12 Oktober 2019

12. Okt, 2019


Kevin Durant und Kyrie Irving in Brooklyn, Russell Westbrook in Houston, Jimmy Butler in Miami und in Los Angeles und New York regiert das 'kleine' Team... Willkommen zur NBA-Saison 2019/20! Als ersten Gang der 73. Spielzeit der Association serviert die Chefküche auch dieses Jahr Vorausschauen auf alle 30 NBA Teams, streng umgekehrt chronologisch nach Qualität und wie immer garniert mit unerschütterlichen Prognosen. Heute: Die Dallas Mavericks...

von ANNO HAAK @kemperboyd | 12. Okt, 2019

Flashback
33-49, keine Playoffs

Plus
Seth Curry
Delon Wright
Boban Marjanović
Isaiah Roby

Minus
Dirk Nowitzki
Devin Harris
Trey Burke
Salah Mejri
Kostas Antetokounmpo

Was ist Neu?
Eigentlich gar nicht viel und dann doch fast alles. Coaching und Front Office stellen eine Art neuen Inbegriff von Stabilität dar, allzu viele Neuzugänge gab es auch nicht. Doch der Abgang des größten Sportlers in der Geschichte von Dallas markiert den größtdenkbaren Einschnitt. Mit der Pensionierung des langen Würzburgers gehen zwei Jahrzehnte NBA-Geschichte zu Ende, in denen die Mavs von einer Lachnummer zur besten Franchise, die nie einen großen Free Agent abgegriffen hat, mutierten.

J.J. Barea ist das letzte lebende Denkmal, das noch an die Meisterschaft von 2011 gemahnt. Ansonsten bricht mit Dončić und Porzingis im Kern nun die Zeit nach Dirk an.


Beste Addition
Kristaps Porzingis ... Klar ist der geschummelt. Man sollte nur nicht vergessen, dass der lettische Goliath bis heute kein Spiel für die Mavs gemacht hat. Der Deadline Trade wird sich also erst ab Ende Oktober materialisieren. Porzingis ist der Spieler, für den der Begriff „Einhorn“ in der modernen NBA erfunden wurde.

Zwei Meter und einundzwanzig Centimeter pure Beweglichkeit, Range und 150 Kilogramm Basektball-IQ. Wem in dieser Liga willst Du einen Maximalvertrag geben, wenn nicht ihm? Eben.

The Planet
Luka Dončić ... Dem Falkenfreund in mir tut es immer noch weh. Doch die Auszeichnung zum besten Erstjahresspieler 2019 war verdient. Die 20/8/7, die er in die zählenden Statistikbögen nagelte, erreichte in seiner ersten Saison zuletzt und einzig Oscar Robertson.

Nun gibt es zwar in der NBA bereits einen relativ ineffizienten Superstar, der Robertson-Stats zerborsten hat, dennoch: der Slowene oder nix. Er kommt zum Korb 'at will', wie der Franzose sagt, hat Basketball-IQ für zwei und die Anlagen zu einem elitären Verteidiger. Fällt der Wurf noch etwas konstanter, sieht er aus wie die Blaupause eines modernen Franchise Players in der NBA.


Rising Star
Dorian Finney-Smith ... Der einst Ungedraftete hat es sich 2018/2019 in der Rotation der Mavs bequem gemacht. Will er wirklich zum werthaltigen Rollenspieler aufsteigen und nicht nur Füllmaterrial für einen Igoudala-Trade sein, müsste er aber lernen, dass zu einer vernünftigen NBA-Karriere, wenn man nicht KCP heißt, auch Auswärtspiele gehören.

Die Splits der vergangenen Saison, die im American-Airlines-whatever positive NetRtgs, TS% über 61 sowie mehr als ordentliche Dreierzahlen ausweisen, brachen in fremden Hallen ins Fehlertoleranzbereichsmittelmaß ab.

Don’t Sleep! 
Justin Jackson ... Eigentlich nur Dreingabe in der Harrison-Barnes-Extravaganza zimmerte er in der Zeit nach dem Trade deutlich über Schnitt liegende Ratings in die Statistikbögen bei mehr als ordentlichen Quoten, insbesondere im True Shooting (58,4 %).


Der 17er Erstrundenpick könnte nach der Verschmähung durch Portland und diversen G-League-Trips in Dallas eine sportliche Heimat finden, vorausgesetzt, die ohne Druck gezeigte Spielweise der zweiten Hälfte der letzten Saison manifestiert sich unter den Bedingungen eines Wannabe-Playoffteams.

Beste Fünf
Dončić – Curry – Jackson – Porzingis – Powell

Good News
+ Das Star-Duo der Zukunft ist (womöglich) gefunden
+ Porzingis ist einer der Spieler mit der größten Upside der ganzen Liga
+ Einer der besten vier Coaches der Liga
+ Eine der besten Kulturen der Liga (es sei denn, man ist eine Frau)







Ein Beitrag geteilt von Luka Doncic (@lukadoncic) am

Bad News
- Bei zu vielen West-Teams (GSW, LAL, LAC, POR, HOU, SAS, UTA, DEN, ...) kann man das 'womöglich' bereits streichen
- Porzingis hat seit 20 Monaten keinen kompetetiven Basketball gespielt und ist verletzungsanfällig
- Auch Carlisle wird aus Cap-Verstopfern wie Courtney Lee und Tim Hardaway Jr. keine dritten Stars herauscoachen
- Kultur bringt keine Stars, Dallas bleibt Football-Stadt

Was fehlt?
Ein echter und bereits bewiesener Star. An den top gemanageten, „kulturell“ überragenden Mavs gingen die großen Namen der Free Agency 2019 wie so oft komplett vorbei. Die dritte Option wird (nicht nur, aber auch deshalb) unverändert gesucht.

Lee für den Finals MVP 2015 war den Grizzlies nicht genug, vielleicht ist das für die Mavs sogar besser so. Ob Igoudala mit der Rolle als third Banana hinter dem osteuropäischen Übertalentduo nicht überfordert wäre, ist nicht gesagt. Nulpen wie Lee und der Sohn vom Schwulenbasher sind aber eher Teil des Problems, nicht der Lösung.

Check 1,2
Die Mavericks sind eines dieser bedauernswerten Teams, die wohl vier bis fünf Playoffteilnahmen mehr in der Franchise-Vita stehen hätten, wären sie im Osten angesiedelt. Die Conference-Einteilung wird auch 2020 wohl (wenn nicht ein unabsehbarer Burnertrade alles auf den Kopf stellt) das Problem sein. Carlisle wird wie gehabt mehr Siege aus dem Team herauscoachen als eigentlich drin sind. Die Rotation kennt solide Rollen-Pros wie Powell, Rückkehrer Curry oder Riese Marjanović.

Am Ende aber sind die Mavs ein Clippers/Lakers-Team für Einkommensschwache. Zwei (mögliche) Stars und viel Leere dahinter. Mittelmaß und der Versuch, 2021 mit KP, Dončić plus X eine neue Big Three zu bauen, ist die mittelfristige Perspektive. Dennoch: Dallas ist für die gewünschte Ära nach Nowitzki unter den gegebenen widrigen Bedingungen maximal gut aufgestellt.

Die Rechnung, bitte