25 Juni 2019

25. Juni, 2019


Während in Toronto die Champagnerkorken knallen, haben die anderen Franchises die Saison 2018/19 längst abgehakt und blicken optimistisch/pessimistisch in die Zukunft. Im gewohnten 30er Split analysiert die #NBACHEF-Redaktion alle Teams, ihre Situation und den bevorstehenden Sommer. Heute: Die Philadelphia 76ers.

von DANIEL SCHLECHTRIEM @W14Pick | 25. Juni, 2019


Saison 2018/19

Langweilig war's nie in der Stadt der brüderlichen Liebe. Zunächst disqualifizierte sich der sportliche Leiter Bryan Colangelo im vergangenen Sommer selbst, als herauskam, dass er selbst (alternative Story: seine Frau) mittels Fake-Accounts auf Twitter Werbung in eigener Sache betrieb und gleichzeitig unliebsame Spieler diskreditierte.

Colangelo wurde daher durch Novize Elton Brand ersetzt, der kurz nach Saisonbeginn sofort eine erste Duftmarke setzte und Jimmy Butler via Trade nach Philadelphia holte. Zur Deadline legte Brand noch mal nach und tradete für Tobias Harris. Publikumsliebling Robert Covington, Dario Šarić, Jerryd Bayless, Wilson Chandler, Mike Muscala und Landry Shamet mussten für dieses Duo ihren Spind räumen. Das Missverständnis Markelle Fultz wurde ebenfalls zeitnah beendet, der No. 1 Pick des Drafts 2017 ging für einen Alibierlös zu den Orlando Magic.

Mit Butler und Harris als wenigstens Borderline All-Stars im Aufgebot war klar: Der „Process“ hat die nächste Stufe erreicht und dieser sollte nicht weniger als die Finals anpeilen. Über die gesamte Spielzeit hinweg waren die 76ers auch eines der vier Team im Osten, denen eben dieser Erfolg zuzutrauen war.

Angeführt von einem endlich gesunden Joel Embiid auf MVP-Niveau (27,5 Punkte, 13,6 Rebounds, 1,9 Blocks) holte Philly trotz der personellen Rochade 51 Siege und den dritten Rang im Osten.

In der ersten Playoff-Runde eliminierten die Sixers die Brooklyn Nets in einer umkämpften Serie letztlich deutlich mit 4-1. In der zweiten Runde wartete der spätere Champion Toronto Raptors, gegen die Philadelphia 2-1 führte und die Serie bis in Spiel 7 offen hielt. Die wahrscheinlich denkwürdigste Szene der Postseason 2019 beendete die Träume der Sixers.



Offseason Agenda

Jimmy Butler, Tobias Harris, J.J. Redick. Drei der fünf Starter stehen nur noch bis zum 30.6. unter Vertrag. Sie zu halten wird teuer und eine weitere Feuertaufe für Elton Brand. Zwar sind erst 40 Mio. $ Gehälter garantiert vergeben und somit einiges an Cap Space verfügbar, um besagtes Trio zu bezahlen. Allerdings wird besonders Butler heftig umworben und ein Fünfjahres-Maximalvertrag nötig sein, um „Jimmy Buckets“ zu halten, was bei einem Spieler seines Alters (wird im September 30) und seiner Verletzungshistorie (inklusive Thibodeau-Effekt) ein gewaltiges Commitment ist.


Auch Harris wird vor allem für Teams, die im Rennen etwa um Kevin Durant, Kawhi Leonard oder eben Butler leer ausgehen, interessant und daher ebenfalls hohe Summen abrufen.

Die weiteren Free Agents sind: Boban Marjanović, Mike Scott, Furkan Korkmaz, James Ennis, T.J. McConnell, Amir Johnson und Greg Monroe. Mancher Abgang wäre zu verkraften, anderer schmerzhaft.

Im besten Fall hält Philadelphia den Laden zusammen und geht mit praktisch derselben Truppe ins neue Jahr, dieses Mal besser aufeinander abgestimmt und mit gemeinsamer Saisonvorbereitung. Im schlimmsten Fall verlässt Butler, Harris oder gar beide Philadelphia und die Mannschaft von Brett Brown geht geschwächt in die Spielzeit 2019/20.


Draft

Mit fünf Picks am Draft-Abend waren die Sixers besonders gefragt und geschäftstüchtig. Den einzigen 1st Round Pick nutzten sie, um in der Nahrungskette vier Plätze nach vorne zu rücken und tradeten den 24. zusammen mit dem 33. Pick für das Auswahlrecht an 20. Stelle. Der 22 Jahre alte defensivstarke Flügelspieler Matisse Thybulle – einer der gehandelten Steals außerhalb der Lottery – war ihnen dieser Preis wert.


Der 34. Pick wurde an die Atlanta Hawks verschachert, der 42. zusammen mit dem in Philadelphia wirkungslosen Jonathon Simmons zu den Washington Wizards, erst den 54. Pick behielten die Sixers und drafteten damit den Kanadier Marial Shayok, einen 23 Jahre alten Guard.


Zukunft

Langweilig wird es rund um die 76ers weiterhin nicht werden, dafür sorgt allein schon die Präsenz von Franchise Player Joel Embiid. Dessen Co-Star Ben Simmons durchlebte eine eher mäßige Sophomore-Saison und ringt weiter mit seinem Wurf respektive der Nichtexistenz seines Wurfs. Trotzdem wird dieses Duo fernab der Entwicklungen im Sommer Philadelphia im Kampf um die oberen Plätze der Eastern Conference relevant halten.

Die Sixers haben in der ablaufenden Saison bewiesen, dass sie auf die Gegenwart und nicht mehr auf die Zukunft fokussiert sind und werden mit dieser Aggression in die Free Agency gehen. Die Additionen von Butler und Harris kamen mehr oder weniger aus dem Nichts, daher würde eine weitere Überraschung im Juli niemanden wundern.