19 Oktober 2019

19. Okt, 2019


Kevin Durant und Kyrie Irving in Brooklyn, Russell Westbrook in Houston, Jimmy Butler in Miami und in Los Angeles und New York regiert das 'kleine' Team... Willkommen zur NBA-Saison 2019/20! Als ersten Gang der 73. Spielzeit der Association serviert die Chefküche auch dieses Jahr Vorausschauen auf alle 30 NBA Teams, streng umgekehrt chronologisch nach Qualität und wie immer garniert mit unerschütterlichen Prognosen. Heute: Die Utah Jazz...

von SEB DUMITRU @nbachefkoch | 19. Okt, 2019

Flashback
50-32, Playoffs Runde eins (1-4 vs. Houston Rockets)

Plus
Mike Conley
Bojan Bogdanovic
Ed Davis
Jeff Green
Emmanuel Mudiay
William Howard
Stanton Kidd
Nigel Williams-Goss

Minus
Grayson Allen
Tyler Cavanaugh
Jae Crowder
Derrick Favors
Kyle Korver
Naz Mitrou-Long
Raul Neto
Ricky Rubio
Thabo Sefolosha
Ekpe Udoh

Was ist Neu?
Der Status als Contender. Viele Fans und Experten zählen Utah nach den Manövern des Sommers zu den grossen Titelkandidaten. Ist das zu früh? Fakt ist: in Utah wird seit Dekaden hervorragende Arbeit geleistet - sowohl unten auf dem Parkett, als auch oben in der Chefetage.

Im Vorjahr noch mit dem "Sleeper" Label ausgestattet, drehte die oft übersehene Franchise den Erwartungsschalter durch die Akquisitionen dieses Sommers auf "Conference Finals oder mehr!" Erinnert ihr euch, als Utah nach dem Abgang von Gordon Hayward vor nur zwei Sommern eigentlich "soft rebuilden" wollte? (*Stille).

Mit Mike Conley und Bojan Bogdanovic kamen zwei Starter nach Salt Lake City, die der Formation von Head Coach Quin Snyder künftig nicht nur einen völlig neuen Look verpassen, sondern obendrein Crunchtime-Optionen, die dieses Team in der jungen Vergangenheit nicht hatte. Auch die Ersatzgarnitur wurde durch die Verpflichtungen von Jeff Green, Emmanuel Mudiay und Ed Davis rundumerneuert.


Beste Addition
Mike Conley ... Mike Conley ist die gefeierte Addition am Salzsee. Zurecht. Der Veteran auf der Point Guard Position bringt seine geballte Erfahrung, defensive Klasse und Fähigkeiten als Playmaker - und verbessert Utah in allen drei Bereichen quasi über Nacht (no offense, Ricky Rubio. Wir lieben dich trotzdem!) Conleys Skills als Shooter und im Beschützen des Balls wird dieser offensiv häufig überforderten Truppe entscheidend weiterhelfen.

Vor allem Mitchell wird davon profitieren, dass er nicht mehr im Alleingang für das Kreieren von Offense verantwortlich sein wird. An Conleys Seite kann sich der junge Flügelspieler darauf konzentrieren, seine Wurfquoten zu steigern. Gerade im Catch-and-Shoot zeigt Mitchell ganz andere Effizienzwerte, verglichen mit denen aus dem Pullup. Mehr freie Würfe für Mitchell macht alle Jazz-Anhänger froh.

The Planet
Rudy Gobert ... In den besten Fällen repräsentieren die besten Spieler der NBA nicht nur ihr eigenes Spezialgebiet auf beeindruckende Art und Weise - Scorer, Rebounder, Verteidiger, Spielmacher, Shooter, Armleuchter - sondern bilden dadurch die DNA ihrer jeweiligen Teams. Der Showtime-Spielwitz von Magic Johnson bei den Lakers, die Crunchtime-Unfehlbarkeit der Bulls von Michael Jordan, Dirk Nowitzkis team-first Underdog-Mavs... und hier eben Goberts Utah Jazz, die dank dem "Stifle Tower" zu der am meisten gefürchteten Defensive gereift sind.

Seit der Franzose vor fünf Jahren zum Starter avancierte, stellte Utah fünf Mal in Folge eine Top-Verteidigung, in den vergangenen drei Jahren sogar ausschliesslich Top-Drei. Gobert räumte zwei Mal in Folge die Defensive Player of the Year Trophäe ab. Kein Abwehrspieler ist besser darin, in der Zone Angst und Schrecken zu verbreiten und die eigenen Mitspieler näher an den gegnerischen Schützen stehen lassen zu können, weil er innen im Alleingang regelt. Kann endlich mal jemand diesen Mann in sein erstes All-Star Game hieven?


Rising Star
Donovan Mitchell ... Der 23-Jährige ist ein Paradebeispiel dafür, wie wenig Geduld heutzutage vorhanden ist. Insbesondere, wenn es um die organische Entwicklung eines jungen Talents wie Donovan Mitchell geht. "Spida" kam mit einem Knall in die Liga, droppte bereits als Rookie 20 PPG und verblüffte mit seiner spektakulären, furchtlosen Spielweise.

Was kam als Nächstes? Verfrühte Vergleiche mit, und dieselben Erwartungen wie an: Dwyane Wade, der 16 Jahre in der NBA spielte, 13 Mal All-Star wurde und drei NBA-Titel gewann. Mitchell ist nicht Wade. Mitchell ist aber auch kein "Bust", wie er von manchen nach seinen schwachen Playoff-Leistungen gegen einen überlegenen Gegner bereits betitelt wurde. Der Mann hat zwei Jahre NBA auf dem Buckel. In Jahr drei machen Spieler seines Kalibers normalerweise den entscheidenden Sprung.

Der muss für Mitchell und Utah sein, um die hohen kollektiven Erwartungen - an ihn und seine Mannschaft - zu erfüllen. Conleys Präsenz wird Playmaking-Druck vom Youngster nehmen und ihn als Scorer noch mehr in den Vordergrund rücken. Seine soliden Quoten (zuletzt Ligadurchschnitt von Downtown, ehe in den Playoffs der Deckel wegbrach) werden steigen, sein All-Around Game dank fähigerer Mitspieler aufblühen. Es könnte das Jahr der Spinne mit der #45 werden!


Don’t Sleep! 
Bojan Bogdanovic ...  Der Kroate wechselte, für viele überraschend, nach Utah, wo er sein vielseitiges Spiel künftig auf beiden Forward-Positionen einbringen wird. Nur wenige Profis sind tödlicher von Downtown: "Bogey" traf zuletzt elitäre 42,5 Prozent seiner langen Bomben - einer der absoluten Spitzenwerte in der gesamten Liga (Rang zehn).

Wäre Bogdanovic nur ein simpler Schütze, wäre seine Addition bereits Gold wert. Der 2,04-Meter-Mann kann aber viel mehr, zum Beispiel aus dem Dribbling kreieren, an die Freiwurflinie gehen und die Bretter putzen. Weil er obendrein solide verteidigt und neben Gobert (analog zu Myles Turner in Indiana) auch als Smallball-Vierer einwanfrei funktioniert, schliesst der 30-Jährige immens viele Lineup-Türen für Coach Snyder auf.

Beste Fünf
Conley – Mitchell – Ingles – Bogdanovic – Gobert


Good News
+ Elite-Abwehr, verankert von Defensive Player of the Year Gobert
+ Conley und Bogdanovic bringen Offensiv-Elemente in die Crunchtime-Fünf, die Utah bisher nicht hatte
+ Kleiner Markt, exzellente Arbeit in allen Franchise-Bereichen, passionierte Fans, no Drama!
+ Die Purple Mountain Throwback Uniformen & Parkettgestaltung sind back!

Bad News
- Mitchell als Shooter: Karriere-True-Shooting Quoten von 53,9 Prozent (reguläre Saison) respektive 48,3 Prozent (Playoffs) ... so nicht, Spida!
- Direkt mit Mitchell verknüpft ist die mittelmäßig-ungefährliche Offensive der Jazz. Ändern die Neuzugänge etwas daran?
- Die Ersatzformation wirkt zu zahm und zu klein. Schafft es Snyder, die Minuten seiner besten Spieler so zu staffeln, dass ihnen hinten raus nicht die Luft fehlt?
- null All-Stars im Kader

Was fehlt?
Siehe oben. Utah ist ein durch und durch gutes Team, das locker die Playoffs erreichen, vielleicht Heimvorteil erobern und erneut zu den besten Defensiven der NBA zählen wird. Um aber den Sprung unter die absoluten Elite-Klubs zu packen - die Sorte Opponent, vor dem man sich in den späteren Playoff-Runde in die Hosen macht - muss irgend jemand in diesem Team den Satz zum absoluten Superstar machen. Ihr kennt die Rechnung: no Superstar, no Championships in der NBA.

Check 1,2
Die Jazzband gewann in der Vorsaison starke 50 Partien. Dieser neue Kader ist individuell noch besser auf- und zusammengestellt. Mitchell ist ein Jahr älter, hat mit dem Team USA unter der Hege und Pflege von Coach Gregg Popovich viel dazugelernt, und hat in Mike Conley endlich einen Backcourt-Partner zur Seite, der alle Tricks kennt und effektiv Playoff-Basketball spielen kann.

Die Defensive wird dank Rudy Gobert in der Mitte und einer exzellenten Strategie erneut stramm stehen wie der Eiffelturm am Morgen. Und obwohl die Ersatzgarnitur vor allem auf den Guard- und Big-Positionen dünner daher kommt als zuletzt, hat Snyder künftig mehr Mischmasse an Flügeln, um effiziente Lineups zu mixen.

Utah steckt im Cluster von Teams, die sich berechtigte Hoffnungen auf die Conference Finals machen dürfen. Für alles, was darüber hinaus geht, muss der Solist in den grossen Momenten die Töne/den Korb perfekt treffen.

Die Rechnung, bitte