13 Oktober 2019

14. Okt, 2019


Kevin Durant und Kyrie Irving in Brooklyn, Russell Westbrook in Houston, Jimmy Butler in Miami und in Los Angeles und New York regiert das 'kleine' Team... Willkommen zur NBA-Saison 2019/20! Als ersten Gang der 73. Spielzeit der Association serviert die Chefküche auch dieses Jahr Vorausschauen auf alle 30 NBA Teams, streng umgekehrt chronologisch nach Qualität und wie immer garniert mit unerschütterlichen Prognosen. Heute: Die Orlando Magic...

von DANIEL SCHLECHTRIEM @W14Pick | 14. Okt, 2019

Flashback
42-40, Playoffs Runde eins (1-4 vs. Toronto Raptors)

Plus
Al-Farouq Aminu
Chuma Okeke

Minus
Timofey Mozgov
Jerian Grant
Jarell Martin

Was ist Neu?
Beständigkeit! Die letzten Jahre in Disneyland waren geprägt von Personalrochaden, diesen Sommer hatten die Magic wenig Grund zur Veränderung, waren sie doch eins der Überraschungsteams der vergangenen Saison und erreichten wider Erwarten zum ersten Mal seit 2012 die Playoffs.

Entsprechend die Bemühungen, die von Coach Steve Clifford zu einer homogenen Einheit geformten Gruppe zusammen zu halten. Nicht nur die Leistungsträger Nikola Vučević und Terrence Ross (etwas zu teuer), auch Khem Birch und selbst Michael Carter-Williams erhielt einen neuen Vertrag.

Orlando wird daher mit der fast identischen Mannschaft des Vorjahres antreten. Der mit dem 1st Round Pick gedraftete Chuma Okeke fällt wegen einer schweren Knieverletzung auf unbestimmte Zeit aus, wird wohl erst im Oktober 2020 sein Debüt im Magic-Trikot geben. Die Geduld wird sich aber lohnen: Ein gesunder Okeke wäre an 16. Stelle nicht mehr zu haben gewesen sein.

Beste Addition
Al-Farouq Aminu ... Einzig nennenswerte Änderung ist daher der von den Portland Trail Blazers losgeeiste Veteran Aminu. Mit seinen 29 Jahren gehört Aminu zu den älteren Semester des jungen Magic Squads und bringt dabei wertvolle Erfahrung mit nach Florida, zusätzlich zu seinen Allround-Fähigkeiten in Offensive wie Defensive.

Der Forward passt mit seinem vorbildlichen Arbeitsethos sowie seiner Spannweite (erstes Einstellungskriterium in Orlando) perfekt ins defensivorientierte System von Coach Clifford und gibt den Magic damit mehr Tiefe.







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The Planet
Nikola Vučević ... Vier Jahre und 100 Mio. $ stehen unter dem neuen Arbeitspapier des Montenegriners – und die hat er sich bis auf den letzten Cent verdient. Zu Beginn der letzten Saison galt Vučević wegen seines auslaufenden Vertrags und der Außenseiterrolle der Magic im Playoff-Kampf als Trade-Kandidat.

Weil der Center jedoch mit 20,8 Punkten und 12,0 Rebounds wesentlichen Anteil am unerwarteten Erfolg der Blauen hatte, machte er sich für die Franchise unentbehrlich. Ein Trade stand zur Deadline nicht mehr zur Debatte, die Magic gingen stattdessen das Risiko ein und wurden mit Playoffs sowie einer schnellen Zusage in der Free Agency belohnt. Damit bleibt der bald 29-Jährige der wichtigste Spieler im Aufgebot, sein eigentlich als Nachfolger gedraftete Backup Mohamed Bamba muss sich vorerst weiter hinten anstellen.

Rising Star
Aaron Gordon ... Gordon war vor einem Jahr hier an Ort und Stelle als „The Planet“ aufgeführt, ist dieser Verantwortung jedoch nicht gerecht geworden. Seine Zahlen gingen zurück, Vučević stahl ihm die Show, die Magic sind nicht mehr „sein“ Team (falls sie das je waren).






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Das ist allerdings nicht weiter tragisch. Orlandos Doppelnull (Rückennummer) ist eben erst 24 Jahre alt geworden und hat dennoch bereits fünf Spielzeiten absolviert. Der große Durchbruch zum All-Star fernab des Dunk Contests ist weiterhin möglich. Das Potential dazu steckt in ihm, die Voraussetzungen sind dank gestiegener Qualität in der Führungsetage und im Locker Room besser geworden.

Don’t Sleep! 
Markelle Fultz ... Apropos ungenutztes Potential: Davon hat Markelle Fultz, der erste Pick des Drafts 2017 (kommt wie eine Ewigkeit vor), eine Menge. Ominöse Verletzungen und ein schräger Wurf hin oder her – der für Fultz gezahlte Preis (Jonathon Simmons, ein geschützter Erstrunden-Pick, ein Zweitrunden-Pick) ist das Risiko allemal wert.

Die Magic können mit ihrer Wette auf Fultz wenig verlieren und viel gewinnen: Der Point Guard ist gerade erst 21 Jahre alt und steht im beschaulichen Orlando unter vielen anderen jungen Spielern im Aufbau weniger im Rampenlicht als in Philadelphia. Sollte er im Laufe der nächsten Jahre seine Schulterverletzung mitsamt der dazugehörigen unterstellten mentalen Probleme überwinden, bekommt Orlando praktisch zum Nulltarif auf einer Problemposition einen hochbegabten jungen Spieler.


Beste Fünf
Augustin – Fournier – Isaac – Gordon – Vučević

Good News
+ Die etwas unerwartete Playoff-Teilnahme gibt den vielen jungen Spielern Rückenwind
+ Die Tür zu den Playoffs steht weiterhin offen, denn die Southeast Division ist die klar schlechteste der Liga
+ Die Magic sind jung und doch kompetitiv – heutzutage eine Seltenheit
+ Keine nennenswerten Abgänge, das heißt: Intern stimmt es

Bad News
- 128 Mio. $ garantierte Gehälter für ein Durchschnittsteam – Verstärkungen während und nach der Saison sind kaum realisierbar
- Die hochdekorierten Youngster Gordon, Isaac, Bamba und Fultz drohen zu ewigen Talenten zu verkommen
- Der Abstand zur Elite der Eastern Conference ist auf absehbare Zeit nicht einholbar
- Keine Strahlkraft: Vučević alleine genügt nicht, um die leeren Sitze (Auslastung 2018/19: 93,2%, Platz 19) zu füllen

Was fehlt?
Offensive. Vergangenes Jahr schafften es die Magic in die Top-10 im Defensiv-Rating. Dass sie weiterhin höchstens ein Durchschnittsteam sind und bleiben, liegt vornehmlich an der Eindimensionalität im Angriff.


Mit Ausnahme Vučevićs ist kein Spieler im Kader offensiv wirklich zuverlässig. Gordon, Fournier und Ross haben ihre Momente, stoßen aber gegen gehobene Qualität auf der Gegenseite schnell an ihre Grenzen. Dass in D.J. Augustin ein Spieler den Ballvortrag übernimmt, der im qualitativen ligaweiten Vergleich eher in Richtung Backup denn Starter tendiert, tut sein Übriges dazu.

Check 1,2
Ebenso bieder und trocken wie Cliffords Defensivkultur das Fazit: Orlando wird weiterhin keinen aufregenden, dafür verhältnismäßig erfolgreichen Basketball spielen. Für den Osten reicht das.

Die Rechnung, bitte