11 Juni 2019

11. Juni, 2019


Während die Toronto Raptors und Golden State Warriors den NBA-Titel unter sich ausmachen, haben die anderen Franchises die Saison 2018/19 längst abgehakt und blicken optimistisch/pessimistisch in die Zukunft. Im gewohnten 30er Split analysiert die #NBACHEF-Redaktion alle Teams, ihre Situation und den bevorstehenden Sommer. Heute: Die Indiana Pacers.

von CHRISTOPH LENZ @NBAKenner | 11. Juni, 2019


Saison 2018/19

Dass die Indiana Pacers nach einer im Vakuum betrachtet hervorragenden Saison mit 48 Siegen und Platz fünf in der Eastern Conference die Frage „Was wäre möglich gewesen, wenn…“ stellen, war vor der Saison kaum zu erwarten. Der Grund dafür ist, dass der mit Abstand beste Spieler, Victor Oladipo, nicht einmal die Hälfte der Saison mitwirken konnte und nach 36 Spielen mit einer Knieverletzung ausfiel.

Die Siegquote aus diesen 36 Spielen hätte auf die Saison hochgerechnet für 57 Siege (einen weniger als die Toronto Raptors) und damit den dritten Platz in der Conference gereicht. Mit Blick auf die Playoffs in jedem Fall Grund genug wehmütig zurückzublicken und sich mit „Was wäre wenn…“-Szenarien durch die Offseason zu navigieren und den Hunger auf die kommende Saison zu schüren.


Optimistisch darf die Franchise aus dem Hoosier State allemal sein angesichts der Leistung, mit der Oladipos Kollegen die Saison trotz aller Widerstände zu Ende gebracht hatten. Das ausgewogene Roster erreichte auch ohne Star durch außergewöhnliche Beiträge von Bojan Bogdanović, Myles Turner, Thaddeus Young, Domantas Sabonis und Darren Collison nicht nur die Playoffs erreichen, sondern hatten bis in die letzten Tage der Regular Season die Möglichkeit, den Heimvorteil zu erreichen.

Dass diese Truppe, die unter dem „das Team ist der Star“-Motto aufblühte, dann dieser unterm Strich absolut positiven Saison keine Krone aufsetzen konnte und in den Playoffs trotz gutem Kampf und relativ engen Einzelspielen von den Boston Celtics gesweept wurde, ist zu verschmerzen und könnte das Front Office mit Blick auf die Offseason sogar vor potentiellen Fehlern bewahren.


Offseason Agenda

Es gibt jede Menge zu tun für Teampräsident Kevin Pritchard und sein Team, das hinter den Kulissen agiert. Neben Oladipo, dessen persönliche Agenda natürlich die Reha von seiner Verletzung sein muss, sind nur fünf Spieler fest unter Vertrag. Die beiden Big Men Turner und Sabonis, Rotationsspieler Doug McDermott, der in den Playoffs kaum eine Rolle spielte, sowie die beiden Talente T.J. Leaf und Aaron Holiday, die im Saisonverlauf an der Rotation kratzten, aber keine signifikante Rolle spielten. Die übrigen Spieler, die für die erfolgreiche Saison 2018/19 verantwortlich waren, gehen in Neuverhandlungen.

Für Indiana gilt es nun zu entscheiden, wer sich durch die Leistungen eine weitere Investition verdient hat und wer mit dem durchaus reichlich vorhandenen Cap Space durch externe Alternativen ersetzt werden kann. Hier spielt die oben erwähnte Playoff-Performance sicher eine Rolle, wodurch Indiana den Fehler vermeiden könnte, den in der Vergangenheit beispielsweise die Charlotte Hornets oder Detroit Pistons begingen, die nach überraschend guten Saisons mehr in einem mittelmäßigem Kern sahen als wirklich da war.

Insbesondere Thad Young und „BoBo“ Bogdanović dürften in der Lage sein, hohe Summen auf dem Free Agency Markt aufzurufen. Die wichtigste Frage für die Pacers-Führung wird sein, welche Alternativen realistisch verfügbar sein können.


Auf der Point Guard-Position, die als Teil eines Top-Backcourt-Duo mit Oladipo eine Schlüsselposition in der Rosterplanung sein sollte, dürften Darren Collison und Cory Joseph nicht die ersten Ansprechpartner sein. Tyreke Evans, der zuletzt häufig als Ballhandler agierte, wird aufgrund einer Sperre in den nächsten zwei Jahren für kein Team aktiv sein. Hier scheint eine Veränderung am wahrscheinlichsten.

Ein Trade für Point Guard Mike Conley war im Verlauf der vergangenen Saison ein Thema, könnte durchaus wieder auf den Tisch kommen. Weitere potentielle Optionen für diese Position, sind die beiden Restricted Free Agents D’Angelo Russell und Malcolm Brogdon. Im Frontcourt sind Bogdanovic und Young die beiden Free Agents, deren Verbleib wohl höchste Priorität hat.

Eventuell könnte Indiana auch Khris Middleton, Tobias Harris oder (eine Ebene niedriger) Spielertypen wie Nikola Mirotić oder Danny Green ins Auge fassen. Der Frontcourt um Sabonis und Turner scheint der stabilste Teil des Rosters zu sein, allerdings ist auch hier ein Trade oder eine Veränderung nicht auszuschließen, da eine gewisse Redundanz und die Frage, wie gut beide Spieler in einer Rotation aufblühen können, nicht von der Hand zu weisen sind.

All das zeigt eindrucksvoll: Dem Front Office steht ein Sommer voller Fragen und Antworten darauf bevor. Sowohl ein erneuter Angriff einer sehr ähnlich zusammengestellten Mannschaft mit einem (hoffentlich) fitten Oladipo als auch ein kompletter Umbruch mit mindestens drei neuen Startern ist ohne allzu viel Fantasie vorstellbar.

Diese Offseason könnte für die kurzfristige Zukunft der Franchise die wichtigste seit Jahren sein, denn die Richtung die sie einschlagen werden, wird auf die eine oder andere Weise das Fundament für die kommenden drei bis fünf Jahre legen.


Draft

Picks Nummer 18 und Nummer 50 könnten helfen, das aktuell ausgedünnte Roster mit frischem Blut aufzufüllen. Wer an 18 verfügbar ist, kann natürlich niemand beantworten, aber beispielsweise Kentuckys Shooting Guard Tyler Herro, Virginia Techs Scorer Nickeil Alexander-Walker oder (falls er fällt) das Eigengewächs des Staats, Romeo Langford. Auch ein möglicher Trade am Draft-Abend, beispielsweise für den oben genannten Mike Conley, macht die Prognose des Pacers Draft ausgesprochen schwierig.


Zukunft

Die Indiana Pacers stehen am Scheideweg. Ohne Glaskugel ist eine seriöse Einschätzung der nächsten Jahre (oder auch nur des nächsten Jahres) quasi unmöglich. Selbst der Fixpunkt Oladipo kommt nun leider eher als Fix-Fragezeichen daher.


Kann er an seine außergewöhnliche Form von Saisonbeginn wiederfinden, bietet er ein mehr als solides Fundament, auf dem Indiana an die Ära Paul George/David West/Roy Hibbert anknüpfen und um Conference Titel mitspielen kann. Dafür müssen aber die Entscheidungen aus diesem Sommer sitzen und idealerweise einen Rückenwind mit in die kommende Saison geben.