziehen, stehen sie bei über 120 Mio. $ an garantierten Gehältern, Raum für Neuverpflichtungen wäre kaum noch gegeben. Sollten sie Millsaps Kontrakt jedoch aufkündigen, könnte Denver mit knapp 20 Mio. $ Cap Space zur Jagd auf namhafte Free Agents blasen.

Die Zeit von Isaiah Thomas in Denver könnte ebenfalls ein jähes Ende finden: Auch der einstige „King of the Fourth“ quält sich mit Verletzungen, bestritt dieses Jahr nur zwölf Partien, in den Playoffs kam er gar nicht zum Einsatz.

Außerdem Free Agents werden die weniger prominenten Tyler Lydon und Trey Lyles (Restricted). Zwei Namen mit einem Damoklesschwert über sich, denn die Nuggets erhielten dieses Duo beim Draft 2017, als sie in einer folgeschweren Fehleinschätzung die Rechte an Überflieger Donovan Mitchell zu den Utah Jazz tradeten.


Draft

Zumindest einen solchen Fehler können sie beim Draft 2019 nicht wiederholt haben, denn die Nuggets verpfändeten ihren Erstrunden-Pick schon vor einem Jahr, um den voluminösen Vertrag von Kenneth Faried zu den Brooklyn Nets abzustoßen. Ihren 2nd Round Pick opferten sie zur Trade Deadline 2017 für kurzfristige Hilfe vom inzwischen zurückgetreteten Roy Hibbert.

Ganz ohne neuen Spieler gehen die Nuggets aber nicht aus der Draft-Nacht: Dank eines Trades mit den Miami Heat sicherte sich Denver an 44. Stelle die Rechte an Bol Bol. Der 2,18 Meter große Sohn von Manute Bol (1985 bis 1995 in der NBA) galt einst als Kandidat für einen der obersten Picks. Wegen eines verletzten Fußes, der womöglich jede Art von Profisport nicht zulässt, fiel der Sudanese jedoch bis tief in die zweite Runde.


Dass die Nuggets mit solchen Risiken kein Problem haben bewiesen sie schon im Vorjahr, als sie mit dem 14. Pick Michael Porter trotz komplizierter Rückenverletzung auswählten. Die einstige High School- und College-Sensation könnte in der nächsten Saison zum Team stoßen.


Zukunft

Infolge der dramatischen Verletzungen von Kevin Durant und Klay Thompson sind die Golden State Warriors zumindest im nächsten Jahr fern von der Favoritenrolle im Westen, das Rennen ist offen wie lange nicht. Denver wird diese Herausforderung annehmen, um mindestens den zweiten Platz zu verteidigen.