18 Oktober 2019

18. Okt, 2019


Kevin Durant und Kyrie Irving in Brooklyn, Russell Westbrook in Houston, Jimmy Butler in Miami und in Los Angeles und New York regiert das 'kleine' Team... Willkommen zur NBA-Saison 2019/20! Als ersten Gang der 73. Spielzeit der Association serviert die Chefküche auch dieses Jahr Vorausschauen auf alle 30 NBA Teams, streng umgekehrt chronologisch nach Qualität und wie immer garniert mit unerschütterlichen Prognosen. Heute: Die Los Angeles Lakers...

von ANNO HAAK @kemperboyd | 18. Okt, 2019

Flashback
37-45, keine Playoffs

Plus
Anthony Davis
Danny Green
Jared Dudley
Avery Bradley
Troy Daniels
Quinn Cook
DeMarcus Cousins
Dwight Howard
Talen Horton-Tucker

Minus
Brandon Ingram
Lonzo Ball
Josh Hart
Tyson Chandler
Reggie Bullock
Mike Muscala
Moritz Wagner
Isaac Bonga
Lance Stephenson

Was ist Neu?
Die Welt und alles darin. Nach dem Anthonydrama 2.0 tauschte der 16-malige Meister nahezu das komplette Roster aus. 50 % der Heavy Rotation 2018/2019 schickte GM Rob Pelinka gleich ganz weg, von den verbliebenen fünf der zehn Spieler mit den meisten Minuten sollten eigentlich nur LeBron James und der aufgehende Stern noch eine signifikante Rolle spielen.

Johnson wurde nach seinem peinlichen Spontirücktritt nicht ersetzt, so dass auch die Führungsebene mit dem neuen Alleinherrscher Pelinka als umstrukturiert gelten darf. Last not least wurde Head Coach Luke Walton durch Frank Vogel nebst „Head Assistant“ Jason Kidd ersetzt. Ein Komplettmakeover, das nach dem mehr als albernen Sommer 2018 indes auch dringend erforderlich war.

Beste Addition
Anthony Davis ... Davis ist einer der talentiertesten Spieler der Ära nach Michael Jordan, keine 27 Jahre alt, skandalfrei und willig, in L. A. alt zu werden. Nur die Lakers in der Form der letzten Jahre schaffen es, einen solchen Trade stimmungsmäßig zu verhühnern.


Dank der nervig-tapsigen Versuche der vorzeitigen Verpflichtung zur Deadline im Februar nebst Tampering-Strafe und dem für einen Spieler, der den Wechsel nach L. A. 2020 ohnehin präferiert hätte, lachhaft hohen Preis erstickte sich der eigentlich angebrachte Hype im Keim selbst.

Vom nach wie vor wackeligen Dreier abgesehen gibt es nichts, das Davis nicht elitär kann. Er ist wohl der beste Spieler der Liga unter 28 jenseits des Freaks aus Griechendland und bildet mit James eins der stärksten Duos der Basketball-Geschichte. Eine Verpflichtung wie ein Lotto-Gewinn.

The Planet
LeBron James ... 35. Geburtstag hin, 17. Jahr her, der beste Basketballer der zu Ende gehenden Dekade ist das Zentralgestirn, wo immer er auch hingeht. James kann immer noch alles. Niemand außer Menschen, die fast seine Kinder sein könnten, kann ein NBA-Parkett dominieren wie er (27/8/8 letztes Jahr bei – zugegeben – durchschnittlicher Effizienz).

Wer große Ds mit Fragezeichen versieht, dem sei gesagt, dass die Lakers eine Top-10-Defense stellten (sonst 13.), wenn er denn mal das Parkett bevölkerte (DRtg unter 108 per NBA Stats). Im Übrigen: ohne ihn wäre Davis gewiss nicht in L. A., ohne ihn gewährleistete Kawhi Leonard der Chaos-Franchise nicht mal eine Audienz, ohne ihn darbte Lila-Gold auch in Jahr sieben nach Dwight Howards Weggang.

Weniger als die 55 Spiele, die er letzte Saison absolvierte, machte er allerdings noch nie. Auch wenn Schonung zum Ende der Saison ein Thema war, zeigt sich: auch LBJ wird Vater Zeit nicht besiegen. Davis wird übernehmen müssen, die absurd hohen Minutenzahlen (annähernd Thibodeau'sche 35,2 pro Spiel) müssen runter.


Rising Star
Kyle Kuzma ... Magic Johnsons Vermächtnis an die Franchise, die ihn zum Milliardär machte. „Alles außer Kyle“ war für einen Davis-Trade verfügbar. Pick 27, 20/6/3, fast jeder dritte von sechs Dreiern fiel letzte Saison (alles kalibriert auf 36 Minuten) und Jahr drei kommt erst noch. Die beste Hoffnung auf eine Zukunft nach LeBron ist Kyle K., MIP-Kandidat, Utah-Universitätsabsolvent, der beste Junge der einst als Tweener verschmähten Zunft.

Don’t Sleep! 
Alex Caruso ... Ungedraftet lief er knapp zwei Jahre durchs nach Gatorade stinkende Unterholz, bevor die LeBrons ihn entdeckten. Dank der unsinnigen Verlängerung des besten Starting Point Guards eines NBA Champions von 2008, der seit 2014 ein Minusspieler ist, ist der Low-Volume-3er-Spezialist die beste Hoffnung diesseits von LeBron James auf konstantes Playmaking.

Beste Fünf
James – Bradley – Green – Kuzma – Davis


Good News
+ Das beste Duo der Liga. Punkt. Absatz.
+ Für moderne Erfordernisse ordentlich gerüsteter Supporting Cast
+ Seifenoper-Earvin hat die Brücke verlassen, ohne Kapitän Obvious kann das Lakers Schiff in ruhigere Gewässer schippern
+ Dank KDs Abgang, Thompsons Kreuzband und Westbrooks Paul-Verdrängung ist der Westen weit offen

Bad News
- Statt des besten Trios der Geschichte nicht mal das beste Team in der Stadt (TM not me)
- Fehlt auch nur einer der beiden Stars zum Staggern länger, ist die nächste Katastrophensaison programmiert
- Ruhe wird in dem purpur-güldenen Chaosumfeld nie einkehren, die Trainerentscheidung wird das keinesfalls verbessern
- Dank Leonards Entscheidung nicht mal Favorit im Westen

Was fehlt?
Wie immer: ein Plan, und nein: „Zwei Stars, der Rest findet sich“ ist keiner. Dass Leonard die Chance des Threesome mit zwei der besten fünf Spieler außer ihm selbst liegen ließ, ist eine derartige Ohrfeige, dass dagegen die Aldridge-Schellen aus 2015 wie Streicheleinheiten aussehen. Menschen, die auf den Ball aufpassen und selbigen aus eigener Initiative in den Korb befördern können. Warum Rondo einen neuen Deal bekommen hat, weiß auch Gott nicht genau, sein Stellvertreter auf Erden dürfte aber sein Placet gegeben haben. Danke LBJ!

Ein moderner, ringbeschützender Center. Cousins' Kreuzband war Pech, Howards Verpflichtung nicht. Das Casting mit Noah, Speights und der Brusttinteneule war schon albern. Die Entscheidung für Letztere geht auf keine Kuhhaut. Dwight „dieses Mal wird alles anders“ Howard kann eigentlich nicht eines 2019er NBA GM unheiliger Ernst sein, ist es aber. Warum man JaVale McGee Geld gibt, Chandler aber widerstandslos gehen lässt, weiß auch nur Kobe Bryants Ex-Agent allein.


Check 1,2
Die Lakers sind besser als ihr Ruf und die Lage ist besser als meine Stimmung. Nur: einer der zwei besten Spieler humpelt in Jahr 17 und hat am eigenen Korb Bock wie Ziegen ohne Date. Der neue Trainer ist ein konventionell denkender Charismaallergiker. Sein größter Erfolg ist ein halbes Jahrzehnt her und von einer absurd schlechten Conference östlich der Apalachen befördert. In Orlando konnte er mit – zugegeben: bestenfalls kreativ zusammengestellten – Rostern wenig bis gar nichts anfangen. Sein erstlinieger Co-Trainer ist Jason Kidd, der dieselben Stärken (D, D und nochmals D) und eine karrierelange Geschichte als Intrigant hat.

Gegen das Two-Man-Game von James und Davis wird jenseits der Stadtgrenzen von L. A. dennoch kaum ein Kraut gewachsen sein. So sind die Lakers auf gutem Weg, den längsten Playoffdrout fernab der Brüder im Geiste in Sacramento und Phoenix zu beenden. Soll es für mehr als zwei Runden Playoffbasketball reichen, wird es dennoch Matchupglück, Verletzungsfreiheit und ein gebrochenes Leonorge-Bein brauchen.

Die Rechnung, bitte