12 Oktober 2019

11. Okt, 2019


Kevin Durant und Kyrie Irving in Brooklyn, Russell Westbrook in Houston, Jimmy Butler in Miami und in Los Angeles und New York regiert das 'kleine' Team... Willkommen zur NBA-Saison 2019/20! Als ersten Gang der 73. Spielzeit der Association serviert die Chefküche auch dieses Jahr Vorausschauen auf alle 30 NBA Teams, streng umgekehrt chronologisch nach Qualität und wie immer garniert mit unerschütterlichen Prognosen. Heute: Die Minnesota Timberwolves...

von DANIEL SCHLECHTRIEM @W14Pick | 11. Okt, 2019

Flashback
36-46, keine Playoffs

Plus
Jarrett Culver
Jordan Bell
Jake Layman
Shabazz Napier
Noah Vonleh
Jaylen Nowell
Naz Reid

Minus
Derrick Rose
Taj Gibson
Dario Šarić
Tyus Jones
Anthony Tolliver
Jerryd Bayless
Luol Deng

Was ist Neu?
Die Ära Thibodeau ist endgültig vorbei, was sich auch darin zeigt, dass keiner seiner „TimberBulls“ einen neuen Vertrag in Minneapolis erhalten hat. Nach Tom Thibodeau selbst und Jimmy Butler verließen auch Derrick Rose, Taj Gibson sowie Luol Deng allesamt den Klub, ebenso wie weitere Altlasten, namentlich Jerryd Bayless und Anthony Tolliver.

Im hohen Norden weht ein frischer Wind und der geht von Gersson Rosas aus. Der neu verpflichtete Präsident arbeitete lange Jahre unter Analytics-Guru Daryl Morey von den Houston Rockets, wenig überraschend schlägt Rosas einen ähnlichen Pfad ein: Die Neuzugänge Jordan Bell, Jake Layman, Shabazz Napier und Noah Vonleh sind allesamt Analysten-Lieblinge: Kostengünstige Spieler unter dem Rader, dafür mit Steal-Potential.

Dass Rosas aber auch größer denkt bewies er in der Draft-Nacht, als er Dario Šarić zusammen mit dem 11. Pick (Cameron Johnson) zu den Phoenix Suns schickte, um Wunschspieler Jarrett Culver an sechster Stelle auszuwählen.

Beste Addition
Jarrett Culver ... Auf den Schultern des erst 20 Jahre alten Guards lastet infolge dieses Trades eine gewisse Erwartungshaltung. Culver gilt als einer der besseren Two-Player seines Draft-Jahrgangs (nach eigenen Ansprüchen ist er der beste) und wird aufgrund von Minnesotas qualitativen wie quantitativen Lücken im Spielaufbau und auf dem Flügel sofort Minuten sehen.


Der Wurf des Texas Tech Alumnis war Zeit seiner zwei College-Jahre ein Manko. Positive Entwicklung haben jedoch seine Spielmacherfähigkeiten genommen, sodass Rosas und Coach Ryan Saunders womöglich mit ihm als Point Guard der Zukunft planen, nach dem Vorbild Malcolm Brogdons, wie NBACHEF Draft-Guru Axel Babst schon vor dem Draft anstieß.

The Planet
Karl-Anthony Towns ... Mit durchschnittlich 24,4 Punkten und 12,4 Rebounds in der vergangenen Saison ist der Center der Wölfe längst unter der Elite seiner Position angekommen und muss sich hinsichtlich seines vielseitigen Skillsets nicht vor Anthony Davis oder Nikola Jokić verstecken. Dennoch bleiben Zweifel an KAT, nicht nur wegen seiner defensiven Unzulänglichkeiten, auch in puncto Arbeitshaltung – der (unterstellte) Grund, warum Jimmy Butler das Weite suchte.

Towns ist erst 23 Jahre alt, daher bleibt noch etwas Zeit, um erwachsen zu werden. Die Anlagen zum Franchise Player hat er ohne Zweifel, offen bleibt dennoch, ob er ein Michael Jordan sein kann oder tendenziell ein Scottie Pippen bleibt.

Rising Star
Andrew Wiggins ... Der erste Pick des 2014 Drafts wird wie ein Superstar bezahlt, agiert auf und abseits des Feldes (s. Towns) jedoch nicht wie einer. Die Zahlen des Flügelspielers stagnieren seit zwei Jahren oder gehen gar zurück, die Vorschusslorbeeren des einst als zukünftigen Gesichts der Association gepriesenen Kanadiers sind längst verwelkt.

Für Wiggins ist das neue (Analytics-) Front Office eine riesige Chance, endlich Leistung entsprechend seines Talents (und Gehalts) aufs Parkett zu bringen und seine vielen ineffizienten Mid-Range und Long-Two Würfe dorthin zu verfrachten, wo sie hingehören – in die Geschichtsbücher.


Don’t Sleep! 
Robert Covington ... Das Gegenteil von Wiggins ist der von den Philadelphia 76ers im Zuge des Jimmy Butler-Trades geholte Covington: 2013 nicht gedraftet, bei den Houston Rockets mangels Perspektive entlassen, von Sam Hinkie bei den 76ers aufgebaut und heute einer der besten Wing Defender der NBA (All-Defensive First Team 2018).

Minnesotas Nummer 33 hat sich seinen Status, seine Daseinsberechtigung hart erarbeiten müssen und wird daher ligaweit geschätzt, insbesondere, seit er zusätzlich zu seinen Verteidigerqualitäten den Dreier zuverlässig trifft. Mit seinen 28 Jahren ist Covington nun auf dem Zenit seines Schaffens und damit einer der Stabilisatoren in einem Team, das sich erst finden muss.

Beste Fünf
Teague – Culver – Wiggins – Covington – Towns


Good News
+ Die Trennung von Thibodeau war ein Ende mit Schrecken statt ein Schrecken ohne Ende
+ Abgesehen von den Verträgen von Wiggins und Dieng hinterlässt Thibs keine bleibenden Schäden
+ Minnesota hält alle eigenen Picks der nächsten Jahre – Grundvoraussetzung für einen sauberen Rebuild
+ Die Wolves sind jünger und athletischer geworden, die beiden best(bezahlt)en Spieler erst 23 Jahre alt

Bad News
- Teambesitzer Glen Taylor „doesn’t know shit about basketball“ (Kevin Garnett): Wie lange dürfen Rosas und Coach Ryan Saunders in Ruhe arbeiten?
- Der Trade-Markt für Jeff Teague ist sehr dünn, der für Gorgui Dieng inexistent
- Towns und Wiggins sind keine Führungsspieler, solange sich das nicht ändert, droht ein weiteres verlorenes Jahr
- Kein Cap Space um zusätzliche Picks im Austausch für schlechte Verträge zu ergattern

Was fehlt?
Ein paar Jahre Zeit. Thibodeaus krampfhafte Must-Win Atittüde mit Fokus auf die Glorie vergangener Bulls-Tage hat die Wölfe zurückgeworfen und zwingt sie angesichts der harten Konkurrenz in einen neuen, zumindest soften Rebuild. Im schlimmsten Fall drohen weitere Jahre in der Bedeutungslosigkeit, nachdem Minnesota bereits zwischen 2004 und 2018 keinen Postseason-Basketball zu sehen bekam und seit den Zeiten Kevin Garnetts keine Playoff-Serie gewonnen hat.


Auf fast allen Positionen fehlt es an Qualität, auch von der Bank haben die Wolves nichts zu erwarten. Im besten Fall schließen Youngster wie Culver, Josh Okogie (21) und Jordan Bell (24) die Lücken und schaffen mit gestiegener Verantwortung einen großen Sprung nach vorne, realistischer ist aber eine vorläufige Degradierung zu Prügelknaben der Western Conference.

Check 1,2
In besagtem Westen bleiben den Wölfen bestenfalls Außenseiterchancen auf einen Platz unter den Top-8. Viel wichtiger ist mittelfristig die Neuausrichtung, die Manifestierung der neuen Philosophie Post-Thibodeau sowie kurzfristig aus den vielen Youngstern eine funktionierende Einheit zu formen.

Die Rechnung, bitte