09 Juni 2019

9. Juni, 2019


Während die Toronto Raptors und Golden State Warriors den NBA-Titel unter sich ausmachen, haben die anderen Franchises die Saison 2018/19 längst abgehakt und blicken optimistisch/pessimistisch in die Zukunft. Im gewohnten 30er Split analysiert die #NBACHEF-Redaktion alle Teams, ihre Situation und den bevorstehenden Sommer. Heute: Die Miami Heat.

von JONAS RÖHRIG @jonasRo19 | 9. Juni, 2019


Saison 2018/19

Mittelmaß. So lässt sich die Saison der Miami Heat in einem Wort zusammenfassen. Die Heat blieben hinter ihren eigenen Erwartungen zurück und verpassten mit nur 39 Siegen und Platz zehn in der Eastern Conference nach 2017 zum zweiten Mal in drei Jahren die Playoffs.

Nach durchwachsenem Start (sechs Siege aus 14 Spielen), fiel ihr einziger All-Star Goran Dragić mit Knieproblemen aus. Nachdem klar war, dass der Slowene operiert werden muss und bis Februar ausfallen würde, startete Justise Winslow als Point Guard und überraschte in neuer Rolle. Der Lottery Pick von 2014 traf in dieser Phase seinen Dreier sehr überzeugend (42,5%) und machte auch als Passgeber auf sich aufmerksam.

Nach nur 26 Siegen bis zum All-Star Game gab es weitere Veränderungen: Um kurz- und mittelfristig Geld zu sparen wurden Tyler Johnson und Wayne Ellington in Richtung Phoenix verschifft.

Kurz darauf kam es zu DEM Highlight der Miami Saison 18/19 im Heimspiel gegen die Golden State Warriors. „One Last Dance“, so hatte Dwyane Wade seine Abschiedssaison betitelt, und als er in letzter Sekunde das Spiel gegen den Champion mit einem Buzzerbeater entschied, lag ihm die NBA zu Füßen.


Zu diesem Zeitpunkt schien nochmal ein Ruck durch die Mannschaft zu gehen und acht der nächsten elf Spiele wurden gewonnen, ein letzter Push Richtung Playoffs. Doch am Saisonende ging ihnen die Kräfte aus und die Heat landeten in der Lottery.


Offseason Agenda

Den Heat sind in diesem Sommer die Hände finanziell gebunden. Der Großteil des teuersten Kaders der NBA (!) ist auch noch im nächsten Jahr unter Vertrag. Über 83 Mio. $ sind für 2019/20 bereits garantiert vergeben, dazu kommen die Player Options von Hassan Whiteside (27 Mio. $) und Goran Dragić (19 Mio. $). Mit diesen großen Deals und auch dem von James Johnson (15 Mio. $ im nächsten Jahr, dann eine Player Option über 16 Mio. $) hat Miami in den letzten Jahren enorme Teile des Cap Rooms aufgebraucht.

Durch den Trade mit den Suns zur Deadline kam Ryan Anderson nach Florida, dessen Wert für Miami allerdings weniger sportlicher Natur war. Anderson verdiente in der auslaufenden Saison über 20 Mio. $, doch sein Vertrag ist für das nächste Jahr nur teilweise garantiert und Miami kann ihn aus den Büchern streichen.

Dies ist auch nötig, denn bereits während der Saison hat Justise Winslow seinen ersten großen Vertrag unterschrieben (3 Jahre/39 Mio. $). Seine Entwicklung und auch die von Bam Adebayo stehen diesen Sommer klar im Fokus der Heat. Der junge Big Man kam gegen Ende der Saison immer besser in Fahrt und legte in März und April fast ein Double Double auf.





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In Vorbereitung auf die Free Agency 2020 wird Präsident Pat Riley auch versuchen, weitere große Verträge loszuwerden. Hassan Whiteside soll angeblich ganz oben auf dem Trading Block der Heat stehen, doch einen Abnehmer für den problematischen Center zu finden dürfte schwierig werden.

Ähnlich gestaltet es sich mit Goran Dragić. Der 33-Jährige hat den Anspruch, bei einem Playoff-Team zu spielen. Ob er das in Miami in den nächsten Jahren kann, ist fraglich. Einen großen Markt gibt es weder für Whiteside noch für Dragić, vielmehr wird Riley für einen Deal wahrscheinlich den eigenen Pick im bevorstehenden Draft abgeben müssen.

Außerdem werden die Heat versuchen, ähnliche Verträge wie den von Ryan Anderson einzustielen. Angeblich soll Miami an J.R. Smith interessiert sein, dessen 14 Mio. $ Arbeitspapier ebenfalls nur teilweise garantiert ist. Solche Deals schaffen Cap Room, um dann hoffentlich 2020 wieder in der Free Agency angreifen zu können.

Sportlich gesehen würde Miami ein Shooter gut zu Gesicht stehen, denn nachdem Wayne Ellington das Team verließ, fehlte es an Gefahr von außen. Hier kommen auch kostengünstige Spieler wie z. B. Reggie Bullock oder Wesley Matthews in Frage, oder aber man versucht im Draft, einen Werfer zu finden.   


Draft

Mit dem 13. Pick könnte es allerdings schwierig werden, einen wurfstarken Guard zu finden. Dafür müsste Miami das Glück haben, dass der Kanadier Nickeil Alexander-Walker noch verfügbar ist, wenn sie am 20. Juni an der Reihe sind.


Der Combo-Guard führte Virginia Tech beim Scoring an, warf dabei gute Quoten (37,4 3P%) und nahm mit seinen langen Armen auch defensiv Einfluss. Sollte sich eine andere Franchise Alexander-Walker schnappen, könnte eventuell Rui Hachimura nächste Saison in der American Airlines Arena auflaufen. Der Big Man hatte die Gonzaga University bis ins „Elite 8“ des NCAA Tournaments geführt und mit seinem guten Wurf, besonders aus der Mitteldistanz, auf sich aufmerksam gemacht.


Zukunft

Die kurzfristige Zukunft in Miami sieht nicht besonders rosig aus. Die Heat sind gefangen im Mittelmaß, zu gut für einen hohen Draft Pick, zu schlecht, um in den Playoffs Ansprüche stellen zu können.

Nach dem Abschied von Wade fehlt dem Team zudem eine Identifikationsfigur. Ob Josh Richardson oder Winslow diese Rolle annehmen, wird die nächste Saison zeigen. Langfristig vertrauen die Heat darauf, dass „Godfather“ Pat Riley mit (hoffentlich) viel Cap Space im nächsten Jahr erneut in der Lage ist, namhafte Stars an den South Beach zu locken.