13 Oktober 2019

13. Okt, 2019


Kevin Durant und Kyrie Irving in Brooklyn, Russell Westbrook in Houston, Jimmy Butler in Miami und in Los Angeles und New York regiert das 'kleine' Team... Willkommen zur NBA-Saison 2019/20! Als ersten Gang der 73. Spielzeit der Association serviert die Chefküche auch dieses Jahr Vorausschauen auf alle 30 NBA Teams, streng umgekehrt chronologisch nach Qualität und wie immer garniert mit unerschütterlichen Prognosen. Heute: Die New Orleans Pelicans...

von JONAS RÖHRIG @jonasRo19 | 13. Okt, 2019

Flashback
33-49, keine Playoffs

Plus
Zion Williamson
J.J. Redick
Derrick Favors
Brandon Ingram
Lonzo Ball
Josh Hart
Nickeil Alexander-Walker
Jaxson Hayes
Nicolò Melli

Minus
Anthony Davis
Julius Randle
Elfrid Payton
Davis Bertans
Stanley Johnson
Cheick Diallo
Ian Clark
Christian Wood
Solomon Hill

Was ist Neu?
Die deutlich einfachere Frage wäre, was denn gleichgeblieben ist. Nach monatelangem Drama verließ Anthony Davis New Orleans gen Los Angeles und brachte im Gegenzug Lonzo Ball, Brandon Ingram und Josh Hart nach Louisiana.

Das College-Phänomen Zion Williamson fiel den Pelicans in der Draft Lottery mehr oder weniger in den Schoß. Die Ankunft des No. 1 Pick 2019 macht den Verlust von Anthony Davis endgültig vergessen und läutet eine neue Ära der Franchise-Geschichte ein. Die weiteren Rookies Jaxson Hayes (8. Pick) und Nickeil Alexander-Walker (17. Pick) machten in der Summer League auf sich aufmerksam und befördern die Pelicans zusammen mit den anderen Youngstern unter die League Pass Favoriten.


Die Free Agency Abgänge von Julius Randle und Elfrid Payton nach New York, interessieren, angesichts der Neuzugänge, in New Orleans kaum jemanden. Denn stattdessen rekrutierten die Pelicans J.J. Redick von den Philadelphia 76ers, Derrick Favors von den Utah Jazz sowie den aus der Bundesliga bekannten Nicolò Melli (zuletzt Fenerbahçe). Besonders die Verpflichtung von Redick war ein Coup für New Orleans, er bringt die sehr benötigte Gefahr von außen und soll Löcher für Zion und Co. reißen.

Beste Addition
Zion Williamson ... Der erst 19-Jährige kommt mit einem beispiellosen Hype von der Duke University in die NBA. Seine Kombination aus Athletik, Beweglichkeit und Power ist einzigartig für einen College Freshman. Zion legte während der Saison 23 Punkte und neun Rebounds auf, im NCAA Tournament schraubte er seine Quote auf 26 Zähler, was noch keinem Freshman vor ihm gelang.

Der No 1. Pick wird bei den Pelicans sofort eine zentrale Rolle in der Offensive einnehmen, auch wenn sein (freundlich ausgedrückt) „wackliger“ Sprungwurf Sorgen bereitet. Zion wird von seinen besseren Mitspielern auf dem Parkett profitieren, die in der Lage sind, Räume für ihn zu kreieren. Die große Frage bleibt, inwieweit sein sehr körperlicher Stil auf die NBA übertragbar ist, wo er den Gegenspieler nicht einfach überpowern kann.

The Planet
Jrue Holiday ... Wenn über die besten Two-Way Guards der Liga gesprochen wird, fällt der Name von Jrue Holiday meist relativ spät, wenn überhaupt. Doch das zu Unrecht, Holiday war die einzige Konstante in einer katastrophalen Saison 18/19, legte Karrierebestwerte in fast allen Kategorien auf und wurde ins All-Defensive Second Team gewählt. Seinen 21 Punkten, stehen fünf Rebounds, 7,7 Assists und 2,4 Stocks (Steals+Blocks) gegenüber. Holiday geht schon in seine siebte Saison in New Orleans und soll die Führungsrolle in der jungen Mannschaft übernehmen.

GM David Griffin sprach Mitte Juli sogar davon, dass er Jrue eine MVP-würdige Saison zutraue. Entscheidend wird sein, inwiefern seine unterdurchschnittliche Wurfquote von der Dreierlinie Holiday als erste Angriffsoption einschränkt. Schon letzte Saison sanken seine Quoten, nachdem Anthony Davis „geschont“ wurde und Holiday mehr offensive Last schultern musste.


Rising Star
Brandon Ingram ... Die Umstände für Ingram bei den Los Angeles Lakers waren zuletzt nicht ideal. Als sich LeBron James verletzte, wurde von ihm erwartet die Offensive zu gestalten und als dies nicht gelang, hagelte es Kritik. Der von Magic Johnson zusammengewürfelte Kader zwang Ingram zudem dazu mehr Positionen zu spielen als je zuvor in seiner Karriere.

Unterm Strich verbrachte er nur 47% der Minuten auf seiner angestammten Position als Small Forward. Anfang März wurden zudem Blutgerinnsel in seinem Arm gefunden, die die Saison für ihn frühzeitig beendeten. In New Orleans hat er nun die Chance sich zu rehabilitieren, sowohl gesundheitlich als auch sportlich. Seine Statistiken der letzten Saison lesen sich gut, schließlich legte er über 18 Punkte im Schnitt auf, sammelte fünf Rebounds und drei Assists. Sollte er in New Orleans mit einer klar definierten Rolle seine Wurfquoten stabilisieren, ist er immer noch jung genug, um seinem Status als zweiter Pick gerecht zu werden.







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Don’t Sleep! 
Nickeil Alexander-Walker ... 24 Punkte, sechs Assists, fünf Rebounds und drei Steals. Es waren zwar nur vier Spiele und das in der Summer League, aber Nickeil Alexander-Walker zeigte, dass er vor der Draft zu Recht als einer der fünf besten Shooting Guards des Jahrgangs gehandelt wurde.
Der 21-Jährige von der Virginia Tech University überzeugte in seinem zweiten College-Jahr als Allround-Guard mit guten Scoring-Fähigkeiten.

Alexander-Walker – übrigens der Cousin von Shai Gilgeous-Alexander von den Oklahoma City Thunder – war neben Zion als einziger Spieler der ACC (Atlantic Coast Conference) in der Top 10 bei den Punkten, Assists und Steals vertreten. Zudem traf er als erste Option im Angriff solide 37% von außen, 53% aus dem Zweierbereich und 78% seiner Freiwürfe.

In der NBA muss er an seiner Turnover-Anfälligkeit arbeiten, die ihn als primären Ballhandler am College zu sehr einschränkte. Bei den Pelicans wird er mit Frank Jackson um den Platz in der zweiten Fünf kämpfen, um hinter Redick und Josh Hart für Scoring und Playmaking zu sorgen.

Beste Fünf
Holiday – Redick – Ingram – Williamson – Favors

Good News
+ The Hype is real! Das junge Team gehört zu den „League Pass Lieblingen“ und wird für viel Unterhaltung sorgen
+ Nicht mehr im Scheinwerferlicht von Los Angeles zu stehen wird Ball und Ingram in ihrer Entwicklung helfen
+ Die Pelicans sind tief besetzt, im Kader finden sich mindestens 13 Spieler, die berechtigte Ansprüche auf Spielzeit haben
+ In einer perfekten Welt reicht die Mischung aus Talenten und Veteranen, um länger im Rennen um die Playoffs zu bleiben


Bad News
- Neben Redick trifft keiner der prognostizierten Starter besser als 33% von der Dreierlinie
- Zion verletzte sich in der Summer League, Lonzo absolvierte in zwei Saisons nur 99 Spiele und Ingram kuriert seine Blutgerinnsel aus
- Der wurfschwache Favors ist nicht der ideale Fünfer neben Zion, Hayes ist noch zu roh & Jahlil Okafor ist und bleibt ein großes Fragezeichen
- Voll beladener Backcourt – wer bekommt wie viele Minuten und wer fällt aus der Rotation?

Was fehlt?
Da wir noch keine Minute der „neuen“ Pelicans gesehen haben, fällt eine Prognose zu diesem Zeitpunkt noch schwer. Beim Blick auf den Kader kommen jedoch Bedenken in Sachen Spacing auf, besonders im Frontcourt. Das Zion (noch) kein guter Werfer ist, ist bekannt, doch wer soll neben ihm auf der Fünf spielen und Räume schaffen? Derrick Favors ist ein guter Defensivcenter, sein offensives Spiel findet aber am Highpost und in Korbnähe statt. Hier würde ein prototypischer Stretch-Fünfer à la Brook Lopez Wunder bewirken.

Check 1,2
Die Pelicans sind die große Sphinx in der Western Conference. Kaum ein Team vereint so viel Potenzial mit gestandenen, unproblematischen Veteranen. Ob Coach Alvin Gentry schon in der ersten Saison nach dem großen Rebuild eine funktionierende Rotation finden kann, bleibt abzuwarten, aber die Pelicans haben Zeit.

Sollten Konkurrenten im Laufe der Saison schwächeln, ist es vorstellbar, dass die Pelicans bis April am Playoff-Rennen teilnehmen. Wichtiger ist aber die Entwicklung der Youngster, die Suche nach der perfekten Rolle für Zion, sowie das Identifizieren, welcher der Spieler aus L.A. tatsächlich Starpotenzial in sich trägt.

Die Rechnung, bitte