17 Oktober 2019

17. Okt, 2019


Kevin Durant und Kyrie Irving in Brooklyn, Russell Westbrook in Houston, Jimmy Butler in Miami und in Los Angeles und New York regiert das 'kleine' Team... Willkommen zur NBA-Saison 2019/20! Als ersten Gang der 73. Spielzeit der Association serviert die Chefküche auch dieses Jahr Vorausschauen auf alle 30 NBA Teams, streng umgekehrt chronologisch nach Qualität und wie immer garniert mit unerschütterlichen Prognosen. Heute: Die Golden State Warriors...

von DANIEL SCHLECHTRIEM @W14Pick | 17. Okt, 2019

Flashback
57-25, NBA Finals (2-4 vs. Toronto Raptors)

Plus
D'Angelo Russell
Willie Cauley-Stein
Alec Burks
Glenn Robinson III
Omari Spellman
Jordan Poole
Alen Smailagić
Eric Paschall

Minus
Kevin Durant
Andre Iguodala
DeMarcus Cousins
Shaun Livingston
Jordan Bell
Andrew Bogut
Quin Cook
Jonas Jerebko

Was ist Neu?
The Champ is here... no more! Nach drei Titeln in vier Jahren zwischen 2015 und 2018 verblasst der Glanz der Warriors seit vergangenem Juni, seit so ziemlich alles schief ging, was schief gehen konnte. Die verdiente Niederlage in den Finals gegen die Toronto Raptors, die schwere Verletzung Klay Thompsons sowie der Abgang Kevin Durants werfen die einstige Übermacht zurück in menschliche Sphären.

Einen qualitativen Sturzflug wussten die Verantwortlichen der Dubs insbesondere mit der Addition D'Angelo Russells zu verhindern. Dass die Kalifornier jedoch zusätzlich in Andre Iguodala und später Shaun Livingston gleich zwei Stabilisatoren der Meisterschaftsjahre abgeben mussten, um diesen Deal zu ermöglichen, relativiert das Ganze wieder ein wenig.

Die addierten Willie Cauley-Stein, Alec Burks und Glenn Robinson sind sinnvolle Ergänzungen und sorgen für etwas Tiefe, für mehr aber auch nicht. Sollte nur einer dieses Trios die überschaubaren Erwartungen übertreffen, wäre das schon ein Gewinn für die arg gebeutelte Franchise. Gleiches gilt für die im Draft akquirierten Jordan Poole (28. Pick), Alen Smailagić (39.) und Eric Paschall (41.).

Spieler und Fans müssen sich daran gewöhnen, fortan nicht mehr als Favorit in die Saison zu gehen und mit Wehmut zurück nach Oakland und die Oracle Arena blicken. Ab dieser Saison spielen die Warriors in San Francisco, im neu errichteten Chase Center.

Beste Addition
D'Angelo Russell ... In Brooklyn zum All-Star gereift steht der erste 23 Jahre alte Guard vor der nächsten großen Herausforderung seiner noch jungen Karriere. In Abwesenheit Thompsons ist es am zweiten Pick des Drafts 2015, zusammen mit Curry ein funktionierendes Duo zu bilden, obwohl beide nominell Point Guards sind und sich hinsichtlich ihrer Anlagen nicht annähernd so gut ergänzen wie die „Splash Brothers“.


In Rebuild-Brooklyn waren Druck und Erwartungshaltung nicht annähernd auf dem Level, das Russell nun im erfolgsverwöhnten Nordkalifornien, in der ungleich stärkeren Western Conference erwartet.

Unmittelbar nach der Verpflichtung Russells wurden Stimmen laut, nach denen D'Angelo wegen der Ähnlichkeit seines Spiels zu dem Currys von Anfang nur als Trade-Chip gesehen werde und tatsächlich ist nicht auszuschließen, dass die Dubs ihren Neuzugang vorerst nur als Platzhalter für Thompson einsetzen, um ihn dann im Februar für mehr Tiefe auf dem Flügel eintauschen. Bis dahin liegt es aber vornehmlich am ehemaligen Laker, die Warriors zusammen mit den verbliebenen All-Stars Stephen Curry und Draymond Green auf Kurs zu halten.

The Planet
Stephen Curry ... Der MVP der Jahre 2015 und 2016 steht vor der schwierigsten Aufgabe seit dem Aufstieg seiner Warriors Mitte der zu Ende gehenden Dekade. Zuletzt konnten sich die Dubs eine Off-Night ihres Spielmachers problemlos leisten, diese Zeiten sind vorbei.

In Absenz Durants und Thompsons fokussieren sich sämtliche gegnerische Defensivbemühungen auf Golden States Nummer 30 – pures Gift für den mutmaßlich besten Shooter der NBA-Geschichte. Die andere Seite wird Currys weniger wurfstarken Mitspielern reihenweise freie Dreier zugestehen, nur um den Scharfschützen selbst gesondert abzudecken.


Curry hat in der Zeit vor Kevin Durant bewiesen, dass er einer solchen Herausforderung gewachsen ist. Seine Verfassung wird zwischen Erfolg und Misserfolg der Warriors Saison 2019/20 maßgeblich entscheiden.

Rising Star
Kevon Looney ... In Zeiten des Umbruchs im goldenen Staat hat sich Looney zuletzt als Rückhalt in der Zone profiliert. Der 30. Pick des 2015er Drafts spielte lange im Schatten der All-Stars, trat nie groß in Erscheinung, bis er infolge der Verletzung DeMarcus Cousins' während der vergangenen Playoffs in die Bresche springen musste und diese Feuertaufe mit Herz und Leidenschaft bestand. Die Warriors belohnten seine Leistungen einem neuen Dreijahresvertrag über insgesamt 15 Mio. $.

Mit dem Ball ist der erst 23 Jahre alte Looney limitiert, wird seinen Mitspielern offensiv kaum Unterstützung bieten, dafür aber in puncto Einsatz vorangehen und an beiden Enden die Bretter kontrollieren, sodass er Neuzugang Cauley-Stein sogar den Posten als Starter auf der Center-Position streitig macht.

Don’t Sleep! 
Draymond Green ... Golden States menschliche Abrissbirne wurde zeit seiner Karriere immer wieder unterschätzt, noch immer kann er ansatzlos die 34 Spieler auswendig aufsagen, die 2012 vor ihm gedraftet wurden (einige sind schon länger nicht mehr in der NBA).

So ist der inzwischen dreifache All-Star als Problemlöser wie geschaffen für die heikle Situation, in die die Warriors geraten sind. Dass er weiterhin in der Defensive voran marschiert versteht sich von selbst, ebenso seine Position als Veteran und Locker Room Leader auch in Abwesenheit Iguodalas. In der Offensive sind angesichts seiner schrägen Wurfhaltung keine Glanztaten zu erwarten – doch würde es irgendwen überraschen, sollte Draymond erneut Kraft aus der Underdog-Rolle zieht und plötzlich ein weiteres Mal alle Erwartungen übertreffen, indem er über den Sommer ein ansehnlicheres offensives Repertoire kultiviert?

Beste Fünf
Curry – Russell – Thompson – Green – Looney






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Good News
+ Die Warriors werden die Playoffs 2020 voraussichtlich mit drei All-Stars bestreiten
+ Das Team hat das Selbstverständnis, eine mäßige Regular Season hinter sich zu lassen
+ Coach Steve Kerr und GM Bob Myers gehören zu den Besten ihrer Zunft und sind den Rückschlägen der letzten Monate gewachsen
+ Den ganz großen Favoriten als Nachfolger der Warriors gibt es nicht

Bad News
- Eine verhältnismäßig schlechte Platzierung droht – und damit ein harter Brocken gleich in der ersten Playoff-Runde
- Die vielen personellen Wechsel werden ihren Tribut fordern, die Mannschaft muss sich erst finden
- Bis zu Klays Rückkehr ist die Rotation auf den Flügelpositionen nicht einmal Durchschnittskost
- Die Abhängigkeit vom bald 32 Jahre alten Curry bringt das Team im Falle einer Verletzung in arge Schwierigkeiten

Was fehlt?
Kevin Durant und Klay Thompson. Wenigstens in der ersten Saisonhälfte werden die Warriors nach diesem qualitativen Aderlass nicht unter der Elite der Liga erscheinen, auch mit Thompson wären die zuletzt selbstverständlichen rund 60 Siege utopisch. Die zahlreichen Änderungen, der gestiegene gegnerische Fokus auf Curry, die mangelnde Tiefe – all das macht die Warriors so angreifbar wie seit 2013 nicht mehr.


Check 1,2
In der Bay Area herrscht ausgerechnet im ersten Jahr der neugebauten Arena zunächst Schadensbegrenzung. Die pure Präsenz von Curry und Green wird einen Abrutsch ins Mittelmaß verhindern, mit den Besten des Westens kann sich diese Mannschaft jedoch nicht messen, solange Thompson im Anzug auf der Bank sitzt anstatt im Trikot auf dem Feld zu stehen.

Sobald die „Splash Brothers“ aber wieder gemeinsam auf Punktejagd gehen, werden die weiteren Playoff-Teams des Westens eine Begegnung mit den Dubs nach Kräften vermeiden. Seit 2014 fanden keine Finals ohne die Warriors statt – alles rund um die Association tut gut daran, das Ende dieses Laufs nicht als selbstverständlich zu erachten.

Die Rechnung, bitte