10 Oktober 2019

10. Okt, 2019


Kevin Durant und Kyrie Irving in Brooklyn, Russell Westbrook in Houston, Jimmy Butler in Miami und in Los Angeles und New York regiert das 'kleine' Team... Willkommen zur NBA-Saison 2019/20! Als ersten Gang der 73. Spielzeit der Association serviert die Chefküche auch dieses Jahr Vorausschauen auf alle 30 NBA Teams, streng umgekehrt chronologisch nach Qualität und wie immer garniert mit unerschütterlichen Prognosen. Heute: Die Chicago Bulls...

von JONAS RÖHRIG @jonasRo19 | 10. Okt, 2019

Flashback
22-60, keine Playoffs

Plus
Coby White
Thaddeus Young
Tomáš Satoranský
Daniel Gafford
Luke Kornet

Minus
Robin Lopez
Timothé Luwawu-Cabarrot
Wayne Selden
Antonio Blakeney

Was ist Neu?
Die Bulls hatten in diesem Sommer den Luxus, dass sie bereits über einen talentierten, jungen Kern verfügten, den sie im Draft und der Free Agency weiter aufzustocken wussten. Während der letzten Saison wurde spätestens zum All-Star Break der Tank aus der Garage geholt, mit der Hoffnung, eine Chance auf eines der College-Phänomene Zion Williamson oder Ja Morant zu haben. Letztendlich zog Chicago nur an siebter Stelle im Draft, füllten aber dennoch mit Point Guard Coby White von University of North Carolina eine dringende Lücke im Kader.

Mit Thaddeus Young (zuvor Indiana Pacers) und Tomáš Satoranský (Washington Wizards) verpflichteten die Bulls zudem produktive Veteranen, die die Youngster anleiten und entlasten können. Besonders der Deal für Satoranský war ein Schnäppchen (drei Jahre, 30 Mio. $) für einen spielstarken Combo-Guard, der auch bei der Weltmeisterschaft für Tschechien seine Qualitäten zeigte.


Keiner der Abgänge des Sommers wiegt besonders schwer, der Verlust von Robin Lopez nach Milwaukee wurde durch Zweitrunden-Pick Daniel Gafford kompensiert. Der Center von der University of Arkansas setzte in der Summer League erste Akzente und soll die Backup-Minuten hinter Wendell Carter Jr. bekommen.

Beste Addition
Coby White ... Der College Freshman führte die UNC als Point Guard bis in das Elite Eight des NCAA Tournaments, bevor eine Niederlage gegen Auburn seine Saison beendete. White ist ein Scoring Guard, der gerne den Wurf von außen nimmt (6,6 Dreierversuche pro Spiel), diesen aber am College mit 35,3% eher unterdurchschnittlich traf. In der NBA wird er weniger im Fokus der Defense stehen, wodurch er mehr offene Würfe bekommen und bessere Quoten werfen dürfte.

Arbeiten muss der erst 19-Jährige vor allem an seiner Turnover-Anfälligkeit. Den für einen Aufbauspieler unterdurchschnittlichen 4,1 Assists standen am College 2,7 Turnover pro Spiel gegenüber. Auch in der Summer League produzierte White ein Assist-zu-Turnover Verhältnis von nur 1,3 und traf dazu lediglich drei seiner 30 Dreierversuche.


Doch sein spektakulär schneller erster Schritt und seine Fähigkeiten im Fast Break sowie die Kombination mit den beiden jungen Big Men, Lauri Markkanen und Wendell Carter Jr., weckt die Hoffnung auf eine bessere Bulls-Zukunft.

The Planet
Zach LaVine ... Welche vier Spieler legten letztes Jahr im Schnitt 23/4/4 auf und trafen über 37% ihrer Dreier? Die Antwort: Kyrie Irving, Paul George, Stephen Curry und eben Zach LaVine. Auch wenn seine Stats in einem tankenden Bulls Team nicht überwertet werden sollten, hat sich der Shooting Guard in seinem fünften NBA Jahr zu einem der besseren Spieler auf seiner Position entwickelt.

Nach zwei verletzungsgeplagten Saisons, in denen er insgesamt nur 71 Spiele absolvierte, nahm LaVine die Rolle des offensiven Führungsspieler der Bulls voll an. Defensiv bleibt er nach wie vor anfällig, fortgeschrittene Statistiken deuten sogar an, dass seine offensiven Leistungen durch seine schwache Defense komplett neutralisiert werden.

Ähnlich wie White hatte auch LaVine enorme Turnover-Probleme, obwohl das Point Guard-Kapitel für ihn seit letzter Saison beendet ist. LaVine absolvierte mehr als die Hälfte seiner Spielzeit als Small Forward und auch wenn seine Nutzungs-Rate zum Vorjahr nur leicht anstieg, verdoppelten sich seine Turnover-Zahlen beinahe. Diese Schwachstellen muss der 24-Jährige beheben, um seinen Vierjahresvertrag über 78 Mio. $ zu rechtfertigen.

Rising Star
Lauri Markkanen ... Der Finne verpasste wegen einer Ellbogenverletzung die ersten zehn Wochen seiner zweiten Profisaison. Doch davon ließ sich der „Finnisher“ nicht aufhalten und produzierte den Rest der Saison wie kaum ein Sophomore vor ihm. 18,7 Punkte, neun Rebounds und 36% Dreierquote, solche Zahlen legte als Zweitjahresprofi in der NBA-Geschichte bisher nur Karl-Anthony Towns auf.

Offensiv dürfte Markkanen in seiner dritten NBA Saison zu den besten Big Man der Liga aufsteigen und an der magischen 20/10 Marke kratzen. Dazu hat er alle Voraussetzungen, seine Kombination aus Länge (2,13 Meter), Beweglichkeit und weichem Jumper legitimiert ihn als waschechtes „Unicorn“.







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Seine Schwächen waren bisher vor allem defensiver Natur, hier war er körperlich noch nicht in der Lage, effektiv gegenzuhalten, was ihn dazu veranlasste, noch während der Saison knapp 10 Kilogramm zuzulegen. Vor seiner dritten Saison scheint Markkanen in seinen Körper hineingewachsen zu sein und die Hoffnung ist, dass sich dies unter den Körben, sowohl defensiv als auch offensiv, widerspiegeln wird.

Don’t Sleep! 
Wendell Carter Jr. ... Der siebte Pick der 2018er Draft erwischte einen tollen Start in seine Rookie Saison und bestätigte all das, warum Chicago den ehemaligen Duke-Center unbedingt haben wollte. Der defensivstarke Carter legte in seinen ersten Monaten in der NBA beachtliche Zahlen auf: 12 Punkte, sieben Rebounds und 1,7 Blocks, alles in knapp 25 Minuten.

Der Coach-Wechsel von Fred Hoiberg zu Jim Boylen war für den jungen Big Man nicht ideal. Der Oldschool-Coach setzte offensiv weniger auf den Rookie, dessen Wurfversuche und Nutzungs-Rate unter Boylen deutlich zurückgingen. Eine Daumenverletzung und die anschließende Operation beendeten seine Saison im Januar noch dazu frühzeitig. Doch der 20-Jährige hat bewiesen, dass er soliden Ringschutz bietet, offensiv den Ball bewegen kann und über ein weiches Handgelenk verfügt.

Sein Wurf ist noch nicht auf dem Niveau eines Stretch-Fünfers (19% Dreierquote), doch die Tatsache, dass er sich den Wurf von außen zutraut sowie seine Freiwurfquote (80%) machen Hoffnung.

Beste Fünf
White – LaVine – Porter Jr. – Markkanen – Carter Jr.

Good News
+ Der junge Kern für die Zukunft steht, Markkanen und Wendell Carter ergänzen sich perfekt
+ Die Youngster werden schnellen, offensiven und (hoffentlich) attraktiven Basketball spielen
+ Die Offseason Verpflichtungen haben das Team verstärkt und für Schwächephasen der Rookies abgesichert
+ LaVine hat offensiv mehr Unterstützung, was ihm helfen sollte, effizienter zu agieren


Bad News
- Jim Boylen ist, trotz der Beinahe-Meuterei letztes Jahr, immer noch der Head Coach
- Defensiv werden die Bulls viel Lehrgeld bezahlen
- Die beiden primären Ballhandler White und LaVine sind sehr anfällig für Ballverluste
- Bleiben die Big Men fit? Markkanen und Carter Jr. absolvierten nur 52, respektive 44 Spiele

Was fehlt?
Die Bulls sind jung, talentiert und brauchen momentan im Grunde nichts außer Zeit. Zeit, um White an den schnelleren NBA Basketball zu gewöhnen und sich mit Markkanen und Carter Jr. einzuspielen. Der Kader ist ausgeglichen und mit Talenten und Veteranen durchsetzt, lediglich Kris Dunn wurde wegen der Ankunft von White entbehrlich. Sollte der Rookie schon in seiner ersten Saison performen, könnte ein Trade von Dunn zusätzlich Spielzeit freischaufeln und den ein oder anderen Draft Pick einbringen.

Check 1,2
Chicago blickt mit Vorfreude auf die neue Saison, auch wenn die sportlichen Ambitionen nicht allzu hoch gesteckt werden sollten. Der junge Kern scheint auf dem Papier gut zusammen zu passen, inwieweit sich das aber auf das Parkett übertragen lässt ist die Frage, die die Bulls beantworten wollen.

Auch in einem schwächeren Osten scheinen die Playoffs nicht realistisch zu sein, die eigene Division ist mit den Milwaukee Bucks, Indiana Pacers und Detroit Pistons zu stark besetzt. Aber wenn Coby White eine solide Rookie-Saison spielt, Markkanen erste All-Star Ansprüche stellt und Carter gesund bleibt, werden die Bulls mit einem weiteren Jahr in der Lottery leben können.

Die Rechnung, bitte