15 Oktober 2019

15. Okt, 2019


Kevin Durant und Kyrie Irving in Brooklyn, Russell Westbrook in Houston, Jimmy Butler in Miami und in Los Angeles und New York regiert das 'kleine' Team... Willkommen zur NBA-Saison 2019/20! Als ersten Gang der 73. Spielzeit der Association serviert die Chefküche auch dieses Jahr Vorausschauen auf alle 30 NBA Teams, streng umgekehrt chronologisch nach Qualität und wie immer garniert mit unerschütterlichen Prognosen. Heute: Die San Antonio Spurs...

von DANIEL SCHLECHTRIEM @W14Pick | 15. Okt, 2019

Flashback
Flashback: 48-34, Playoffs Runde eins (3-4 vs. Denver Nuggets)

Plus
DeMarre Carroll
Trey Lyles
Luka Šamanić
Keldon Johnson

Minus
Davis Bertans
Quincy Pondexter
Dante Cunningham
Donatas Motiejunas

Was ist Neu?
Auf das Kawhi-Drama im Vorjahr folgte ein in klassischer Spurs-Manier ruhiger Sommer. Neuzugang DeMarre Carroll passt hinsichtlich Alter (33) und Arbeitseinstellung exzellent ins Beuteschema, zudem trifft er den Dreier zuverlässig (Karrierewert: 36%), den die Spurs vergangenes Jahr für sich entdeckt haben.

Einziger Aufreger der Offseason: Marcus Morris hatte San Antonio eigentlich schon zugesagt, entschied sich dann aber noch um und unterschrieb – warum auch immer – bei den New York Knicks. Für die Spurs doppelt bitter, denn sie hatten Davis Bertans, den einzig signifikanten Abgang, zu den Washington Wizards getradet, um Platz für Morris zu schaffen. Als Ersatz rekrutierten sie Trey Lyles, ehemals Denver Nuggets.

Im Draft hatten die Texaner als kleine Reparation besagten Kawhi-Deals neben dem eigenen einen zusätzlich Erstrunden-Pick: Sie entschieden, für die Spurs eher untypisch, in Luka Šamanić (19) und Keldon Johnson (20) für zwei noch sehr junge und rohe Spieler, die aber im Falle Šamanićs wegen der europäischen Ausbildung und im Falle Johnsons wegen der Athletik gut ins Profil passen.

Beste Addition
Tim Duncan ... Nein, wir sind nicht ins Jahr 1997 zurückgefallen. Wir schreiben weiter das Jahr 2019 und der fünffache Champion ist seit 2016 nicht mehr aktiv auf dem Parkett. Nach drei Jahren Sabbatical kann Timmy D. so ohne Basketball dann doch nicht – und umgekehrt. Duncan wird fortan an der Seitenlinie sitzen, nicht als Standby-Berater oder Individual-Trainer, der nach Lust und Laune im Trainingszentrum vorbei schaut, sondern als vollwertiger Assistent in Popovichs Stab.


Duncan lebt und atmet die so erfolgreiche Spurs-Kultur. Vor allem die jungen Bigs werden ungemein von seinem Wissensschatz und Basketball-IQ profitieren. Vielleicht baut Popovich den dreifachen Finals MVP sogar zu seinem Nachfolger auf.

The Planet
Gregg Popovich ... Auch hier gilt: Der Trainer ist der Star, obwohl San Antonio in LaMarcus Aldridge einen siebenfachen und in DeMar DeRozan einen vierfachen All-Star aufbietet. Das alles hat in Alamo aber nur untergeordnete Bedeutung, denn es war vornehmlich Popovichs Extraklasse und Vielseitigkeit zu verdanken, dass die Spurs auch letzte Saison die Playoffs erreichten – zum 22. Jahr in Folge.

In einer Zeit, in der sich die NBA verändert und Helden früherer Tage wie Dirk Nowitzki und Dwyane Wade in den Sonnenuntergang reiten, bleibt Popovich die große Konstante. Genießen wir es, solange es noch währt.

Rising Star
Derrick White ... Wie bei den Spurs üblich durchlief der 29. Pick des 2017 Drafts ein stilles Rookie-Jahr, stand nur in 17 Begegnungen der Regular Season auf dem Feld, meist in der Garbage Time.


Ein Jahr später demonstrierte der Guard, dass sich Geduld auszahlt: Als unverhoffter Starter legte er eine solide richtige erste NBA-Saison hin und überzeugte mit seiner Flexibilität in Offensive und Defensive. In der Playoffs explodierte White dann in Spiel 3 der Serie gegen die Denver Nuggets regelrecht, legte 36 Punkten, fünf Rebounds und fünf Assists auf.

Dieses Niveau ließ sich im Verlauf der Serie zwar nicht halten, setzt aber den Grundstein für einen der Kandidaten auf ein Breakthrough Year.

Don’t Sleep! 
Dejounte Murray ... San Antonios beste Addition auf dem Court, wenngleich der Point Guard kein Neuzugang im eigentlichen Sinne ist. Murray verpasste die gesamte letzte Spielzeit wegen eines Kreuzbandrisses, gerade als er die Nachfolge von Tony Parker und Manu Ginóbili antreten und mehr Verantwortung im Ballvortrag übernehmen sollte.

Nun ist der 23-Jährige genesen und bereit, die im zugedachte Rolle auszufüllen. Nach einem Jahr unfreiwilliger Pause kann und wird nicht alles auf Anhieb funktionieren. Murray hat jedoch vor seinen schweren Verletzung gezeigt, warum die Spurs auf ihn setzen. Er hat in der Defensive das Zeug zu einem der Besten seiner Position, offensiv kommen die Texaner sowieso übers Team.


Beste Fünf
Murray – White – DeRozan – Aldridge – Pöltl

Good News
+ Popovich kann nicht nur Durchschnittsspieler wie All-Stars aussehen lassen, sondern seine Truppe auf jeden Gegner und jeden Stil einstellen
+ DeRozan hat Toronto hinter sich gelassen, eine Vertragsverlängerung steht im Raum
+ Mit Murray und Carroll wird die Verteidigung stabiler stehen als im Vorjahr (20. im Defensiv-Rating)
+ Auf die Talentevaluierung und Spielerentwicklung ist weiter Verlass

Bad News
- Ungesunder Mix aus zu alt (Aldridge, Belinelli, Caroll, Gay) und zu grün (Murray, Pöltl, Walker, Lyles)
- Im Westen wollen auch dieses Jahr zehn bis zwölf Teams in die Postseason
- Bislang gingen alle drei Preseason-Spiele – teils ziemlich deutlich – verloren: Formschwäche zu Saisonbeginn?
- Qualitative Lücken hinter Aldridge und DeRozan


Was fehlt?
Die Ausnahmeklasse früherer Tage. Sicher ist es unfair, die neuen Spurs mit Duncan, Ginóbili und Parker zu vergleichen, erst recht weil San Antonio in Kawhi Leonard eigentlich einen neuen Kronprinzen aufgebaut und dann verloren hat. Dennoch mussten sich die jahrelang immer unter den Titelfavoriten mitmarschierenden Spurs zuletzt mit 47 und 48 Siegen und zwei First Round Exits begnügen.

Die unverwüstlichen Spurs sind verwundbar geworden und müssen akzeptieren, dass sich eine goldene Generation nicht einfach reproduzieren lässt. Sie arbeiten daran, doch in der Zwischenzeit sind ohne Rebuild und hohe Draft Picks ein paar Jahre im Mittelmaß nicht zu vermeiden. Zumindest auf heimischem Parkett agieren die Texaner weiter elitär (2017/18: 33-8 Siege, 2018/19: 32-9 Siege).

Check 1,2
Wer ehrlichen Teambasketball, unterhaltsame Field Interviews und spannende Talente aus der zweiten oder dritten Reihe sehen will, ist in San Antonio weiter gut aufgehoben.

Schon in den letzten Jahren war die Playoff-Teilnahme der Spurs nicht selbstverständlich, dennoch haben es Popovichs Mannen bislang noch jedes Mal allen gezeigt. Wer würde auch 2020 gegen sie wetten?

Die Rechnung, bitte