09 Juni 2019

9. Juni, 2019


Während die Toronto Raptors und Golden State Warriors den NBA-Titel unter sich ausmachen, haben die anderen Franchises die Saison 2018/19 längst abgehakt und blicken optimistisch/pessimistisch in die Zukunft. Im gewohnten 30er Split analysiert die #NBACHEF-Redaktion alle Teams, ihre Situation und den bevorstehenden Sommer. Heute: Die San Antonio Spurs.

von DANIEL SCHLECHTRIEM @W14Pick | 9. Juni, 2019


Saison 2018/19

Zum ersten Mal seit der Spielzeit 1997/98 stand kein Vertreter des glorreichen Trios Tim Duncan, Tony Parker und Manu Ginóbili im Aufgebot der Spurs. Das Ende eine Ära – aber nicht das Ende der Erfolgsgeschichte, denn der Streak lebt. Die Texaner haben auch im 22. Jahr in Folge die Playoffs erreicht und das trotz widriger Voraussetzungen wie des forcierten Abgangs ihres Franchise Players Kawhi Leonard im Sommer sowie des verletzungsbedingten Ausfalls ihres Starting Point Guards Dejounte Murray.

Coach Gregg Popovich hat einmal mehr bewiesen, dass er auch aus einer qualitativ suboptimal besetzten Mannschaft das Maximum herauszuholen versteht und gegebenenfalls sogar zu Drehungen um 180 Grad fähig ist: Die unter Popovich eigentlich immer elitäre Verteidigung lieferte 2019 nicht einmal mehr Durchschnittszahlen. Dafür agierte die in den letzten Jahren oft statische Offensive plötzlich auf hohem Niveau und katapultierte sich auch dank der addierten Feuerkraft von DeMar DeRozan bis zu Rang fünf im ligaweiten Offensiv-Rating.


Hier hören die guten Nachrichten aber auf, denn in den Playoffs war zum zweiten Mal in Folge gleich in der ersten Runde Schluss. San Antonio lieferte den zweitplatzierten Denver Nuggets einen guten Kampf, musste sich jedoch im entscheidenden Spiel 7 knapp geschlagen geben. In der Regular Season erreichten Popovichs Mannen zum zweiten Jahr in Folge keine 50 Siege, was in seiner Ägide zuvor nie vorgekommen war, ebenso wie die zwei aufeinanderfolgende First Round Exits.

Das erfolgreichste Team dieses noch jungen Jahrtausends hat den Anschluss an die Spitze der Western Conference verloren. Die Resultate der letzten beiden Spielzeiten unterstreichen die drohende 'Mediocrity Treadmill', d. h. nicht genug für die oberen Plätze oder einen tiefen Playoff-Run, gleichzeitig aber auch nicht schlecht genug für einen aussichtsreichen Draft Pick.


Offseason Agenda

Die Gerüchte um ein Karriereende nach den Olympischen Spielen 2020 kommentierte Gregg Popovich auf seine ureigene Art und Weise – mit einem neuen Dreijahresvertrag in Alamo. Zwar steht die Erfüllung dessen nicht in Stein gemeißelt, die bloße Existenz des Arbeitspapiers beweist jedoch, dass Popovich auch mit inzwischen 70 Jahren auf dem Tacho alles andere als amtsmüde geworden ist.

Wie jedes Jahr muss Pop einen seiner Top-Assistenten gehen sehen. Ime Udoka, seit 2012 als Zuarbeiter in San Antonio tätig, wird fortan Brett Brown bei den Philadelphia 76ers unterstützen.

Immerhin der Kader wird weitgehend bestehen bleiben. Die beiden besten Spieler LaMarcus Aldridge und DeMar DeRozan stehen mindestens noch ein weiteres Jahr unter Vertrag, ebenso die interessantesten jungen Spieler Jakob Pöltl, Dejounte Murray und Derrick White.


Einzig nennenswerter Free Agent: Rudy Gay, der seine Karriere in den letzten beiden Jahren in San Antonio stabilisierte und sich mit 32 Jahren noch immer in bestem Popovich'schem Alter bewegt. Eine rasche, geräuschlose Vertragsverlängerung würde niemanden überraschen.

Für die Saison 2019/20 haben die Spurs elf garantierte Verträge mit insgesamt rund 99 Mio. $ in den Büchern. Große Sprünge in der Free Agency sind also nicht zu erwarten, nach dem Kawhi-Drama im Vorjahr steht San Antonio wieder einmal vor einem ausgesprochen ruhigen Sommer.


Draft

Die Spurs halten im anstehenden Draft ihre eigenen beiden Picks, No. 19 und No. 49, zudem an 29. Stelle das Auswahlrecht der Toronto Raptors, das sie als Trostpreis für Kawhi Leonard aus dem Norden erhalten haben.

Wie jedes Jahr wird San Antonios Augenmerk auf Mentalitätsspielern liegen. Insbesondere mit den beiden späteren Picks sind reifere Kandidaten aus dem dritten oder vierten College-Jahr zu erwarten. Mit dem 29. Pick haben die Texaner zuletzt solide Treffer gelandet und in Dejounte Murray 2016 sowie Derrick White 2017 womöglich ihren Backcourt der Zukunft an exakt dieser Position gezogen.


Zukunft

Die Spurs entschieden sich beim Abschied Kawhis im letzten Sommer sehr bewusst dafür, kompetitiv zu bleiben und daran wird sich nichts ändern, solange Gregg Popovich das Zepter schwingt. Für den Kampf um die hinteren Playoff-Ränge mag das noch ein bis zwei Jahre reichen, in der Zwischenzeit lässt sich die Frage dennoch nicht aufschieben, was nach Aldridge (Vertrag für 2020/21 nur teilweise garantiert) und vor allem nach Popovich kommen soll.


Aldridge wird im Juli 34 Jahre alt, DeRozan überschreitet die 30 bevor die neue Saison startet. Der größere Umbruch nimmt also weiter seinen Lauf, was das Scheinwerferlicht zunehmend auf die Youngster der Spurs richtet, die allesamt nicht zur Elite ihres Draft-Jahrgangs gehörten und gehören. Die Rückkehr des etatmäßigen Point Guards Murray muss als Hoffnungsschimmer für die nächste Saison reichen.