16 Juni 2019

16. Jun, 2019


Die Offseason nimmt Fahrt auf, noch bevor die Raptoren durch ihren Park paradiert sind. Der Koch und seine Hilfsgemüseschneider verbrutzeln auch 2019 wieder alle Deals und Assetwechsel. Heute: Des Superstars neue Kleider Teil 1: Anthony Davis.

von ANNO HAAK @kemperboyd | 16. Jun, 2019


Start

Er lag im Kopf des Anthony Marshon Davis Jr. irgendwann im August 2018. Da entschied sich der erste Pick von 2012, Thad Foucher zu verlassen. Wenige Wochen später wurde Davis eine Klutch-Pappe.


Forbes listete den Ex-Agenten noch zwei Tage nach diesem Communiqué als Nummer 29 aller Sportagenten in den US of A und Manager von Anthony D.. Doch die Nachtigallen hörte man ob des Wechsels zu LeBron James' Repräsentanten schon damals nicht mehr nur trapsen, sie polterten jedem normal Hörbegabten durch alle Ohren.

Als die abgelaufene Saison voranschritt und nicht lief, wie vom 2018 erstmaligen Zweitrundenteilnehmer erhofft, kam, was kommen musste. Ende Januar 2019 forderte Davis einen Trade. Für die bemitleidenswerte Franchise aus dem Big Easy war damit der Drops Davis im Grunde gelutscht.

Denn der beste Spieler, der je die hässlichen Jerseys der vormaligen Hornets überstreifte, kann 2020 Free Agent werden. Vom 28.1.2019 an ging es um das Wann, nicht das Ob eines Tauschs. Das galt erst recht, als ruchbar wurde, dass auch der Gewinn des Nummer-1-Picks 2019 in der Lotterie im Mai Davis nicht zum Umdenken bewegen würde.

Die verzweifelten Lakers, die seit Davis' Rookie-Saison auf eine Playoffteilnahme warten und eine der blamabelsten Spielzeiten ihrer Geschichte hinter sich gebracht haben, galten wegen der Querverbindung zwischen Rich Paul, LeBron James und eben Davis von Anfang an als Topfavoriten auf den All-NBA Teamer, auch wenn Davis für die Optik mehrere Ziele auf seine imaginäre Agree-Liste notierte. Die ziemlich plumpen Versuche, zu einem Deadline Deal zu kommen, scheiterten aber noch.


Schuss

Nicht wenige hatten vermutet, dass die Pelicans jenseits der atmosphärischen Verwerfungen wegen des Tampering sich einem Trade im Februar auch deshalb verweigerten, weil im Sommer in einem Wettbieten, insbesondere mit dem ewigen Lakers-Rivalen aus Boston, mehr herauszuholen sei. Von diesem Gedanken ist es nur ein kurzer Weg zur Vermutung, 'Trader-Danny' sei der Favorit aufs Landing der Monobraue, doch ach... Wrong!

L.A. bekommt seinen zweiten Superstar, die Pelicans rauben dafür Gold und Lila aus wie zuletzt die Nuggets die Knicks beim anderen Anthony-Trade 2011.

LAL: Anthony Davis
NOP: Lonzo Ball, Brandon Ingram, Josh Hart, 2019 #4 Pick, 2021 1st Rd. Pick (protected 9-30, if not conveyed 2022 unprotected), 2023 Draft swap right, 2024 1st Rd. Pick (unprotected)



Lakers

Im Frühjahr 2017 trat Magic Johnson zusammen mit Kobe Bryants Ex-Agenten seinen Job an. Er ließ nie einen Zweifel daran, dass seine Erfolgsformel LBJ² war. James und ein zweiter Superstar. Der Rest findet sich. Daran wollte er sich messen lassen.

Alles, alles, was Johnson und Pelinka seitdem richtig machten (und das war nicht so viel), war, Cap Space für jenes Projekt frei zu machen. So wurde man Timofey Mozgov (um den Preis von D'Angelo Russell) und sogar Luol Deng (um den Preis von Stretching) los.

*interlude*

was Johnson zum Trade von Russell im infamen first take zu sagen hatte, war an Albernheit und Ahnungslosigkeit schwerlich zu überbieten.


/ Ja ne, is klar. Geh mit Gott aber geh einfach!

*interlude Ende*

Aber natürlich geht er nicht. Shaggy M. regelt Glückwunsche, selbst an Backstabber. Ein Herz groß wie eine Monobraue, mein Herz wippt im Takt eines Nick Young Fremdbums.


Sie sollten skeptisch werden, wenn Mr. Earvin J. einem zu einem Trade gratuliert. Warum, fragen Sie? Sie hätten Recht. Wenn Du den jüngsten Top-10 Spieler der Liga (außer dem fußkranken Embiid) bekommst und den Trade trotzdem (wohl) verlierst, dann bist Du Rob Pelinka. Shaggy P. so zu sagen.

Natürlich bekommt L.A. den besten Spieler im Trade. Das bedarf keiner Diskussion. Egal, was die künftigen Picks den Pelicans bringen: die Wahrscheinlichkeit, dass man das auch in zehn Jahren noch so sehen wird, ist hoch. Davis ist keine 26 Jahre alt, hat zuletzt 26/12/4 aufgelegt, jeder dritte Dreier fällt.

Er allein hat die Pelicans (halbwegs) relevant gehalten seit dem Draft 2012, das On/Off Net der letzten Saison allein ist nahe +9 auf 100 Besitze. Davis ist der jüngste gesetzte All-NBA First Teamer überhaupt. Kannst Du ihn bekommen, verkauftst Du Deine Oma und legst noch einen Zweitrunden-Pick drauf. Richtig? Falsch!


Robert Todd Pelinka Jr. hat die Nerven verloren, so einfach ist das. Die Sehnsucht nach dem zweiten Star war so groß, dass Pelinka das Haus (mit Oma drin) und den Hof gesetzt hat, um einen Spieler zu bekommen, den er ohnehin gehabt hätte.

Zunächst: Davis hat nie mehr als 75 Spiele in einem Jahr gemacht. In einem von fünf Spielen sitzt er statistisch. Verletzungsanfälligkeit wird erfahrungsgemäß im Alter nicht besser, sondern schlimmer.

Dann: ja, Davis ist wohl der einzige Spieler, der die Lakers wirklich weiter gebracht hätte UND nach L.A. kommen wollte. Leonard mag LeBron nicht, Irving wäre ein Treppenwitz, Durant und Thompson spielen bis Oktober 2020 keinen Basketball. Jedoch: Davis wollte nirgendwo anders hin als nach L.A., sagen gut informierte Würste seit Wochen. Nunmehr hat es auch Woj geschrieben und damit ist es quasi notariell beglaubigt. Davis wäre 2020 gekommen. So oder so. Ich sage nicht, warte 13 Monate, Rob, ich sage: nutze das Wissen.

Die Lakers haben für einen Spieler, den sie in einem Jahr ohnehin bekommen hätten, verschleudert, was an Assets da war. Ja, seit George weiß man nicht mehr, ob solche Aussagen von Wert sind. Ja, seit Leonard in Champagner duschte, scheint ein all-in-rent ein probates Mittel zu sein (wobei wir noch nicht wissen, ob Leonard in Kanada verweilen wird). Stand Juni 2019 wäre Davis gekommen. So. Oder. So.

Deshalb wollte 'Trader-Danny' Jayson Tatum nicht opfern. Deshalb bot sonst überhaupt niemand mit. Deshalb lachen jetzt alle. So wirkt Magic Johnson und sein Fluch der bösen Tat dann doch noch durch. Das Paul-George-Desaster und die mit Nulpen wie Rondo und Stephenson verschenkte letzte Saison spuken durch L.A. wie ein böser Geist. Es musste anscheinend ein Trade-Erfolg her und zwar um buchstäblich jeden Preis.


Pelicans

Damit sind wir bei Grandmaster Griffin. Schon als er unterschrieb, war klar, dass seine Amtszeit am Gegenwert für Anthony Davis gemessen würde. Bleibt es dabei, ist die Ägide des Ex-Cavs-Managers schon jetzt eine gute.

Dass er den „Nur-über-meine-Leiche“-Unfug der Ownerin schneller kassierte als Danny Ainge Draft Picks aus dem Borough, war vollkommen richtig. Ein definitiver vierter Pick in 2019 ist etwas anderes als ein „möglicher Lotterie-Pick 2019“, den die Lakers im Februar anbieten konnten. Vor allem vor dem Hintergrund, dass der eigene Pick inzwischen mit „Zion Williamson“ übersetzt wird.







Ein Beitrag geteilt von New Orleans Pelicans (@pelicansnba) am

Deshalb sah das Paket, das es so oder so ähnlich wohl im Februar auch schon zu haben gegeben hätte, jetzt deutlich besser aus. Deshalb und weil Griffin den Lakers zwei weitere Draft Picks plus ein Swap Right aus der Tasche zog, deren Schutz mehr nach einem Schutz für die Pels als die Lakers aussieht.

Nummer eins kommt sowieso dieses Jahr, Nummer zwei 2021, wenn es ein Top-8-Pick ist. Das ist (eine Verlängerung von Davis 2020 einmal unterstellt) zwar eher unwahrscheinlich. Klar aber ist: reißt Davis irgendwann bis dahin die Achillessehne, ist das ein merkwürdiger „Schutz“ für die Lakers. 2022 kommt der Pick spätestens ungeschützt.

2023 haben die Pels die Wahl, zu tauschen, 2024 gibt es einen ungeschützten Erstrunden-Pick, den die Pelicans sogar noch auf 2025 schieben können. Dann (also 2025) aber endet allerspätestens Davis' nächste Extension. Dieser Pick könnte also in einer Zeit zu liegen kommen, in der die Lakers schon wieder mit dem Rebuild beschäftigt sind.

Läuft es doof (und seit Dwight Howard lief es immer doof für die Seestädter), transferieren die Lakers in den nächsten fünf Jahren vier Top-8-Picks nach New Orleans und verpassen wegen Verletzungen (Gott verhüte) trotzdem drei Mal die Playoffs. Das alles hat Griffin in einem de facto toten Markt ohne Lakers-Mitbieter herausverhandelt. Magic Johnson würde sagen: 'A job well done'.


Bei Lonzo Ball gilt abgewandelt, was Uli Hoeneß einst über David Beckham sagte: den würde ich nie holen, da kaufst Du ja den Vater mit ein. Im Ernst hat Ball in allen Bereichen stagniert, in denen er von Anfang an schwach auf der Brust war. In New Orleans kann er nun zumindest beweisen, dass es mehr an der Spielerentwicklung der Lakers als an ihm lag. Zwei Jahre ist er noch im relativ günstigen Rookie-Deal.

Ingram ist zwar nach wie vor nicht der Franchise Player, den man mal in ihm gesehen hat. Doch die Entwicklungskurve weist stetig nach oben. Er könnte die Antwort auf die Stoßgebete für den Flügel sein. Der einzige Nachteil: beide bisher nicht endgültig zu beurteilenden Jungspunde werden in den kommenden beiden Jahren Restricted Free Agents.


Doch sitzen die Pelicans dann wie üblich durch das Matching-Recht auf dem Fahrersitz. Darüber hinaus wäre ein Rental beider Spieler dank der vielen Picks im Deal auch kein Beinbruch. Hart ist ein klassisches „Ja, warum nicht?“, auch wenn manch Griffin-Kritiker „Warum nicht?!? Weil Kuzma besser gewesen wäre!“ zurückschreien mag.

Den vierten Pick in diesem Jahr werden die Pels wohl meistbietend verhökern. Alles in allem hätte New Orleans dann einen Kern aus dem fast schon vergessenen Jrue Holiday, Brandon Ingram, Zion Williamson und wer auch immer im Tausch für Walrecht (Shoutout to the White House) 4 kommt. Es gibt unattraktivere Projekte in der NBA derzeit.


Rechnung

Ein Wort zur Ligalage im Ganzen, die ein solcher Trade immer mit beeinflusst, sei erlaubt. Ich weiß nicht, ob es Regeln gibt, die eine Scharade wie die, die jetzt in diesem Wechsel gipfelte, verhindern können. Aber wenn es sie gibt, sollten Silver und Kollegen an ihrer Implementierung arbeiten statt die Dollarzeichen des neuen, alten Megaprojektes Lakers zu sehen.

Davis wird von James zu seiner Agentur gelockt, dort offenkundig indoktriniert, fordert einen Trade, den er dann letztlich trotz Tampering-Unfall und angeblicher Long List von tolerablen Teams auch bekommt. Das alles kaum zweieinhalb Jahre, nachdem er sich auf Kosten der Pelicans mit finanzieller Sicherheit für fünf Jahre versorgt hat. Plumper wurde der CBA nie umgangen. Der „Kleine-Markt-Schutz“ des letzten Tarifvertrags jedenfalls funktioniert nicht. Wenn das weiter ein Ziel der Liga sein sollte, muss sie sich etwas anderes überlegen.

Die Lakers bekommen den besten Spieler. Ob Davis und James in ihrer Dynamik und Spielweise zueinander passen, muss sich aber erst weisen. Genauso, ob Coach Vogel in der Lage ist, eine Offensive zu designen, die beiden und den Lakers hilft. Darüber hinaus wird der Trade erst abschließend zu werten sein, wenn der Sommer um ist und feststeht, ob Pelinka den dritten Star und v. a. einen Supporting Cast geholt hat, der diesen Namen verdient, nachdem der letzte Sommer hier eher Autounfallcharme hatte. Außer James, Davis, Kyle Kuzma, Moritz Wagner und Isaac Bonga steht für nächstes Jahr nämlich genau gar nichts fest.

Die Pelicans haben das maximal Denkbare aus einer maximal miesen Verhandlungsposition herausgeholt. Wie schon die Knicks 2011 für Carmelo Anthony und die Celtics 2017 für Kyrie Irving haben die Lakers massiv überbezahlt. Von einem Top Contender sind sie dennoch Stand jetzt weit entfernt. Langfristig entscheiden die Draft Picks über den Sieger dieses Trades, vorerst bekommen alle, was sie wollen.

Vorteil: Pelicans und Lakers