13 Juni 2019

13. Juni, 2019


Während die Toronto Raptors und Golden State Warriors den NBA-Titel unter sich ausmachen, haben die anderen Franchises die Saison 2018/19 längst abgehakt und blicken optimistisch/pessimistisch in die Zukunft. Im gewohnten 30er Split analysiert die #NBACHEF-Redaktion alle Teams, ihre Situation und den bevorstehenden Sommer. Heute: Die Los Angeles Lakers

von ANNO HAAK @kemperboyd | 13. Juni, 2019


Saison 2018/19

„Das LA-Lakers-Witze-Participant-Jahr ist vollbracht“, lautete Satz eins des Wat Nu zu den Orlando Magic. Dwight Howards Wechsel zu Lila und Gold ist sieben Jahre her. Seitdem gab es null Playoffsiege in Lalaland und damit einen weniger als bei den Orlando Magic seit jenem vermeintlichen Dynastieneubegründungstag im August des annus dei 2012 n. C.

Im April 2019 schloss man mit 37 Siegen ab. 37 gab es seit dem ersten (und einzigen) Superman-Jahr nicht mehr. Damals gewann der in Los Angeles verfemte Mike D'Antoni, anderenorts in den Olymp der Spitzentrainer heimgekehrt, 45 Spiele. 37 Siege. Das bilanziell beste Jahr, seit Brandon Ingram in die Mittelstufe kam. Das ist die Liste der positiven Dinge der letzten Saison. Das ist die Liste. Das sagt mehr über sieben Jahre Trübheit als das letzte Jahr. Zumal: der Rest von 18/19 war attraktiv wie ein Kobe Bryant Colorado State Police Mug Shot.

Es ging richtig schwach los. Paul George feierte auf einer Party in der Prärie, dass er in Russells Schatten bleibt. Oklahoma Kid statt 'Yes. We. Did.' Da war die Offseason ein paar Minuten alt. Weil die Lakers seit Zeiten, bevor Jeannie Buss zum ersten Mal einen Jungen küsste, mehr Glück als Verstand haben, erbarmte sich der beste Basketballer der Welt und unterschrieb ungeprüft für vier Jahre. Dieses Glück, dass LeBron James seine Karriereplanung daran ausrichtete, wie lang der Anfahrtsweg zum Set von „Space Jam 2“ ist, aber wussten die Lakers, auch das seit der Draftkollektion der vergangenen Dekade bekannt, nicht zu nutzen.

Schwach begonnen, dafür dann aber umso stärker nachgelassen. Sinnbefreiter Weise verzichteten die Splash Brothers des Missmanagements auf alle Rechte an Julius Randle, der für eine Baum- und eine Hühnerfrucht in New Orleans unterzeichnete. Ähnlich kampflos rief man auch Brook Lopez und Channing Frye „Reisende soll man nicht aufhalten“ hinterher, nachdem man selbst den Flixbus für Übergrößen gebucht hatte.

Statt Randle, Lopez, Frye oder Tyreke Evans stellte Magic ein 2010er Kuriositätenkabinett neben den Auserquälten. Man muss sich klarmachen, dass auf dieser Welt Kinder verhungern, während die Lakers es für eine pralle Idee hielten, im Jahr 2019 Michael Beasley, JaVale McGee, Rajon Rondo und Lance Stephenson zusammen ca. 17,5 Mio. $ für ca. acht Monate Basketball spielen zu zahlen.


Die Verpflichtungen beruhten auf ausgedehnten 'Analytics', wusste Rob Pelinka stolz zu berichten. Man wird den Eindruck nicht los, dass er 'Analytics' für ein Synonym von 'LSD-Trip' hält. Ernst meinen jedenfalls kann er das kaum. Flugs noch DUI-KCP und seiner Fußfessel 12 Mio. $ für den Kontakt zu LeBrons Manager hingehaucht und dann flog auch schon der Ball und mit ihm die Kuh.

Es kam, was kommen musste: durchschnittlich viele Dreier, dabei zweitschlechteste Quote, Flop-6 Offense, durchschnittliche, im Vergleich zum Vorjahr deutlich verschlechterte Defense, 27 Spiele Verletzungspause/Rest, weil Panzer James, Osterurlaub, Summer Time. Vorher noch schnell peinlichste Versuche, Anthony Davis aus dem Big Easy abzuziehen. Die Eigentümerin der Pelicans erhielt so Gelegenheit, den Charlton Heston zu geben und 'from my cold dead hands' zu brüllen. Perlweißlächelpräsident brach darauf hin die öffentlich begonnenen Gespräche öffentlich wieder ab. 'Tampering' ist in seinem Regelkenntnishorizont wahrscheinlich ohnehin irgendwas mit Monatsblutung.

Der Felsen im Ozean des Dungs war der beste Basketballer der letzten Dekade, der sich im Karriereherbst die kalifornische Sonne auf den Pelz scheinen lässt, was er allerdings auch indoors tat, wenn es um den Schutz des eigenen Korbs ging.

Als alle dachten, es ist geschafft, bis zu den ungelenken Versuchen, Kawhi aus Kanada zu tamperieren, müssen wir uns nicht mehr mit den Seesternen befassen, ließ Earvin die A-Bombe fallen und schmiss den ganzen Krempel hin. Ohne vorher jemanden zu informieren, nach dreistündiger Zukunftskonferenz wenige Tage zuvor.

Das bedurfte der Erklärung, doch ach (Stichtwort schwach angefangen, stark nachgelassen): das First Take-Interview gehört zum Fremdschamigsten, was das Sportfernsehen in seiner tiefpunktgespickten Geschichte zu bieten hatte. Ein Lowlight der selbstmitleidigen Legendenbespiegelung. Was ich jetzt weiß, ist: wer Stephen A. Smith duzen darf, spricht ihn ernsthaft mit „Stepheney“ an.

Da saß der zurückgetretene Präsident und erklärte Stepheney in den Ea(rvi)nst drin, Omma, was folgt: da jenseits des Front Office für ihn mehr Geld zu machen sei, habe er 'in and out' angekündigt, wollte aber die Schüsse 'callen'. Ein Teilzeitdiktator, dessen Twitter-Account ein erschütterndes Zeugnis davon ablegt, mit wie wenig Ahnung man NBA Exec werden kann, wenn man selbst mal den Spalding durch die NBA-Reuse befördert hat, wollte er also sein. Und dahann – tu! Dir! das! rein! – kritisiert Pelinka ihn auch noch dafür, hinter seinem (abwesenden) Rücken. Ekelerregend! Mr. President ging, den Abgang sinnfrei wie der Text von „Coco Jambo“ erklärt.

Die Kirsche auf der Sahne war ein kurzer „Lügenpresse“-Rülpser von Madame Jeannie. In Anlehnung an die in die Heimat zurückgekehrten Rams darf man wohl sagen: The Greatest Shit Show On Turf bzw. Hardwood und mit manchem Fug und einigem Recht kann man vom schlimmsten Jahr seit Ceballos/Van Exel selig sprechen.


Offseason Agenda

Der neue Trainer ist gefunden. Frank Vogel, ein Basketballbeamter mit dem Charisma eines verrosteten Fahrradlenkers, dessen beste Zeiten rund ein halbes Jahrzehnt zurückliegen, ersetzt den geschassten Luke Walton (den wollte Magic feuern, durfte aber nicht und 'Analytics-Rob' machte es dann doch). Aber, hey: Trainer da, eine Sorge weniger. Achso: für den Unterhaltungsfaktor heuerte man Jason Kidd als Co-Trainer an.







Ein Beitrag geteilt von Los Angeles Lakers (@lakers) am

Der Rest: An zwei Max-Spielern in güldenen Shorts sollt ihr ihn erkennen, hatte der Gottvater aller Kapitäne offensichtlich, geraunt, damals 2017. Doch Magic Jay hat sich der Zeugniserteilung entzogen wie ein 17-Jähriger, der kurz vor Schuljahresende abgeht. Ein Co-Star für LeBron muss her. Das ist die Agenda. Das kann ja keine Schwierigkeit in einem Sommer voller A-Liga-Superstars sein. Doch unter jedem Überschriftendach ein ach: soooo grenzenlos groß ist der Pool dann doch nicht.

Kawhi Leonard? Der wollte schon letztes Jahr nicht wirklich und wenn L.A., dann wohl eher das Team mit Kompetenz im Front Office... (Jaja, doch, ich meine die Clippers).

Kevin Durant und seiner Kobe-Sehne kann man natürlich 160 Millionen für vier Jahre hinrotzen. Er würde es sich vermutlich überlegen. Abgesehen davon, dass das nach Verzweiflung aussähe, wird der 'Slim Reaper' wohl bis Oktober 2020 'slim resten'. Fraglich, ob LeBron James, inzwischen fast 35, ein Jahr warten will.

Den Witz „Kyrie Irving“ halte ich für relativ flach (verstehen Sie?), aber es wäre eine Pointe auf Lakers-Niveau. Vielleicht könnte man ergänzend für ein paar Picks noch Kevin Love ertraden, denn Magic Johnson würde sagen: „Mein unerreichtes Basketballfachwissen sagt mir: Irving/Love/James sind das einzige Trio, das je die Warriors best of seven schlug“.

Apropos Warriors: Klay Thompson wäre ja auch noch da. Indes: nur meine Frau ist schöner als Klays Sprungwurf. Doch würden Sie Pelinka glauben, wenn er sagt: „Mit James und Thompson haben wir den Kern eines Playoffteams.“ Also abgesehen davon, dass man 'Analytics-Rob' ohnehin nichts mehr glaubt...

Es bliebe noch Anthony Davis. Der steht aber doofer Weise noch unter Vertrag und zwar anderenorts. Im Übrigen müsste man dafür die Eigentümerin der Pelicans umnieten und alles verramschen, was man noch an Assets hat. Und selbst dann: wieso sollen die Pelicans die nächsten zwei Jahre Max-Deals an die stagnierenden Ingram und Ball herausgeben, wenn man selbst den Top-Pick hat und Boston mehr, brauchbarere, billigere und bessere Assets bieten kann?


Wir wissen alle, was es werden wird. #MaxOutBoogie. Denn wie Magic Johnson sagen würde: „DeMarcus Cousins ist ein Starter beim Western Conference Champion 2019 und deshalb max money wert“.

Wenn das dann abgearbeitet ist, muss 'Analytics-Rob' dran denken, alle etwaigen Rechte (gibt es welche nach einem Jahr? Frage für einen Magic) an Stephenson und McGee zu renouncen, sonst verweigert die Liga noch die Genehmigung von Cousins‘ Maximalvertrag.


Draft

Pick 4 ist es geworden. Jubilieret, jauchzet, freuet Euch! Die beste Spielerentwicklungsabteilung der Liga bekommt ihre magischen Finger an einen weiteren Top Prospect. Die Franchise, die Ihnen „ein Brook und sein Flixticket für D’Angelo Russell“, „unser Jahrhundert-Draft-2014-Pick ist schlechter als Michael Weedly“, „werfen ist was für Leute ohne eigene Schuhfirma“ und „Ingram wird der nächste Durant, nur nicht so gut“ gebracht hat, präsentiert: „DGriff, sag mir, wen ich ziehen soll, und ich schicke ihn für Davis nach Louisiana“.

Dass die Lakers mit dem Pick irgendwas anfangen wollen, als ihn im Paket mit Lonzo Love sonstwohin zu verschiffen, glaubt ja im Ernst keiner. Den Zweitrunden-Pick (immerhin, spät im Draft ergatterte man ja zuletzt Lichtblicke) hat man vor vier Jahren für Roy Hibbert getauscht. I kid you not.


Zukunft

Sekt oder Selters! LeBron, AD und Kawhi ist Variante A, ein alternder James und semirelevante Pros, die man aus Verzweiflung und Ungeduld überbezahlt, Variante B. Die Wahrheit mag auch in der Mitte ankommen, nur warum sollen Leonard, Durant (der sich wohl ohnehin gemütlich seine Spieleroption von der Krankenversicherung auszahlen lässt) und Co. die Lakers erwählen?

Sportlich spricht alles für Toronto, Oakland oder Boston. Wer großen Markt und/oder Seifenoper-Owner will, kriegt das auch in NY bei geringerer Einkommenssteuer. Sollte der Sommer nicht völlig in die Grütze gehen und nächstes Jahr Playoff-Basketball gespielt werden, wäre das schon ein Lakers-Erfolg.