21 Oktober 2019

21. Okt, 2019


Kevin Durant und Kyrie Irving in Brooklyn, Russell Westbrook in Houston, Jimmy Butler in Miami und in Los Angeles und New York regiert das 'kleine' Team... Willkommen zur NBA-Saison 2019/20! Als ersten Gang der 73. Spielzeit der Association serviert die Chefküche auch dieses Jahr Vorausschauen auf alle 30 NBA Teams, streng umgekehrt chronologisch nach Qualität und wie immer garniert mit unerschütterlichen Prognosen. Heute: Die LA Clippers...

von MARC LANGE @godzfave44 | 21. Okt, 2019

Flashback
48-34, Playoffs Runde eins (2-4 gegen vs. Golden State Warriors)

Plus
Kawhi Leonard
Paul George
Maurice Harkless
Patrick Patterson
Terance Mann

Minus
Danilo Gallinari
Shai Gilgeous-Alexander
Garrett Temple
Wilson Chandler
Angel Delgado
Tyrone Wallace
Sindarius Thornwell

Was ist Neu?
Neue Stars. Neue Ansprüche. Neuer Druck. Die Clippers gingen in diesem Sommer als die großen Sieger aus der wohl wildesten Free Agency. Mit Finals-MVP Kawhi Leonard und Paul George sicherte sich das Team aus Kalifornien zwei absolute Superstars. An der Seitenlinie verstärkt zusätzlich Tyronn Lue das Trainergespann um Doc Rivers.

Gleichzeitig wurden die wichtigen Puzzleteile aus der vergangenen Saison gehalten: Lou Williams, Montrezl Harrell, Patrick Beverley und Landy Shamet waren Garanten für den überraschenden Playoff-Einzug. Einzige schmerzhafte Abgänge: Im Zuge des Paul George-Trades mussten Danilo Gallinari und Point Guard-Talent Shai Gilgeous-Alexander weichen. Die hervorragende Tiefe des Kaders wurde durch die Addition der zwei neuen Stars also kaum beeinflusst.

Durch die massive Verstärkung des Ex-Raptor und Ex-Thunder sind nun aber auch die Ansprüche in Los Angeles gestiegen. Letztes Jahr war der achte Platz nach der regulären Saison ein Erfolg. Niemand hatte das Team ohne Star auf dem Zettel. Damit ist es nun vorbei. Alle Augen sind ab sofort auf die Clipps gerichtet. Weniger als der erste Einzug in die Finals wäre eine herbe Enttäuschung für die gesamte Franchise. Druck, den die meisten Spieler des Teams in Ihrer Karriere so noch nicht erlebt haben. Doch der geupgradete Kader bringt alles mit, um die gesetzten Ziele Realität werden zu lassen.

Beste Addition
Kawhi Leonard ... Wenn sich ein Team den momentan wahrscheinlich besten Spieler der NBA angelt, ist dieser natürlich auch die beste Addition. Der 'Fun Guy' spielte in den vergangenen Playoffs den stärksten Basketball seiner Karriere, sorgte für unvergessliche Momente (sorry, Philly) und schenkte den Raptors ihre erste Meisterschaft. Rund 30 Punkte, neun Rebounds und vier Assists brachte Leonard in diesem legendären Playoff-Run durchschnittlich aufs Board.






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Zahlen, die sich die Verantwortlichen und Fans der Clippers natürlich auch in der kommenden Saison erhoffen. Die Umstände dafür sind auf jeden Fall vorhanden: Der amtierende Finals-MVP spielt 2019/2020 in seinem Heimatstaat mit einem extrem talentierten und hungrigen Team. Kein Zeichen deutet darauf hin, dass Leonard nächstes Jahr einen Schritt zurückmacht. Es wird wohl eher in die andere Richtung gehen.

The Planet
Paul George ... Klar könnten (oder müssten?) wir hier wieder Leonard nennen. Jedoch würde es Paul George nicht gerecht werden, ihn bezüglich der Wichtigkeit für die Clippers auszuklammern. Seines Zeichens einer der elitärsten Two-Way-Player der NBA, hat der 29-Jährige die wohl beste reguläre Saison seiner Karriere hinter sich. Mit 28 Punkten pro Partie war er nicht nur der drittbeste Scorer der vergangenen Kampagne, sondern landete auch im MVP-Rennen auf Platz drei.

Was jedoch viel entscheidender ist: Niemand in diesem Kader sollte motivierter als George in die kommenden 82+ Spiele gehen. Der Small Forward lechzt nach einem Ring, um seinen Platz in der ewigen Liste des NBA-Ruhmes zu zementieren. Schwankende Leistungen und unglückliche Matchups, in Form von Prime LeBron James, sorgten dafür, dass George in den vergangenen Jahren lediglich kurzzeitig Playoff-Luft schnuppern durfte. Doch in Los Angeles hat er jetzt die Voraussetzungen, die er in Indiana und Oklahoma City nie hatte: einen erstklassigen Co-Star und einen breiten Kader. Ausreden gibt es also keine mehr.

Rising Star
Landry Shamet ... Er war und ist ein absoluter Steal für die Clipps. Als das Team Anfang 2019 Tobias Harris in Richtung Philadelphia schickte und u. a. Landry Shamet dafür bekam, ging es im ersten Zug eher um zwei First Round Picks (Philly und Miami), die Los Angeles in diesem Deal ergattern wollte. Doch der Tapetenwechsel von Shamet sollte sich als Glücksgriff herausstellen. Der 22-jährige Rookie kam bei den Clippers seitdem durchschnittlich auf 10,9 Punkte sowie 2,7 erfolgreiche Dreier pro Spiel und traf dabei grandiose 45 Prozent von Downtown. Außerdem startete Landry in 29 von 31 möglichen Partien (inklusive jeder Partie in den Playoffs).

Trotz der Neuzugänge scheint sein Starterjob wohl nicht in allzu weite Ferne gerückt zu sein. Da George und Leonard multiple Positionen verteidigen können, wäre ein Backcourt bestehend aus ihm und Beverley definitiv eine Option - 'Smallball' lautet das Zauberwort. JaMychal Green würde dann für Shamet wahrscheinlich zunächst auf der Bank Platz nehmen. Wie dem auch sei: Die Entwicklung des hochtalentierten Scharfschützen scheint nicht in Gefahr zu sein.

Don’t Sleep!
Montrezl Harrell ... Er ist einfach ein Biest. Obwohl Harrell sich in den meisten Matchups mit zehn Zentimetern weniger Körpergröße beweisen muss, weiß sich der 26-Jährige stets durchzusetzen. Sein unbändiger Wille gepaart mit Physis und den oft zitierten Hustle Plays sorgten dafür, dass der ehemalige G-Leaguer 2018/2019 der Spieler mit den meisten Minuten im vierten Viertel bei den Clippers war. Das wird sich in der kommenden Spielzeit zwar wahrscheinlich ändern, jedoch wird es weiterhin Harrell sein, dem Coach Doc Rivers in den entscheidenden Minuten das Vertrauen als Center schenken wird.


Auch seine Statline (16,6 PPG und 6,5 RPG) könnte aufgrund der Neuverteilung in der Offensive etwas leiden. Energiebündel wie er definieren sich jedoch nicht ausschließlich über Zahlen, sondern eben auch über die Dinge, die nicht unbedingt messbar sind. Auf dem Weg zum Erfolg wird Harrell für die Clippers auch weiterhin eine wichtige Rolle einnehmen.

Beste Fünf
Beverley – Williams – Leonard – George – Harrell

Good News
+ Auf dem Papier sind die Clippers das beste defensive Team der Liga
+ Die Clippers haben drei Spieler im Kader, die letzte Saison mindestens 20 Punkte im Schnitt machten (Leonard, George, Williams)
+ Die Bank bleibt eine große Stärke, Leonard und George sorgten für keine Einbußen
+ Der Coaching Staff wurde mit Meistertrainer Tyronn Lue weiter verbessert

Bad News
- Leonard und George kosteten hochgerechnet sechs First Round Draft Picks
- Beide neuen Stars haben sich nicht langfristig an die Clippers gebunden
- Der Druck ist enorm, die Situation für die meisten ungewohnt
- George neigt zu Verletzungsanfälligkeit und war bislang ineffizient in den Playoffs


Was fehlt?
Zeit. Die Clippers sind im Win-Now-Modus und müssen eigentlich im ersten Jahr direkt liefern. Sowohl George als auch Leonard haben sich nicht langfristig an Los Angeles gebunden und könnten sich im Worst-Case nach zwei Jahren wieder verabschieden. Langfristige Verletzungen von einem (oder beiden) Star(s) wären extrem unglücklich.

Insgesamt sechs Erstrunden Draft Picks gingen für die Akquisition der beiden Heilsbringer drauf. Sollte das Projekt scheitern, wären die Clippers aufgrund ihrer bereits bewährten Truppe zwar nicht sofort verloren, aber das Thema Larry O'Brien Trophäe von da an für mehrere Jahre erst einmal ein Tabu.

Check 1,2
Es gibt zwar kein perfektes Team, aber die Clippers sind momentan sehr nah dran. Der Trainer war einst Champion (Rivers). Der beste Spieler ist amtierender Champion (Leonard). Der zweitbeste Spieler ist der amtierende Bronze-MVP (George). Hinzu kommt der aktuelle beste sechste Mann der Liga (Williams) sowie der Drittplatzierte in dieser Kategorie (Harrell). Das Ganze wird noch abgerundet mit einem der besten Perimeter-Verteidiger der Liga (Beverley) und einer eingespielten und tiefen Bank, die eine qualitativ gute zehn-Mann-Rotation ermöglicht.


Sky is the limit für das mit Abstand beste Clippers-Team in der Geschichte der Franchise. Wenn diese Truppe schnell lernt mit dem großen Druck und den hohen Erwartungen der nächsten Monate umgehen zu können, wäre es keine allzu große Überraschung wenn in Los Angeles im nächsten Jahr eine Nicht-Lila-Goldene Meisterschaftsfeier stattfindet.

Die Rechnung, bitte