13 Juni 2019

13. Juni, 2019


Während die Toronto Raptors und Golden State Warriors den NBA-Titel unter sich ausmachen, haben die anderen Franchises die Saison 2018/19 längst abgehakt und blicken optimistisch/pessimistisch in die Zukunft. Im gewohnten 30er Split analysiert die #NBACHEF-Redaktion alle Teams, ihre Situation und den bevorstehenden Sommer. Heute: Die Detroit Pistons.

von CHRISTOPH LENZ @NBAKenner | 13. Juni, 2019


Saison 2018/19

Eine Siegquote von 50% mit dem Record 41-41, Rang acht, also die mittlere Position der 15 Eastern Conference Teams, Offensiv- und Defensiv-Rating in der Mitte der Liga, Pick No. 15 im kommenden Draft. Die Detroit Pistons verkörpern – nicht nur, aber vor allem auch dann wenn sie in ihren „Statement Edition“-Trikots auflaufen – Mittelmäßigkeit und das Image „Graue Maus der Liga“ wie kein zweites NBA-Team. Der Saisonverlauf enthielt für ein so durchschnittliches Team erstaunlich viele Serien, sodass zu acht verschiedenen Zeitpunkten mindestens vier Spiele in Folge gewonnen oder verloren wurden.

Die Playoff-Teilnahme verdanken die Pistons, neben der selbst für Eastern Conference Verhältnisse erstaunlich schwachen Konkurrenz im Playoff-Rennen, vor allem einem hervorragenden Endspurt. Von den letzten 31 Spielen der Saison gewannen die Mannen aus Motor City 19, die Erfolgsquote entspricht auf die komplette Saison gerechnet einem 50-Siege-Team, was Rang vier im Osten bedeutet. Die tatsächliche Leistungsfähigkeit des Teams spiegelt aber mit Blick auf die Saisonleistung eher das 41-41 und das Playoff-Aus via Sweep in Runde eins gegen die Milwaukee Bucks wider.


Mit Blick auf die Einzel-Leistungen sticht selbstverständlich der Superstar des Teams, Blake Griffin, heraus, der sich zurecht ins All-NBA Third Team gespielt hat. Dabei spielt er sich in Sachen Punkte pro Spiel sogar in die Geschichtsbücher der Franchise. Nur sechs Pistons erzielten (in acht unterschiedlichen Saisons) auf eine Saison gerechnet mehr Punkte pro Spiel, nur zwei der acht Saisons passierten nach 1983.

Um Griffin herum spielten Andre Drummond und Reggie Jackson genau die Saisons, die man von ihnen erwartet. Unterstützt von einem während der Saison durch Trades veränderten Supporting Cast um Luke Kennard, Langston Galloway, Zaza Pachulia und zuerst Reggie Bullock, dann Thon Maker und Wayne Ellington, führte diese Konstellation zum bereits herausgearbeiteten Mittelmaß.


Offseason Agenda

Für die Pistons gilt es wie schon im Vorjahr aus wenig Spielraum das Beste rauszuholen. Cap Space ist kaum vorhanden, das Roster mit elf Spielern (neun davon voll garantiert) schon zu einem großen Teil gefüllt. Finanzielle Flexibilität ist aus aktueller Sicht nicht vorhanden, lediglich etwas mehr als neun Mio. $ aus der Mid-Level-Exception und 3,6 Mio. $ der Bi-Annual Exception sind verfügbar (aber nicht kombinierbar). Es gibt bereits konkrete Spekulationen, ob damit beispielsweise der zu den Lakers getradete Reggie Bullock zurückgeholt wird.

Der Fokus der Offseason muss für das Front Office um Ed Stefanski darauf liegen, entweder die finanziellen Mittel oder die spielerische Qualität per Trade zu verbessern. Einige Verträge laufen nach der kommenden Saison aus, für Teams, die im Sommer 2020 Cap Space haben wollen, könnten daher Reggie Jacksons 18 Mio. $, John Leuers 9,5 Mio. $ oder Langston Galloways 7,3 Mio. $, die in den vergangenen Jahren kaum zu traden waren, nun durchaus positive Assets sein. Gebündelt für eine echte Verstärkung wie Mike Conley von den Memphis Grizzlies oder einzeln im Gegenzug für passendere Spieler oder Draft Picks dürften zumindest Gespräche mit anderen Franchises geführt werden.

Mit Blick auf Blake Griffin, der mit 30 Jahren in seiner absoluten Prime ist, muss das Front Office für Unterstützung sorgen, um seine verbleibenden drei Vertragsjahre so effektiv wie möglich zu nutzen. Dass er nun auch den Dreier bei 7,0 Versuchen pro Spiel mit 36,2% trifft, somit besser als der Liga-Durchschnitt von 35,5%, macht ihn zu einem der variabelsten und gefährlichsten Forwards der Eastern Conference. Ihm fehlt ein Guard an seiner Seite, der zumindest annähernd auf All-Star-Niveau agiert. Einen Spieler dieses Formats nach Michigan zu holen scheint angesichts der (nicht vorhandenen) finanziellen Flexibilität und Asset-Basis so gut wie unmöglich. Daher ist das realistische Ziel dieser Offseason nicht der große Wurf, sondern die Verbesserung durch kleine, kluge Moves im Rahmen ihres Spielraums.


Draft

Picks 15 und 45 in der Mitte der jeweiligen Runde sind die wertvollsten Assets der Pistons in diesem Sommer. Die Wichtigkeit, hier die richtige Entscheidung zu treffen, daher immens. Je nach Verfügbarkeit könnten die Pistons mit der 15. Auswahl einen Spieler mit hoher Upside wählen, um der außergewöhnlichen Situation, ein quasi volles, aber weniger potentes Roster beisammen zu haben, gerecht zu werden.


Talent und Upside sind in einer solchen Lage sicher höher zu bewerten als Sicherheit und Erfahrung. North Carolinas 3-and-D Wing Nassir Little, Oregons 2,18 Meter Phänomen Bol Bol oder der ebenfalls verletzungsgeplagte Romeo Langford von Indiana könnten hier mögliche Optionen sein. In Runde zwei wäre eventuell ein Spieler eine Option, der weiter fällt als erwartet, beispielsweise aufgrund von Verletzungen oder anderer Fragezeichen, wie Jontay Porter oder Nicolas Claxton.


Zukunft

Die Zukunft der Pistons zeigt sich ihnen sowohl beim Blick in den Spiegel als auch in den Rückspiegel. Das gilt für die kurzfristige Zukunft, wo mit wenig Spielraum kaum signifikante Veränderungen möglich sind. Nach der Saison 2019/20 könnte Andre Drummond seine Option ablehnen und Free Agent werden, während Reggie Jackson, John Leuer und Langston Galloway aus den Büchern verschwinden.


Das ermöglicht mit Blick auf die Deadline im Februar 2020 und die Free Agency 2020 durchaus Möglichkeiten einen Reboot rund um Blake Griffin zu starten. Gelingt ein Trade für beispielsweise Mike Conley wären die Karten diesbezüglich natürlich neu gemischt. Stand heute scheint durchaus etwas Hoffnung am Horizont erkennbar.