08 Oktober 2019

8. Okt, 2019


Kevin Durant und Kyrie Irving in Brooklyn, Russell Westbrook in Houston, Jimmy Butler in Miami und in Los Angeles und New York regiert das 'kleine' Team... Willkommen zur NBA-Saison 2019/20! Als ersten Gang der 73. Spielzeit der Association serviert die Chefküche auch dieses Jahr Vorausschauen auf alle 30 NBA Teams, streng umgekehrt chronologisch nach Qualität und wie immer garniert mit unerschütterlichen Prognosen. Heute: Die Charlotte Hornets...

von DANIEL SCHLECHTRIEM @W14Pick | 8. Okt, 2019

Flashback
39-43, keine Playoffs

Plus
Terry Rozier
P.J. Washington
Cody Martin

Minus
Kemba Walker
Jeremy Lamb
Tony Parker
Frank Kaminsky
Shelvin Mack

Was ist Neu?
Kemba ist weg – und damit der vielleicht beste Spieler, der je ein Hornets-Jersey übergestreift hat. Die völlig verfehlte Personalpolitik der letzten Jahre fordert seinen Tribut, sie verhinderte ein monetär angemessenes Angebot für den dreifachen All-Star. Walker geht fortan für die Boston Celtics auf Korbjagd, im Austausch holte sich Charlotte für teures Geld deren dritten Point Guard Terry Rozier. Jeder weitere Kommentar erübrigt sich an dieser Stelle.

In Shooting Guard Jeremy Lamb verließ zudem auch der zweitbeste Scorer die Hornets. Der Backcourt Walker/Lamb war im Schnitt allabendlich für 40 Punkte verantwortlich, zusammen mit Oldie Tony Parker, der sich in den verdienten Ruhestand verabschiedete, gar für über 50 Punkte. Wo diese nun herkommen sollen, ist auch in Charlotte nicht ganz klar.

Wegen erwähnter personeller Fehlgriffe waren den Hornets im Sommer die Hände gebunden, abgesehen von Rozier sowie den Rookies P.J. Washington und Cody Martin bleibt die Truppe unverändert.


Beste Addition
P.J. Washington ... Zwangsläufig! Weil die Hornets kaum Cap Space für Verstärkungen in der Free Agency hatten und auch für ihre Anlagegüter eher draufzahlen müssen als etwas dafür zu bekommen, ist der an 12. Stelle ausgewählte Paul Jamaine Washington so etwas wie der letzte (/einzige) Strohhalm.

Der Namensvetter des ersten US-Präsidenten bringt zwei Jahren Erfahrung im College Basketball bei den renommierten Kentucky Wildcats mit in die NBA, daher ist er weiter als manch anderer Spieler seines Draft-Jahrgangs und kann früher ins kalte Wasser geschmissen werden – in der Hoffnung, dass Washingtons Lern- und Leistungskurve steiler geht als die der eher durchwachsenen Picks der letzten Jahre.

The Planet
Terry Rozier ... Zwangsläufig! Die Hornets statteten den Point Guard mit einem saftigen Dreijahresvertrag über 58 Mio. $ aus, diese Summe allein macht Rozier nicht nur positionsgerecht zum Nachfolger Kemba Walkers als zentrale Schaltstelle. Ob der 25-jährige Ex-Kelte dieser Rolle gewachsen ist, darf bezweifelt werden, immerhin startete er in seiner gesamten NBA-Karriere bisher erst in ganzen 30 Spielen der Regular Season. Neben seiner vornehmlichen Bankrolle hat Rozier kaum etwas von Signifikanz in der Vita stehen und musste sich auch im vergangenen Jahr hinter Kyrie Irving und Marcus Smart anstellen (22,7 Minuten pro Spiel in der Regular Season, nur 18,0 Minuten in den Playoffs).


Als Maßstab gelten die Playoffs 2017, die ihm dem Spitznamen „Scary Terry“ einbrachten. Die damals erzielten 16,5 Punkte und 5,7 Assists wären mit Abstand Karriere-Bestwerte in der Regular Season. Es ist an Rozier zu beweisen, dass diese Auftritte kein Ausreißer nach oben waren, sondern eine reale Grundlage für seine neue Funktion als Franchise Player.

Rising Star
Miles Bridges ... Zwangsläufig! Die Hornets hätten beim Draft 2018 Shai Gilgeous-Alexander auswählen können, entschieden sich aber für einen Downtrade mit den LA Clippers und wählten Bridges dann einen Pick nach SGA. Stand heute ein weiterer Fehlgriff in der langen Historie der Hornissen.

Bridges ist kein Bust per se, hat ganz im Gegenteil eine immerhin anständige Rookie-Saison hinter sich und anders als seinen Vorgängern Frank Kaminsky und Malik Monk muss dem erst 21 Jahre alten Forward noch etwas Entwicklungszeit eingeräumt werden. Das alleine reicht schon, um in diesem Hornets-Kader zum Rising Star erklärt zu werden.

Don’t Sleep! 
Dwayne Bacon ... Zwangsläufig! Ohne Walker und Lamb ist in der ohnehin höchstens durchschnittlichen Offensive ein Vakuum entstanden, das irgendwer füllen muss – denn irgendwer muss ja die Würfe nehmen. Auftritt Bacon: Ein 2nd Round Pick im dritten Jahr, der sich nach mehreren Trips zur G-League zuletzt in der NBA festspielte und gegen Saisonende leichte Hoffnungsschimmer aufblitzen ließ (11,9 Punkte pro Spiel im März, 10,3 im April).

Solange Malik Monk weiter damit kämpft, in der NBA anzukommen, ist Bacon neben Rozier Charlottes beste Chance, Punkte aufs Scoreboard zu bekommen.


Beste Fünf
Rozier – Bacon – Batum – Bridges – Zeller

Good News
+ Die überdimensionierten Verträge von Bismack Biyombo (17,0 Mio. $), Marvin Williams (15,0 Mio. $) und Michael Kidd-Gilchrist (13,0 Mio. $) laufen im nächsten Sommer aus
+ In James Borrego an der Seitenlinie sowie Mitch Kupchak im Front Office ist Kompetenz eingekehrt
+ Michael Jordan hat Anteile an den Hornets verkauft – vielleicht eine Wendepunkt zum Guten
+ Mehr als drei gute News gibt es in Charlotte nicht

Bad News
- Nicolas Batum hat nächsten Sommer eine Spieleroption über groteske 27,1 Mio. $
- Weil eine mehr als überschaubare Free Agent Klasse 2020 bevorsteht, werden die Trade-Angebote für die vielen auslaufenden Verträge ebenfalls überschaubar bleiben
- Borrego und Kupchak werden noch einige Zeit brauchen, den hinterlassenen Scherbenhaufen aufzufegen
- In Absenz Kembas gibt es keinen Grund, sich die Hornets vor Ort oder im TV/Stream anzusehen, das macht den kleinen Markt noch kleiner


Was fehlt?
Mehr als Kemba Walker. Michael Jordan hält seit nun beinahe zehn Jahren die Mehrheitsanteile an den Hornets, sein Zwischenzeugnis ist vernichtend. In diesen zehn Jahren erreichte Charlotte nur zwei Mal die Playoffs ohne dabei eine Serie zu gewinnen. Der 2011 eingeleitete Rebuild ging völlig in die Hose, beim Draft lagen die Hornissen zuletzt immer daneben (Noah Vonleh, Frank Kaminsky, Malik Monk). Trotzdem ist der Kader einer der teuersten der Association. Auch die jüngsten Entscheidungen, namentlich Terry Rozier, sorgen für Kopfschütteln und säen starke Zweifel an Jordans Eignung zum Kopf einer NBA-Franchise.

Check 1,2
Nach Kembas Abgang bleibt nur ein erneuter Rebuild über den Draft, denn kompetitiv ist die verbrannte Erde nicht. Die Charlotte Hornets sind vielmehr eine Ansammlung von überteuerten Unterdurchschnittsspieler, die zuletzt – angeführt von ihrem All-Star – zumindest in Reichweite der Playoffs gelangten. Ohne Walker stehen sie auf verlorenem Posten.

Sollte Rozier nicht völlig wider Erwarten auf dessen Spuren wandeln, erwartet Charlotte ein Spießrutenlauf durch die Liga, der einzig in der Draft Lottery seine vorläufige Erlösung findet.

Die Rechnung, bitte