10 November 2019

10. Nov, 2019


Die noch junge Saison 2019/20 hält so manche Überraschung parat, positiv wie negativ. Für eine Einschätzung der frühen Entwicklung der neuen Spielzeit gibt der #NBACHEFSQUAD mehr als die metaphorischen Two Cents und spekuliert aus der Chefküche heraus mit den Wertpapieren eben jener Teams der Western Conference, die bislang das Chef-Orakel Lügen strafen. Kaufen, halten oder verkaufen... ?

von NBACHEFSQUAD  | 10. Nov, 2019



PHOENIX SUNS

Standings: 5-3 (62,5%)
Chef-Orakel: 24-58 (29,3%)

Stefan Dupick @hoopsgamede: Die Suns sind das Team der Stunde und sorgen für ordentlich Hype! Rubio und Baynes sind bereits integriert und es scheint sich ein echtes Team in Arizona zu formen. Letztlich ist der Westen aber zu stark, also verkaufen, so lange es noch geht.

Christoph Lenz @NBAKenner: Die Option halten ergibt vor allem dann Sinn, wenn weder kaufen noch verkaufen so richtig schlüssig scheinen. Die Suns sind eigentlich zu gut, um das langfristig halten zu können, andererseits ist auch eine so ausgedehnte Dürreperiode wie die letzten Jahre der Suns nicht auf Ewigkeiten realistisch. Die Wahrheit wird spätestens wenn DeAndre Ayton von seiner Sperre zurückkehrt und sich ins bisher gut funktionierende System einfügen muss, sichtbar werden.

Gerrit Lagenstein @GAL_Sports: Es gab seit dem Ende der Nash-Ära wohl keinen besseren Zeitpunkt, um Suns-Aktien zu verkaufen. Ricky Rubio scheint dem Team gut zu tun und aktuell gewinnen sie trotz der Sperre von Ayton. Aber mal ehrlich. Phoenix und eine 60-prozentige Siegesquote? Das kann nicht lange so weitergehen.

Yannick Zinsser @yannickznr: What? Die Suns auf einem Playoff-Platz? Phoenix hat in der noch jungen Saison schon öfters auf sich aufhorchen lassen, unter anderem als sie vor kurzem die bis dato ungeschlagenen 76ers besiegten. Klar wusste jeder, dass das Team viele talentierte Spieler hat, aber niemand meinte hiermit wohl Aron Baynes, der plötzlich den All-Star Modus angeschaltet hat. Leider muss ich den Suns Fans aber sagen, dass der Spieler immer noch Aron Baynes heißt und dieses Niveau nicht halten wird (oder der nächste Dopingfall der NBA wird demnächst bekannt gegeben). Somit würde ich die gerade hochdotierte Aktie schnellstmöglich verkaufen.

Daniel Schlechtriem @W14Pick: Kurze Anekdote: 2013/14 gingen die Suns auch als totale Außenseiter in die Saison, standen nach sieben Spielen bei 5-2 Siegen und hier an Ort und Stelle diskutierten wir, ob Phoenix 'for real' ist. Die meisten sagten Nein. Die Truppe um Goran Dragić, Eric Bledsoe, P.J. Tucker, die Morris-Zwillinge sowie Jeff Hornacek an der Seitenlinie belehrte uns eines Besseren, erreichte starke 48 Siege und verpasste um ein Haar die Playoffs. Was das mit den heutigen Suns zu tun hat? Nichts. Gar nichts. Geschichte wiederholt sich nicht immer. Die 2019/20 Suns sind anders als ihre Vorgänger nicht 'for real' und werden von der Western Conference früher oder später gefressen werden. Daher: Verkaufen.



SACRAMENTO KINGS

Standings: 3-6 (33,3%)
Chef-Orakel: 42-40 (51,2%)

Dupick: Die Kings waren das Hipster-Team der Vorsaison und haben sich zum Start der Saison für besser gehalten, als sie sind! Ohne Bagley fehlt hier aber auch viel Qualität, das Team wird sich fangen, daher kaufe ich.

Lenz: Die Frage die viele mit Blick auf die Kings stellen ist: Wie lange kann der Indien-Trip in der Preseason als Argument/Ausrede für schwache Leistungen dienen? Die Antwort muss zum aktuellen Zeitpunkt lauten „mindestens bis jetzt, aber nicht mehr allzu lange“. Auf der Basis scheint eine Verbesserung bis zum Saisonende in Richtung .500-Record realistisch. Also: Kings kaufen.

Lagenstein: Ich traue es mich kaum, es zu sagen. Aber in die Kings würde ich investieren. Der Start war grauenhaft. Aber so schlecht kann es unmöglich weitergehen. Vielleicht reicht es wieder nicht für die Playoffs. Aber aus der Region der besten Chancen auf den Nummer-Eins-Pick geht es definitiv raus. Kaufen.

Zinsser: Der letztjährige Saisonstart der Kings war furios. Der diesjährige den Erwartungen entsprechend. Das Team ist trotz gestandenen Spielern wie Ariza, Barnes oder Bogdanovic nicht auf Win-now ausgelegt, sondern soll sich mit dem Gerüst aus Fox-Hield-Bagley für die nächsten Jahre einspielen. Für die Playoffs ist das Team noch zu schlecht aber für die letzten Plätze in der NBA zu gut. Alles wie geplant und erwartet deshalb gilt es hier, die Aktie zu halten.

Schlechtriem: Ich habe dem Braten schon letztes Jahr nicht getraut, umso weniger überrascht mich, dass die Überflieger der Vorsaison auf dem Boden der Tatsachen angekommen sind. Von den vielen Talenten hat keines einen Sprung nach vorne gemacht, die Additionen von Ariza, Dedmon und Joseph sind ähnlich sinnbefreit wie die von Randolph, Hill und Carter in der jüngeren Vergangenheit. Sacramento steckt im Tief, deshalb sind ihre Aktien günstig zu haben. Das ist aber kein Grund zu kaufen, denn besser wird's nicht unbedingt – die Kings sind immer noch die Kings. Vivek, Vlade und die anderen Spaßvögel werden wieder und wieder Wege zur Selbstsabotage finden. Halten... aber auch nur, weil verkaufen zum jetzigen Tiefpreis keinen Sinn ergäbe.



MINNESOTA TIMBERWOLVES

Standings: 5-3 (62,5%)
Chef-Orakel: 31-51 (37,8%)

Dupick: Am besten gefällt mir, dass KAT der aktuell beste Dreierschütze der Liga ist! Offensichtlich macht Towns den nächsten Schritt, ebenso Wiggins, wenn auch auf einem anderen Niveau. Langfristig werden die Wolves das Level nicht halten können, also verkaufen (oder kommt es doch irgendwann zum D-Lo Trade!?).

Lenz: Der beste Towns aller Zeiten, der beste Wiggins aller Zeiten, ein passender Supporting Cast. Diese Faktoren machen die Wolves bisher zu einem Team das sich Chancen im Playoff-Rennen ausrechnen darf. Ob das mit den aktuellen Akteuren so bis Saisonende konserviert werden kann ist fraglich, allerdings schwirren um Minnesota auch noch die Namen Chris Paul und D’Angelo Russell, die per Trade nochmal für Schwung sorgen können. Insgesamt zu viele Fragezeichen um signifikante Bewegungen zu forcieren, daher: Halten!

Lagenstein: Die Wolves sind ein ewiges Mittelklasse-Team. Da wird es nicht viel bergauf oder bergab gehen. Dementsprechend empfehle ich halten. Der Start war besser als gedacht. In den nächsten Wochen werden aber auch wieder Phasen kommen, die schlechter sind als gedacht. Am Ende springt eine solide 50-Prozent-Bilanz dabei raus.

Zinsser: Die Wolves haben nur Towns? Denkste. Der von vielen schon aufgegebene Andrew Wiggins spielt wieder richtig guten Basketball und trifft auch wieder anständig von jenseits der Dreipunktelinie. Auch wenn die Saison noch jung ist, würde ich die gutstehende Aktie auf alle Fälle halten, da Wiggins alle Anlagen zum Superstar hat und meiner Meinung wieder ein Schritt nach vorne machen wird diese Saison. Towns liefert sowieso und bei Spielern wie Teague oder Covington bin ich guter Dinge, dass sie ihr ordentliches Niveau halten oder noch ein wenig improven im Laufe der Saison.

Schlechtriem: Die Schwächen der Warriors, Kings, Pelicans und bald auch Suns sind die große Chance der Timberwolves, zumal in Person von Gersson Rosas endlich Vernunft und Verstand am Schalthebel eingekehrt ist. Minnesota hat gestandenes Personal und in Karl-Anthony Towns einen legitimen All-Star... keine Selbstverständlichkeit, für ein Lottery-Team im Westen. Ich gehe Risiko und sage, die Wolves werden lange Zeit mindestens um Rang acht mitspielen. Folglich kaufe ich.



NEW ORLEANS PELICANS

Standings: 2-7 (22,2%)
Chef-Orakel: 43-39 (52,4%)

Dupick: Das Hipster-Team der aktuellen Saison... erstaunlich genug, dass die Pels vor der Saison noch nicht zum Contender gelobt wurden. Der Start war bescheiden, aber das ist auch ok, das Team ist im Umbruch und das braucht Zeit und dann kommt da ja auch irgendwann dieser eine Rookie auch noch zurück, es kann nur besser werden - kaufen!

Lenz: Die einzelnen Pelicans sehen gar nicht schlecht aus, aber als Team reicht es bisher nicht zu großen Sprüngen. Der große X-Faktor heißt Zion Williamson und wartet noch auf sein NBA-Debüt. Ob er alles auf den Kopf stellen kann und als Debütant in der Rolle des gleichzeitigen Superstar und Glue-Guy die Pelicans in bessere Sphären führen kann ist mindestens fraglich. Allerdings geht es auch nicht viel schlechter als zu Saisonbeginn, weshalb hier der Mittelweg halten vernünftig scheint.

Lagenstein: Ganz klare Kauf-Empfehlung. Der Kurs wird wahrscheinlich noch ein paar Wochen sinken oder im Keller bleiben. Aber spätestens wenn Zion zurückkehrt, verfügt das Team über das größte Upside der Western Conference. Da ist wichtig, jetzt noch zuzuschlagen.

Zinsser: Was hat man sich nicht gefreut auf dieses Team? Und kurz vor Saisonstart verletzt sich der schon vor Saisonbeginn sichere ROTY und No. 1 Pick Zion Williamson. Viele würden jetzt sagen: „Kein Wunder, dass die Pels auf dem letzten Platz im Westen stehen“, aber wenn man genauer hinschaut, sind da trotzdem noch Spieler wie: Holiday, Ingram, Ball oder Redick auf dem Platz. Da Zion aber in absehbarer Zeit zurückkommt und dieses Team in jedem Fall zu einem besseren Team machen wird, kaufe ich die günstige Aktie.

Schlechtriem: Die bislang größte Enttäuschung. Zion hin oder her: Favors, Redick, die Lakers-Rejects, Holiday als Speerspitze... auf dem Papier liest sich der Kader der Pelikane deutlich besser als diese miserable Zwischenbilanz. Sich aus diesem Loch zu ziehen wird praktisch unmöglich, dafür ist der Westen zu erbarmunglos. Der restliche November birgt ein deftiges Programm, entsprechend schnell werden die Playoff-Träume ausgeträumt sein. Würden wir saisonübergreifend denken, ist die Aktie klar zu halten. So läuft das Spiel aber nicht. Für diese Spielzeit gilt klipp und klar. Das wird nichts mehr. Weg damit, so schnell es geht, verkaufen!



PORTLAND TRAIL BLAZERS

Standings: 3-6 (33,3%)
Chef-Orakel: 51-31 (62,2%)

Dupick: Die Blazers sehen aktuell gar nicht gut aus, der Ausfall von Collins schmerzt! Ich würde dennoch kaufen, denn ich glaube an Dame und CJ und an den einen oder anderen Trade (hust Love/Gallo hust)

Lenz: Alles hat eine Ende nur die Wurst hat zwei. Getreu diesem Motto wird nun seit mindestens drei Jahren alljährlich das Ende des Lillard/McCollum-Backcourts beschworen. Angesichts der Geschwindigkeit, in der die NBA sich mittlerweile bewegt, scheint die Mindesthaltbarkeit des Duos tatsächlich ungewöhnlich lang überschritten, ohne, dass das Produkt wirklich schlecht wurde. Da aber tatsächlich alles ein Ende hat und die Blazers durch einen solch offensiven Move nochmal Schwung holen können, sage ich hier kaufen, denn Portland mit Lillard auf MVP-Niveau und einem durchgewürfelten Support wird in die Playoffs stürmen.

Lagenstein: Der Start war mies. Aber mal ehrlich: Die Blazers waren letzte Saison in den Conference Finals. Das wieder zu erwarten, wäre vielleicht vermessen. Alles andere als ein erneuter Einzug in die Playoffs wäre jedoch eine der größten Enttäuschungen der Saison. Für diese Prognose bin ich nach knapp zehn Spielen noch nicht bereit. Deshalb kaufe ich und hoff auf Besserung.

Zinsser: Wenn ich an die Blazers denke, habe ich immer noch diesen unglaublichen Gamewinner von Lillard aus den letztjährigen Playoffs im Kopf. Aber mittlerweile hat schon die neue Saison begonnen und die Blazers sind wohl mit dem Kopf auch noch nicht ganz angekommen. Die kürzliche Niederlage gegen die Santa Cruz Warriors... ähh... Golden State Warriors natürlich, verdeutlichte dies nochmal. Der Ausfall von Collins kommt nun noch hinzu. Schlechter wird das Team nicht. Und der Backcourt ist nach wie vor nicht der schlechteste. Deshalb wäre hier eine Investition in eine günstige Aktie sinnvoll. Kaufen!

Schlechtriem: Klar, die Blazers sind besser, als die Zwischenbilanz aussagt. Verkaufen kommt also nicht infrage. Doch reicht der Backcourt alleine, um zu investieren? Der Tausch von Harkless und Aminu zu Whiteside und Bazemore sieht so schlecht aus, wie das Papier es vermutete. Ich glaube nicht an die Blazers. Weil die Aktie allerdings derzeit im Keller ist, kaufe ich, um sie dann in Richtung Playoffs wieder abzustoßen.