16 Oktober 2019

16. Okt, 2019


Kevin Durant und Kyrie Irving in Brooklyn, Russell Westbrook in Houston, Jimmy Butler in Miami und in Los Angeles und New York regiert das 'kleine' Team... Willkommen zur NBA-Saison 2019/20! Als ersten Gang der 73. Spielzeit der Association serviert die Chefküche auch dieses Jahr Vorausschauen auf alle 30 NBA Teams, streng umgekehrt chronologisch nach Qualität und wie immer garniert mit unerschütterlichen Prognosen. Heute: Die Boston Celtics...

von DANIEL SCHLECHTRIEM @W14Pick | 16. Okt, 2019

Flashback
49-33, Eastern Conference Semi-Finals (1-4 vs. Milwaukee Bucks)

Plus
Kemba Walker
Enes Kanter
Vincent Poirier
Romeo Langford
Grant Williams
Carsen Edwards

Minus
Kyrie Irving
Al Horford
Marcus Morris
Terry Rozier
Aron Baynes
Guerschon Yabusele

Was ist Neu?
Nach dem Reinfall des Vorjahres verordneten sich die Kelten einer strengen Typveränderung. Kemba Walker statt Kyrie Irving auf dem Spielmacher Position: Kein qualitativer Verlust, gut für die Teamchemie. Enes Kanter statt Al Horford auf den großen Positionen: Boston hatte schon bessere Ideen. Und statt den Störenfrieden Morris und Rozier stehen gleich drei vielversprechende Rookies im Aufgebot:

  • Romeo Langford (19), der 14. Pick – ein Flügelspieler mit Ballgefühl aber dickem Fragezeichen hinter Wurf und Athletik
  • Grant Williams (20), der 22. Pick – zumindest vom Spielertyp ein Nachfolger Horfords
  • Carsen Edwards (21), der 33. Pick – ein nur 1,85 Meter großer Wirbelwind, dem allerdings die klassischen Point Guard Skills (noch?) fehlen

Zusammen mit Jayson Tatum (22) und Jaylen Brown (21) gehören die Celtics damit zu den jüngsten Mannschaften der NBA. Einzig Brad Wanamaker, der Point Guard aus der dritten oder vierten Reihe, hat zum Saisonstart die 30 überschritten.

Beste Addition
Kemba Walker ... Walker gehört mit seinen 29 Lenzen damit zu den Veteranen im Team. Der Wechsel nach Boston bedeutet für den dreifachen All-Star eine neue Herausforderung auf größerer Bühne, denn er wird vorerst am in Boston zwar nie glücklich gewordenen, aber trotzdem noch ziemlich gut aufspielenden Irving gemessen werden. Die 25,6 Punkte und 5,9 Assists des Vorjahres sind ebenfalls ein Gradmesser.

The Planet
Kemba Walker ... In Charlotte hat Kemba bewiesen, dass er ein Team zu tragen vermag. Mit besserem Umfeld, besserem Coach und besseren Mitspielern findet der Point Guard Voraussetzungen vor wie bislang nicht in seiner Karriere.


Der Sprung vom Neuzugang zum Franchise Player ist insbesondere in einem von Talent gespickten Team wie den Celtics nicht ganz einfach. Zumindest ist Walker weniger verletzungsanfällig und gilt im Vergleich als umgänglicher. Lässt er sich nicht von den internen Unruhen des Vorjahres anstecken und schafft es, der Leader zu sein, der Kyrie nicht war, wird nach besagtem Vorgänger im Garden bald schon kein Hahn mehr krähen.

Rising Star
Marcus Smart ... Die Abgänge von Irving und Rozier sind ein persönlicher Triumph für Smart, dessen Zukunft bei den Celtics gerade wegen der sportlichen Konkurrenz dieses Duos zeitweilig infrage stand.

Der bullige Aufbauspieler hat im vergangenen Jahr seinen Wurf stabilisiert (36,4% von der Dreierlinie), Publikumsliebling und Vorbild an Einsatz und Eifer ist er längst. Als Gegenpol zum missgünstigen und divenhaften Verhalten einiger seiner Teamkollegen im Vorjahr zählen die Celtics weiter auf 25-Jährigen.

Don’t Sleep! 
Gordon Hayward ... Den 17. Oktober 2017, fast auf den Tag genau vor zwei Jahren, wird Hayward nicht so schnell vergessen. In seinem ersten Spiel für die Boston Celtics verletzte sich der als Hoffnungsträger von den Utah Jazz gewechselte Flügelspieler schwer, war die restliche Spielzeit zum Zuschauen verdammt.


Nach so einer schweren Verletzung benötigen Profis meist ein ganzes Jahr, um wieder an alte Qualitäten anzuknüpfen. Paul George hat es vorgemacht, nun ist Hayward an der Reihe. Der Rotschopf hat sein Findungsjahr, immerhin mit 72 absolvierten Partien, hinter sich gebracht. Infolge des Abgangs von Irving und Horford brauchen ihn die Celtics mehr denn je.

Beste Fünf
Walker – Smart – Hayward – Tatum – Theis

Good News
+ Neue Kultur, neues Glück
+ Mit Walker statt Irving als Schaltstelle muss Coach Stevens seine Philosophie nicht grundlegend ändern
+ In puncto Potential macht keiner Boston etwas vor
+ 2020 stehen wieder bis zu drei Erstrunden-Picks in Aussicht






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Bad News
- Bleibt es ohne die Krawallmacher Irving, Morris und Rozier im Locker Room wirklich friedlich?
- Rim Protection war schon ein Defizit, als noch Horford und Baynes in der Zone standen
- Zu viel Talent: Für die beiden Erstrunden-Picks und den frühen Zweitrunden-Pick bleiben nicht viele Minuten
- Jaylen Brown fordert einen Maximalvertrag – neuer Ärger vorprogrammiert?

Was fehlt?
Al Horford. Die Celtics waren mit dem Dominikaner auf dem Feld eine andere, bessere Mannschaft, offensiv wie defensiv. Diese Extraqualität auf den großen Positionen geht Boston fortan völlig abhanden.

Enes Kanters Defizite sind hinlänglich bekannt, „can't play“ wird er nie überwinden. Robert Williams III hat abgesehen von Verspätungen und verlorenen Geldbeuteln in seinem Rookie-Jahr nicht für Aufsehen gesorgt. Grant Williams und Vincent Poirier sind noch zu grün. Der deutsche Nationalspielers Daniel Theis wird wahrscheinlich vorerst starten, mit seinen 2,03 Meter Körpergröße gegen die brachialen Pendants kaum mithalten.

Die Celtics haben also Optionen für die großen Positionen, für den Moment überzeugt jedoch keine so richtig. Deshalb – und wegen des Übermaßes an talentierten Spielern – wird die Gerüchteküche um einen Trade vom ersten kleinen Rückschlag an hochkochen.

Check 1,2
2018/19 waren die Celtics die großen Favoriten auf die Krone der Eastern Conference, wurden diesem Ruf aber nie gerecht. Dieses Jahr stellt sich die Frage, ob die neuen Kelten gut genug sind, um mitzuhalten mit den Philadelphia 76ers oder den Milwaukee Bucks, die Boston in den Playoffs 2019 eine deftige Abreibung verpasst haben.

Die Rechnung, bitte