19 Juni 2019

19. Juni, 2019


Während in Toronto die Champagnerkorken knallen, haben die anderen Franchises die Saison 2018/19 längst abgehakt und blicken optimistisch/pessimistisch in die Zukunft. Im gewohnten 30er Split analysiert die #NBACHEF-Redaktion alle Teams, ihre Situation und den bevorstehenden Sommer. Heute: Die Milwaukee Bucks.

von DANIEL SCHLECHTRIEM @W14Pick | 19. Juni, 2019


Saison 2018/19

Die Milwaukee Bucks sind ein Musterbeispiel dafür, was eine tiefgreifende Veränderung auf der Trainerbank und in den Geschäftsräumen in kurzer Zeit zu bewegen vermag. Seit ziemlich genau zwei Jahren ist GM Jon Horst im Amt, knappe zwölf Monate später folgte Mike Budenholzer als neuer Coach.

Dass die Bucks damit auf die richtigen Pferde gesetzt haben zeigte dieser Spielzeit: Intelligente Additionen, ein merklich verbessertes System im Vergleich zu Budenholzers hölzernen Vorgängern Jason Kidd/Joe Prunty sowie in Giannis Antetokounmpo ein Franchise Player, der sich zum heißen MVP-Kandidaten erhoben hat.

Skaliert bedeutet das 60 Siege, eine Top-3 Offensive und Defensive, Platz eins in der Eastern Conference und die beste Bilanz ligaweit. Der Sweep in der ersten Playoff-Runde gegen die völlig überforderten Detroit Pistons markierte die erste gewonnene Serie seit 2001.


Wie sehr sich dieses Team im Vergleich zum Vorjahr verbessert hat demonstrierte dann das Wiedersehen mit den Boston Celtics: Die Mannschaft von Brad Stevens hatte Milwaukee vergangenes Jahr in der ersten Runde nach sieben Spielen eliminiert, unter anderem weil die Bucks damals schlecht gecoacht waren und nicht imstande, auf Stevens' Kniffe zu reagieren.

Budenholzer drehte den Spieß: Zwar gewann Boston Spiel 1 und ließ Antetokounmpo dabei ziemlich alt aussehen, Milwaukees neuer Trainer zog jedoch die richtigen Schlüsse und seine Truppe gewann die nächsten vier.

Auch in den Conference Finals gegen die Toronto Raptors sah es zunächst gut aus: Die Bucks gewannen Spiel 1 und 2, die ersten Finals seit 1973 kamen in greifbare Nähe. Anschließend zeigte sich trotz der jüngsten Erfolge die fehlende Reife und Erfahrung: Toronto kämpfte sich – wie wir inzwischen wissen – nicht ganz zufällig zurück und gewann die Serie mit 4-2.

Unterm Strich bleibt dennoch ein äußerst positives Jahr, auf dem sich in naher Zukunft definitiv aufbauen lässt. 60 Siege holte eine Bucks-Mannschaft zuletzt unter Kareem Abdul-Jabbar, dessen würdiger Erbe Giannis wird im Laufe der nächsten Spielzeit gerade einmal 25 Jahre alt. Die Bucks haben also allen Grund zum Optimismus – vorausgesetzt, der Sommer erwischt sie nicht kalt.


Offseason Agenda

Khris Middleton, Malcolm Brogdon, Brook Lopez. Gleich drei Starter stehen nur noch bis zum 30.6. unter Vertrag, ebenso wie Deadline-Neuzugang Nikola Mirotić. Zumindest Brogdons Schicksal als Restricted Free Agents kontrollieren den Bucks, davon ab droht zumindest in der Theorie ein personeller Kahlschlag.


Der 2019 erstmalige All-Star Middleton wird auf dem freien Markt nicht viel weniger als einen Maximalvertrag abrufen, Shooting Big Man Lopez hat seinen Marktwert in der Bierstadt ebenfalls nach oben geschraubt. Bei bereits fest verteilten 70 Mio. $ stellt das den kleinen Markt in Wisconsin vor monetäre Herausforderungen. Allerdings hat Jon Horst seine Hausaufgaben gemacht und mit mehreren Trades die Voraussetzungen geschaffen, um das aktuelle Salär-Level – knapp unterhalb der Luxussteuer-Grenze – zu halten.

So werden die Bucks den ungarantierten 18 Mio. $ schweren Vertrag von George Hill nicht mit in den Juli nehmen, gegebenenfalls in der Hoffnung, den Point Guard zu kleineren Bezügen in Milwaukee zu halten. Ein Salary Dump Trade des zuletzt nur in der Garbage Time aktiven Tony Snells (11,4 Mio. $ in der nächsten Spielzeit, danach eine Player Option über 12,1 Mio. $) wird anvisiert, um sich noch ein bisschen Luft zu verschaffen stellt Horst angeblich sogar in Ersan Ilyasova einen fähigen Rotationsspieler ins Schaufenster.

Ein Plan liegt also vor, das gibt Grund zum Optimismus. Marc Lasry, einer der Teambesitzer, ließ bereits verlauten, dass die Bucks jeden ihrer Spieler halten und auf dem bestehenden Kern aufzubauen gedenken.

Einen erster Abgang müssen sie dennoch bereits hinnehmen. Budenholzers langjähriger Assistent Taylor Jenkins wird Cheftrainer der Memphis Grizzlies. Jenkins war bereits von 2013 bis 2018 Budenholzers Zuarbeiter bei den Atlanta Hawks, Milwaukees Head Coach verliert also einen seiner wichtigsten Vertrauten.


Draft

Die Bucks halten den 30. Pick und damit den letzten der ersten Runde. Auf zusätzliches garantiertes Salär wird GM Horst nicht sonderlich scharf sein, zumal der Kader in D.J. Wilson (23) und Donte DiVincenzo (22) bereits zwei Projekte aufweist. Der Pick wird also, mutmaßlich im Verbund mit Snell und/oder Ilyasova, in Trade-Gesprächen genannt werden.


Der 2nd Round Pick der Bucks wurde schon vor vier Jahren – ein Blick zurück in düsterere Zeiten – als Lösegeld geopfert, um Coach Jason Kidd in die Bierstadt zu holen.


Zukunft

Golden. Wenngleich die Eastern Conference kompetitiver wird, hat sich Giannis in der ablaufenden Spielzeit als ihr neuer König profiliert. Der „Greek Freak“ ist derzeit schon kaum zu stoppen, sollte er seinen Wurf verbessern, stößt er bald zum Olymp der absolut besten Spieler der Liga.

Mit Antetokounmpo als Fixpunkt sind die Bucks auch im nächsten Jahr Favorit auf Platz eins im Osten, selbst wenn sich ein neues Superteam formieren sollte. An einer Vertragsverlängerung des wichtigsten Free Agents Middleton bestehen wenig Zweifel, folglich ist Milwaukee vom richtigen Weg nicht abzubringen und die Rückkehr in die Conference Finals das Mindestziel. Mit dem bezahlten Lehrgeld aus dieser Saison reicht es dann vielleicht sogar zum ganz großen Wurf.