20 Oktober 2019

20. Okt, 2019


Kevin Durant und Kyrie Irving in Brooklyn, Russell Westbrook in Houston, Jimmy Butler in Miami und in Los Angeles und New York regiert das 'kleine' Team... Willkommen zur NBA-Saison 2019/20! Als ersten Gang der 73. Spielzeit der Association serviert die Chefküche auch dieses Jahr Vorausschauen auf alle 30 NBA Teams, streng umgekehrt chronologisch nach Qualität und wie immer garniert mit unerschütterlichen Prognosen. Heute: Die Philadelphia 76ers...

von MARC LANGE @godzfave44 | 20. Okt, 2019

Flashback
51-31, Eastern Conference Semifinals (3-4 vs. Toronto Raptors)

Plus
Al Horford
Josh Richardson
Mathisse Thybulle
Kyle O'Quinn
Trey Burke
Raul Neto

Minus
Jimmy Butler
J.J. Redick
Boban Marjanović
Jonathon Simmons
T.J. McConnell
Greg Monroe
Amir Johnson

Was ist Neu?
Die 76ers hatten einen heiklen Sommer 2019 vor sich. Die Verträge diverser Leistungsträger, darunter J.J. Redick, Jimmy Butler und Tobias Harris, liefen aus. Obwohl die beiden Erstgenannten die Truppe von Coach Brett Brown in Richtung New Orleans und Miami verließen, kann Philly auf eine erfolgreiche Free Agency zurückblicken.

Das Team aus der Stadt der brüderlichen Liebe schnappte sich im Gegenzug mit Al Horford den vielleicht einzigen Center der Eastern Conference, der Joel Embiid bislang teilweise in Schach halten konnte. Zudem wurden die Verträge von Tobias Harris, James Ennis und Mike Scott verlängert. Per Trade sicherte sich Philly den zukünftigen Starter und Defensiv-As Josh Richardson. Ben Simmons unterschrieb eine saftige Fünfjahres-Max-Extension und will zukünftig auch von der Dreipunktelinie Gefahr ausstrahlen. Ja, ihr habt richtig gelesen.

 Das Ziel bleibt für Philadelphia das Gleiche: Die Finals. Die Chancen stehen dafür sogar noch besser als letztes Jahr. Kawhi Leonard geht ab kommender Saison in der Western Conference auf Korbjagd, Al Horford spielt nun im eigenen Team und die Abgänge von Redick und Butler wurden durch Neuzugänge und Verlängerungen einigermaßen aufgefangen. Brett Brown muss trotzdem einige Arbeit leisten, um alle Puzzleteile ineinander greifen zu lassen. Die Nummer eins im Osten zu werden ist angesichts des Kaders aber ein durchaus realistisches Ziel.

Beste Addition
Al Horford ... Das Tandem aus Joel Embiid und Al Horford segnet die 76ers mit einem der besten Frontcourts der NBA. Die defensiven Qualitäten des 33-Jährigen gepaart mit seiner Tendenz zu effizienten Pick-and-Rolls sowie Pick-and-Pops machen ihn zur absoluten Top-Lösung auf der Fünf. Eine Lösung war auch bitter nötig: Philadelphia verlor in der Offseason Backup Center Greg Monroe an den FC Bayern München und war auch davor schon auf den großen Positionen extrem dünn besetzt.


Wie bereits erwähnt, schwächen die 76ers durch die Verpflichtung von Horford auch gleichzeitig die Konkurrenz in Boston – ein nicht zu unterschätzender Schachzug. Einziger Wermutstropfen: Der ehemalige Celtic verdient in den kommenden vier Jahren 109 Millionen Dollar. Ein risikoreicher Vertrag bei Blick auf das Alter von Horford und seinem Trade-Wert in den nächsten zwei Jahren. Aber welche guten Spieler sind heutzutage in der NBA schon noch günstig zu bekommen?

The Planet
Joel Embiid ... Leistungsträger, Sympathieträger, All-Star und Twitter-MVP. Embiid geht in seine vierte (aktive) Spielzeit bei den 76ers, seit der ersten ist Philly „sein“ Team. Zwar wurde Denvers Nikola Jokić von den GMs der Liga zum besten Center gewählt, Embiid hat allerdings schlagkräftige Argumente die dem entgegen stehen. Die nackten Zahlen der letzten Saison genügen schon, um seinen gewaltigen Einfluss auf beiden Seiten des Parketts deutlich zu machen: 27,5 Punkte, 13,6 Rebounds und 1,9 Blocks. Im Alter von 25.


Rising Star
Ben Simmons ... In der kommenden Saison dreht sich alles um Ben Simmons bzw. sein offensives Zusammenspiel mit Co-Star Joel Embiid. Wie eingangs erwähnt, will der 23-Jährige ab nächster Saison auch von Downtown Gefahr ausstrahlen (ja, immer noch richtig gelesen) und hat Gerüchten zufolge in einem Testspiel auch schon einen Dreier versenkt. Für den Erfolg der 76ers wäre diese durchaus positive Entwicklung – die momentan noch eine Wunschvorstellung ist – allerdings unabdinglich.

Simmons' Spiel beeinträchtigte den Star-Center vergangenes Jahr nämlich mehr, als es ihm eigentlich helfen sollte. Der einstige Rookie of the Year stiehlt Embiid durch seinen bislang nicht vorhandenen Wurf den benötigten Platz in der Zone. Der Kameruner wich deswegen immer weiter nach außen und konnte seine große Stärke oft nicht ausnutzen. In Zahlen: Simmons nahm letzte Saison insgesamt nur 73 Würfe außerhalb der Zone, Embiid hingegen ganze 493. Dass diese eher notgedrungen waren und nicht auf Frewilligkeit beruhen, beweist die schwache Effective FG% von Embiid bei diesen Würfen. Mit gerade einmal 40,9% landete er damit auf Platz 210 von 218 Spielern, die mindestens 200 solcher Würfe nahmen.

Zu Beginn der Saison werden gegnerische Defensiven Simmons sicherlich noch unbeschattet an der Dreierlinie agieren lassen. Dieses Zeitfenster wird der trotzdem hochtalentierte Point Guard nutzen müssen, um relativ früh in den Groove zu kommen und seinen Jumper von draußen zu etablieren. Ganz Philadelphia wird bei jedem Versuch eine kleine Schweißperle an der Stirn herunterlaufen.

Don’t Sleep! 
Zhaire Smith ... Die Rookie-Saison von Smith begann mit viel Hoffnung und endete in einer Katastrophe. Ein gebrochener Fuß im August beendete seine Saison, eine allergische Reaktion im September fast sein Leben. Doch der 16. Pick des 2018er Drafts ist über den Berg und will jetzt angreifen. Nachdem er im Krankenhaus über 20 Kilogramm abnahm, hat er nach monatelangen, rigorosen Trainingseinheiten sogar etwas mehr Muskelmasse auf den Rippen als vor seiner Verletzung. Auch auf dem Court zeigt der Pfeil seitdem eindeutig nach oben.

Letztes Jahr kam Smith in der Summer League auf durchschnittlich 7,7 Punkte bei einer überschaubaren Feldwurfquote von 32%. Trotz seiner Querelen und extrem verkürzten Rookie-Saison ist jedoch die Entwicklung zu erkennen, die man von einem Sophomore in der Liga erwartet: Während dieser Summer League kam der Modell-Athlet auf 12,4 Punkte pro Partie bei starken 48% aus dem Feld und einigen atemberaubenden Dunks, die Lust auf mehr vom gebeutelten Talent machen.

Beste Fünf
Simmons – Richardson – Harris – Horford – Embiid







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Good News
+ Ben Simmons wird voraussichtlich mit einem verbesserten Wurf in die Saison starten
+ Die Defensive wurde durch die Zugänge von Horford und Richardson auf den jeweiligen Positionen deutlich verbessert
+ Solide Bank
+ Die Eastern Conference ist schwächer als letztes Jahr

Bad News
- Horfords Vertrag könnte zum Klotz am Bein werden
- Kein Ersatz für das Off-Ball-Movement von Redick gefunden
- Embiid und Horford verpassten zusammen letzte Saison 32 Spiele verletzungsbedingt
- Die Offensive muss noch zueinander finden

Was fehlt?
Wer wirft, wenn es drauf ankommt? Mit Butler verließ der beste Isolationsspieler auf dem Flügel die 76ers, mit Redick der Catch and Shoot-Spezialist schlechthin. Philly hat immer noch extrem talentierte Offensivspieler in den eigenen Reihen, jedoch wurden diese zwei Lücken nicht wirklich geschlossen.

Dies könnte vor allem Probleme in den besonders engen Partien bereiten. Wer kann unter Zeitdruck einen eigenen Wurf kreieren? Tobias Harris wird versuchen müssen, die Rolle von Butler erfolgreich zu übernehmen. Seine 41,3% bei Pull-Up Dreipunktewürfen (zweitbester Wert bei mindestens 100 Versuchen ligaweit) machen diesbezüglich Hoffnung.

Josh Richardson bildet auf dem Flügel zwar ein deutliches Defensiv-Upgrade gegenüber Redick und ist ein vielseitigerer Scorer, jedoch werden die Sixers in einigen Spielen das permanent effektive Off-Ball-Movement vom ehemaligen Scharfschützen noch vermissen.

Check 1,2
Der Weg zu den Conference Finals im Osten ist für Philadelphia frei! Toronto verlor Leonard, bei den Celtics stehen noch viele Fragezeichen in der Luft. Es deutet also vieles auf einen Playoff-Clash zwischen den Bucks und den 76ers im Frühling hin.


Auch wenn es erst noch abzuwarten ist, inwiefern die Abgänge von Redick und Butler die Offensive wirklich beeinträchtigen, wurde das größte Problem in der Offseason gelöst. Philly verlor die Playoff-Serie gegen Toronto letztes Jahr, weil sie in den 99 Minuten in denen Embiid auf der Bank saß um unglaubliche 109 Punkte übertroffen wurden. Dank Al Horford soll zumindest dieses Problem nicht mehr auftreten.

Mit Simmons und Embiid habe die Sixers zwei junge Stars in Team, die 2019/2020 noch besser sein können als in der Vorsaison. In Kombination mit Josh Richardson, Tobias Harris und Al Horford bilden sie eine der besten Starting Fives der gesamten Association. Die Zeit ist reif und die Zeichen stehen gut. Insgesamt besteht kein Zweifel daran, dass dieses Team das Potenzial besitzt, die erste Meisterschaftsparade seit 1983 im Juni durch die 13 Meilen lange Broad Street zu führen.

Die Rechnung, bitte