07 Oktober 2019

7. Okt, 2019


Kevin Durant und Kyrie Irving in Brooklyn, Russell Westbrook in Houston, Jimmy Butler in Miami und in Los Angeles und New York regiert das 'kleine' Team... Willkommen zur NBA-Saison 2019/20! Als ersten Gang der 73. Spielzeit der Association serviert die Chefküche auch dieses Jahr Vorausschauen auf alle 30 NBA Teams, streng umgekehrt chronologisch nach Qualität und wie immer garniert mit unerschütterlichen Prognosen. Heute: Die Memphis Grizzlies...

von CHRISTOPH LENZ @NBAKenner | 7. Okt, 2019

Flashback
33-49, keine Playoffs

Plus
Ja Morant
Brandon Clarke
Grayson Allen
Jae Crowder
Josh Jackson
De'Anthony Melton
Tyus Jones
Andre Iguodala

Minus
Mike Conley
Avery Bradley
Delon Wright
C.J. Miles
Justin Holiday
Joakim Noah
Chandler Parsons

Was ist Neu?
Die schnellere Variante wäre in diesem Fall: „Was ist nicht Neu?“, denn die 25. Saison der Grizzlies, davon bisher 18 in Memphis, ist der Beginn einer neuen Ära. Nach zwölf Jahren mit Mike Conley, in die sich auch die etwas später gestartete und etwas früher beendete Grizzlies-Zeit von Marc Gasol einordnen lässt, werden die Uhren auf null gestellt. Die beiden Leuchttürme der Franchise hinterlassen jede Menge Rekorde, die nun von der neuen jungen Generation gejagt werden.

Allen voran Jaren Jackson Jr., dem in der vergangenen Saison der Staffelstab übergeben wurde sowie der aktuelle Nummer Zwei Draft-Pick Ja Morant tragen die Hoffnungen der Fans, die Franchise wieder zurück in die Playoffs zu führen. Das ebenfalls neu formierte und sehr junge Front Office um Präsident Jason Wexler und General Manager Zachary Kleiman stellt den beiden dafür auf verschiedenen Wegen Talent zur Seite.

Brandon Clarke per Draft, Josh Jackson in einem Trade, der auf Upside schielt, und Grayson Allen als Teil des Conley-Deals stoßen zum Team und könnten allesamt direkt signifikante Rollen im Team einnehmen. Falls Andre Iguodala nicht getradet wird und sich mit der Situation anfreunden kann, dann wird er ein ganz wichtiger Mentor und Leader für dieses junge und talentierte Team sein.

Beste Addition
Ja Morant ... Während die gesamte NBA-Welt im Zion-Fieber war und sich vor, während und nach dem Draft vor allem auf den zweifellosen No. 1 Pick fokussierte, stieg in Tennessee die Vorfreude auf Ja Morant, der in Kombination mit Jaren Jackson Jr., der zwar verletzungsbedingt einige Zeit seiner Rookie-Saison verpasste, aber vielversprechende Ansätze zeigte, das Fundament für die nächsten Grizzlies-Jahre bilden soll.







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Für die meisten Draft-Experten hatte sich Ja Morant bereits vor der Lottery als klare Nummer zwei positioniert und auch wenn er die breite Masse nicht so sehr elektrisierte wie das bei Williamson der Fall war, sind seine Fähigkeiten unbestritten und insbesondere für die Grizzlies passend und nützlich.

Sein Tempo, seine Übersicht und die Fähigkeit, den Ball an den freien Spieler zu bringen, stachen in einem qualitativ nicht herausragenden College-Team heraus. Gepaart mit NBA-Talenten und dem einen oder anderen erfahrenen Spieler im Team der Memphis Grizzlies kann sich Morant noch besser entfalten, sein Spiel von Tag eins in der Liga umsetzen und sich auf dieser Basis stetig verbessern.

The Planet
Jaren Jackson Jr. ... JJJ zeigte in den 58 Spielen, in denen er vor seiner Verletzung und dem vorzeitigen Saisonende auf dem Parkett stand, weshalb er selbst im talentgespickten Draft-Jahrgang 2018 eine besondere Erscheinung ist.

Während der „Unicorn“-Begriff teilweise inflationär zugewiesen wird, ist bei Triple-J alles erkennbar, was dafür nötig ist. Er traut sich Dreier zu nehmen, trifft diese sofort mit 35,9% und somit besser als der Liga-Schnitt von 35,5%, rangiert mit einer Block-Rate von 5,1% auf Rang 7 der gesamten NBA und kann zudem offensiv mit dem Ball in der Hand agieren, ordentlich passen und auch eigene Würfe kreieren.

Mit Ja Morant statt Mike Conley an seiner Seite dürfte sich das Spiel insgesamt verändern, ob zum Positiven oder Negativen ist vor allem mittelfristig schwierig vorhersehbar. Dass er nun, da Conley und Gasol in anderen Teams spielen, auf und neben dem Court eine viel wichtigere Rolle einnehmen wird zeigte sich bereits früh in der Offseason, als er öffentliche Termine als „das Gesicht der Franchise“ wahrnehmen durfte. Alle Augen sind auf ihn gerichtet und JJJ scheint bereit, den nächsten Schritt zu gehen und in die Riege der Franchise-Player aufzusteigen.

Rising Star
Josh Jackson ... Seine zwei Saisons in Phoenix fühlten sich an wie vier oder fünf Jahre voller Enttäuschungen und Sorgen. Während er vor dem Draft 2017 als eine der spannendsten Personalien galt und verschiedene Teams gerüchteweise bereit waren zu investieren, um für ihn zu traden, war seine Karriere bisher eine Enttäuschung.

Jacksons persönlichen Neustart beginnt in Memphis, wo die gesamte Franchise ebenfalls in der Situation ist, mit neuem Ansatz in Front Office, Coaching Staff und Roster ins kommende Jahr zu starten, und damit genau am richtigen Ort. In Phoenix wurden bereits viele Talente gedraftet und fassten dann nach einer enttäuschenden Zeit und dem Ende des Rookie-Vertrags nirgends Fuß.

Dass Jackson nach zwei Jahren abgegeben wurde könnte seine Chance sein, sich selbst neu zu erfinden, die guten Ansätze, beispielsweise der verbesserte Dreier, auszubauen und gleichzeitig an den Problemen in seinem Spiel, wie der hohen Turnover-Rate, dem schwachen Abschluss am Korb und der defensiven Disziplin zu arbeiten. Zunächst in der G-League...


Don’t Sleep! 
Bruno Caboclo ... Als er im Jahr 2014 gedraftet wurde war er laut Fran Fraschilla 'two years away from bing two years away', demnach kam Bruno Caboclo zur vergangenen Saison endlich in der NBA an. Der Brasilianer, der bis dahin 35 NBA-Spiele für Toronto und Sacramento absolviert hatte, schien in Memphis tatsächlich ein wenig besser in Gang zu kommen und zeigt in den letzten 34 Spielen der Saison 2018-19 teilweise als Starter durchaus ansprechende Leistungen.

Seine Athletik ist seit jeher unbestritten, sein Körperbau (und nur der) wird mit Giannis Antetokounmpo verglichen, doch in Memphis zeigt er neben der daraus resultierenden guten Defense auch Ansätze, regelmäßig Dreier zu versenken (36,9%).

Memphis hat auch in der kommenden Saison keine Ambitionen, aktiv ins Playoff-Rennen einzugreifen. Daher wird Caboclo erneut die Chance haben, den Coach von sich zu überzeugen und in seiner fünften NBA-Saison endlich eine permanente Rolle in einem Roster zu finden.

Beste Fünf
Morant – Brooks – Iguodala – Ja. Jackson – Valančiūnas

Good News
+ Das neue Front Office arbeitet bisher sehr fokussiert und mit nachvollziehbaren, klugen Roster-Moves
+ Das reine Talent-Level der jungen Spielern wurde durch Trades und einen starken Draft aufgestockt
+ Jaren Jackson Jr. und Ja Morant sorgen individuell und als harmonisches Duo bisher für extrem positive Sommer-Berichte
+ Taylor Jenkins, der als neuer Coach aus dem Budenholzer-Coaching Tree kommt, passt zum Neustart mit vielen jungen Spielern im Roster


Bad News
- Nach dem Ende der Grit & Grind-Ära muss die Franchise eine neue Identität entwickeln
- Conley und Gasol werden als Identifikationsfiguren und auf dem Court merklich fehlen
- Alle Akteure auf und neben dem Court sind neu und spannend, aber daher herrscht auch viel Ungewissheit und hier oder da wird es auch Enttäuschungen geben
- Wirklich konkurrenzfähig ist dieses Roster speziell in der Western Conference kurzfristig nicht

Was fehlt?
In erster Linie fehlt diesem jungen und talentierten Team Erfahrung. Das Talent ist vorhanden, die Zusammenstellung der Spielertypen ist sinnvoll und kann in dieser Form auch zu einer langfristigen Formation heranwachsen, aber in den kommenden Wochen und Monaten muss Coach Jenkins daraus eine harmonische Einheit formen, die dann im Saisonverlauf viel lernen muss und wird.


Ältere Spieler wie Jonas Valančiūnas und (eventuell) Andre Iguodala werden den jungen Grizzlies sicher dabei helfen, die nächsten Schritte zu machen und ihre eigenen Erfahrungen zu teilen, aber Fehler muss bekanntlich jeder für sich selbst machen, um dann auch wirklich daraus zu lernen und sich zu verbessern.

Neben der Erfahrung fehlt natürlich auch die Gewissheit innerhalb der Franchise, niemand innerhalb und außerhalb von Memphis weiß wirklich wie sich Taylor Jenkins als Head Coach eines NBA-Teams schlägt, ob Ja Morant sein Talent wirklich auf das NBA-Level übertragen kann und dabei auch wie erhofft mit Jackson Jr. harmoniert. Diese Fragezeichen werden aber in den nächsten Monaten nach und nach beantwortet werden.

Check 1,2
In diesem frühen Stadium der Teamentwicklung zählt für die Entscheidungsträger nicht wirklich, mit welcher Vorjahres-Bilanz die NBACHEF-Preview 2020 für die Grizzlies beginnt. Es kann angesichts der vielen Änderungen und unerfahrenen Akteure niemand erwarten, dass Memphis wie im Vorjahr einen überraschenden Start hinlegt und sich nach mehreren Wochen scheinbar noch im Rennen um die Conference-Krone befindet.

Stattdessen wird das Augenmerk vielmehr auf individuellen Entwicklungen des Teamgefüges liegen. Wie harmonieren der neue Coach und seine jungen Stars? Was funktioniert schon gut und kann auf die anvisierte erfolgreiche Ära der nächsten zehn Jahre projiziert werden? Wo besteht dagegen noch Handlungsbedarf für das Front Office?

Dieses Übergangsjahr legt potentiell den Grundstein für das nächste Playoff-Team aus Tennessee, doch bis dahin ist es noch ein weiter Weg voll harter Arbeit. Wenn die Verantwortlichen das ebenso sehen, wird es in Memphis ein sehr ruhiges Jahr gefolgt von einem erneuten Sommer voll Aufbruchstimmung und weiteren Talenten, die Teil eines der spannenderen Rebuilds der Liga werden.

Die Rechnung, bitte