09 Oktober 2019

9. Okt, 2019


Kevin Durant und Kyrie Irving in Brooklyn, Russell Westbrook in Houston, Jimmy Butler in Miami und in Los Angeles und New York regiert das 'kleine' Team... Willkommen zur NBA-Saison 2019/20! Als ersten Gang der 73. Spielzeit der Association serviert die Chefküche auch dieses Jahr Vorausschauen auf alle 30 NBA Teams, streng umgekehrt chronologisch nach Qualität und wie immer garniert mit unerschütterlichen Prognosen. Heute: Die Washington Wizards...

von DANIEL SCHLECHTRIEM @W14Pick | 9. Okt, 2019

Flashback
32-50, keine Playoffs

Plus
Rui Hachimura
Isaiah Thomas
C.J. Miles
Ish Smith
Moritz Wagner
Davis Bertans
Justin Anderson
Isaac Bonga
Admiral Schofield

Minus
Trevor Ariza
Jabari Parker
Tomáš Satoranský
Bobby Portis
Jeff Green
Sam Dekker

Was ist Neu?
Die Wizards waren eine der großen Enttäuschungen der letzten Saison, die Bilanz nach 82 Spielen die schlechteste seit 2013, weit hinter den eigenen Ansprüchen. Dass der Kader einmal auf links gedreht wurde, ist nur die logische Konsequenz daraus.

Die im Laufe der Spielzeit teils für teure Assets geholten Trevor Ariza, Bobby Portis und Jabari Parker sind schon wieder weg, der vom Interims-GM zur Dauerlösung beförderte Tommy Sheppard ersetzte sie durch kostengünstige, dafür clevere Akquisitionen: Davis Bertans, C.J. Miles sowie die beiden Deutschen Moritz Wagner und Isaac Bonga kamen via Trade kostenfrei, der in der Free Agency verpflichtete Ish Smith soll den zu den Chicago Bulls abgewanderten Tomáš Satoranský ersetzen.

Die komplett runderneuerten Wizards kommen jünger daher, passend dazu ist der wichtigste Neuzugang ein Rookie.

Beste Addition
Rui Hachimura ... Konnichi-wa, Hachimura-san. Mit dem 9. Pick im 2019 NBA Draft wählten die Wizards den ersten japanischen 1st Round Pick der Geschichte. Zwar existieren Zweifel an der NBA-Tauglichkeit Hachimuras, allerdings gibt der Hype um den 21-jährigen Forward den Hauptstädtern in schwierigen Zeiten neues Profil.


Beim Draft, in der Summer League, in der Preseason dreht sich alles um Hachimura – das tut den sonst eher grau und eintönig daherkommenden Washingtonern gut und lenkt ab von den Fehlern des Vorjahres sowie dem Zwist um John Wall und Bradley Beal.

The Planet
Bradley Beal ... Spätestens infolge der schweren Achillessehnenverletzung Walls ist klar: Die Wizards sind Beals Team und daran wird Wall selbst nichts mehr ändern. In Abwesenheit seines Backcourt-Partners legte Beal vergangene Saison Karriere-Bestwerte in Punkten (25,6), Assists (5,5), Rebounds (5,0) und Steals (1,5) auf. Mit dem 26-Jährigen als Fixpunkt sind die Wizards ein besseres Team.

Der inzwischen ehemalige Franchise Player John Wall wird noch mindestens bis ins Frühjahr fehlen. Darum bemühen sich die Verantwortlichen nachdrücklich darum, den 2021 auslaufenden Vertrag Beals vorzeitig zu verlängern. Trade-Gerüchte um den Shooting Guard kochen zwar immer wieder auf, noch besteht in der Hauptstadt allerdings kein Handlungsdruck.

Vielmehr werden sie versuchen, Walls 170 Mio. $ schweren Vertrag – den derzeit miesesten Deal der Liga – irgendwie, irgendwie, irgendwie loszuwerden.


Rising Star
Thomas Bryant ... Die Wizards hatten letztes Jahr in Dwight Howard und Ian Mahinmi zwei namhafte Center im Kader. Allerdings ist der eine schon länger nur noch ein Schatten seiner selbst und fiel 2018/19 fast komplett aus wegen einer Gesäßverletzung. Der andere hat seit Jahren Wehwehchen, weil er auf einem großen Geldberg schläft und gar nicht mehr so viel mit Basketball am Hut hat.

Nichtsdestotrotz bekam Washington keinen Kummer wegen der Position direkt unterm Korb – dank Thomas Bryant. Von den Los Angeles Lakers verschmäht wechselte der 2,11 Meter Koloss vergangenes Jahr nach Washington und stand seinen Mann in der Zone, was die Wizards mit einem Dreijahresvertrag über 25 Mio. $ belohnten.

Bryant wird niemals ein Star oder zur Elite seiner Zunft gehören, aber er ist zuverlässig und verhältnismäßig günstig, hat zudem mit erst 22 Jahren noch Upside – das alles steht den Wizards in ihrer derzeitigen Situation gut zu Gesicht.

Don’t Sleep! 
Isaiah Thomas ... Ein Stück weit ist hier der Wunsch der Vater des Gedankens, denn der Absturz des Wirbelwinds in den letzten Jahren sucht in der NBA seinesgleichen und die Demission durch die Celtics 2017, unmittelbar nach einem Career Year (28,9 Punkte und 5,9 Assists im Schnitt), hatte er nicht verdient.

IT versucht sich bis heute davon zu erholen. Weder bei den Cleveland Cavaliers und den Los Angeles Lakers noch bei den Denver Nuggets wurde er glücklich, stattdessen immer wieder von Verletzungen zurückgeworfen.


In Washington findet er günstigere Voraussetzungen vor, denn vor allem in Abwesenheit John Walls und ohne Tomáš Satoranský als Lückenfüller sind die Wizards eine der wenigen Mannschaften in der NBA mit großem Bedarf auf der Eins, den Neuzugang Ish Smith alleine nicht zu decken vermag. Thomas ist weiterhin vom Pech verfolgt, er wird den Saisonstart wegen eines gebrochenen Daumens verpassen – ihm ist zu wünschen, dass er endlich wieder die Füße aufs Parkett bekommt.

Beste Fünf
Smith – Beal – Miles – Hachimura – Bryant

Good News
+ Sheppard hat gute Voraussetzungen, das Team unter die Luxussteuergrenze zu drücken
+ Der Hachimura-Hype stärkt die Marke der biederen Wizards
+ Die Wizards sind kompetitiv und können dennoch junge Spieler entwickeln
+ Mit Rui Hachimura, Thomas Bryant, Moritz Wagner, Isaac Bonga, Troy Brown Jr. und Admiral Schofield haben die Wizards viel Talent im Alter von 22 Jahren oder jünger

Bad News
- 126 Mio. $ Cap für ein Team, das nicht einmal in der Eastern Conference garantiert in die Playoffs kommt – herzlichen Glückwunsch!
- John Walls Vertrag
- John Walls Vertrag
- John Walls Vertrag (sollte hier eigentlich noch ein paar Mal mehr stehen)


Was fehlt?
Um aus der Negativüberraschung des Vorjahres die Positivüberraschung der neuen Spielzeit zu werden fehlt gestandene Qualität. Auch wenn der Weg in die Eastern Conference Playoffs weiterhin nicht sonderlich steinig ist, geht Washington im Vergleich zu den weiteren Anwärtern auf Rang sieben bis acht im Osten gehobene Klasse neben Beal ab. Smith und Miles sind eher Rotationsspieler denn legitime Starter, die vielen Youngster werden ihre Zeit brauchen und sollte Wall während der Saison zurückkehren, macht das die Mannschaft auch nicht besser.

Check 1,2
Teambesitzer Ted Leonsis verkündete zu Beginn des Kalenderjahres lautstark, unter ihm würden die Wizards niemals gezielt in einen Rebuild gehen. jedoch sind derart große Töne nicht nur im politischen Washington mit Vorsicht zu genießen.

Der junge, noch sehr rohe Kader ist ein Schritt in diese Richtung, der bei (zu erwartendem) anhaltendem Misserfolg im ersten Saisondrittel weiter gegangen werden wird. Daher ist der bislang glücklose Coach Scott Brooks einer der heißesten Kandidaten auf die erste Trainerentlassung dieser Runde.

Die Rechnung, bitte