13 August 2019

13. Aug, 2019


In jedem NBA-Sommer gibt es Teams, die definitiv zu den Gewinnern zählen und auch solche, die fraglos der Verliererkategorie zuzuordnen sind. Und dann sind da noch die vielen Härtefälle dazwischen, an denen sich die Geister scheiden. Haben die Verantwortlichen denn nun ihren Job gemacht oder aber nicht? Stehen die Klubs besser oder schlechter da? Der #NBACHEFSQUAD beleuchtet fünf Streitfälle der Eastern Conference.

von NBACHEFSQUAD  | 13. Aug, 2019




Boston Celtics

Re-Sign: Daniel Theis, Brad Wanamaker
Plus: Kemba Walker, Enes Kanter, Vincent Poirier
Minus: Kyrie Irving, Al Horford, Marcus Morris, Terry Rozier

Stefan Dupick @hoopsgamede: Der Abgang von Kyrie Irving ist natürlich ein herber Verlust, dieser kam jedoch nicht überraschend und war kalkuliert. Zudem wurde mit Kemba Walker eine Light-Version von Irving verpflichtet, die vermutlich auch noch besser ins Gefüge passt. Dennoch sind die Celtics für mich ein Verlierer, denn der Verlust von Al Horford wiegt schwer. Der Puerto Ricaner war defensiver Anker und Seele des Teams und wird kaum zu ersetzen sein.

Jonas Röhrig @jonasRo19: Die Celtics haben den Verlust von Kyrie Irving perfekt auffangen können und mit Kemba Walker einen sehr ähnlichen aber umgänglicheren Spielertypen als neuen Point Guard verpflichtet. Die Tatsache, dass sie für Terry Rozier nicht mit dem Angebot der Hornets mitgegangen sind war ebenfalls die einzig richtige Entscheidung. Der Abgang von Al Horford nach Philadelphia wird ihnen deutlich mehr wehtun, denn ohne ihn und Aron Baynes ist der Frontcourt relativ dünn besetzt. Neben einigen Rookies und Sophomores besteht die Big Man Rotation aus Enes Kanter, Daniel Theis und Semi Ojeleye. Deswegen sind die Celtics für mich auch ein Verlierer des Sommers, denn vom reinen Talent her sind sie, im Vergleich zu letzten Saison, schlechter geworden.

Christoph Lenz @NBAKenner: Viele Diskussionen um die Offseason der Kelten drehen sich um die Frage, ob Kemba Walker ein gleichwertiger Ersatz für Kyrie Irving sein kann oder nicht. Unterm Strich ist diese Frage, deren Antwort ohnehin sehr schwer zu beurteilen ist, da On-Court- und Off-Court-Faktoren gegeneinander abgewogen werden müssen, aber nicht entscheidend für die Bewertung des Sommers. Denn in keine Richtung ist die Differenz der beiden Point Guards so signifikant wie der Verlust von Al Horford, der den Celtics an beiden Enden des Spielfelds so sehr fehlen wird, dass zum heutigen Zeitpunkt die Celtics als Verlierer der Offseason gelten müssen.

Jan Wiesinger @WiesiG: Das Beste an der Offseason der Boston Celtics war wahrscheinlich Enes Kanters gering dotierter Vertrag. Das spricht für einen absoluten Verlierer. Die beiden besten Spieler verloren und einen Max-Player bekommen, der in einem Playoff-Team, welches jeder vor der letzten Saison als Topfavoriten des Ostens gehandelt hatte, erst mal bestehen muss.

Daniel Schlechtriem @W14Pick: Die Addition von Kemba respektive die Planlosigkeit der Hornets hat den Sommer der Celtics einigermaßen gerettet. Aber eben nur einigermaßen, denn Horford zu ersetzen wird schwierig bis unmöglich, vor allem wenn der Ersatz Enes Kanter heißt. In puncto Teamchemie stehen die Sterne der Kelten jetzt wieder günstiger, Qualität haben sich aber merklich eingebüßt und sind daher Verlierer.



Philadelphia 76ers

Re-Sign: Tobias Harris, James Ennis, Mike Scott, Furkan Korkmaz
Plus: Al Horford, Raul Neto, Kyle O'Quinn, Trey Burke
Minus: Jimmy Butler, J.J. Redick, T.J. McConnell, Boban Marjanović, Greg Monroe

Dupick: Die Sixers haben in Jimmy Butler und J.J. Redick zwei wichtige Spieler verloren, konnten diese aber umgehend durch Josh Richardson und Al Horford ersetzen. Richardson ist noch immer massiv unterschätzt und Horford alleine menschlich ein absoluter Gewinn für das Team. Isoliert betrachtet ist Jimmy Butler vermutlich der stärkste der vier Spieler, dennoch sehe ich die Sixers als Gewinner des Sommers, da das Kollektiv nun besser zusammen passt.

Röhrig: Auch wenn die 76ers gut nachgeladen haben, zählen sie für mich trotzdem zu den Verlierern des Sommers. Der Abgang von Butler nach Miami sollte vor allem in knappen Spielen zu spüren sein, wer in diesem Kader ist der Go-to-Guy in solchen Situationen? Neben Jimmy Buckets werden die Sixers aber auch JJ Reddick sehr vermissen, der mit seiner Anziehungskraft viele Räume für Embiid und Simmons reißen konnte. Ob Josh Richardson (18/19: 36% Dreierquote) diese Rolle annehmen kann, bleibt abzuwarten. Natürlich war es kein schlechter Sommer für Philly, die Verpflichtung von Al Horford war ein echter Coup und wertete den Front Court enorm auf. Doch welche Fünf beendet die Spiele für Philadelpia? Können Embiid und Horford zusammenspielen? Ist in einer solchen Aufstellung mit Simmons dann genug Spacing vorhanden?

Lenz: Der Verlust von Jimmy Butler tut speziell in den Playoffs weh, da er als Scorer, der für sich selbst kreieren kann, in den wichtigen Moment fehlen wird. Auf dem Flügel schafft das mehr Räume und Möglichkeiten für Tobias Harris, dessen teurer Vertrag kein Schnäppchen war, aber ihn zu halten ist positiv zu bewerten. Durch die Addition von Al Horford und die daraus potentiell resultierende Harmonie auf und neben dem Court, die Simmons und Embiid als unangefochtenes „Spitzenduo“ mit Harris und Horford als ideale Sidekicks positioniert, zählen die Sixers speziell im Osten zu den Gewinnern der Offseason.

Wiesinger: Trotz des Max-Deals für Tobias sind die Sixers ein klarer Gewinner: Redundanzen im Kader wurden abgebaut, die Bank verstärkt und mit Al Horford konnte ein absoluter Führungsspieler addiert werden, der ein entscheidender Baustein für die Ambitionen des Teams sein könnte. Die Sixers sind stärker als im letzten Jahr und werden die Ost-Krone angreifen.

Schlechtriem: Die Personalrochaden der letzten Monate machen es mir schwer, die Sixers als Gewinner zu sehen, vor allem für Jimmy Butler haben sie vergangenen November einen hohen Preis bezahlt und nun recht wenig wieder für ihn rausbekommen. In Kombination mit dem vermeidbaren Abgang Redicks reißt das ein Loch auf dem Flügel auf, welches Horford alleine nicht zu schließen vermag, wenngleich sein Zusammenspiel mit Embiid eines der spannenderen Themen der Saison 19/20 werden wird. Philadelphia bleibt unter den Anwärtern auf die Krone des Ostens, doch das inkonsequente Front Office macht sie zu Verlierern des Sommers.



Indiana Pacers

Re-Sign: Edmond Sumner,
Plus: Malcolm Brogdon, Jeremy Lamb, T.J. Warren, Justin Holiday, T.J. McConnell
Minus: Bojan Bogdanović, Thaddeus Young, Tyreke Evans, Darren Collison, Cory Joseph, Wesley Matthews, Kyle O'Quinn

Dupick: Die Pacers haben in Bojan Bogdanović einen wichtigen Spieler verloren, konnten sich aber in der Breite verstärken. Brogdon, Lamb, Warren oder auch McConnell bringen dem Team mehr Flexibilität und Shooting. Gespannt bin ich auf das Experiment mit dem bestehenden Front Court um Sabonis und Turner, angereichert mit Rookie Goga Bitadze. Hier könnte sich ein Trade anbahnen... die Pacers sind ein Gewinner des Sommers

Röhrig: Es war eine gute Offseason für Indiana, ein klarer Gewinner des Sommers für mich. Die Abgänge von Bogdanović, Young und Joseph wurden gut aufgefangen. Brogdon passt mit seinem starken Wurf und solider Defense perfekt neben den noch verletzten Victor Oladipo. Der größte Coup des Sommers war aber der Deal für T.J. Warren. Der Flügelspieler erzielte letztes Jahr 18 Punkte im Schnitt und die Phoenix Suns gaben ihn ohne Gegenwert (sprich: für Geld) ab. Zusammen mit den anderen Neuzugängen; dem aus Philadelphia gekommenen Backup Point Guard T.J. McConnell und Bankscorer Justin Holiday können die Pacers in der kommenden Saison wieder angreifen.

Lenz: Etwas unterm Radar fliegend haben die Pacers eine grundsolide Offseason hingelegt, die mit klugen Verpflichtungen eines der Überraschungs-Teams der Vorsaison in Stellung bringt für Furore zu sorgen. Der Bogdanović-Abgang könnte schmerzen, aber mit T.J. Warren und Jeremy Lamb stehen gleich zwei potentielle Nachfolger bereit und Malcolm Brogdon ist einer der besten Rollenspieler der NBA. Erst nach der Rückkehr von Oladipo um den Jahreswechsel herum wird ein endgültiges Urteil der Offseason gefällt werden können, in einer insgesamt aber abbauenden Eastern Conference scheinen die Pacers eher ein Gewinner zu sein.

Wiesinger: Schwierig. Klar ist vor allem Malcolm Brogon ein vielversprechender Spieler. Es dürfen aber Zweifel geäußert werden, wie gut er neben Oladipo funktioniert. Gespannt bin ich insbesondere darauf, ob T.J. Warren die schmerzhaften Verluste von Bogdanović und Evans auffangen kann. Falls dem so sein sollte, sind die Pacers ein Gewinner.

Schlechtriem: Ich hatte Hoffnungen, dass die Pacers ihren Backcourt namhaft verstärken, um in der Eastern Conference ein gewaltiges Wort mitzureden, immerhin waren einige hochklassige Point Guards auf dem Markt. Stattdessen das: Joseph an die Kings verloren, Collison an die Klinkenputzer, Evans ans Drogenlabor. Grundsätzlich alles OK, doch als Ersatz kommen nur Fragezeichen: Funktionieren Brogdon und Warren auch außerhalb ihrer Comfort Zones in Milwaukee respektive Phoenix? Hält Lamb das Level auch anschließend ans Contract Year? Wer soll den abgewanderten einzig funktionalen Shooter auf dem Flügel ersetzen? Zu viele Fragezeichen, die Pacers haben Meter verloren im Vergleich zur Konkurrenz und sind daher auch Verlierer.



Washington Wizards

Re-Sign: Thomas Bryant
Plus: C.J. Miles, Isaiah Thomas, Ish Smith, Davis Bertans, Moritz Wagner, Isaac Bonga
Minus: Trevor Ariza, Tomáš Satoranský, Bobby Portis, Jabari Parker, Dwight Howard, Wesley Johnson, Jonathon Simmons, Jeff Green, Sam Dekker

Dupick: Die Wizards befinden sich im Niemandsland der NBA. Der bedeutendste Free Agent Zugang ist Isaiah Thomas, das sagt eigentlich alles. Hachimura, Wagner und Schofield sind spannende Projekte, aber dennoch sind die Hauptstädter ein klarer Verlierer des Sommers.

Röhrig: Die Wizards wirkten in den letzten Monaten sehr planlos, durchaus verständlich, schließlich hatten sie für knapp drei Monate keinen General Manager. Dass sie weder Bobby Portis und Jabari Parker verlängert haben, ist nachvollziehbar. Es bedeutet aber auch, dass von dem Otto Porter Jr. Trade aus der letzten Saison lediglich ein Zweitrunden-Pick übriggeblieben ist. Der namhafteste Zugang über den Sommer war vermutlich Isaiah Thomas, der nach vielen verletzungsgeplagten Jahren in D.C. sein Comeback feiern will. Der Draft von Rui Hachimura mit dem neunten Pick wurde ebenfalls nicht nur positiv gesehen. Sollten die Wizards es noch irgendwie schaffen den grauenhaften Vertrag von John Wall loszuwerden kann sich das Ergebnis noch ändern, aber für mich sind sie eindeutige Verlierer der Offseason.

Lenz: In der Hauptstadt sind die Fans über alles froh, was nicht sofort aussieht wie eine klare Niederlage für die ehemaligen Bullets. Und die Sichtweise „dass sie kein klarer Verlierer sind macht sie zum Gewinner“ ist durchaus legitim, aber auch so traurig, dass die Wizards keinen Schritt nach vorne machen und keine wirkliche Inspiration in den bisherigen Moves erkennen ließen. Das neu formierte Front Office, das den Fokus offenkundig in Richtung Analytics verschieben wird, könnte das mittelfristig ändern, aber Stand jetzt sind die Wizards dadurch, dass sie definitiv keine Gewinner sind, Verlierer.

Wiesinger: Die Wizards-Offseason ist für mich Inbegriff eines durchschnittlichen NBA-Sommers. Ich mag aber die clevere Lakers-Beute, den Hachimura-Pick und natürlich Isaiah Thomas: Deswegen ein ganz knappes Gewinner-Urteil.

Schlechtriem: Washingtons Offseason muss unter besonderen Vorzeichen bewertet werden. Der (einstmalige) Franchise Player kostet viel Geld, ist schwer verletzt und untradebar. Die Franchise hat eine hohe Cap Roll, kaum eine Chance kurzfristig sportlich eine Rolle zu spielen, muss aber gleichzeitig dafür sorgen, dass der neue Franchise Player Bradley Beal genug Gefallen findet, um seinen 2021 auslaufenden Vertrag zu verlängern. Unter diesen Umständen hat Ex-Interim GM Tommy Sheppard einen soliden Job gemacht: Miles, Bertans, Wagner und Bonga allesamt für lau zu holen ist ein kleiner Coup, ebenso die kostengünstige Additionen von Ish Smith und Isaiah Thomas. Für die Playoffs wird's nicht reichen, aber die Wizards stehen besser da als vor dem 1.7., haben die Talsohle überquert und sind daher isoliert betrachtet unter ihren speziellen Umständen Gewinner.



Orlando Magic

Re-Sign: Nikola Vučević, Terrence Ross, Michael Carter-Williams, Khem Birch
Plus: Al-Farouq Aminu,
Minus: Jerian Grant, Timofey Mozgov

Dupick: In Orlando ist das Management weiterhin bestrebt, das Team zu entwickeln. Ross und Vučević wurden gehalten und ergänzt wurde das Team mit Al-Farouq Aminu. Es fehlt jedoch immer noch ein richtiger Point Guard, daher sehe ich die Magic als Verlierer des Sommers. Auch in Florida wird sich früher oder später ein Trade anbahnen, denn langfristig wird ein Team mit Isaac, Gordon und Vuč nicht funktionieren, zumal Bamba auf seine Chance als Center wartet.

Röhrig: Bei den Magic hat sich nicht wirklich viel geändert über den Sommer. „Mal wieder“, könnte man sagen. Der Vertrag von Nikola Vučević wurde nach seiner ersten All-Star Saison um vier Jahre für 100 Mio. $ verlängert. An und für sich ein guter Deal, aber die Frage bleibt, wie dieser Kader zusammenpassen soll. Die Stars des Teams sind Aaron Gordon und Vučević, die auf den Positionen Vier und Fünf auflaufen sollen. Mit Jonathan Isaac, Mo Bamba und Rookie Chuma Okeke haben die Magic aber drei weitere Perspektivspieler für die Positionen Drei bis Fünf in den letzten Jahren gedraftet. Der Mangel an guten Werfern in dieser Liste wirft zudem Fragen auf, wie sie generell zusammenspielen können. Als Free Agent wurde zudem noch Al Farouq Aminu verpflichtet; ein weiterer großer Flügelspieler mit wackligem Wurf und guter Defense. Da die Magic auch in diesem Sommer keine Lösung für ihren überfüllten Front Court gefunden haben, sind sie für mich Verlierer der Offseason.

Lenz: Das beste Magic-Team seit der Dwight Howard Ära zusammengehalten. Insbesondere All-Star Nikola Vučević und Bank-Star Terrence Ross zu interessanten Konditionen mit sich jährlich reduzierenden Gehaltszahlen verlängert. Dazu mit Aminu und Okeke typische Magic-Spieler geholt. Dass sie sich nicht verschlechtert haben ist offensichtlich, der Playoff-Kampf durfte der „Floor“ für die Magic sein. Die Wildcards im Roster sind die jungen Talente, die nach oben hin vieles erträumen lassen. Dass das in Florida wieder erlaubt ist, macht die Magic zu einem der deutlicheren Gewinner des Sommers.

Wiesinger: Übersichtliche Bewegungen in diesem Teil Floridas. Der Kader konnte weitgehend beisammen gehalten werden. Ich hätte mir einen soliden Point Guard als Ersatz für den verletzten Markelle Fultz gewünscht, hinter dem aber ohnehin ein Fragezeichen steht. Wieder Borderline-Playoffs. Deswegen Verlierer.

Schlechtriem: Die entscheidende Personalie für den Sommer der Magic war Vučević und der spielt für einen akzeptablen Preis weiterhin in Disneyland. Das allein reicht schon, die Magic zu den Gewinnern zu zählen, denn mit dem Einzug in die Playoffs 2019 sind sie ihrem Langzeitplan bereits voraus. Die Guard Rotation gefällt mir weiterhin überhaupt nicht, ebenso der neue Vertrag von Terrence Ross, dafür aber die Addition Aminus. Orlando ist einer der Sleeper auf einen größeren Trade in den nächsten Monaten, mit Fournier sowie ihren Youngstern Gordon, Isaac und Bamba auf der Waagschale lässt sich vielleicht ein echter Hochkaräter an Land ziehen.