08 Oktober 2019

8. Okt, 2019


Kevin Durant und Kyrie Irving in Brooklyn, Russell Westbrook in Houston, Jimmy Butler in Miami und in Los Angeles und New York regiert das 'kleine' Team... Willkommen zur NBA-Saison 2019/20! Als ersten Gang der 73. Spielzeit der Association serviert die Chefküche auch dieses Jahr Vorausschauen auf alle 30 NBA Teams, streng umgekehrt chronologisch nach Qualität und wie immer garniert mit unerschütterlichen Prognosen. Heute: Die New York Knicks...

von SEB DUMITRU @nbachefkoch | 8. Okt, 2019

Flashback
17-65, Playoffs (jklol)

Plus
Julius Randle
Elfrid Payton
Bobby Portis
Marcus Morris
R.J. Barrett
Ignas Brazdeikis
Reggie Bullock
Wayne Ellington
Taj Gibson

Minus
DeAndre Jordan
Mario Hezonja
Noah Vonleh
Lance Thomas
Emmanuel Mudiay
Luke Kornet
Henry Ellenson
John Jenkins

Was ist Neu?
Zwei Drittel der Rotation von Sophomore Head Coach David Fizdale. Dem gingen gegen Ende der vergangenen Saison die Phrasen aus, um Abend für Abend für Abend den Medien von Neuem zu erklären, warum seine peinliche Agglomeration von marginalen NBA-Talenten gegen bessere Mannschaften schlechteren Basketball zeigte und Basketballspiele verlor.

Das monatelange Tanking ging ebenfalls in die Hose, denn trotz schlechtester Bilanz der NBA und Salary Cap Space satt kamen im Sommer weder Top-Pick Zion Williamson, noch Kyrie Irving und Kevin Durant. Dabei hatten die drei in gephotoshoppten Knicks-Trikots so gut ausgesehen.

Management um Scott Perry und Steve Mills packten den Teambuilding-Sternschritt aus, drehten nach links ab und holten mit einer Reihe von kurzen, meist minimal garantierten Verträgen gleich sieben brauchbare Veteranen mit unterschiedlichen Skillsets. Die Überlappungen, vor allem im Frontcourt, wo vier nominelle Power Forwards verpflichtet wurden, sind halb so schlimm, wie häufig getan wird: alle Neuzugänge können mindestens zwei Positionen spielen. Auf der Eins buhlen künftig Dennis Smith Jr., Frank Ntilikina und Elfrid Payton um Spielminuten.


Beste Addition
R.J. Barrett ... New Yorks höchster Draft-Pick seit Patrick Ewing vor 35 (!) Jahren repräsentiert über Nacht die grösste Hoffnung, wieder sportlich relevant zu werden. In seinem einzigen College-Jahr bei den Duke Blue Devils legte die "Maple Mamba" 22.6 Punkte, 7.6 Rebounds und 4.3 Assists im Schnitt auf. Während der Summer League zeigte er bereits Ansätze eines kompletten Games, und wenngleich es mit der Effizienz hier und da hapern wird, bringt Barrett neben seiner spielerischen Qualität zumindest eine entscheidende Anlage mit, die Mut macht: ein Killer-Mindset und den unbedingten Willen, in New York abzuliefern. Good luck, young buck!

The Planet
James Dolan ... Die Kohle kommt weiter Pipeline-weise rein (Danke, Papa Charles!), aber: keine Franchise war in dieser Dekade sportlich erfolgloser oder inkompetenter geführt als diese Knicks. Skandale, juristische Anklagen, Diskriminierung, zwölf Head Coaches in 19 Jahren, Milliarden an Albatross-Verträgen, gescheiterte Präsidenten am Fließband... all das hat genauso einen gemeinsamen Nenner wie die peinlichen Fehden mit Fans, Medien und ehemaligen Mitspielern. James Dolan ist der Kopf vom Knicks-Fisch, der ganz NYC vollstinkt. Und solange der Besitzer weiter konsequenzlos seine Finger im Spiel und Nerven nicht im Griff haben darf, singen Fans hier ganz traurige Songs.


Rising Star
Julius Randle ... Julius Randle dürfte nicht zuletzt aufgrund seiner gesunden Mischung aus Talent und Produktivität zur zentralen Schaltstelle im Knicks-Spiel avancieren. Der 24-Jährige ist gebaut wie ein Haus - ein wuchtiger, vielseitiger Power Forward, der zu kräftig für Vierer und zu schnell für gegnerische Fünfer agiert.

Randle zeigte im Vorjahr bei den New Orleans Pelicans die bisher besten Leistungen seiner noch jungen Karriere. Als Scorer (21,4 PPG), Rebounder (8,7 RPG) und Assistgeber (3,1 APG) produziert der Big Man überdurchschnittlich. Coach Fizdale wird seine Sets sicherlich um die Qualitäten des 115-Kilo-Boliden zeichnen. Ein Schritt zum All-Star im Osten wäre der nächste, logische Schritt in der Entwicklung des Nummer sieben Picks 2014.


Don’t Sleep! 
Mitchell Robinson ... Die größte (und vielleicht einzige) positive Überraschung aus der Katastrophensaison 2018/19 war der letztjährige Zweitrundenpick von den Western Kentucky Hilltoppers. Center Robinson blockte 2,4 Würfe im Schnitt – der höchste Wert für einen Rookie seit Tim Duncan 1997 – und beendete seine Debutsaison mit 12.8 Punkten, 11.2 Rebounds und famosen 4.3 blocks auf 36 Minuten gerechnet.

Nicht nur als Ringbeschützer und Verteidiger, sondern auch als athletischer Rim-Runner und Offensiv-Rebounder öffnete Robinson viele Augen. Zumindest an dieser Stelle hoffen wir alle, dass ihm der mit Veteranen vollgepackte Frontcourt nicht allzu viele Einsatzminuten vorenthalten wird.

Beste Fünf
Smith Jr. – Barrett – Knox – Randle – Robinson


Good News
+ Barrett, Kevin Knox, Smith Jr. und Robinson bilden einen aufregenden jungen Kern
+ Julius Randles stiller, steter Aufstieg zum All-Star könnte sich in NY bewahrheiten
+ Zwei Drittel aller Spieler aus dem Vorjahr sind weg, solide Additionen versprechen mehr Qualität
+ FWIW: Sauberes Cap Sheet, viel Flexibilität über diese Saison hinaus

Bad News
- James Dolan ist der peinlichste Besitzer weit und breit.
- Das mieseste Team des Millenniums ging in der Free Agency erneut leer aus. Das Image ist katastrophal, die kollektive Psyche hypernervös.
- Zuletzt schwächster Angriff der NBA. Schaffen es die Neuzugänge, die Offensive einigermaßen zu stabilisieren?
- Suboptimal ausbalancierter Kader ohne Star-Appeal


Was fehlt?
Erfolg und Respekt. Nur drei Teams haben seit Beginn dieses Millenniums weniger als 43 Prozent ihrer Partien gewonnen. Die Knicks sind völlig abgeschlagen Letzter auf dieser Liste - mit mickrigen 41,4 Prozent Siegesquote. Eine der ehrlichsten und besten Fanbases im US-Sport muss nach Jahren im Tabellenkeller - und nur einer gewonnenen Playoff-Serie seit dem Jahr 2000 - endlich wieder den zarten Hauch sich anbahnenden Erfolgs verspüren, um nicht vollends den Verstand zu verlieren.

Check 1,2
Die gute Nachricht zuerst: Talent ist da. Auf Knox (20), Smith Jr. (21), Ntilikina (21) und Allonzo Trier (23) konnten wir aus Platzgründen nicht näher eingehen. Inklusive Barrett (19) und Robinson (21) bildet dieses Sextett das, was optimistische Knicks-Fans an eine glorreiche Zukunft glauben lässt. Der Fokus sollte 2019/20 idealerweise auf Wachstum, Evaluation und Entwicklung liegen.

Leider ist das mit so vielen Veteranen im Contract Year nicht immer möglich. Die vielen Niederlagen, die diese Truppe in seiner schweren Division kassieren wird, werden auch nicht unbedingt helfen, die Moral über sechs Monate volle Pulle am Anschlag zu halten. Es sind Szenarien denkbar, in denen New York seine Underdog-Rolle mit Leben füllt, der Garden wieder leicht vibriert und nur positive Vibes aus dem grossen Apfel emanieren. Realistisch sind hingegen zwischen 20 und 30 Siege. Beides muss sich aber nicht zwingend ausschliessen.

Die Rechnung, bitte