18 Oktober 2019

18. Okt, 2019


Kevin Durant und Kyrie Irving in Brooklyn, Russell Westbrook in Houston, Jimmy Butler in Miami und in Los Angeles und New York regiert das 'kleine' Team... Willkommen zur NBA-Saison 2019/20! Als ersten Gang der 73. Spielzeit der Association serviert die Chefküche auch dieses Jahr Vorausschauen auf alle 30 NBA Teams, streng umgekehrt chronologisch nach Qualität und wie immer garniert mit unerschütterlichen Prognosen. Heute: Die Portland Trail Blazers...

von JONAS RÖHRIG @JonasRo19 | 18. Okt, 2019

Flashback
53-29, Western Conference Finals (0-4 vs. Golden State Warriors)

Plus
Hassan Whiteside
Kent Bazemore
Pau Gasol
Mario Hezonja
Anthony Tolliver
Nassir Little

Minus
Al-Farouq Aminu
Maurice Harkless
Enes Kanter
Evan Turner
Seth Curry
Meyers Leonard
Jake Layman

Was ist Neu?
Über den Sommer gab es viel Bewegung im Kader der Blazers, oberste Priorität hatten aber die Vertragsverlängerungen des Star-Backcourts. Damian Lillard verlängerte seinen bis 2021 gültigen Vertrag um weitere vier Jahre (196 Mio. $) und auch C.J. McCollum unterschrieb frühzeitig einen neuen Deal, der ihn bis 2025 an Portland bindet.

Evan Turner und Meyers Leonard verließen das Team via Trade und im Gegenzug wechselten Kent Bazemore (zuvor Atlanta Hawks) und Hassan Whiteside (Miami Heat) nach Portland. Bazemore ist, als guter Flügelverteidiger mit solidem Dreier, ein klares Upgrade gegenüber Turner. Whiteside wurde als Übergangslösung bis zur Genesung von Jusuf Nurkić verpflichtet.

Mit Al-Farouq Aminu, Moe Harkless, Enes Kanter und Seth Curry verloren die Blazers mehrere wichtige Rotationsspieler. Inwieweit Neuverpflichtung Mario Hezonja sowie die eigenen Youngster Zach Collins und Anfernee Simons deren Rollen übernehmen können, ist eine der entscheidenden Fragen in Portland.

Beste Addition
Hassan Whiteside ... Whiteside wurde verpflichtet, um das Loch zu stopfen, das die grauenhafte Verletzung von Nurkić im März in die Defense der Trail Blazers riss. Der Center ist eine absolute Double-Double Maschine und liefert Ringschutz auf hohem NBA-Niveau (Karrierschnitt: 2,3 Blocks).


Das große Problem liegt weniger auf dem Parkett als zwischen seinen Ohren. Whiteside hat sich zuletzt in Miami als launisch, unmotiviert und resistent gegenüber Kritik an seinem Spiel präsentiert, fiel sogar zweitweise ganz aus der Rotation. In Portland sollte er jetzt allerdings mit der Chance, sich als Starter rehabilitieren zu können, top motiviert in die Saison starten.

In einem Interview steckte sich Whiteside hohe Ziele: Er wolle die Liga bei den Rebounds und Blocks anführen und dazu in Portland eine Top 10 Defense verankern. Heat-Fans lachen vermutlich über solche Aussagen, doch Portland braucht einen Whiteside in Top-Form, um den Anschluss an die Spitze der Western Conference halten zu können, bis Nurkić wieder fit ist.

The Planet
Damian Lillard... Was gibt es noch groß über Dame zu sagen? Der 29-Jährige feierte eine weitere Fabelsaison und schoss Portland in mehreren Playoff-Spielen im Alleingang zum Sieg. Er dominierte sein Matchup gegen Russell Westbrook in der ersten Runde, bevor er die Oklahoma City Thunder mit 50 Punkten und dem entscheidenden Buzzer Beater in nur fünf Spielen nach Hause schickte.

Seine Playoff-Werte von 27 Punkten, sieben Assists, fünf Rebounds, zwei Steals und 37% Dreierquote bei zehn(!) Versuchen pro Spiel verdeutlichen seinen Einfluss auf den Erfolg der Blazers. Schon jetzt ist Lillard eine absolute Legende in Portland und seine vorzeitige Vertragsverlängerung beweist, dass er dort auch langfristig bleiben möchte.


Rising Star
Anfernee Simons ... Der 20-jährige Guard absolvierte eine Rookie Saison unter dem Radar der meisten NBA Fans. 3,8 Punkte sowie jeweils 0,7 Assists und Rebounds in 20 Spielen lassen nun auch wirklich niemanden mit der Zunge schnalzen.

Doch Portland ist sich des immensen Talents von Simons bewusst und entwickelte ihn behutsam in der G-League, mit sporadischen Einsätzen bei den Profis. Dann, am letzten Spieltag der Regular Season gegen die Sacramento Kings, durfte Simons zum ersten Mal starten. Am Ende des Spiels standen 37 Punkte, neun Assists, sechs Rebounds und nur zwei Turnover bei 13-21 aus dem Feld und 7-11 von der Dreierlinie hinter seinem Namen im Boxscore.

Dass diese Leistung keine Eintagsfliege war, bewies er in der diesjährigen Summer League, bei der er nach starken Spielen in das All-Second Team berufen wurde. Nach dem Abgang von Seth Curry zu den Dallas Mavericks ist die Rolle der Bankmikrowelle in Portland freigeworden, eine eigentliche perfekte Situation für Simons.

Don’t Sleep! 
Zach Collins ... Collins ist ein moderner, variabel einsetzbarer Big Man, der in der Lage ist auf beiden großen Positionen zu spielen. In durchschnittlich nur 17 Minuten pro Spiel bewies er schon in seiner zweiten Saison, dass er seine Athletik gewinnbringend am eigenen Korb einzusetzen weiß (1,4 Blocks).

Auch seinen Wurf traf der zehnte Pick des Drafts 2017 stabiler und die Dreierquote von knapp 33% deutete sein Potenzial als Stretch-Fünfer an. In der kommenden Saison ist der Frontcourt in Portland nicht sonderlich tief besetzt und Collins wird zu Beginn der Saison viele Spielminuten bekommen.

Die Möglichkeit ihn sowohl neben Whiteside (bzw. später auch Nurkić) als auch als Center aufstellen zu können, macht ihn zu einem prädestinierten Sleeper für die kommende Saison.

Beste Fünf
Lillard – McCollum – Bazemore – Collins – Whiteside

Good News
+ Franchise Player Lillard und Co-Star McCollum bleiben langfristig in Oregon
+ Wenn sie Whiteside erfolgreich in ihr System integrieren können, war der Trade ein Steal
+ Die Bazemore-Verpflichtung wertet die Rotation auf dem Flügel deutlich auf
+ Anfernee Simons und Zach Collins stehen beide vor einem Breakout-Jahr

Bad News
- Der Westen hat über den Sommer an der Spitze deutlich an Qualität gewonnen
- Defensiv bleiben die Blazers auch mit einem motivierten Whiteside maximal Mittelmaß
- Der Frontcourt ist hinter den Startern relativ dünn besetzt
- Die Bank wurde komplett neu zusammengestellt, Coach Terry Stotts wird Zeit brauchen, eine Rotation zu finden

Was fehlt?
Den Trail Blazers fehlt nicht viel in ihrem Kader, doch neben Bazemore mangelt es an fähigen Flügelverteidigern. Weder Rodney Hood noch Mario Hezonja erarbeiteten sich in ihrer bisherigen Karriere den Ruf als Stopper, ihren Fähigkeiten liegen auf der anderen Seite des Parketts.

An dieser Stelle könnte eine Verstärkung während der Saison helfen. Ansonsten fehlt den Blazers natürlich vor allem Jusuf Nurkić, doch es ist nach wie vor unklar, wann das „Bosnian Beast“ wieder einsatzbereit sein wird.


Check 1,2
Es gehört mittlerweile dazu, dass man am Ende jeder NBA Saison feststellen muss, die Trail Blazers unterschätzt zu haben. Portland hat eine starke, ausgeglichene Mannschaft und kann offensiv so ziemlich jeden Gegner dominieren.

Doch dieses Jahr stehen die Zeichen auf einen erneuten Heimvorteil in den Playoffs eher schlecht. Die Blazers haben sich in den letzten Jahren über ihren Teamgeist identifiziert und als geschlossene Einheit überraschende Erfolge gefeiert. Langjährige Teile dieses Teams (Harkless, Turner, Aminu, Leonard) sind nun nicht mehr da.

Füllen sollen diese Lücke nun zweifelsfrei talentierte, aber nicht problemfreie Spieler (Whiteside, Hezonja) sowie zwei Youngster (Collins, Simons). Eine Strategie, die durchaus funktionieren kann, aber auch ein gewisses Risiko mitbringt, gerade in einer noch stärkeren Western Conference.

Die Rechnung, bitte