20 Oktober 2019

20. Okt, 2019


Kevin Durant und Kyrie Irving in Brooklyn, Russell Westbrook in Houston, Jimmy Butler in Miami und in Los Angeles und New York regiert das 'kleine' Team... Willkommen zur NBA-Saison 2019/20! Als ersten Gang der 73. Spielzeit der Association serviert die Chefküche auch dieses Jahr Vorausschauen auf alle 30 NBA Teams, streng umgekehrt chronologisch nach Qualität und wie immer garniert mit unerschütterlichen Prognosen. Heute: Die Houston Rockets...

von DANIEL SCHLECHTRIEM @W14Pick | 20. Okt, 2019

Flashback
53-29, Western Conference Semi-Finals (2-4 vs. Golden State Warriors)

Plus
Russell Westbrook
Tyson Chandler
Thabo Sefolosha
Ryan Anderson
Ben McLemore

Minus
Chris Paul
Iman Shumpert
Kenneth Faried

Was ist Neu?
In einem der spektakulärsten Deals des Sommers wiedervereinten die Texaner James Harden mit Russell Westbrook. Von 2009 bis 2012 spielten die Freunde seit Kindheitstagen gemeinsam bei den Oklahoma City Thunder, nun schicken sich die MVPs der Jahre 2017 und 2018 an, bei den Rockets den Traum eines Championship-Rings zu erfüllen.

Einen solchen bringt Tyson Chandler schon mit nach Houston. Der von den Los Angeles Lakers akquirierte Berserker füllt mit seiner Empfehlung von 18 Jahren NBA-Erfahrung sowie einer Auszeichnung zum Defensive Player of the Year (2013) die Lücke hinter Clint Capela als Ringbeschützer und Rebounder. Chandler wird sich die Minuten hinter Capela sorgsam mit Nenê sowie Jungspund Isaiah Hartenstein teilen.

Davon abgesehen hat sich in puncto Parkettpersonal für Rockets-Verhältnisse über den Sommer wenig getan: Zehn Spieler des Vorjahres stehen weiterhin im Aufgebot, Ryan Anderson ist nach kurzer Abwesenheit wieder da. Houston geht mit dem Kern der sehr erfolgreichen Saison 2017/18 sowie der zumindest nach dem All-Star Break passablen Spielzeit 2018/19 ins neue Jahr.

Beste Addition
Russell Westbrook ... MVP, achtfacher All-Star, Triple Double Maschine in der Blüte seines Schaffens. Houston tauscht die Spielmacherfähigkeiten des alternden Paul gegen Athletik und Dynamik – und gegen eine bessere Teamchemie, denn Harden und Westbrook selbst drängten beide auf diese Reunion, auf den Trade nach Houston.


Russ im roten Trikot zu sehen wird noch eine ganze Zeit lang surreal wirken, verspricht aber eine der spannenderen Storys dieser Saison zu werden: Wie funktioniert das Energiebündel im System von Mike D'Antoni? Wie nutzt er die Freiräume, die ihm Houstons zahlreiche Shooter bieten? Wie teilen sich die balldominanten Guards mit Usage Rates von jeweils über 30% den Spielaufbau?

In Oklahoma City galt Westbrook als Heiliger und als unfehlbar, in Houston hingegen muss er sich neuen Kredit verdienen, denn die Rockets haben für den 30-Jährigen ihre Zukunft in Form von zwei Draft Picks sowie zwei Pick Swaps verpfändet.

The Planet
James Harden ... 36,1 Punkte, 7,5 Assists, 6,1 Rebounds, 32 Spiele in Folge mit 30+ Punkte und mindestens einen MVP-Award zu wenig in den letzten vier Jahren. Auch „The Beard“ bewegt sich auf seinem Zenit und hat im letzten Jahr demonstriert, wie er alleine ein Team zu tragen vermag. Dies wird infolge der Addition Westbrooks (hoffentlich) nicht mehr in diesem Ausmaß notwendig sein.

In den vergangenen fünf Jahren steigerte Harden seine Punkteausbeute kontinuierlich von 25,4 pro Spiel bis auf zuletzt sensationelle 36,1 – dem höchsten seit Michael Jordan 1986/87. Seinen Schnitt zu halten oder gar zu übertreffen wird Hardens besondere Herausforderung der Regular Season.

Rising Star
Clint Capela ... Capelas gute bis sehr gute letzte Saison (16,6 Punkte, 12,7 Rebounds – jeweils Karrierebestwerte) wurde überschattet von der Viruserkrankung, die den Schweizer während der Playoffs zunächst lahm legte und später mindestens limitierte, sodass er gegen die Utah Jazz sowie eine Runde später gegen die Golden State Warriors wie ein Schatten seiner selbst wirkte und von weniger qualitativen Gegenspielern dominiert wurde.

Dies darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich der erst 25-Jährige hinter den beiden Superstars längst zu Houstons wichtigstem Spieler entwickelt hat: Offensiv funktioniert das Pick & Roll zusammen mit James Harden schlafwandlerisch, auch mit dem teamdienlichen Westbrook wird Houstons Center schnell harmonieren. Die mäßigen Ergebnisse während Capelas Daumenverletzung im Frühjahr 2019 untermauen, wie wichtig seine Präsenz vor allem für die Defensive der Rockets ist.





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Don’t Sleep! 
Austin Rivers ... Bei den Clippers behütet, bei den Wizards stagniert und bei den Suns aussortiert hat der Combo-Guard in Houston endlich eine basketballerische Heimat gefunden, daher sogar auf Geld verzichtet, um in Texas weiter auf Ringjagd zu gehen.

Rivers funktioniert weniger als Playmaker, was in Houston angesichts der Usage Rates von Harden und Westbrook vernachlässigt werden darf. Als sekundärer Ballhandler und Shooter hat der 27-Jährige seine Nische gefunden (45,7% Dreierquote in den Playoffs 2019) und steht auch defensiv seinen Mann, das macht ihn zu einem wichtigen Rückhalt für das All-Star Duo der Raketen. Die sportliche Trennung von Papa Doc und das ehrgeizige Umfeld haben ihm sichtlich gut getan.

Beste Fünf
Westbrook – Gordon – Harden – Tucker – Capela


Good News
+ Der Endgegner der letzten Jahre hat massiv an Qualität eingebüßt
+ Die wichtigsten vier Spieler stehen mindestens bis 2022 unter Vertrag, ohne dafür in die Luxussteuer zu sinken
+ Westbrook macht Houstons Spiel spektakulärer und ansehnlicher
+ Kein Melo-Drama, keine Experimente, der Kader hat sich eingegroovt und wurde sinnvoll ergänzt

Bad News
- Westbrook wirft auch in Houston Dreier
- Die Rockets und Coach Mike D'Antoni einigten sich bisher nicht auf eine Verlängerung des im Sommer auslaufenden Vertrags
- Mehrere Assistenten D'Antonis mussten als Bauernopfer im Sommer gehen, darunter Defensiv-Guru Jeff Bzdelik: Wer soll die Verteidigung stabilisieren?
- Daryl Moreys Hongkong-Tweet hat nicht nur eine internationale Kontroverse ausgelöst und die Liga wahrscheinlich Millionen gekostet, sondern auch Unruhe in die Vorbereitung gebracht

Was fehlt?
„Die erste Championship ist immer die schwierigste“ philosophierte Golden States Coach Steve Kerr vor etwas über einem Jahr und behielt damit zumindest bezüglich der Rockets recht, die er mit seinen Warriors nun in vier der letzten fünf Jahre eliminierte.

Houston fehlt in entscheidenden Partien und Momenten der Rückhalt und die Sicherheit vergangener Triumphe, die Extraqualität, in den wichtigsten Momenten die beste Leistung abzurufen. Insbesondere Harden vermochte es bislang nicht, seine Ausnahmefähigkeiten im späteren Verlauf der Playoffs konstant abzurufen und auch Westbrook bringt dieses fehlende Attribut nicht mit nach Texas.


2018 scheiterten die Rockets am Verletzungspech, 2019 mehr an sich selbst. Es liegt an Harden und Westbrooks Willen, die Mauer um besagte erste Championship zu durchbrechen und dieses Mal zur Stelle zu sein, wenn es am meisten zählt.

Check 1,2
Teambesitzer Tilman Fertitta hat eine Championship in der Ära Harden versprochen und die Vorzeichen standen nie besser. Zwar hat der Westen wieder mal mächtig aufgerüstet, insbesondere die Clippers, Lakers und Jazz. Allerdings existiert das Überteam der letzten Jahre, der turmhohe Favorit, so nicht mehr. Westbrook und Harden sind All-In, haben ihre MVP- und All-Star-Auszeichnungen abgehakt, die Karriere beider wartet auf ihre Krönung.

Den Rockets bleiben die nächsten zwei bis drei Jahre, um mit der bestehenden Truppe das große Ziel zu erreichen, deswegen – und mit dem völlig missratenen Saisonstart 2018/19 im Rückspiegel – wird der Hunger vom ersten Tip-Off an sehr groß sein.

Die Rechnung, bitte